{"id":798,"date":"2020-06-29T14:02:47","date_gmt":"2020-06-29T11:02:47","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kommunalwahl-in-frankreich-emmanuel-macron-und-die-grune-welle\/"},"modified":"2020-06-29T14:02:47","modified_gmt":"2020-06-29T11:02:47","slug":"kommunalwahl-in-frankreich-emmanuel-macron-und-die-grune-welle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/kommunalwahl-in-frankreich-emmanuel-macron-und-die-grune-welle\/","title":{"rendered":"Kommunalwahl in Frankreich: Emmanuel Macron und die gr\u00fcne Welle"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/2aed546e-8d77-4abc-b041-fc2887eb938a_w948_r1.77_fpx60_fpy19.jpg\" title=\"Pr\u00e4sident im gr\u00fcnen Dickicht: Die Franzosen haben Macron abgestraft\" alt=\"Pr\u00e4sident im gr\u00fcnen Dickicht: Die Franzosen haben Macron abgestraft\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Pr\u00e4sident im gr\u00fcnen Dickicht: Die Franzosen haben Macron abgestraft<\/p>\n<p> CHRISTIAN HARTMANN\/POOL\/EPA-EFE\/Shutterstock <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist vor allem ein kalendarischer Zufall, dass der erste und zweite Wahlgang der Kommunalwahlen in Frankreich in diesem Corona-Jahr zwei entscheidende Zeitpunkte markieren:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Der 14. M\u00e4rz war einer der letzten Tage in Freiheit vor dem strengen acht Wochen lang w\u00e4hrenden Shutdown im Land.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Der zweite Wahlgang am Sonntag scheint nun die langsame R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Franzosen haben f\u00fcr diesen Schritt l\u00e4nger gebraucht als andere Europ\u00e4er: Erst in diesen Tagen er\u00f6ffnen wieder die gro\u00dfen Museen in Paris, ebenso wie die Hotels.<\/p>\n<p>Die Zeit zwischen diesen beiden Daten hat ihre Spuren hinterlassen:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Unendlich weit weg erscheint schon jetzt der Wahlkampf Anfang des Jahres und der Skandal um das Masturbationsvideo von Benjamin Grieveaux, Macrons Kandidaten in Paris, das zu dessen R\u00fccktritt f\u00fchrte.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>Wie aus einer anderen Zeit wirkt heute die Fernsehdebatte zwischen seiner Nachfolgekandidatin Agn\u00e8s Buzyn von La R\u00e9publique en Marche (LREM) mit ihren beiden Mitbewerberinnen, der amtierenden sozialistischen B\u00fcrgermeisterin Anne Hidalgo und der konservativen Rachida Dati. \u00dcber 20 Minuten lang ging es damals um \u00f6ffentliche Toiletten in Paris. Inzwischen hat man andere Sorgen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Entscheidung, die zweite Runde der Kommunalwahlen in den St\u00e4dten und Gemeinden, in denen eine Stichwahl anstand, noch vor der gro\u00dfen Sommerpause stattfinden zu lassen, traf Pr\u00e4sident Emmanuel Macron vor einigen Wochen pers\u00f6nlich und das wohl aus zwei Gr\u00fcnden:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Das wissenschaftliche Komitee, das die Regierung seit Ausbruch der Pandemie ber\u00e4t, sah keinen Grund, die Abstimmung abzusagen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Ebenso entscheidend aber d\u00fcrfte die \u00dcberlegung gewesen sein, die absehbare Niederlage von &quot;En Marche&quot; so schnell wie m\u00f6glich hinter sich zu lassen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>M\u00f6glichst weit weg auf jeden Fall von der f\u00fcr den Herbst erwarteten schweren Wirtschaftskrise und mit maximalem Abstand zum Auftakt des Wahlkampfes f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Mai 2022, bei denen Macron erneut kandidieren m\u00f6chte.  <\/p>\n<h3>60 Prozent der Franzosen gingen nicht zur Wahl<\/h3>\n<p>Und tats\u00e4chlich brachte der gestrige Sonntagabend wenig gute Nachrichten f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten: 60 Prozent der Franzosen enthielten sich der Wahl, ein historischer Rekord, den es noch zu analysieren gilt. Viele aber scheuten wohl, ersten Umfragen zufolge, aus Angst vor dem Virus den Weg in die Wahllokale, in Frankreich gibt es keine Briefwahl.<\/p>\n<p>Als gescheitert gelten darf auch das selbst gesetzte Ziel der Regierungspartei, auch endlich auf dem Land, in kleineren St\u00e4dten und Gemeinden politisch vertreten zu sein &#8211;  also \u00fcberall dort, wo die junge Partei, die vor drei Jahren aus der politischen Bewegung Macrons entstanden war, bisher noch nicht vorkam und nicht vorkommen konnte. Kommunalwahlen finden nur alle sechs Jahre statt.