{"id":7575,"date":"2021-05-02T12:01:10","date_gmt":"2021-05-02T09:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/grunen-kandidatin-das-annalena-baerbock-problem\/"},"modified":"2021-05-02T12:01:10","modified_gmt":"2021-05-02T09:01:10","slug":"grunen-kandidatin-das-annalena-baerbock-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/grunen-kandidatin-das-annalena-baerbock-problem\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnen-Kandidatin: Das Annalena-Baerbock-Problem"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/0c9e50ec-6237-4802-9819-29ca8eff0265_w948_r1.77_fpx52_fpy49.98.jpg\" title=\"Gr\u00fcnen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock\" alt=\"Gr\u00fcnen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p>Gr\u00fcnen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock<\/p>\n<p>  Foto:\u2002JOHN MACDOUGALL \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Annalena Baerbock ist die Frau, die Gewissheiten zerst\u00f6ren k\u00f6nnte. Zumindest aus Sicht von CDU und SPD. H\u00e4lt sie die Gr\u00fcnen auf ihrem Umfragehoch, ist es vorerst vorbei mit dem Dauerabo der alten Volksparteien auf den Chefsessel am Kabinettstisch.<\/p>\n<p>Gemessen daran klangen die ersten Reaktionen der Schwarzen und Roten auf Baerbocks K\u00fcr zur Gr\u00fcnen-Kanzlerkandidatin ziemlich freundlich.<\/p>\n<p>Es werde ein \u00bbfairer, ein frischer, vielleicht auch manchmal ein fr\u00f6hlicher\u00ab Wahlkampf, versprach CDU-Chef Armin Laschet. Und SPD-Kandidat Olaf Scholz \u00fcbermittelte Baerbock seinen \u00bbherzlichen Gl\u00fcckwunsch\u00ab.<\/p>\n<p>Fr\u00f6hlich? Herzlich? Ist das der Wahlkampf-Sound im Jahr 2021?<\/p>\n<p>Sicher sollte man die anf\u00e4nglichen Nettigkeiten nicht \u00fcberbewerten. Dennoch: Die Gr\u00fcnen stellen die anderen vor ein gewaltiges Dilemma. Die Partei ist im Laufe der Jahre wandlungsf\u00e4hig geworden. Das kann man f\u00fcr inhaltlich beliebig oder strategisch klug halten. Fakt ist aber: Eine Regierung ohne sie wird es aller Voraussicht nach nicht geben.<\/p>\n<p>Egal ob Union, SPD, FDP oder Linke \u2013 wer Macht will, ist am Ende wohl auf die Gr\u00fcnen, auf Baerbock angewiesen. Wer sie jetzt angreift, muss das mitdenken.<\/p>\n<p>Andererseits: Ohne Attacke wird es kaum gehen. Fast allen anderen Parteien drohen massive Verluste an die Gr\u00fcnen. Die \u00d6kopartei ist reihum zur gr\u00f6\u00dften Konkurrenz geworden.<\/p>\n<p>Wie gehen sie damit um, die Konservativen, Sozialdemokraten, Liberalen und Linken im Land? Was bedeutet es f\u00fcr sie, dass sie es nun mit Baerbock zu tun haben, die lange im Kandidatenringen der Gr\u00fcnen als Au\u00dfenseiterin galt \u2013 und nicht mit dem bislang deutlich bekannteren Robert Habeck? Wie wollen sie Baerbock stellen? Und wo gibt es Ankn\u00fcpfungspunkte?<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen-Konkurrenz im Baerbock-Check.<\/p>\n<h3><strong>Union<\/strong><\/h3>\n<p>Die Union blickt mit gemischten Gef\u00fchlen auf die Konkurrentin. Bereits zu Zeiten der Jamaika-Verhandlungen hatte Baerbock den Konservativen mit ihrem Fachwissen Respekt eingefl\u00f6\u00dft. Ihr Co-Vorsitzender Robert Habeck genie\u00dft nach diversen \u00f6ffentlichen Patzern in Teilen von CDU und CSU dagegen eher den Ruf eines fehleranf\u00e4lligen Sch\u00f6ngeists.