{"id":7047,"date":"2021-04-09T04:29:02","date_gmt":"2021-04-09T01:29:02","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-impfungen-das-virus-macht-keinen-unterschied-europa-schon\/"},"modified":"2021-04-09T04:29:02","modified_gmt":"2021-04-09T01:29:02","slug":"corona-impfungen-das-virus-macht-keinen-unterschied-europa-schon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-impfungen-das-virus-macht-keinen-unterschied-europa-schon\/","title":{"rendered":"Corona-Impfungen: Das Virus macht keinen Unterschied, Europa schon"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f11592b3-3806-4485-89a6-962989efed67_w948_r1.77_fpx66.65_fpy50.jpg\" title=\"Leben im Zelt: Eine somalische Migrantin schaut in Paris aus ihrer improvisierten Unterkunft\" alt=\"Leben im Zelt: Eine somalische Migrantin schaut in Paris aus ihrer improvisierten Unterkunft\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Leben im Zelt: Eine somalische Migrantin schaut in Paris aus ihrer improvisierten Unterkunft<\/p>\n<p>  Foto:\u2002CHRISTOPHE ARCHAMBAULT \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist ein Wettlauf mit der Zeit und bislang scheint nicht einmal sicher, ob \u00fcberhaupt alle ins Ziel kommen. Seit Wochen werden Millionen Menschen in Europa geimpft, um die dritte Welle der Corona-Pandemie noch zu stoppen. Doch wer wann eine Impfung erh\u00e4lt, unterscheidet sich von Land zu Land oft erheblich. W\u00e4hrend Gro\u00dfbritannien inzwischen fast die H\u00e4lfte der erwachsenen Bev\u00f6lkerung mindestens einmal geimpft hat, sind es in EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland oder Spanien bislang weniger als 15 Prozent.<\/p>\n<p>Unterschiede gibt jedoch nicht nur zwischen den L\u00e4ndern \u2013 auch in den europ\u00e4ischen Gesellschaften tun sich Gr\u00e4ben auf. Denn das Covid-19-Virus gef\u00e4hrdet nicht nur \u00e4ltere B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, auch Arme, Obdachlose und Angeh\u00f6rige diskriminierter Gruppen sind ihm oft schutzlos ausgeliefert.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr sechs Gruppen benannt, die besonders gesch\u00fctzt werden sollen. Neben medizinischem Personal, Vorerkrankten und Senioren sind darunter auch sozio-\u00f6konomisch benachteiligte Personen, H\u00e4ftlinge und Migranten in Massenunterk\u00fcnften. Die Liste sei \u00bbohne besondere Reihenfolge\u00ab, wie die Kommission betont. Wer alles genau zu den Benachteiligten gez\u00e4hlt wird, m\u00fcssen die Mitgliedstaaten selbst bestimmen.<\/p>\n<p>Doch in fast allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern gibt es H\u00fcrden, die den besonders Schutzbed\u00fcrftigen bislang den Zugang zu den Vakzinen erschweren. Manchmal sind es fehlende Sozialversicherungsnummer und Meldeadressen. Ein anderes Mal Sprachbarrieren oder Impf-Einladungen, die sich nur mit Computer oder Smartphone annehmen lassen. In manchen L\u00e4ndern wiederum wird nur geimpft, wer zuvor einen Hausarzt aufsucht.<\/p>\n<p>Es sind oft scheinbare Kleinigkeiten, die Menschen am Rand der Gesellschaft die Chance auf eine Impfung wieder nehmen \u2013 und sie weiterhin dem Risiko einer schweren, potenziell t\u00f6dlichen Erkrankung aussetzen.