{"id":7577,"date":"2021-05-02T14:06:32","date_gmt":"2021-05-02T11:06:32","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/osama-bin-laden-zehn-jahre-nach-der-totung-des-al-qaida-chefs\/"},"modified":"2021-05-02T14:06:32","modified_gmt":"2021-05-02T11:06:32","slug":"osama-bin-laden-zehn-jahre-nach-der-totung-des-al-qaida-chefs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/osama-bin-laden-zehn-jahre-nach-der-totung-des-al-qaida-chefs\/","title":{"rendered":"Osama Bin Laden: Zehn Jahre nach der T\u00f6tung des Al-Qaida-Chefs"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/02c8d826-5bd6-4750-b24a-6ff81cfddbbd_w948_r1.77_fpx64.5_fpy50.jpg\" title=\"Taliban-Anh\u00e4nger in Quetta protestieren gegen die T\u00f6tung Bin Ladens durch US-Elitesoldaten (Mai 2011)\" alt=\"Taliban-Anh\u00e4nger in Quetta protestieren gegen die T\u00f6tung Bin Ladens durch US-Elitesoldaten (Mai 2011)\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Taliban-Anh\u00e4nger in Quetta protestieren gegen die T\u00f6tung Bin Ladens durch US-Elitesoldaten (Mai 2011)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002BANARAS KHAN \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Dreiviertelstunde vor Mitternacht wundern sich die Bewohner der afghanischen Stadt Jalalabad \u00fcber den j\u00e4hen Flugl\u00e4rm: Dr\u00f6hnend ziehen Hubschrauber ostw\u00e4rts vorbei in Richtung der nahen Grenze zu Pakistan. Zuvor sei es eine ruhige Nacht gewesen, erz\u00e4hlen sie sp\u00e4ter, ebenso nach dem Verschwinden der Hubschrauber.<\/p>\n<p>Was sie h\u00f6ren, ist der Auftakt zum letzten, dramatischen Kapitel einer fast zehn Jahre w\u00e4hrenden Jagd nach dem \u00bbgef\u00e4hrlichsten Mann der Welt\u00ab, dem \u00bbTerrorf\u00fcrsten\u00ab, der als Anf\u00fchrer von al-Qaida die Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 auf New York und Washington verantwortete: Osama Bin Laden.<\/p>\n<p>Verschwunden seit Dezember 2001, als die US-Truppen ihn aus der Bergfeste Tora Bora entkommen lie\u00dfen. Gesucht seither von allen Geheimdiensten der USA und mit 25 Millionen Dollar Kopfgeld. Trotzdem wie vom Erdboden verschluckt, auch wenn gelegentliche Video- und Tonbotschaften belegen, dass er lebt.<\/p>\n<p>Als der L\u00e4rm \u00fcber Jalalabad in dieser Nacht zum 2. Mai 2011 verebbt, wird er noch anderthalb Stunden zu leben haben. Und er wird kein Dr\u00f6hnen aus der Luft h\u00f6ren. Denn die beiden riesigen, zweimotorigen Chinook-Transporthubschrauber landen weit vor dem Einsatzort der Operation \u2013 als Notfallreserve, falls etwas schiefgeht.<\/p>\n<p>Sehr leise und sehr tief dagegen steuern zwei erstmals eingesetzte \u00bbTarnkappen\u00ab-Black-Hawks einen Ort an, wo man den Qaida-Chef kaum vermuten w\u00fcrde: die bei pakistanischen Offizieren im Ruhestand beliebte Provinzstadt Abbottabad, 50 Kilometer n\u00f6rdlich in den Vorbergen des Karakorum gelegen. Das Ziel der beiden Helikopter ist ein zwar f\u00fcnf Meter hoch ummauertes, ansonsten eher schmuckloses, dreist\u00f6ckiges Anwesen, nur einen Kilometer entfernt von Pakistans Milit\u00e4rakademie.<\/p>\n<h3>\u00bbGeronimo, Geronimo, Geronimo\u00ab<\/h3>\n<p>Woher die Ursprungsinformation zu Bin Ladens Aufenthaltsort stammt, ob von einem gefangen genommenen Kurier oder einem \u00dcberl\u00e4ufer, wird auch sp\u00e4ter unklar bleiben. Monatelang hat die CIA versucht, weitere Belege zu sammeln, bis die Fahnder sich sicher sind und die Vorbereitungen f\u00fcr \u00bbOperation Neptune Spear\u00ab beginnen.<\/p>\n<p>Ausgerechnet in Abbottabad im Norden Pakistans h\u00e4lt sich Bin Laden seit 2006 auf, mit einem stetig angewachsenen Hofstaat aus Frauen, Kindern, Enkeln, aber ohne Telefon- oder Internetanschluss. Im Herzen des mit den USA verb\u00fcndeten, aber seit Langem von Washington mit Misstrauen beargw\u00f6hntem Pakistan. Dessen Regierung, Milit\u00e4r, Geheimdienst sind nicht eingeweiht.