{"id":801,"date":"2020-06-29T17:48:34","date_gmt":"2020-06-29T14:48:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-vorstos-von-markus-soder-in-bayern-wie-sinnvoll-sind-massentests-fur-alle\/"},"modified":"2020-06-29T17:48:34","modified_gmt":"2020-06-29T14:48:34","slug":"corona-vorstos-von-markus-soder-in-bayern-wie-sinnvoll-sind-massentests-fur-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-vorstos-von-markus-soder-in-bayern-wie-sinnvoll-sind-massentests-fur-alle\/","title":{"rendered":"Corona: Vorsto\u00df von Markus S\u00f6der in Bayern &#8211; Wie sinnvoll sind Massentests f\u00fcr alle?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f8697fa8-a368-4a8a-803c-2a234709dd75_w948_r1.77_fpx55_fpy60.jpg\" title=\"Patient bei Probenentnahme: Auch ein negativer Test ist kein Freifahrtschein\" alt=\"Patient bei Probenentnahme: Auch ein negativer Test ist kein Freifahrtschein\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Patient bei Probenentnahme: Auch ein negativer Test ist kein Freifahrtschein<\/p>\n<p> Noah Wedel\/ imago images\/Noah Wedel <\/figcaption><\/figure>\n<p>Markus S\u00f6der ist mal wieder Erster. Schon beim Verh\u00e4ngen von Ausgangsbeschr\u00e4nkungen im M\u00e4rz war der bayerische Ministerpr\u00e4sident der Schnellste, ebenso zuletzt beim Beherbergungsverbot f\u00fcr G\u00e4ste aus dem neuen Virus-Hotspot in G\u00fctersloh. Nun also Corona-Tests f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>In Bayern soll k\u00fcnftig jeder die Chance haben, sich kostenlos testen zu lassen, auch wenn es keinen Hinweis auf eine Infektion gibt, k\u00fcndigte die Landesregierung am Sonntag an. &quot;Das ist die einzige ernsthafte Option, es wird sonst zu wenig getestet&quot;, begr\u00fcndete Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der die Entscheidung und wehrte sich damit gegen Kritik. &quot;Wir warten nicht auf endlose Gespr\u00e4che zwischen einzelnen Kostentr\u00e4gern, sondern wir gehen in Vorleistung.&quot;<\/p>\n<p>Das Testkonzept des Freistaats wurde schon vor gut anderthalb Wochen vorgestellt, doch erst jetzt h\u00e4ufen sich die kritischen Stimmen.<\/p>\n<h3>Was f\u00fcr den Ansatz spricht<\/h3>\n<p>Untersuchungen haben gezeigt, dass Infizierte sehr wahrscheinlich andere anstecken k\u00f6nnen, bevor sie Symptome haben, oder dass sie selbst \u00fcberhaupt keine Beschwerden entwickeln. Massentests sollen die Chance erh\u00f6hen, diese F\u00e4lle aufzusp\u00fcren, die im Normalfall meist unentdeckt bleiben. Denn je schneller ein Infektionsherd erkannt wird, umso besser l\u00e4sst er sich eind\u00e4mmen.<\/p>\n<p>&quot;Diese Tests sind sinnvoll, weil wir kein anderes Instrument haben, z\u00fcgig und schnell eine Infektionskette zu erkennen&quot;, lobte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, den Vorsto\u00df Bayerns. &quot;Mit vorbeugenden Tests haben wir die M\u00f6glichkeit, Gefahrenlagen festzustellen.&quot; Wom\u00f6glich lie\u00dfen sich durch Massentests auch erneute regionale Corona-Beschr\u00e4nkungen verhindern, wie sie nun in G\u00fctersloh und Warendorf gelten.<\/p>\n<p>Bundesweit wurden in den vergangenen Monaten die Testkapazit\u00e4ten deutlich ausgebaut. Allein in Bayern k\u00f6nnen 21.000 Menschen pro Tag getestet werden. Absolute Sicherheit bringen jedoch auch die nun versprochenen Tests nicht.