<\/p>\n<h3><strong>Roma: viele Probleme, wenig Schutz<\/strong><\/h3>\n<p>Zu den wohl gef\u00e4hrdetsten Gruppen in Europa geh\u00f6ren die Roma, die gr\u00f6\u00dfte ethnische Minderheit des Kontinents. Schon vor der Pandemie litten ihre zehn bis zw\u00f6lf Millionen Angeh\u00f6rige unter gesellschaftlicher Ausgrenzung, schlechter Gesundheitsversorgung und wirtschaftlicher Not. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>In Rum\u00e4nien und Bulgarien beklagen Hilfsorganisation eine \u00bbEthnisierung der Pandemie\u00ab, Angeh\u00f6rige der Roma w\u00fcrden zu S\u00fcndenb\u00f6cken gemacht, obwohl sie durch prek\u00e4re, beengte Wohnverh\u00e4ltnisse und fehlende medizinische Hilfe selbst besonders bedroht sind. \u00bbUnsere Leute sterben wie die Fliegen\u00ab, warnte erst k\u00fcrzlich der ungarische Roma-Aktivist Aladar Horvath.<\/p>\n<p>Als eigene Risikogruppe f\u00fcr die Impfungen ber\u00fccksichtigt werden die Roma laut des \u00bbEuropean Roma Rights Centre\u00ab bislang jedoch nur in der Slowakei. Viele NGOs f\u00fcrchten derzeit eine Kettenreaktion: Der Verlust der meist ohnehin prek\u00e4ren Jobs und fehlende M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kinder, am Online-Unterricht teilzunehmen, grenzen viele Familien demnach zus\u00e4tzlich aus. \u00bbWir verlieren hier gerade Jahre, die Aufbauarbeit des vergangenen Jahrzehnts geht uns verloren\u00ab, bef\u00fcrchtet ein Roma-Aktivist. Ohne Einkommen und staatliche Hilfe drohe vielen Betroffenen mitten in der Pandemie Zwangsr\u00e4umungen oder Obdachlosigkeit \u2013 und damit neue Gefahr.<\/p>\n<p>Die Impfungen k\u00f6nnten zumindest die gesundheitlichen Risiken eind\u00e4mmen, doch ohne amtliche Dokumente, Krankenversicherung und gezielte Ansprache wird es schwierig. Und aufgrund negativer Erfahrungen mit staatlichen Beh\u00f6rden und fehlender Bildung, sagen Hilfsorganisationen, seien viele Roma derzeit auch z\u00f6gerlich, sich \u00fcberhaupt impfen zu lassen.<\/p>\n<h3><strong>Migranten ohne Papiere: gute Absichten, gezielte Ausgrenzung<\/strong><\/h3>\n<p>Auch f\u00fcr das Impfen von Migranten und Migrantinnen ohne Papiere sind fehlende Informationen und Skepsis gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden eine Herausforderung. Je nach Land unterscheiden sich die Impfangebote bislang betr\u00e4chtlich. In neun EU-L\u00e4ndern, sagt die Hilfsorganisation Picum, w\u00fcrden auch Menschen ohne Papiere ausdr\u00fccklich in den Impfstrategien ber\u00fccksichtigt. \u00bbDas ist ein entscheidendes Zeichen\u00ab, sagt Alyna Smith, die bei Picum den Austausch verschiedener NGOs im Gesundheitsbereich koordiniert. \u00bbDiese Erkl\u00e4rungen sind ein Versprechen, dass der Schutz der Gesundheit vor allem anderen kommt.\u00ab<\/p>\n<p>Doch das Schutznetz hat gro\u00dfe L\u00fccken, bislang sind nur westeurop\u00e4ische wie Spanien, Portugal, Frankreich, Italien sowie Finnland dabei. In anderen L\u00e4ndern gibt es deutliche Vorbehalte, das Gesundheitssystem auch f\u00fcr Menschen ohne g\u00fcltigen Aufenthaltstitel zu \u00f6ffnen. In Polen ging die rechtskonservative Regierung noch einen Schritt weiter und erkl\u00e4rte, ausdr\u00fccklich nur Personen mit g\u00fcltigem Aufenthaltstitel impfen zu lassen. Ein riskantes Man\u00f6ver in der Pandemie.