{"id":7602,"date":"2021-05-03T20:54:40","date_gmt":"2021-05-03T17:54:40","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-je-mehr-impfstoff-es-gibt-desto-entscheidender-ist-eine-hohe-impfbereitschaft\/"},"modified":"2021-05-03T20:54:40","modified_gmt":"2021-05-03T17:54:40","slug":"coronavirus-je-mehr-impfstoff-es-gibt-desto-entscheidender-ist-eine-hohe-impfbereitschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-je-mehr-impfstoff-es-gibt-desto-entscheidender-ist-eine-hohe-impfbereitschaft\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Je mehr Impfstoff es gibt, desto entscheidender ist eine hohe Impfbereitschaft"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/678925b5-e412-4819-a16b-674c76d4e059_w948_r1.77_fpx48_fpy67.jpg\" title=\"Covid-19-Impfstoff im Impfzentrum in der Messe Berlin\" alt=\"Covid-19-Impfstoff im Impfzentrum in der Messe Berlin\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Covid-19-Impfstoff im Impfzentrum in der Messe Berlin<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Michael Kappeler \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Langsam, aber sicher geht es voran mit dem Impfen gegen Covid-19 in Deutschland. Ungef\u00e4hr ein Viertel der Menschen haben hierzulande inzwischen mindestens eine erste Dosis erhalten, in einigen Bundesl\u00e4ndern sind es sogar etwa 30 Prozent. Mehr als 650.000 Menschen wurden im Mittel der vergangenen sieben Tage t\u00e4glich geimpft.<\/p>\n<p>Und in den kommenden Wochen werden die Zahlen weiter steigen, wom\u00f6glich sogar schneller, als von der Politik bislang erhofft.<\/p>\n<p>\u00bbNach einer Modellierung k\u00f6nnte Ende Mai mehr als die H\u00e4lfte der Impfberechtigten mindestens eine Corona-Erstimpfung erhalten haben. Mitte Juni k\u00f6nnten drei Viertel erstgeimpft sein\u00ab, schreibt das Zentralinstitut f\u00fcr die kassen\u00e4rztliche Versorgung (Zi) auf Twitter. Bis sp\u00e4testens Ende Juli k\u00f6nnten demnach gar alle Impfberechtigten versorgt werden.<\/p>\n<h3>Impfbereitschaft wird zum limitierenden Faktor<\/h3>\n<p>Die positive Prognose beruht unter anderem darauf, dass vermehrt Impfstofflieferungen kommen, die Haus\u00e4rzte mitimpfen und sp\u00e4testens ab der Woche vom 7. Juni auch Betriebs\u00e4rzte eingebunden werden sollen. Mindestens 500.000 Impfdosen pro Woche sind f\u00fcr das Impfen in Firmen vorgesehen. Gesundheitsminister Spahn will damit auch einem Ph\u00e4nomen entgegenwirken, das den Impffortschritt wom\u00f6glich bald wieder drosseln k\u00f6nnte: Nicht jeder, der Recht auf eine Impfung hat, wird diese M\u00f6glichkeit auch sofort nutzen.<\/p>\n<p>\u00bbBereits in ein paar Wochen werden wir voraussichtlich mehr Impfstoff haben als Terminanfragen\u00ab, erkl\u00e4rte Spahn j\u00fcngst laut \u00bbWelt am Sonntag\u00ab. Anders gesagt: W\u00e4hrend derzeit noch die Verf\u00fcgbarkeit von Impfstoff das Tempo bestimmt, k\u00f6nnte schon bald die Impfbereitschaft in der Bev\u00f6lkerung entscheidend f\u00fcr das Vorankommen der Impfkampagne sein \u2013 und damit Zentral f\u00fcr den weiteren Verlauf der Pandemie.