{"id":778,"date":"2020-06-28T14:58:40","date_gmt":"2020-06-28T11:58:40","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-sudafrika-mit-dem-zusammenbruch-des-tourismus-wird-die-wilderei-zunehmen\/"},"modified":"2020-06-28T14:58:40","modified_gmt":"2020-06-28T11:58:40","slug":"corona-in-sudafrika-mit-dem-zusammenbruch-des-tourismus-wird-die-wilderei-zunehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-sudafrika-mit-dem-zusammenbruch-des-tourismus-wird-die-wilderei-zunehmen\/","title":{"rendered":"Corona in S\u00fcdafrika: Mit dem Zusammenbruch des Tourismus wird die Wilderei zunehmen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1a1f0feb-7537-427f-bdad-49d346e7d1c3_w948_r1.77_fpx67_fpy62.jpg\" title=\"S\u00fcdafrikanisches Nashorn nach einem Angriff durch Wilderer\" alt=\"S\u00fcdafrikanisches Nashorn nach einem Angriff durch Wilderer\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">S\u00fcdafrikanisches Nashorn nach einem Angriff durch Wilderer<\/p>\n<p> Adrian Steirn\/ dpa <\/figcaption><\/figure>\n<p>In den Ausl\u00e4ufern des Acornhoek Townships, weit im Norden S\u00fcdafrikas, unweit des Kruger-Nationalparks, steht Prince Nkuna an einem kleinen Tor aus Maschendraht und trauert dem Traum nach, der platze, als das Coronavirus kam. Ein st\u00e4mmiger Mann, mit sch\u00fcchternem L\u00e4cheln, in Shorts und Flipflops. Seit er ein kleiner Junge war, wollte er Ranger werden in einem der vielen Wildtierreservate, f\u00fcr die die Gegend ber\u00fchmt ist.<\/p>\n<p>&quot;Vor sechs Monaten habe ich meinen Traumjob bekommen, im Balule Reservat&quot;, sagt er und schaut auf seine kleine H\u00fctte aus unverputzten grauen Klinkern, vor der er ein kleines Feld angelegt hat, auf dem Mais und Tomaten wachsen. Das ist alles, was er noch hat, um seine Familie zu ern\u00e4hren. Im April hat er den Job wieder verloren. &quot;Uns wurde versprochen, dass wir Geld von der Regierung bekommen. Aber bisher ist nichts angekommen&quot;, sagt er.<\/p>\n<p>Wie Hunderttausende hier im Norden S\u00fcdafrikas, wo der Kruger- und der Greater Kruger-Park liegen, ist Nkuna angewiesen auf die Arbeit, die die internationalen Touristen schaffen, die jedes Jahr in Massen in die Wildtierreservate str\u00f6men. Elefanten, L\u00f6wen, Nash\u00f6rner, Giraffen und B\u00fcffel, die sogenannten Big Five sind eine wichtige Marke f\u00fcr den s\u00fcdafrikanischen Tourismus. Der nun aber aufgrund der Corona-Pandemie fast vollst\u00e4ndig zum Erliegen gekommen ist.<\/p>\n<p>Erst ab Februar 2021, so die s\u00fcdafrikanische Regierung, wolle man das Land wieder f\u00fcr internationale Besucher \u00f6ffnen. So lange aber werden viele Lodges und Hotels nicht durchhalten. So lange werden die Restaurants und Souvenirverk\u00e4ufer nicht \u00fcberleben. Und nicht nur hier. Eine Milliarden-Euro-Industrie in ganz Afrika steht vor dem Abgrund. <\/p>\n<p>Vom Okowango-Delta in Botswana \u00fcber den Kruger-Nationalpark in S\u00fcdafrika bis zum Samburu-Nationalpark in Kenia verlieren Gemeinden, die vom Safaritourismus lebten, ihre Lebensgrundlage. Hunderttausende verlieren ihre Arbeit. Millionen Menschen leiden darunter. Und wahrscheinlich auch die Tiere, die die Touristen anziehen. <\/p>\n<p>In S\u00fcdafrika, Botswana, Kenia, Ruanda, Tansania, Uganda und Sambia setzt die Safari-Industrie rund 12,4 Milliarden Dollar im Jahr um, so eine Sch\u00e4tzung der Firma SafariBookings. Geld, das nun nicht mehr flie\u00dft. Eine Untersuchung des Unternehmens, die \u00fcber 300 Touranbieter umfasste, kam zu dem Ergebnis, dass fast alle einen mindestens 75-prozentigen R\u00fcckgang ihrer Buchungen verzeichnen.