<\/p>\n<h3><strong>Obdachlose: vage Hilfen, hohe H\u00fcrden<\/strong><\/h3>\n<p>Obdachlose sind in der Pandemie ebenfalls besonders gef\u00e4hrdet, zahlreiche Studien zeigen einen engen Zusammenhang zwischen Lebensbedingungen und Infektionsrisiko. Obwohl es kaum belastbare Zahlen gibt, geht die EU davon aus, dass die Zahl der wohnungslosen Menschen im vergangenen Jahrzehnt in 24 von 28 EU-Staaten zugenommen hat.<\/p>\n<p>Auch hier reagieren die EU-Staaten unterschiedlich: In D\u00e4nemark k\u00f6nnen Obdachlose seit Kurzem in der Impfreihenfolge vorgezogen werden, m\u00fcssen daf\u00fcr jedoch erst einen Arzt aufsuchen. In Rum\u00e4nien wurden nach Protesten Mitte Februar 300 Bed\u00fcrftige kurzfristig direkt auf der Stra\u00dfe geimpft. In Gro\u00dfbritannien bem\u00fcht sich die Regierung ebenfalls, Obdachloseschneller zu impfen. Anfang M\u00e4rz empfahl die britische Impfkommission, auf etwaige H\u00fcrden wie Hausarztbesuche oder das Vorzeigen einer Versicherungsnummer zu verzichten. Um bestehende Vorbehalte abzubauen, gibt es in Gro\u00dfbritannien inzwischen auch Impfungen in Taxis, Zelten und Gemeindezentren.<\/p>\n<p>In Belgien ist es mittlerweile Konsens, dass es nicht ausreicht, Betroffene nur zur Impfung aufzufordern. Laut einer aktuellen Statistik stieg die Zahl der Obdachlosen in Br\u00fcssel allein seit der letzten Z\u00e4hlung 2018 um 27 Prozent. Bislang ist niemand von ihnen gezielt geimpft, vermutlich am 20. April soll es die ersten Termine in Notunterk\u00fcnften geben. \u00bbEs gibt eine hohe Mauer zwischen den Bed\u00fcrftigsten und dem Rest der Gesellschaft\u00ab, sagt Frank Vanbiervliet von der Hilfsorganisation \u00bbBruss&#039;Help\u00ab. \u00bbWir k\u00f6nnen uns keine Ungleichbehandlung erlauben, das Virus macht auch keinen Unterschied.\u00ab<\/p>\n<p>Um Bed\u00fcrftige besser zu erreichen, gibt es inzwischen ein achtk\u00f6pfiges Team, das in Unterk\u00fcnften wie dem Hotel \u00bbSaint-Nicolas\u00ab mehrsprachige Brosch\u00fcren austeilt, Arzttermine vermittelt und bei der Anmeldung f\u00fcr eine Gesundheitskarte hilft. Auch hier werden die Helfer oft von der B\u00fcrokratie ausgebremst. F\u00fcr die Karte selbst wird kein Aufenthaltsdokument abgefragt. Doch um die Gesundheitskarte zu bekommen, m\u00fcssen sich Obdachlose und Migranten erst online registrieren. Viele h\u00e4tten jedoch keinen Zugang zum Internet, klagt Vanbiervliet.<\/p>\n<p>Um die geplanten Impfungen organisieren zu k\u00f6nnen, bekommt er in K\u00fcrze ein zweites Team, das auf den Stra\u00dfen unterwegs sein soll. Weil die sonst \u00fcbliche zweite Impfung f\u00fcr viele Personen ohnehin unrealistisch scheint, ist das Ziel, sie wenigstens einmal zu impfen. Vanbiervliet setzt gro\u00dfe Hoffnungen in das Programm: \u00bbEine Impfung ist im Zweifel besser als keine Impfung.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Leben im Zelt: Eine somalische Migrantin schaut in Paris aus ihrer improvisierten Unterkunft Foto:\u2002CHRISTOPHE ARCHAMBAULT \/ AFP Es ist ein Wettlauf mit der Zeit und bislang scheint nicht<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":7048,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7047","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7047","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7047"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7047\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}