<\/p>\n<p>Andererseits: Habeck war schon einmal verl\u00e4sslicher Partner der Union \u2013 als Umweltminister in Schleswig-Holstein. Mit seinen Schw\u00e4rmereien vom dortigen CDU-Ministerpr\u00e4sidenten Daniel G\u00fcnther geht er mitunter auch eigenen Parteifreunden auf die Nerven. Bei Baerbock wei\u00df man in der Union weniger, woran man ist.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit hatten beide Parteien zeitweise v\u00f6llig offen miteinander geflirtet. Die Gr\u00fcnen biederten sich mit einem Gl\u00fcckwunschschreiben zum 75. Geburtstag der CDU bei den Konservativen an. CSU-Chef Markus S\u00f6der gerierte sich wiederum als \u00f6kobewusster Baum-Umarmer.<\/p>\n<p>Vermutlich wird es dabei nicht bleiben. CDU-Kanzlerkandidat Laschet steckt innerparteilich in gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten, er muss seine Widersacher am rechten und wirtschaftsliberalen Rand einbinden. Das bedeutet unweigerlich: klare Kante gegen die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Im Wahlkampf will man in der Union Baerbock vor allem als regierungsunerfahrene Jungpolitikerin brandmarken. Einen Vorgeschmack lieferte Laschet k\u00fcrzlich im Interview mit der \u00bbS\u00fcddeutschen Zeitung\u00ab. \u00dcber Baerbock sagte er: \u00bbSie redet, ich handle.\u00ab<\/p>\n<h3><strong>SPD<\/strong><\/h3>\n<p>\u00c4hnlich wie f\u00fcr die Union gilt auch bei den Sozialdemokraten: Mit Robert Habeck als Gegner h\u00e4tten sie es wohl leichter gehabt. Seine inhaltlichen Schw\u00e4chen h\u00e4tten es f\u00fcr Olaf Scholz einfach gemacht, sich als seri\u00f6se Alternative zu pr\u00e4sentieren. Dennoch: Die Genossen sehen auch gegen Baerbock ihre Chance.<\/p>\n<p>Mut macht ihnen in ihrer desastr\u00f6sen Umfragelage der Ausgang der Hamburg-Wahl Anfang 2020. Damals sah es zeitweise so aus, als k\u00f6nne die Gr\u00fcnenkandidatin Katharina Fegebank den Ersten B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher abl\u00f6sen. Bei der Wahl setzte sich der Sozialdemokrat aber mit 15 Prozentpunkten Vorsprung durch.<\/p>\n<p>Die Hoffnung der Genossen: Auch der Baerbock-Effekt werde verpuffen, wenn die W\u00e4hler im September entscheiden, wem sie das Land anvertrauen \u2013 dem Vizekanzler und regierungserfahrensten Kandidaten oder der 40-j\u00e4hrigen Gr\u00fcnenchefin, die noch nie ein Ministerium gef\u00fchrt hat?<\/p>\n<p>Im Umgang mit den Gr\u00fcnen steht die SPD jedoch vor einem Balanceakt: Einerseits m\u00fcssen sie Baerbock angreifen, wenn sie Platz zwei hinter der Union erreichen wollen. Andererseits gibt es inhaltlich gro\u00dfe Schnittmengen zwischen beiden Parteien. Was bedeutet das f\u00fcr die SPD-Strategie?<\/p>\n<p>\u00bbWer will, dass die Union in der Opposition landet, muss uns oder die Gr\u00fcnen w\u00e4hlen\u00ab, sagt ein f\u00fchrender Genosse. Aber auch: Die SPD m\u00fcsse die F\u00fchrung im Mitte-links-Lager reklamieren. Nach Kuschelkurs klingt das nicht.<\/p>\n<h3><strong>FDP<\/strong><\/h3>\n<p>Klar ist: FDP-Chef Christian Lindner w\u00fcrde am liebsten in einer Jamaikakoalition mit Laschet regieren. \u00bbLaschet kann Kanzler\u00ab, sagte Lindner dem SPIEGEL bereits im Januar. So ein Satz d\u00fcrfte ihm \u00fcber Annalena Baerbock nicht \u00fcber die Lippen kommen.<\/p>\n<p>Eine Ampel unter F\u00fchrung von Olaf Scholz w\u00e4re in der FDP wohl noch zu vermitteln, aber w\u00fcrden die Liberalen auch eine gr\u00fcne Kanzlerin w\u00e4hlen? Eine Frau, die zwei Jahre j\u00fcnger ist als Lindner? Die das Autofahren \u00bbunattraktiver\u00ab machen will, w\u00e4hrend der FDP-Chef gerne mal seinen Oldtimer-Porsche ausf\u00e4hrt?