<\/p>\n<h3>Und was dagegenspricht<\/h3>\n<p>PCR-Tests sind nur eine Momentaufnahme. Bei dem Verfahren werden menschliche Proben &#8211; meist aus dem Rachen oder der Nase &#8211; nach dem Erbgut des Coronavirus Sars-CoV-2 durchforstet. F\u00e4llt ein Test positiv aus, ist der Betroffene nachweislich zum Zeitpunkt der Probenentnahme infiziert.<\/p>\n<p>Allerdings schlie\u00dft ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht aus (Mehr dazu lesen Sie hier). So schlagen PCR-Tests laut einer Studie im Fachblatt &quot;Annals of Internal Medicine&quot; h\u00e4ufig nicht an, wenn noch keine Beschwerden auftreten. Am ersten Tag nach der vermuteten Infektion fielen die Tests in 100 Prozent der untersuchten F\u00e4lle negativ aus, obwohl die Patienten infiziert waren.<\/p>\n<p>Massentests k\u00f6nnten deshalb gerade in dem Punkt versagen, f\u00fcr den sie vor allem vorgesehen sind: Infektionen m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig aufzusp\u00fcren, um Ansteckungen zu verhindern.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr den Einzelnen bietet ein negatives Testergebnis nur wenig Mehrwert. Die Betroffenen wissen dann, dass sie zu dem Zeitpunkt der Probenentnahme wahrscheinlich nicht infiziert waren, das k\u00f6nnte sich aber schon in der Sekunde nach dem Test \u00e4ndern. Ein negatives Testergebnis d\u00fcrfe nicht in falscher Sicherheit wiegen, mahnt auch Gesundheitsminister Jens Spahn.<\/p>\n<p>Corona-Massentests k\u00f6nnen auch dabei helfen, die Dunkelziffer aufzukl\u00e4ren. Wahllos alle zu testen, die das wollen, ergibt jedoch wenig Sinn, da sich im Nachhinein nicht sicher feststellen l\u00e4sst, ob die Ergebnisse auch auf den Rest der Bev\u00f6lkerung \u00fcbertragbar sind. Zuverl\u00e4ssige Ergebnisse sollen Antik\u00f6rperstudien liefern, die bereits angelaufen sind.<\/p>\n<p>Die Hoffnung, in Deutschland k\u00f6nnte sich unbemerkt ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung angesteckt haben, wie nun j\u00fcngste Untersuchungen f\u00fcr Ischgl zeigen, ist jedoch tr\u00fcgerisch. Selbst wenn sich hierzulande bis zu zehnmal mehr Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben sollten als bekannt &#8211; was Modellrechnungen auch f\u00fcr andere L\u00e4nder f\u00fcr plausibel halten -, h\u00e4tten sich bisher nur 2,3 Prozent der Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert.<\/p>\n<h3>Mehr Tests ja &#8211; aber f\u00fcr alle?<\/h3>\n<p>Die kostenlosen Tests in Bayern sind ein weiterer Beleg, dass es mit der Einigkeit der Bundesl\u00e4nder bei der Bek\u00e4mpfung der Pandemie vorbei ist. S\u00f6der, den viele schon als m\u00f6glichen Kanzlerkandidaten handeln, auch wenn er selbst solche Pl\u00e4ne abstreitet, gilt als Corona-Hardliner.<\/p>\n<p>Dass S\u00f6der als erster Landeschef kostenlose Tests f\u00fcr alle erm\u00f6glicht, w\u00e4hrend die Menschen im Rest der Republik selbst zahlen m\u00fcssen, wenn es keinen Grund f\u00fcr einen Test gibt, d\u00fcrfte seine Amtskollegen unter Druck setzen.