<\/p>\n<p>Als der Erste der beiden Black-Hawk-Hubschrauber \u00fcber dem Anwesen in Abbottabad tiefer geht, ger\u00e4t er ins Trudeln, kracht mit dem Heckrotor gegen die Mauer und legt eine Bruchlandung hin. Im Wei\u00dfen Haus, wo Pr\u00e4sident Barack Obama und die Spitzen der US-Regierung die Operation verfolgen, w\u00e4chst die Nervosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die 23 M\u00e4nner der geheimen \u00bbDelta Seals\u00ab-Kommandotruppe sprengen sich schlie\u00dflich den Weg ins stockdunkle Haus frei. Sie t\u00f6ten mehrere der Bewohner auf ihrem Weg ins Obergeschoss, wo sie schlie\u00dflich Bin Laden finden und erschie\u00dfen.<\/p>\n<p>\u00bbGeronimo, Geronimo, Geronimo\u00ab, wird per Funk durchgegeben, das Passwort f\u00fcr die T\u00f6tung Bin Ladens. Im Wei\u00dfen Haus wird Obama sagen: \u00bbWe got him.\u00ab Zwar wird es anschlie\u00dfend offiziell hei\u00dfen, man habe Osama Bin Laden eigentlich lebend festnehmen wollen. Aber nichts spricht daf\u00fcr, dass dies je Priorit\u00e4t hatte.<\/p>\n<p>Bin Ladens dramatisches Ende heute vor zehn Jahren wird als politischer Triumph Obamas in die Geschichte eingehen, wird ihm helfen, seine Wiederwahl zu gewinnen. Die mehrfach verfilmten 38 Minuten von Abbottabad sind der perfekte Schlusspunkt der Rache f\u00fcr 9\/11. Wer dem Narrativ vom Superschurken folgt, der al-Qaida gr\u00fcndet, Afrika, den Nahen Osten und schlie\u00dflich Amerika mit Anschl\u00e4gen \u00fcberzieht, f\u00fcr den wird der Tod Bin Ladens das dramaturgisch plausible Ende des Terrors markieren.<\/p>\n<p>Doch diese Vorstellung vom Drahtzieher ist ein Plot, der die Wirklichkeit zwar \u00fcberschaubarer macht, aber mitnichten so sehr beeinflusst, wie die \u00dcberh\u00f6hung Bin Ladens einen glauben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Al-Qaida hat aus vielen Gr\u00fcnden floriert und ist ebenso schon lange im Niedergang, w\u00e4hrend die Welt nach Bin Laden sucht, der sich in Abbotabad kaum aus dem Haus traut. Die angek\u00fcndigten und bef\u00fcrchteten Racheakte nach seinem Tod werden ausbleiben. Fatale politische Fehler der US-Herrschaft im Irak werden den Aufstieg des \u00bbIslamischen Staates\u00ab beg\u00fcnstigen, der wenige Jahre nach Bin Ladens Tod al-Qaida wie eine Amateurtruppe in Sachen dschihadistischer Machtergreifung aussehen lassen wird.<\/p>\n<h3>Bin Laden ist tot, die Taliban sind wieder da<\/h3>\n<p>P\u00fcnktlich zum Jahrestag der gefeierten Hinrichtung von Abbottabad r\u00e4umt Obamas ehemaliger Vize und heutiger Pr\u00e4sident Joe Biden ein, dass die USA ebenso grandios scheitern gegen Kr\u00e4fte, die man nicht erschie\u00dfen kann: Am 1. Mai hat der Abzug der Amerikaner (und damit auch aller anderen Nato-Truppen) aus Afghanistan begonnen. Bis zum 11. September soll er abgeschlossen sein. Verhandelt wurde er von Bidens Vorg\u00e4ngerregierung exklusiv mit den Taliban, nicht mit der afghanischen Regierung in Kabul.<\/p>\n<p>Zehn Jahre nach dem Tod ihres Gastes Bin Laden, den die Fundamentalisten-Herrscher in Kabul jahrelang besch\u00fctzt hatten, knapp 20 Jahre nach ihrer Vertreibung von der Macht innerhalb von drei Wochen, erkennt Washington die Verlierer von damals als Sieger von heute an. Ein paradoxes Jubil\u00e4um.<\/p>\n<p>Auch in Afghanistan haben die USA jahrelang einen Taliban-Kommandeur nach dem n\u00e4chsten umgebracht. Aber den langsamen Absturz des Landes, die wieder anwachsende Macht der Taliban konnten sie nicht stoppen. Ebenso wenig, wie der rasche Sieg gegen Saddam Husseins Regime 2003 den Irak anschlie\u00dfend zu einem funktionierenden Staat werden lie\u00df.<\/p>\n<p>Die Welt ist ohne Bin Laden sehr wahrscheinlich ein besserer Ort als mit ihm. Aber der Glaube t\u00e4uscht, Terror und Feindschaft lie\u00dfen sich besiegen, indem man die Anf\u00fchrer umbringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Taliban-Anh\u00e4nger in Quetta protestieren gegen die T\u00f6tung Bin Ladens durch US-Elitesoldaten (Mai 2011) Foto:\u2002BANARAS KHAN \/ AFP Eine Dreiviertelstunde vor Mitternacht wundern sich die Bewohner der afghanischen Stadt Jalalabad \u00fcber den j\u00e4hen Flugl\u00e4rm: Dr\u00f6hnend ziehen Hubschrauber ostw\u00e4rts vorbei in Richtung der nahen Grenze zu Pakistan. 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