{"id":748,"date":"2020-06-27T05:38:05","date_gmt":"2020-06-27T02:38:05","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/grosbritannien-labour-chef-keir-starmer-geht-gegen-antisemitismus-vor\/"},"modified":"2020-06-27T05:38:05","modified_gmt":"2020-06-27T02:38:05","slug":"grosbritannien-labour-chef-keir-starmer-geht-gegen-antisemitismus-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/grosbritannien-labour-chef-keir-starmer-geht-gegen-antisemitismus-vor\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfbritannien: Labour-Chef Keir Starmer geht gegen Antisemitismus vor"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5c134639-f3cf-4524-ac46-a865f3821744_w948_r1.77_fpx44.87_fpy44.99.jpg\" title=\"Labour-Chef Keir Starmer\" alt=\"Labour-Chef Keir Starmer\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Labour-Chef Keir Starmer<\/p>\n<p> ANDY RAIN\/EPA-EFE\/Shutterstock <\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwei Monate lang war es recht still um Gro\u00dfbritanniens Labourpartei und ihren neuen Vorsitzenden. Keir Starmer folgte im April auf Jeremy Corbyn. Er gilt als besonnen und pragmatisch. Als F\u00fchrer der Opposition f\u00fchlte er der Regierung vor allem bei ihrem Corona-Management auf den Zahn.<\/p>\n<p>Doch mit der \u00fcberraschenden Entlassung seiner Schattenministerin f\u00fcr Bildung, Rebecca Long-Bailey, geht Starmer pl\u00f6tzlich gleich zwei gro\u00dfe Themen an, die ihm Ex-Parteichef Corbyn hinterlassen hat: Das lange schwelende Antisemitismusproblem der Partei und den Umgang mit ihrem linken Fl\u00fcgel.<\/p>\n<p>Weniger als drei Stunden, nachdem Long-Bailey ein Interview des &quot;Independent&quot; mit der britischen Schauspielerin Maxine Peak auf Twitter verbreitet hatte, gab Starmer ihre Entlassung aus seinem Schattenkabinett bekannt.<\/p>\n<p>In dem Interview hatte sich die Schauspielerin vor allem kapitalismuskritisch ge\u00e4u\u00dfert und etwa die &quot;Aufl\u00f6sung des Establishments&quot; gefordert. Unter anderem sagte sie aber auch: &quot;Die Taktik der amerikanischen Polizei, sich auf George Floyds Nacken zu knien, wurde ihr in Seminaren mit dem israelischen Geheimdienst beigebracht.&quot;<\/p>\n<p>Starmers B\u00fcro gab daraufhin in einem knappen Statement bekannt, er bitte Long-Bailey um ihren R\u00fccktritt. Der Artikel, den Long-Bailey verbreitet hat, beinhaltete eine &quot;antisemitische Verschw\u00f6rungstheorie&quot;.<\/p>\n<p>Als Chef der Labourpartei hat Starmer die Wiederherstellung des Vertrauens der j\u00fcdischen Gemeinschaft zu einer der obersten Priorit\u00e4ten gemacht. &quot;Antisemitismus ist ein Schandfleck auf unserer Partei&quot;, hatte Starmer bei seiner Antrittsrede als Labour-Chef im April gesagt. Er wolle &quot;dieses Gift von den Wurzeln her ausrotten&quot;. Er hatte sich damals f\u00fcr Antisemitismus in der Partei entschuldigt und damit einen klaren Kurswechsel eingeschlagen.<\/p>\n<p>Denn obwohl sein Vorg\u00e4nger das Antisemitismusproblem anerkannt hatte, war es ihm \u00fcber Jahre hinweg nicht gelungen, die Vorw\u00fcrfe gegen seine Partei aufzuarbeiten und glaubhaft zu entkr\u00e4ften. Mit diesem Problem, seinen unklaren Ideen f\u00fcr den Brexit und seinem extremen Linkskurs hat Corbyn der Partei im Vorjahr das schlechteste Wahlergebnis seit 1935 gebracht.