<\/p>\n<p>Andy Payne, Mitbesitzer und Betreiber des Thornybush-Reservats, ein bekanntes Gesicht in der Branche, ist seit 30 Jahren im Gesch\u00e4ft und versteht seine Regierung nicht. &quot;Wenn sie schon jetzt sagen, es werde vor n\u00e4chstem Jahr keinen Tourismus geben, zerst\u00f6ren sie Buchungen f\u00fcr das ganze n\u00e4chste Jahr. Und der Tourismus ist eine der Lebensadern dieses Landes.&quot;<\/p>\n<p>Die Angst sei sehr gro\u00df, sagt er auf der Terrasse einer Luxuslodge in der N\u00e4he der Safaristadt Hoedspruit. Ein paar Warzenschweine trinken am Wasserloch zu seinen F\u00fc\u00dfen. &quot;Wir befinden uns noch am Anfang. In zwei Monaten wird die Lage der Industrie richtig schlimm sein und sich dann exponentiell weiter verschlimmern. Schlimmer und schlimmer wird es werden.&quot; <\/p>\n<h3>Hunderttausende Jobs verschwinden<\/h3>\n<p>Die Regierung verstehe noch immer nicht, wie gro\u00df die Bedeutung des Tourismus eigentlich sei, sagt er. &quot;Die Abschottung wird der Tourismussektor hier nicht verkraften.&quot; Laut Payne kursieren in der Industrie Sch\u00e4tzungen, dass in S\u00fcdafrika rund eine Million Jobs in der Branche auf dem Spiel stehen. <\/p>\n<p>Der Tourismusminister Mmamoloko Kubayi-Ngubane warnte im Mai, dass bis zu 600.000 Arbeitspl\u00e4tze verloren gehen k\u00f6nnten. Und das bei einer Schlie\u00dfung des Sektors nur bis September.<\/p>\n<p>&quot;Und ich glaube nicht, dass viele dieser Jobs schnell wiederkommen werden&quot;, sagt Payne. Auch er rechnet damit, seine Kapazit\u00e4ten um die H\u00e4lfte reduzieren zu m\u00fcssen, und hofft, dann langsam wieder aufbauen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Damit k\u00f6nnte er sich wom\u00f6glich noch gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Im vergangenen Monat befragte die lokale Tourismusbeh\u00f6rde in der Kruger-Lowveld-Region fast 500 Tourismusbetriebe. 90 Prozent sagten, sie glaubten nicht, die Pandemie wirtschaftlich \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Mehr als zwei Drittel h\u00e4tten bereits begonnen, ihre Angestellten zu entlassen. Dass viele Reservate nun wieder f\u00fcr Tagesg\u00e4ste ge\u00f6ffnet werden, hilft ihnen nur wenig.<\/p>\n<h3>Die Tierwelt wird leiden<\/h3>\n<p>Payne bef\u00fcrchtet zudem, dass auch die Natur leiden wird. &quot;Nat\u00fcrlich kann man als Purist sagen, dass das Wegfallen des Tourismus gut f\u00fcr die Umwelt ist&quot;, sagt er. &quot;Aber das ist ein zweischneidiges Schwert, denn ein gro\u00dfer Teil des Geldes, das durch den Tourismus generiert wurde, floss in den Schutz der Natur.&quot; <\/p>\n<p>Es steht zu bef\u00fcrchten, dass nun ein Kreislauf angesto\u00dfen werden k\u00f6nnte: Immer mehr Leute verarmen, und je \u00e4rmer sie werden, desto \u00f6fter werden sie wildern. &quot;Die Kriminalit\u00e4t allgemein wird ansteigen&quot;, so Payne. <\/p>\n<p>Bisher ist im Kruger-Nationalpark und den angrenzenden Reservaten kein Anstieg zum Beispiel der lukrativen Nashornwilderei zu beobachten. Die Grenzen sind geschlossen. Der Export ist schwierig. Einige Anti-Wilderei-Einheiten verk\u00fcnden aber bereits einen Anstieg der sogenannten Bushmeat-Wilderei, des Wilderns von Antilopen und anderem Wild, von dessen Fleisch die Menschen sich ern\u00e4hren k\u00f6nnen. <\/p>\n<h3>Hungrige Menschen werden jagen<\/h3>\n<p>&quot;Bullshit&quot;, sagt Craig Spencer, Leiter des Balule-Reservats und