{"id":7,"date":"2020-04-21T13:12:39","date_gmt":"2020-04-21T10:12:39","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-auf-flugzeugtrager-charles-de-gaulle-schwimmender-laborversuch\/"},"modified":"2020-04-21T13:12:39","modified_gmt":"2020-04-21T10:12:39","slug":"corona-auf-flugzeugtrager-charles-de-gaulle-schwimmender-laborversuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-auf-flugzeugtrager-charles-de-gaulle-schwimmender-laborversuch\/","title":{"rendered":"Corona auf Flugzeugtr\u00e4ger Charles de Gaulle: Schwimmender Laborversuch"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\">Auf dem franz\u00f6sischen Flugzeugtr\u00e4ger &quot;Charles de Gaulle&quot; ist mehr als die H\u00e4lfte der Crew mit dem Virus infiziert. Soldaten erheben Vorw\u00fcrfe. Wissenschaftler leiten unterdessen aus dem Fall neue Erkenntnisse ab.  <\/p>\n<p>Wenn Flugzeugtr\u00e4ger nach monatelanger Mission wieder im Hafen anlegen, stehen normalerweise fr\u00f6hlich winkende Familien am Quai, k\u00fcssen Ehefrauen und Freundinnen die R\u00fcckkehrer in Uniform. In Frankreich erklingt dann irgendwann auch noch die Marseillaise. Normalerweise.<\/p>\n<p>Als der Flugzeugtr\u00e4ger &quot;Charles de Gaulle&quot;, nuklear angetriebener Stolz der franz\u00f6sischen Marine, am Ostersonntag im Milit\u00e4rhafen von Toulon anlegte, k\u00fcsste niemand die Soldaten.<\/p>\n<p>Denn 1046 der insgesamt 1760 Besatzungsmitglieder trugen das Covid-19-Virus in sich, das entspricht einer Rate von knapp 60 Prozent. Infiziert hatten sich die M\u00e4nner an Bord, trotz aller Sicherheitsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Alle positiv getesteten Soldaten bef\u00e4nden sich seither unter medizinischer Beobachtung, erkl\u00e4rte der Stabschef der Marine, Admiral Christophe Prazuck, am vergangenen Wochenende.<\/p>\n<p>Alle anderen h\u00e4tten sich auf Anordnung in eine 14-t\u00e4gige Isolation begeben, sie seien in Milit\u00e4reinrichtungen im S\u00fcden in Einzelzimmern untergebracht worden. Zwei infizierte Soldaten sind in einem kritischen Zustand, liegen auf Intensivstationen und m\u00fcssen beatmet werden.<\/p>\n<h3>Haben die Verantwortlichen fahrl\u00e4ssig gehandelt?<\/h3>\n<p>Am Samstag hatte der Marinegeneral Fran\u00e7ois Lecointre im franz\u00f6sischen Fernsehen erstmals Vers\u00e4umnisse im Umgang mit dem Virus eingestanden: &quot;Ich glaube nicht, dass die Regeln, die wir angewendet haben, angesichts des Wissens, \u00fcber das wir heute verf\u00fcgen, tats\u00e4chlich ausreichend waren&quot;, sagte er.<\/p>\n<p>Das Verteidigungsministerium hat inzwischen eine Untersuchung der Vorg\u00e4nge an Bord der &quot;Charles de Gaulle&quot; angeordnet. Sie soll kl\u00e4ren, ob die Verantwortlichen nach den ersten Infektionsf\u00e4llen fahrl\u00e4ssig gehandelt haben, ob es vielleicht sogar Versuche gab, die Krankheitsf\u00e4lle zu vertuschen. Eine zweite Untersuchung soll den Weg des Virus an Bord ermitteln.<\/p>\n<p>Am 16. M\u00e4rz hatte Pr\u00e4sident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache an die Nation erkl\u00e4rt: &quot;Wir sind im Krieg&quot;, im Krieg gegen dieses Virus. Es war der Versuch, den Franzosen mit martialischen Worten den Ernst der Lage zu vermitteln und zugleich demonstrativ den Kampf gegen Covid-19 aufzunehmen.