<\/p>\n<p>So mutma\u00dfte bereits der SPD-Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen, Thomas Kutschaty, in der &quot;Rheinischen Post&quot;, Armin Laschet k\u00f6nnte dem Beispiel S\u00f6ders folgen. Andere Bundesl\u00e4nder wie Sachsen-Anhalt und Hamburg schlie\u00dfen kostenlose Tests f\u00fcr alle dagegen derzeit aus. Daf\u00fcr seien die Infektionszahlen zu gering, hie\u00df es aus Sachsen-Anhalt. Hamburg beruft sich auf das Robert Koch-Institut (RKI), das ungezielte Testungen f\u00fcr wenig sinnvoll h\u00e4lt, weil auch ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht ausschlie\u00dft. <\/p>\n<p>&quot;Es geht alles drunter und dr\u00fcber, jedes Bundesland macht, was es will&quot;, monierte Patientensch\u00fctzer Brysch. &quot;Das ist f\u00fcr mich und auch f\u00fcr viele Patienten au\u00dferordentlich unbefriedigend.&quot;<\/p>\n<p>Dabei gibt es l\u00e4ngst ein bundesweites Konzept, das eine deutliche Ausweitung der Tests vorsieht. &quot;Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn sich alle, die sich auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt haben, auch daran hielten&quot;, kritisierte CDU-Gesundheitsexpertin Karin Maag in der &quot;Augsburger Allgemeinen&quot;.<\/p>\n<p>Das Testkonzept des Bundes sieht vor, dass jeder auf Corona getestet werden soll, der station\u00e4r im Krankenhaus behandelt wird. Auch Reihentests in Pflegeeinrichtungen, Kitas oder Schulen sind ausdr\u00fccklich vorgesehen, \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sind angehalten, auch bei einfachen Erk\u00e4ltungssymptomen auf das Coronavirus zu testen.<\/p>\n<h3>Die richtigen Leute testen<\/h3>\n<p>Ob kostenlose Tests f\u00fcr alle einen wirklichen Mehrwert bringen, ist fraglich. So mahnte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass es zwar richtig sei, die Testkapazit\u00e4ten weiter auszubauen. Es m\u00fcssten aber auch die richtigen Leute getestet werden. &quot;Neue Studien deuten darauf hin, dass es st\u00e4rker auf die H\u00e4ufigkeit der Tests ankommt, in welchen Abst\u00e4nden ich Risikopersonen regelm\u00e4\u00dfig teste&quot;, so Lauterbach.<\/p>\n<p>Auch wenn Deutschland die Testkapazit\u00e4ten zuletzt nicht mal ann\u00e4hernd ausgesch\u00f6pft hat, sind die Ressourcen endlich. Kostenlose Tests f\u00fcr alle &#8211; darin sind sich alle einig &#8211; d\u00fcrfen deshalb nicht auf Kosten derer gehen, die sie wirklich brauchen. So sollen auch in Bayern weiterhin symptomatische Verdachtsf\u00e4lle bevorzugt werden.<\/p>\n<p>Effektiver als Massentests f\u00fcr jeden, sind gezielte Untersuchungen in Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kinderg\u00e4rten. Auf dieses Konzept setzt Berlin, wo sich seit Montag Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auf das Coronavirus testen lassen k\u00f6nnen, auch wenn sie keine Symptome haben. B\u00fcrgermeister Michael M\u00fcller (SPD) k\u00fcndigte an, dass die Regelung voraussichtlich ab der zweiten Julih\u00e4lfte auch auf Personal an Schulen ausgeweitet werden soll.<\/p>\n<p>&quot;Einfach nur viel testen klingt gut, ist aber ohne systematisches Vorgehen nicht zielf\u00fchrend&quot;, schrieb Spahn am Montag bei Twitter. &quot;Denn es wiegt in falscher Sicherheit, erh\u00f6ht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandene Testkapazit\u00e4t.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Patient bei Probenentnahme: Auch ein negativer Test ist kein Freifahrtschein Noah Wedel\/ imago images\/Noah Wedel Markus S\u00f6der ist mal wieder Erster. 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