<\/p>\n<p>Etwa 65 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind grunds\u00e4tzlich bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, hei\u00dft es in der repr\u00e4sentativen Cosmo-Umfrage der Universit\u00e4t Erfurt. Nur 16 Prozent wollen das auf keinen Fall. Das klingt erst mal gut und bef\u00f6rdert die Debatte \u00fcber eine Herdenimmunit\u00e4t. Fachleute gehen inzwischen jedoch davon aus, dass zwischen 75 und 80 Prozent der Menschen vor einer Corona-Infektion gesch\u00fctzt sein m\u00fcssten, um die Ausbreitung des Virus entscheidend einzud\u00e4mmen. Dabei gibt es mehrere Knackpunkte.<\/p>\n<p><strong><em>(Behalten Sie den \u00dcberblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die wichtigsten Fragen des Tages. \u00bbDie Lage am Abend\u00ab \u2013 hintergr\u00fcndig, kompakt, kostenlos. <\/em><\/strong><strong><em>Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail<\/em><\/strong><strong><em>.<\/em><\/strong>)<\/p>\n<h3>Fehlende Kinder-Impfung dr\u00fcckt Impfquote<\/h3>\n<p>\u00bbNicht eingerechnet sind Kinder und Jugendliche\u00ab, erkl\u00e4rte etwa Studienleiterin und Professorin f\u00fcr Gesundheitskommunikation Cornelia Betsch dem Science Media Center (SMC) mit Blick auf die Zahl der Impfwilligen. Solange Kinder und Jugendliche noch nicht geimpft werden k\u00f6nnten, liege die f\u00fcr die Herdenimmunit\u00e4t ben\u00f6tigte Impfquote in der restlichen Bev\u00f6lkerung noch h\u00f6her als die erw\u00e4hnten 75 bis 80 Prozent.<\/p>\n<p>Die in der EU zugelassenen Impfstoffe sind bislang fr\u00fchstens f\u00fcr Menschen ab 16 Jahren zugelassen, Pr\u00fcfungen mit Kindern ab 12 Jahren laufen. F\u00fcr j\u00fcngere Personen wird es im Sommer wohl noch keine Impfung geben.<\/p>\n<p>Geht man in der Gruppe der bald m\u00f6glicherweise Impfberechtigten ab 12-J\u00e4hrigen von einer noch mal wachsenden Impfbereitschaft von 75 Prozent aus, w\u00e4ren es lediglich rund 65 Prozent der gesamten Bev\u00f6lkerung, die bis zum Herbst geimpft werden k\u00f6nnten. Die unter-12-J\u00e4hrigen w\u00e4ren zu jung, um einen Impfstoff gegen Covid-19 zu erhalten und w\u00fcrde den Anteil der Geimpften entsprechend reduzieren.<\/p>\n<p>Hinzu kommen jene Menschen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben und dadurch einen gewissen Schutz besitzen. Bislang wurden in Deutschland rund 3,4 Millionen Sars-CoV-2-Infektionen nachgewiesen. Geht man davon aus, dass sich niemand doppelt angesteckt hat, entspricht das einem Anteil von etwa vier Prozent. Weder eine Impfung noch eine durchgemachte Infektion sch\u00fctzen allerdings mit absoluter Sicherheit vor einer Corona-Infektion.<\/p>\n<p>Fachleute stellen auch deshalb infrage, ob es \u00fcberhaupt jemals m\u00f6glich sein wird, Herdenimmunit\u00e4t gegen das Coronavirus zu erreichen \u2013 zumindest in dem Sinne, dass Personen, die sich aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht impfen lassen k\u00f6nnen, durch die Immunit\u00e4t der restlichen Gesellschaft nahezu perfekt gesch\u00fctzt sind (mehr dazu lesen Sie hier). Erschwerend hinzu kommt, dass Mutanten kursieren, die einen Immunschutz teils umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Nicht jeder Impfwillige l\u00e4sst sich tats\u00e4chlich impfen<\/h3>\n<p>\u00bbEine hohe Impfbereitschaft allein reicht nicht, um Herdenimmunit\u00e4t zu erreichen\u00ab, schlussfolgert Betsch und bemerkt zudem: \u00bbAuch wenn die Impfbereitschaft in der N\u00e4he der Herdenimmunit\u00e4tsschwelle liegen w\u00fcrde, wird nicht aus jeder hohen Impfbereitschaft automatisch auch eine Impfung.\u00ab Praktische H\u00fcrden m\u00fcssten daher weitestgehend abgebaut werden und impfen so einfach wie m\u00f6glich gemacht werden. Hier kommen die Impfungen in Firmen ins Spiel.