<\/p>\n<p>Long-Bailey selbst twitterte, sie habe den Beitrag nicht ohne weitere Absprachen l\u00f6schen wollen, wie es Starmers B\u00fcro gefordert h\u00e4tte, h\u00e4tte aber gern mit ihm diskutiert. Er sei ihr mit seiner Aufforderung zum R\u00fccktritt allerdings zuvorgekommen.<\/p>\n<h3>&quot;So sieht Kulturwandel aus&quot;<\/h3>\n<p>Starmers entschlossenes Vorgehen brachte ihm vor allem Lob ein &#8211; von Vertretern j\u00fcdischer Gruppen und aus der eigenen Partei. Die Labour-Abgeordnete Margaret Hodge twitterte: &quot;So sieht ein Kulturwandel aus. So sieht Nulltoleranz aus. So sieht es aus, das Vertrauen der j\u00fcdischen Gemeinschaft wiederherzustellen.&quot; Hodge hatte sich mehrmals kritisch \u00fcber Corbyns mangelnde Entschlossenheit im Umgang mit Antisemitismus ge\u00e4u\u00dfert, als dieser noch Parteichef war.<\/p>\n<p>Marie van der Zyl, Pr\u00e4sidentin des Board of Deputies of British Jews, sagte, die Entscheidung zeige, dass Starmer &quot;seinen Worten Taten folgen l\u00e4sst&quot;. Long-Baileys Stellung als Schattenministerin f\u00fcr Bildung sei unhaltbar gewesen, zitiert sie der britische &quot;Guardian&quot;.<\/p>\n<h3>Star der Linken geschasst<\/h3>\n<p>Doch ungeteilt ist die Zustimmung nicht. Zum einen beurteilen Parteikollegen aus Long-Balieys engerem Umfeld den Umgang mit dem vermeintlichen Fehltritt als undifferenziert:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>John McDonnell, ehemaliger Schatten-Schatzkanzler unter Corbyn, schrieb auf Twitter, Israelkritik sei nicht gleich Antisemitismus. Er glaube daher nicht, dass Long-Bailey h\u00e4tte abgesetzt werden sollen. McDonnell brachte mittlerweile eine Petition auf den Weg, welche die Wiederberufung Long-Baileys fordert.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>Parteilinke verurteilten Starmers Schritt als machtpolitisches Kalk\u00fcl. Long Bailey ist der Star des linken Fl\u00fcgels der Partei und war die letzte Corbyn-Vertraute mit einer Topposition im Schattenkabinett. Im Rennen um den Parteivorsitz war sie im April gegen Starmer angetreten, war ihm jedoch mit 28 zu 56 Prozent unterlegen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die linke Bewegung &quot;Momentum&quot;, mit deren Hilfe Corbyn ma\u00dfgeblich an Macht innerhalb der Partei gewonnen hatte und vor allem junge Briten f\u00fcr Labour begeistern konnte, griff Starmer in einem Statement an. Er &quot;sagt zwar, dass er die Einheit der Partei will&quot;, hei\u00dft es dort, &quot;dann entl\u00e4sst er ohne guten Grund die prominenteste Linke&quot;. Das sei eine &quot;unbesonnene \u00dcberreaktion&quot;.<\/p>\n<p>Auch wenn der Kampf gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen Starmers Ziel ist: Seine schnelle Reaktion d\u00fcrfte auch Teil eines parteipolitisches Man\u00f6vers sein, um Labour in seinem Sinne neu auszurichten. Zwei klare Signale dazu sendete der Moderate nun, eines explizit, eines implizit: F\u00fcr Antisemitismus und f\u00fcr Corbyns verbleibende Anh\u00e4nger wird es in Zukunft immer weniger Platz in der Partei geben.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Labour-Chef Keir Starmer ANDY RAIN\/EPA-EFE\/Shutterstock Zwei Monate lang war es recht still um Gro\u00dfbritanniens Labourpartei und ihren neuen Vorsitzenden. Keir Starmer folgte im April auf Jeremy Corbyn. 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