Chef der dortigen Anti-Wilderei-Einheit, w\u00e4hrend er in seinem rostigen Landrover sitzt, auf eine Elefantenherde schaut und eine billige mosambikanische Zigarette raucht. <\/p>\n<p>Spencer glaubt den Warnrufen anderer Anti-Wilderei-Einheiten nicht. Er und seine Leute h\u00e4tten in ihrem Reservat noch keinen Anstieg beobachten k\u00f6nnen. Es werde so viel gewildert wie sonst auch. &quot;Viele Anti-Wilderei-Einheiten haben nun gro\u00dfe Angst um ihre Arbeit. Sie m\u00fcssen jetzt ihre Existenz rechtfertigen, deswegen diese Behauptungen.&quot; Die Zukunft der Tierwelt in den Reservaten k\u00f6nnte aber durchaus d\u00fcster aussehen, glaubt auch Spencer.<\/p>\n<p>Denn viele, gerade kleinere Reservate und Lodges werden sich Anti-Wilderei-Einheiten bald nicht mehr in dem gewohnten Ma\u00dfe leisten k\u00f6nnen. &quot;Und all die Leute, die wir jetzt entlassen m\u00fcssen, kennen die Reservate wie ihre Westentaschen. Irgendwann werden einige von ihnen dann in die Reservate kommen und jagen&quot;, sagt Spencer, der fr\u00fcher f\u00fcr die Regierung Seeohren-Wilderer jagte. <\/p>\n<h3>&quot;Elefanten und B\u00fcffel k\u00f6nnten wieder mehr geschossen werden&quot;<\/h3>\n<p>&quot;Was sollen die Leute machen, wenn sie kein Geld f\u00fcr Essen haben?&quot;, fragt er und f\u00e4hrt langsam r\u00fcckw\u00e4rts, nachdem er auf eine Herde B\u00fcffel gesto\u00dfen ist, die in einer Senke ruhen. Es sei au\u00dferdem wahrscheinlich, dass einige Reservate die Troph\u00e4enjagd wieder einf\u00fchren w\u00fcrden, um mit dem so verdienten Geld \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. &quot;Elefanten und B\u00fcffel k\u00f6nnten wieder mehr geschossen werden.&quot;<\/p>\n<p>Die Nashornwilderei gehe eigentlich seit L\u00e4ngerem zur\u00fcck, so Spencer. Nun aber, mit zunehmender Armut, k\u00f6nnte sich diese Entwicklung umkehren. Oder andere Tiere k\u00f6nnten wieder in den Fokus geraten. &quot;L\u00f6wen zum Beispiel&quot;, sagt Spencer. &quot;Gerade wenn die Regierung den legalen L\u00f6wenknochenhandel mit China wieder komplett verbieten sollte.&quot; Denn aus S\u00fcdafrika werden jedes Jahr die Knochen von Hunderten f\u00fcr die Schlachtung gez\u00fcchteten L\u00f6wen nach China exportiert. Dort wird daraus sogenannter Tigerknochen-Wein gemacht. Nicht nur Tierqu\u00e4lerei, sondern auch eine m\u00f6gliche Quelle neuer Krankheitserreger f\u00fcr den Menschen.  <\/p>\n<p>Sicher sei: &quot;Wenn die Grenzen wieder aufgehen, wird es mehr Wilderei geben.&quot; Denn die Lage der Menschen hier werde immer schlimmer werden. Als Vorsichtsma\u00dfnahme haben k\u00fcrzlich drei Reservate in S\u00fcdafrika bereits ihren Nash\u00f6rnern die H\u00f6rner abges\u00e4gt. In Acornhoek, dem Township, in dem Prince Nkuna, der ehemalige Ranger des Balule-Reservats lebt, sind viele Menschen mittlerweile auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Auch Nkuna glaubt: &quot;Es wird nicht lange dauern, bis sich immer mehr Menschen in die Reservate schleichen werden.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern S\u00fcdafrikanisches Nashorn nach einem Angriff durch Wilderer Adrian Steirn\/ dpa In den Ausl\u00e4ufern des Acornhoek Townships, weit im Norden S\u00fcdafrikas, unweit des Kruger-Nationalparks, steht Prince Nkuna an einem<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-778","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=778"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/778\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}