<\/p>\n<p>\u00bbSehr relevant wird vermutlich das Impfen am Arbeitsplatz und in den Universit\u00e4ten \u2013 und perspektivisch m\u00f6glicherweise auch Schulen\u00ab, so Betsch. Sie pl\u00e4diert auch daf\u00fcr, Informationen \u00fcber die Sicherheit der Impfstoffe verst\u00e4rkt zu kommunizieren. \u00bbDabei sollte nicht einfach beteuert werden, dass der Impfstoff sicher ist, sondern es sollte jeder, der m\u00f6chte, in die Lage versetzt werden, Risiken abzuw\u00e4gen.\u00ab Die Entscheidung, die jeder in dieser Pandemie zu treffen habe sei: krank werden oder Impfung. \u00bbDie Entscheidung bleibt eine Risikoabw\u00e4gung, keine der beiden Alternativen ist absolut sicher.\u00ab<\/p>\n<p>Gesamtgesellschaftlich \u00fcberwiegt in der Abw\u00e4gung stets der Vorteil der Impfung. \u00bbHerdenimmunit\u00e4t im Sinne einer niedrigen Inzidenz und einer gezielten, lokalen Eind\u00e4mmung wird mit dem Impffortschritt immer einfacher erreichbar\u00ab, so Viola Priesemann, Leiterin der Forschungsgruppe Theorie neuronaler Systeme am Max-Planck-Institut f\u00fcr Dynamik und Selbstorganisation in G\u00f6ttingen gegen\u00fcber dem SMC. Priesemann erstellt Modelle zum Verlauf der Pandemie.<\/p>\n<h3>Hoffnung auf einen entspannteren Sommer<\/h3>\n<p>Um diese deutlich einzud\u00e4mmen, w\u00e4re es demnach ausreichend, wenn sich sp\u00e4testens bis zum Herbst, vielleicht auch schon bis zum Sommer, die bislang Impfwilligen auch tats\u00e4chlich immunisieren lassen. \u00bbWir erwarten, dass bei rund 50 Prozent geimpften Erwachsenen das Testen, Kontaktnachverfolgen und Isolieren, zusammen mit den AHA-Regeln und dem Verzicht auf Gro\u00dfveranstaltungen, ausreichen wird, um die Inzidenz niedrig zu halten.\u00ab<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnten im Sommer Schulen, Restaurants und Gesch\u00e4fte wieder \u00f6ffnen, kleinere Feiern und Veranstaltungen mit Hygienekonzept w\u00e4ren m\u00f6glich. Das zeigen auch die Erfahrungen aus Israel, wo bislang gut 60 Prozent eine Erstimpfung gegen Covid-19 erhalten haben. Eine Einschr\u00e4nkung bleibt allerdings.<\/p>\n<p>\u00bbDas gilt alles nur, solange wir keine potente Escape-Variante bekommen\u00ab, so Priesemann. Gemeint ist eine Mutante des Coronavirus, die den Immunschutz vollst\u00e4ndig oder zumindest zu gro\u00dfen Teilen umgehen kann und sich schnell ausbreitet. \u00bbUm zuverl\u00e4ssig einen guten Sommer zu haben, sollte die Ausbreitung von Escape-Varianten unbedingt vermieden oder verlangsamt werden.\u00ab<\/p>\n<p>Priesemann verweist zudem darauf, dass mit saisonal sinkenden Fallzahlen im Sommer wom\u00f6glich auch die Impfbereitschaft abnehmen k\u00f6nnte \u2013 und warnt vor einer weiteren Infektions-Welle, falls doch zu schnell gelockert wird. Die Abw\u00e4gung zwischen Virusbek\u00e4mpfung und pers\u00f6nlicher Freiheit bleibt vorerst ein Balanceakt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Covid-19-Impfstoff im Impfzentrum in der Messe Berlin Foto:\u2002Michael Kappeler \/ dpa Langsam, aber sicher geht es voran mit dem Impfen gegen Covid-19 in Deutschland. Ungef\u00e4hr ein Viertel der Menschen haben hierzulande inzwischen mindestens eine erste Dosis erhalten, in einigen Bundesl\u00e4ndern sind es sogar etwa 30 Prozent. 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