<\/p>\n<p>Dass die Pandemie nun ausgerechnet die Besatzung des imposantesten und teuersten Kriegsschiff Europas au\u00dfer Gefecht setzte, geh\u00f6rt zu den absurden Randaspekten dieser Krise.<\/p>\n<p>Die &quot;Charles de Gaulle&quot; hatte ihren Heimathafen am 21. Januar 2019 verlassen. Sie lief aus, um an der &quot;Operation Chammal&quot; gegen die Terrormiliz &quot;Islamischer Staat&quot; teilzunehmen; vom franz\u00f6sischen Flugzeugtr\u00e4ger wurden unter anderem Eins\u00e4tze in Syrien und Libyen geflogen.<\/p>\n<p>Mitte M\u00e4rz dieses Jahres legte sie einen Zwischenstopp in Brest an der Atlantikk\u00fcste ein. Die Mission stand kurz vor ihrem Ende. Angesichts der zunehmenden Coronaf\u00e4lle im Land wurden die \u00fcblichen Familienbesuche an Bord des Flugzeugtr\u00e4gers abgesagt. Aber die Soldaten erhielten die Erlaubnis, an Land zu gehen.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich eine fatale Entscheidung. Au\u00dferdem kamen 52 neue Besatzungsmitglieder an Bord, bevor die &quot;Charles de Gaulle&quot; am 16. M\u00e4rz wieder ablegte. Am selben Abend verk\u00fcndete Macron den Franzosen eine zun\u00e4chst vierzehnt\u00e4gige Ausgangssperre.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte ihnen ausf\u00fchrlich, wie sie sich die H\u00e4nde zu waschen h\u00e4tten und welchen Sicherheitsabstand sie einhalten m\u00fcssten. Verhaltensregeln, die auch f\u00fcr die Soldaten galten.<\/p>\n<p>Aber im Inneren des riesigen Flugzeugtr\u00e4gers ist es verdammt eng: Die M\u00e4nner schlafen in Stockbetten, teilweise stehen bis zu zwanzig davon in einer Kabine. Auf den Fluren und Treppenleitern der &quot;Charles de Gaulle&quot; ist der Sicherheitsabstand rein technisch kaum einzuhalten. Wer auf den steilen Treppenaufg\u00e4ngen von Deck zu Deck unterwegs ist, muss sich dabei st\u00e4ndig an den Handl\u00e4ufen festhalten, um nicht zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Der Kommandant der &quot;Charles de Gaulle&quot; h\u00e4lt in diesen M\u00e4rztagen trotz allem an der Weiterfahrt fest und schreibt am 20. M\u00e4rz einen Brief an die Familien der Soldaten: &quot;Der Flugzeugtr\u00e4ger bleibt im Einsatz, um die Interessen Frankreichs zu verteidigen und unsere Entschlossenheit zu zeigen, gemeinsam mit unseren Alliierten zu handeln.&quot;<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter werden erste Soldaten in die Krankenstation des Kriegsschiffes eingeliefert. Sie h\u00e4tten zu dem Zeitpunkt aber keine Symptome von Covid-19 gezeigt, wird es sp\u00e4ter hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Anfang April befinden sich laut Schilderungen von Soldaten, die an Bord waren, bereits 40 M\u00e4nner in Isolation. Man bringt sie im vorderen Teil des Flugzeugtr\u00e4gers unter. Die Unruhe an Bord nimmt zu.<\/p>\n<p>Einige Offiziere h\u00e4tten sich schon zu diesem Zeitpunkt geweigert, die erforderlichen Fluggenehmigungen zu unterschreiben, um ein Ende der Mission zu erzwingen. So wird es in der Tageszeitung &quot;Le Monde&quot; geschildert, die am Wochenende die Ereignisse auf der &quot;Charles de Gaulle&quot; zu rekonstruieren versuchte.