<\/p>\n<p>Aber noch nicht mal in gr\u00f6\u00dferen und mittelgro\u00dfen St\u00e4dten gelang es LREM, die Rath\u00e4user zu erobern. Bordeaux, Stra\u00dfburg und Lyon werden demn\u00e4chst gr\u00fcne B\u00fcrgermeister haben und es bleibt unverst\u00e4ndlich, warum die Regierungspartei, die eine nachhaltige Umweltpolitik zu einem ihrer zentralen Programmpunkte gemacht hat, in diesen drei St\u00e4dten auch noch eine Allianz mit den konservativen Republikanern einging, um die gr\u00fcnen Kandidaten zu verhindern.<\/p>\n<p>Bei vielen jungen W\u00e4hlern wird sie damit langfristig an Glaubw\u00fcrdigkeit einb\u00fc\u00dfen. Der gr\u00fcne Siegeszug im bisher nicht so gr\u00fcnen Frankreich ist das \u00fcberraschendste Ergebnis dieser Wahl. Der Gr\u00fcnen-Politiker und Europaabgeordnete Yannick Jadot stellte &quot;einen politischen Wendepunkt f\u00fcr unser Land&quot; fest. Der Erfolg seiner Partei, so Jadot, sei auch eine &quot;Reaktion auf die Unf\u00e4higkeit der Regierung, Angebote zu \u00f6kologischen und sozialen Fragen zu machen&quot;.<\/p>\n<h3>Bittere Niederlage in Paris<\/h3>\n<p>Am bittersten, so absehbar sie auch war, ist f\u00fcr die Regierungspartei wohl die Niederlage in Paris, dort, wo Emmanuel Macrons Bewegung einst so eindeutig siegte. Die LREM-Kandidatin Agn\u00e8s Buzyn, die nach dem Sextape-Skandal um Grieveaux eingesprungen war und daf\u00fcr ihren Posten im Gesundheitsministerium aufgegeben hatte, galt zwar seit langem als chancenlos.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit sie &quot;Le Monde&quot; nach dem ersten Wahlgang ein bizarres Interview gegeben hatte, in dem sie erkl\u00e4rte, schon sehr fr\u00fch gesehen zu haben, wie der &quot;Tsunami Corona&quot; auf Frankreich zurolle, weshalb sie auch gegen die Ausrichtung der Wahl am 14. M\u00e4rz gewesen sei, setzte niemand mehr ernsthaft auf sie. Ihr Ergebnis vom Sonntagabend ist mit 13 Prozent nun aber so niedrig, dass Buzyn es noch nicht mal in den Pariser Stadtrat schaffen wird.<\/p>\n<p>Umso eindeutiger siegte die amtierende, sozialistische B\u00fcrgermeisterin Anne Hidalgo, die seit Jahren f\u00fcr eine entschiedene Umweltpolitik in der Hauptstadt steht: Hidalgo erhielt \u00fcber 48 Prozent der Stimmen.<\/p>\n<p>Ihre konservative Konkurrentin, die ehemalige Justizministerin Rachida Dati, lag mit 32 Prozent weit hinter ihr. Die Gr\u00fcnen, mit denen Hidalgo vor dem zweiten Wahlgang eine Allianz eingegangen war, kamen auf knapp elf Prozent.<\/p>\n<p>Marine Le Pens rechtspopulistische Partei &quot;Rassemblement National&quot; (RN) trat in der Hauptstadt gar nicht erst an, konnte aber auch im Rest des Landes nicht wirklich hinzugewinnen. Lediglich der ehemalige Lebensgef\u00e4hrte Le Pens, Louis Aliot, errang einen symbolisch wichtigen Sieg in der Mittelmeerstadt Perpignan &#8211; mit einer Liste, auf der der Parteiname nicht einmal erw\u00e4hnt wird.<\/p>\n<h3>Premier Philippe holt klaren Sieg in Le Havre<\/h3>\n<p>Bleibt als einzig erfreuliche Nachricht f\u00fcr die Regierungspartei der klare Sieg von Premierminister Edouard Philippe in seiner Heimatstadt Le Havre: \u00dcber 58 Prozent erzielte der 49-J\u00e4hrige dort. Seit Tagen wird in Paris dar\u00fcber spekuliert, ob Philippe bei der von Macron angek\u00fcndigten Regierungsumbildung Premierminister bleiben wird oder nicht.<\/p>\n<p>Der Sieg in Le Havre hat seine Position nun gefestigt. Dar\u00fcber hinaus g\u00e4be es aber auch noch andere gute Gr\u00fcnde, ihn auf dem Posten zu behalten: Sollte der Pr\u00e4sident sich von ihm trennen, k\u00f6nnte der bis dahin sehr loyale Philippe zum ernst zunehmenden Konkurrenten f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahl 2022 werden.<\/p>\n<p>Angeblich wollen die beiden M\u00e4nner noch am Montag miteinander reden. Kurz darauf wird Macron ins brandenburgische Meseberg fahren, um mit der deutschen Kanzlerin vor Beginn der deutschen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft zu diskutieren. Morgen fliegt er nach Mauretanien, um mit Regierungschefs der Sahelzone zu sprechen \u2013 geographisch wie inhaltlich ist das maximal weit weg vom \u00c4rger zu Hause.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Pr\u00e4sident im gr\u00fcnen Dickicht: Die Franzosen haben Macron abgestraft CHRISTIAN HARTMANN\/POOL\/EPA-EFE\/Shutterstock Es ist vor allem ein kalendarischer Zufall, dass der erste und zweite Wahlgang der Kommunalwahlen in Frankreich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-798","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/798","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=798"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/798\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=798"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=798"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=798"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}