{"id":699,"date":"2020-06-25T14:35:56","date_gmt":"2020-06-25T11:35:56","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lufthansa-rettung-ex-vorstand-thierry-antinori-uber-die-sorgen-der-branche\/"},"modified":"2020-06-25T14:35:56","modified_gmt":"2020-06-25T11:35:56","slug":"lufthansa-rettung-ex-vorstand-thierry-antinori-uber-die-sorgen-der-branche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/lufthansa-rettung-ex-vorstand-thierry-antinori-uber-die-sorgen-der-branche\/","title":{"rendered":"Lufthansa-Rettung: Ex-Vorstand Thierry Antinori \u00fcber die Sorgen der Branche"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/22169436-6e75-4ea5-8883-42a0376d1331_w948_r1.77_fpx39.2_fpy50.jpg\" title=\"Lufthansa-Maschinen in Berlin\" alt=\"Lufthansa-Maschinen in Berlin\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Lufthansa-Maschinen in Berlin<\/p>\n<p> Fabrizio Bensch\/ REUTERS <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Herr Antinori, Sie haben mehr als ein Dutzend Jahre lang f\u00fcr die Lufthansa gearbeitet, unter anderem  als Vorstand f\u00fcr Vertrieb, Produkt und Marketing. Nun ist die Airline in der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Wie blicken Sie auf die Situation bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Ich denke dieser Tage oft an Lufthansa und h\u00e4tte mir nicht vorstellen k\u00f6nnen, was da gerade passiert. Deshalb bin ich traurig \u00fcber die Situation und vor allem tut es mir Leid f\u00fcr die Arbeitnehmer, denn sie sind eine gro\u00dfe Gemeinschaft. Aber ich bin optimistisch. Das Leben ist am Ende immer gerecht. Das wird sich auch bei der Lufthansa zeigen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Als Sie bei dem Unternehmen 1997 anfingen waren die Lufthansa-Manager froh, dass sie den Staat gerade als Gro\u00dfaktion\u00e4r losgeworden waren. Nun soll der Bund wieder einsteigen. Wie war die Stimmung damals?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>1997 war ein tolles Jahr f\u00fcr die Lufthansa. Zuerst feierte man die Privatisierung, dann die Bildung der Star Alliance mit der Lufthansa als Gr\u00fcndungsmitglied. Es begann die Dekade mit dem Aufstieg der Lufthansa zur f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Airline. Ich habe es als Ehre empfunden, bei dieser Entwicklung dabei sein zu d\u00fcrfen. Nun wurde sie j\u00e4h unterbrochen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Lufthansa ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die von der Coronakrise schwer getroffen ist. Wie sieht die Situation bei Ihrem neuen Arbeitgeber Qatar Airways aus?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Der Kuchen, der zu verteilen ist, also das verbliebene Gesch\u00e4ft, ist f\u00fcr alle deutlich kleiner geworden. Bei Qatar Airways haben wir am 12. M\u00e4rz 2020 haben wir gesagt: Keine Panik, lasst uns das beurteilen. Wenn in einem Flugzeugcockpit ein Alarm ert\u00f6nt, machen die Piloten zun\u00e4chst auch erst einmal nichts, und zwar mindestens 30 Sekunden lang. Da geh\u00f6ren die H\u00e4nde unter den Po. Man reagiert nicht zu schnell, das haben wir in Katar getan. Wir haben die Situation und den Markt analysiert, uns unsere eigenen St\u00e4rken angeschaut und festgestellt: Wir sind die widerstandsf\u00e4higste und belastbarste Airline im Markt. Wir haben schon seit der illegalen Blockade von Katar durch die Nachbarl\u00e4nder ab 2017 gezeigt, dass unsere Fluggesellschaft schwierige Situationen meistern kann\u2026<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>\u2026die Staaten werfen Katar die Unterst\u00fctzung von Terrorgruppen vor und haben f\u00fcr die Jets von Qatar Airways deshalb eine Blockade ihres eigenen Luftraums verh\u00e4ngt. Viele dachten, Ihre Fluglinie w\u00fcrde das nicht \u00fcberleben.<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Aber wir haben uns behauptet. Zwischen 2017 und heute sind wir um 35 Prozent gewachsen, trotz des Verlusts von 18 Routen \u00fcber Nacht und des Verlusts des Zugangs zu vier wichtigen M\u00e4rkten. Diese Stressresistenz hilft uns in der Coronakrise entscheidend. W\u00e4hrend der Coronakrise haben wir schnell erkannt, dass es Bedarf gibt, Menschen aus bestimmten L\u00e4ndern auszufliegen, etwa von Asien oder Australien, um sie nach Hause zur\u00fcckzubringen und Familien wieder zusammenzuf\u00fchren. Wir sind trotz der Krise kontinuierlich jeden Tag geflogen und haben nie weniger als 28 Ziele pro Woche angeboten. Bestimmte Orte wie Frankfurt, London, Paris oder Amsterdam sind wir sogar t\u00e4glich durchgehend angeflogen. Auf mehreren Strecken haben wir sogar den t\u00e4glichen Flugbetrieb fortgesetzt, beispielsweise nach Frankfurt. Es gab seit dem Coronaausbruch keinen einzigen Tag, an dem nicht ein Flugzeug von Qatar Airways in Frankfurt war.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Die Maschinen nach Frankfurt oder M\u00fcnchen waren doch bestimmt halbleer, oder?