<\/p>\n<p>Die Operation geht trotzdem weiter. Erst am 5. April \u00e4ndert sich die Lage. An diesem Tag analysieren \u00c4rzte Lungenaufnahmen, die von zwei Soldaten in der Bordklinik gemacht und aufs Festland geschickt wurden. Die \u00c4rzte schlagen Alarm, vieles deutet auf Covid-19 hin.<\/p>\n<h3>&quot;Wenn wir Tests an Bord gehabt h\u00e4tten&quot;<\/h3>\n<p>Von nun an gibt es t\u00e4glich mehr F\u00e4lle, aber noch immer keine Tests, um die Anzahl der Infizierten festzustellen. &quot;Wenn wir Tests an Bord gehabt h\u00e4tten&quot;, so gestand Christophe Prazuck, der Stabschef der Marine am Sonntag ein, &quot;h\u00e4tten wir das Ausma\u00df der Infektion wahrscheinlich eher ermessen k\u00f6nnen und die Geschichte w\u00e4re vielleicht anders ausgegangen.&quot;<\/p>\n<p>Am 7. April wird die Verteidigungsministerin von den Erkrankungen informiert. Am 8. April fliegt ein \u00c4rzteteam per Hubschrauber zur &quot;Charles de Gaulle&quot; und f\u00fchrt 60 Tests durch. Das Ergebnis: F\u00fcnf Soldaten sind positiv. Die Ministerin ordnet den sofortigen Abbruch der Mission an. F\u00fcnf Tage danach legt der Flugzeugtr\u00e4ger in Toulon an.<\/p>\n<p>&quot;Die Armee hat mit unserer Gesundheit und unserem Leben gespielt&quot;, sagt kurz sp\u00e4ter ein Besatzungsmitglied dem Radiosender France bleu. Der Mann, der selbst positiv getestet wurde, befindet sich derzeit in Isolation in einer Kaserne an der C\u00f4te d&#039;Azur.<\/p>\n<p>Es habe den Vorschlag eines Kommandanten gegeben, die Operation abzubrechen, als man in Brest war, so erz\u00e4hlte der Soldat es gegen\u00fcber dem Radiosender, aber das Verteidigungsministerium habe das abgelehnt. Das Ministerium bestreitet die Vorw\u00fcrfe und verweist auf die laufenden Untersuchungen. Sie werden wohl noch Monate andauern.<\/p>\n<p>Mittlerweile h\u00e4lt auch die Armeef\u00fchrung den Landgang im bretonischen Brest f\u00fcr kritisch; als bisher wahrscheinlichste Variante gilt, dass sich einer oder mehrere Soldaten hier mit dem Virus infizierten. Dies soll nun eine zweite Untersuchung kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wissenschaftler leiten unterdessen aus dem unfreiwilligen schwimmenden Laborversuch neue Erkenntnisse ab. Denn mehr als die H\u00e4lfte der 1046 infizierten Soldaten zeigten keine oder nur sehr schwache Symptome. Eine \u00e4hnliche Beobachtung haben auch die Amerikaner gemacht, die auf ihrem Flugzeugtr\u00e4ger &quot;USS Theodore Roosevelt&quot; mit Hunderten Infektionen zu k\u00e4mpfen haben.<\/p>\n<p>&quot;Das bedeutet, dass es wahrscheinlich eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Zahl an asymptomatischen Krankheitsverl\u00e4ufen gibt, die vor allem j\u00fcngere Bev\u00f6lkerungsschichten betreffen&quot;, sagt Jean-Fran\u00e7ois Delfraissy, Pr\u00e4sident des wissenschaftlichen Rates zur Coronakrise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem franz\u00f6sischen Flugzeugtr\u00e4ger &quot;Charles de Gaulle&quot; ist mehr als die H\u00e4lfte der Crew mit dem Virus infiziert. Soldaten erheben Vorw\u00fcrfe. 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