{"id":771,"date":"2020-06-28T07:36:25","date_gmt":"2020-06-28T04:36:25","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/minderheiten-in-indien-wo-diffamierung-und-gewalt-alltag-sind\/"},"modified":"2020-06-28T07:36:25","modified_gmt":"2020-06-28T04:36:25","slug":"minderheiten-in-indien-wo-diffamierung-und-gewalt-alltag-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/minderheiten-in-indien-wo-diffamierung-und-gewalt-alltag-sind\/","title":{"rendered":"Minderheiten in Indien: Wo Diffamierung und Gewalt Alltag sind"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8ac4bd14-aa7e-481a-80b0-2ca764876da6_w948_r1.77_fpx48_fpy49.jpg\" title=\"Meghabais: Ihr Ehemann wurde mit Eisenrohren zu Tode gepr\u00fcgelt\" alt=\"Meghabais: Ihr Ehemann wurde mit Eisenrohren zu Tode gepr\u00fcgelt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Meghabais: Ihr Ehemann wurde mit Eisenrohren zu Tode gepr\u00fcgelt<\/p>\n<p> Sudharak Olwe <\/figcaption><\/figure>\n<p>Ninjibhai und seine Frau Meghabais wurden von Mitgliedern ihrer Dorfgemeinschaft brutal angegriffen. Die M\u00e4nner schleiften Meghabais aus ihrem Haus, bedrohten sie und bel\u00e4stigten sie sexuell. Ihr Mann wurde w\u00e4hrenddessen mit Eisenrohren zu Tode gepr\u00fcgelt &#8211; weil er es gewagt hatte, als Vorsteher seiner Dorfgemeinschaft zu kandidieren. Der 17-j\u00e4hrige Nitin wurde zusammengeschlagen, gefoltert und an einem Baum erh\u00e4ngt. Sein Vater fand die verst\u00fcmmelte Leiche. Nitin musste sterben, weil er mit einem M\u00e4dchen aus einer h\u00f6heren Kaste gesprochen hatte.<\/p>\n<p>Bant Singh wurde von einer Gruppe von M\u00e4nnern angegriffen, die mit Eisenstangen, \u00c4xten und St\u00f6cken auf ihn einschlugen. Drei seiner Gliedma\u00dfen mussten amputiert werden. Singh wurde attackiert, weil er Gerechtigkeit f\u00fcr die Vergewaltigung seiner Tochter einforderte. Die T\u00e4ter stammen aus demselben Dorf wie er.<\/p>\n<p>So erz\u00e4hlen es die \u00dcberlebenden und Hinterbliebenen den Fotografen Helena Sch\u00e4tzle und Sudharak Olwe. Und die Liste mit den Geschichten und Namen der Opfer ist noch weitaus l\u00e4nger.<\/p>\n<h3><strong>Die Gewalt nimmt zu &#8211; auch weil sich die Dalits mittlerweile wehren<\/strong><\/h3>\n<p>Ninjibhai, Meghabais, Nitin und Bant Singh wurden angegriffen, weil sie Dalits sind &#8211; Menschen, die im hinduistischen Kastensystem Indiens am untersten gesellschaftlichen Ende stehen.<\/p>\n<p>Seit jeher \u00fcbten die Dalits Berufe aus, die niemand aus den oberen Kasten \u00fcbernehmen will. Sie h\u00e4uteten Tierkadaver, gerbten Leder und stellten Schuhe her. Sie reinigten die Kloaken und beseitigten menschliche Abf\u00e4lle oder k\u00fcmmerten sich um die Beisetzung der Verstorbenen. Viele Dalits wurden zudem als Bedienstete von Angeh\u00f6rigen der oberen Kasten angestellt. All diese Berufe und Arbeiten definieren auch heute noch ihren sozialen Status in der indischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Mehr als 240 Millionen Menschen und damit rund ein F\u00fcnftel der 1,3 Milliarden Inder geh\u00f6ren der Kaste der Dalits an. Die Mehrheit von ihnen lebt in Armut, sozialer Diskriminierung und wirtschaftlicher Ausbeutung. Obwohl die Rechte der Dalits durch die Verfassung von 1950 enorm gest\u00e4rkt wurden &#8211; Diskriminierung wurde verboten und das Kastensystem offiziell abgeschafft &#8211; geh\u00f6ren Diffamierungen, Gewalt und das Ausleben der Kastenzugeh\u00f6rigkeit immer noch zu ihrem Alltag.<\/p>\n<p>Abwertend werden Dalits als die &quot;Unber\u00fchrbaren&quot; bezeichnet, von denen sich die Angeh\u00f6rigen der oberen Kasten fernhalten, um nicht selbst unrein zu werden. In einer Studie von 2014 gab mehr als ein Viertel der Inder an, dass sie die Diffamierung der &quot;Unber\u00fchrbarkeit&quot; in irgendeiner Form praktizieren. Die Umfrage wurde landesweit in 42.000 Haushalten durchgef\u00fchrt. In den vergangenen Jahren ist die Gewalt gegen die Dalits eskaliert. Zwischen 2011 und 2016 z\u00e4hlte das National Crime Records Bureau (NCRB) rund 193.000 Verbrechen gegen sie. Ein sechs- bis achtfacher Anstieg im Vergleich zu den Jahren davor. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch h\u00f6her.<\/p>\n<p>Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die vermehrte Gewalt: Viele Dalits stehen inzwischen f\u00fcr ihre Rechte ein, verlangen eine gleiche und gerechte Behandlung. Auch wurde eine Quote eingef\u00fchrt, die den Dalits ungehinderten Zugang zu Bildung und Universit\u00e4ten erm\u00f6glicht. Jedoch f\u00fchrte die Quote landesweit zun\u00e4chst vermehrt zu Hass, Neid und weiterer Gewalt von anderen Indern, die sich nun wiederum benachteiligt f\u00fchlten.<\/p>\n<p>Die Fotografen Helena Sch\u00e4tzle und Sudharak Olwe w\u00fcrdigen mit ihren Bildern die Opfer und Hinterbliebenen der Gewalt und Diffamierung. Die Dalits haben mit der Einf\u00fchrung der Quote oder der Wahl einer der ihren zum Staatspr\u00e4sidenten Indiens einige Meilensteine erreicht. Doch gerade in l\u00e4ndlichen Gegenden werde die diskriminierende Form der &quot;Unber\u00fchrbarkeit&quot; noch h\u00e4ufig praktiziert und m\u00fcnde oft in brutaler Gewalt, schreibt Olwe.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzle sieht einige positive Wandlungen und glaubt, dass sich das Bewusstsein \u00e4ndere und sich die Dalits langsam ihrer Rechte bewusst w\u00fcrden. Doch sei der Hass struktureller Natur und tief in der Gesellschaft und den Menschen verwurzelt.<\/p>\n<p>Laut Olwe komme nun durch die Corona-Pandemie eine weitere Herausforderung auf die Dalits zu: Die Krise k\u00f6nne die Menschen noch verwundbarer machen und ihren sozialen und \u00f6konomischen Status in der indischen Gesellschaft weiter negativ beeinflussen.<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie in der Fotostrecke die Geschichten von Angeh\u00f6rigen der Dalits: <\/strong><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Meghabais: Ihr Ehemann wurde mit Eisenrohren zu Tode gepr\u00fcgelt Sudharak Olwe Ninjibhai und seine Frau Meghabais wurden von Mitgliedern ihrer Dorfgemeinschaft brutal angegriffen. 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