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Nicht unbedingt. Es waren einfach viele G\u00e4ste mit One-Way-Tickets an Bord. Die Fl\u00fcge von Australien nach Doha etwa waren voll, und die von Doha nach Frankfurt auch. Jedoch gab es weniger Buchungen auf den Strecken von Frankfurt oder auf dem Hinweg nach Australien. Wir flogen einige Tage ostw\u00e4rts mit einer Auslastung von weniger als zehn Prozent. F\u00fcr uns ist es wichtiger, unsere Mission zu erf\u00fcllen und die zuverl\u00e4ssigste Fluggesellschaft zu sein, indem wir keine Fl\u00fcge streichen und unsere Kunden nicht entt\u00e4uschen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Gerade arabische und asiatische Airlines treiben einen besonders gro\u00dfen Aufwand bei den Hygienevorkehrungen im Flugzeug. Wie sehen die bei Ihnen aus?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Uns geh\u00f6ren f\u00fcnf Prozent an der chinesischen Fluglinie China Southern. Da konnten wir viel lernen, weil man dort einfach schon fr\u00fcher betroffen war. Wir haben uns viel abgeschaut: Temperaturmessungen zum Beispiel. Oder Vollk\u00f6rperschutzanz\u00fcge &#8211; die sind vielleicht nicht sehr modisch, aber helfen. Wir desinfizieren unsere Jets mit ultraviolettem Licht, das ist noch wirkungsvoller als der blo\u00dfe Einsatz von Desinfektionsmitteln. <\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Branchenexperten gehen davon aus, dass sich der Kurz- und Mittelstreckenverkehr schneller erholen wird als der Interkontinentalverkehr. Gerade die Golf-Airlines sind aber auf die langen Strecken spezialisiert. Werden Fluglinien notgedrungen fusionieren m\u00fcssen?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Ich habe keine Ahnung, was unsere Wettbewerber machen wollen. Aber wir haben das nicht n\u00f6tig, wir sind stark und haben eine gute Flotte. Gut, die Heimkehrerfl\u00fcge sind jetzt vorbei. Und es ist komplizierter geworden, Strecken mit genug Nachfrage zu finden, aber es gibt sie. Es kommen immer wieder L\u00e4nder hinzu, in die man wieder fliegen kann, zum Beispiel in die USA, nach New York. Seit ein paar Tage fliegen wir da wieder hin. Der erste Flug ab Doha hatte eine Auslastung von 93 Prozent. Au\u00dferdem haben wir die gr\u00f6\u00dfte Frachtflotte der Welt mit 28 Cargoflugzeugen. Das l\u00e4uft gut. Nimmt man auf Passagierfl\u00fcgen viel Fracht mit, kann man auch mit weniger Auslastung profitabel fliegen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Sie haben Ihre Beteiligung an der British-Airways- und Iberia-Muttergesellschaft IAG erst kurz vor der Coronakrise auf 25,1 Prozent aufgestockt. Au\u00dferdem sind Sie mit jeweils zehn Prozent an Cathay Pacific und der chilenische Gesellschaft Latam beteiligt. Letztere musste gerade Insolvenz anmelden, will aber weiterfliegen. Wollen Sie weiterhin Minderheitsbeteiligungen an anderen Airlines kaufen?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Ja, das war auch schon vor Krise unsere Strategie: In andere Qualit\u00e4tsairlines investieren, die in verschiedenen Teilen der Welt operieren. Das werden wir so fortsetzen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Ihr Vorgesetzter, Qatar Airways-Chef Akbar Al Baker, wollte noch im vergangenen Dezember auch bei der Lufthansa einsteigen. Carsten Spohr, der Lufthansa-Boss, hat das damals br\u00fcsk abgelehnt mit dem Argument, man habe keine Lust, sich auf dem Umweg \u00fcber Qatar Airways wieder unter Staatseinfluss zu begeben. Stehen die Chancen heute besser? Schlie\u00dflich braucht die Lufthansa Hilfe.<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>Das m\u00fcssen Sie Akbar Al Bakar fragen. Er trifft die Entscheidungen am Ende mit dem Senior Management, und ich bin sicher, dass er die Antwort von Herrn Spohr zu diesem Zeitpunkt sehr sorgf\u00e4ltig gelesen hat.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Vom 1. Juli an wollen Sie auch wieder nach Berlin fliegen und von Tegel zum neuen Flughafen BER wechseln. Glauben Sie wirklich, dass der p\u00fcnktlich er\u00f6ffnen wird?<\/p>\n<p><strong>Antinori: <\/strong>\u00dcber den Flughafen BER haben wir schon gesprochen, als ich noch bei der Lufthansa war. Das ist lange her. Aber dieses Mal hab ich ein gutes Gef\u00fchl. Wir freuen uns auf den neuen Flughafen. Er wird der modernste Airport Deutschlands sein, vielleicht sogar Europas. Doha wiederum ist der modernste Flughafen in unserer Region. Das passt doch prima zusammen, Qatar Airways wird mit ihrer bekannten Zuverl\u00e4ssigkeit dabei sein.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Lufthansa-Maschinen in Berlin Fabrizio Bensch\/ REUTERS SPIEGEL: Herr Antinori, Sie haben mehr als ein Dutzend Jahre lang f\u00fcr die Lufthansa gearbeitet, unter anderem als Vorstand f\u00fcr Vertrieb, Produkt<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-699","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=699"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/699\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}