<\/p>\n<p>Lindner blickt verhalten auf Baerbock. Er freue sich auf \u00bbden politischen Ideenaustausch\u00ab mit ihr, sagte er nach ihrer K\u00fcr. Intern macht der FDP-Chef jedoch keinen Hehl aus seiner Skepsis. Tenor: Bevor man Prognosen zu ihrer Kanzlertauglichkeit abgeben k\u00f6nne, m\u00fcsse Baerbock erst einmal erkl\u00e4ren, ob sie sich auch von der Linkspartei w\u00e4hlen lassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Manche in der FDP bedauern, dass die Gr\u00fcnen nicht mit Habeck ins Rennen gehen. Der habe sich in den Jamaika-Sondierungen 2017 geschmeidiger gezeigt als Baerbock. Die Gr\u00fcnenpolitikerin konnte damals in der FDP aber ebenfalls Fans gewinnen. Baerbock k\u00f6nne in der Sache zwar nerven, hei\u00dft es bei den Liberalen \u2013 aber sie sei die verl\u00e4sslichere Verhandlerin.<\/p>\n<h3><strong>Linke<\/strong><\/h3>\n<p>Die Linken brauchen Baerbock dringend: Ein Mitte-links-B\u00fcndnis ist ihre einzige Machtoption, und die Genossen stehen unter enormen Druck, endlich einmal im Bund ihren Gebrauchswert unter Beweis zu stellen. Bereits jetzt ist die Linke in den Umfragen abgerutscht, die F\u00fcnfprozenth\u00fcrde r\u00fcckt gef\u00e4hrlich nah.<\/p>\n<p>Allerdings blicken viele Linke mit gro\u00dfer Skepsis auf die Gr\u00fcnen. Nach Auffassung mancher Genossen ist aus der \u00d6kopartei l\u00e4ngst eine durch und durch b\u00fcrgerliche und CDU-nahe Truppe geworden. Als Beleg sehen sie die beiden Gr\u00fcnenvorsitzenden Habeck und Baerbock. Beide seien Realos und st\u00fcnden nicht unbedingt f\u00fcr ein \u00bbprogressives B\u00fcndnis\u00ab, hei\u00dft es bei den Linken.<\/p>\n<p>Insofern spielt es f\u00fcr die Genossen zun\u00e4chst auch keine gro\u00dfe Rolle, wer von beiden die Gr\u00fcnen nun in die Wahl f\u00fchrt. Allerdings haben Teile der Linken aus dem Lager von Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht Baerbock bereits zur Feindin erkl\u00e4rt \u2013 wegen deren Haltung zur Au\u00dfenpolitik. Auf dem Bundesparteitag der Linken wurde die Gr\u00fcnenchefin k\u00fcrzlich als \u00bbAufr\u00fcstungs-Baerbock\u00ab beschimpft.<\/p>\n<p>Andererseits pflegen andere Linke bereits gute Beziehungen zu Baerbock, etwa die fr\u00fchere Parteichefin Katja Kipping. Die hatte sich schon im vergangenen Jahr f\u00fcr eine m\u00f6gliche Kanzlerin Baerbock ausgesprochen. \u00bbRobert Habeck ist der Bekanntere, sie ist diejenige mit mehr Substanz\u00ab, sagte Kipping seinerzeit der \u00bbtaz\u00ab.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Baerbock seit Jahren in Brandenburg aktiv ist, wo die Linke als erfahrene Regierungspartei weniger tabuisiert ist. Baerbock, so die Hoffnung, d\u00fcrfte also zumindest weniger Ber\u00fchrungs\u00e4ngste zu den Genossen haben als manch Gr\u00fcner im Westen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Gr\u00fcnen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Foto:\u2002JOHN MACDOUGALL \/ AFP Annalena Baerbock ist die Frau, die Gewissheiten zerst\u00f6ren k\u00f6nnte. Zumindest aus Sicht von CDU und SPD. H\u00e4lt sie die Gr\u00fcnen auf ihrem Umfragehoch, ist es vorerst vorbei mit dem Dauerabo der alten Volksparteien auf den Chefsessel am Kabinettstisch. 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