{"id":6946,"date":"2021-04-04T12:10:11","date_gmt":"2021-04-04T09:10:11","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-erde-in-karten-so-haben-sie-die-welt-noch-nicht-gesehen\/"},"modified":"2021-04-04T12:10:11","modified_gmt":"2021-04-04T09:10:11","slug":"die-erde-in-karten-so-haben-sie-die-welt-noch-nicht-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-erde-in-karten-so-haben-sie-die-welt-noch-nicht-gesehen\/","title":{"rendered":"Die Erde in Karten: So haben Sie die Welt noch nicht gesehen"},"content":{"rendered":"<p class=\"caps\"><em>\u00bbWer eine Weltkarte zeichnet, stellt die Welt nicht dar, wie sie ist. Der Zeichner, die Zeichnerin erschafft eine Welt.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Das Zitat stammt von Jerry Brotton, einem Historiker aus Gro\u00dfbritannien. Er hat vor einigen Jahren ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben mit dem Titel: \u00bbEine Geschichte der Welt in 12 Karten\u00ab. Darin zeigt er, dass, obwohl sich Menschen schon immer auf Karten verlassen haben und verlassen mussten \u2013 beim Navigieren, in Kriegen, auf Handelsrouten, bei der Google-Maps-Suche nach der n\u00e4chsten U-Bahn \u2013, keine Karte die pure Wirklichkeit abbildet.<\/p>\n<p>Das eine Problem: Wie l\u00e4sst sich eine Erdkugel zweidimensional abbilden? Viele schlaue Leute haben sich dar\u00fcber den Kopf zerbrochen. Kein Entwurf hat es bisher ohne eine Verzerrung hinbekommen.<\/p>\n<p>Dazu kommt aber auch die Perspektive des Kartografen, der Kartografin: Sie blicken von einem bestimmten Standpunkt, einem Auftrag auf die Welt. Jede Karte l\u00e4sst etwas weg, \u00fcberbetont etwas anderes. Zum Beispiel, dass Europa im Zentrum der Erde liegt, \u00fcber Afrika thronend, gr\u00f6\u00dfenm\u00e4\u00dfig verzerrt. Europa, der Mittelpunkt der Welt, das ist, was wir sehen, wenn wir auf eine Weltkarte blicken.<\/p>\n<p>Aber hatten Sie schon mal eine Weltkarte in der Hand, die in chinesischen Buchl\u00e4den verkauft wird? Da passt Europa, ganz oben links am Rand, gerade noch so drauf auf die Karte. In der Mitte der Karte liegt, Sie ahnen es: China.<\/p>\n<p>Die Grafiken, die in diesem Text zu sehen sind, sind keine Karten, sondern Kartogramme. Sie w\u00e4hlen eine andere Perspektive. L\u00e4nder werden nicht nach ihrer Gr\u00f6\u00dfe abgebildet, sondern nach bestimmten Parametern \u2013 der Zahl von Covid-19-Impfungen, von Fl\u00fcchtenden, des CO\u2082-Aussto\u00dfes, der Bev\u00f6lkerungszahl, nach HIV-Infizierten. Es handelt sich jeweils um absolute Zahlen. Manche L\u00e4nder bl\u00e4hen sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig auf, andere schrumpfen oder verschwinden fast. Kartogramme irritieren den Blick, den wir von der Welt haben. In den sechs Grafiken dieses Textes r\u00fchren sie an Themen, die Menschen rund um den Globus betreffen und besch\u00e4ftigen: die Klimakrise, die Pandemie, Krieg, Flucht.<\/p>\n<h3>Die Pandemie<\/h3>\n<p>Grafik Nummer eins zeigt ein sogenanntes Weltbev\u00f6lkerungskartogramm: In welchen L\u00e4ndern leben die meisten Menschen? Indien (1,3 Milliarden Menschen) und China (1,4 Milliarden) sehen darin aus wie die beiden m\u00e4chtigen linken und rechten Lungenfl\u00fcgel der Erde. Die \u00fcbrigen etwa f\u00fcnf Milliarden Menschen verteilen sich auf den Rest der Welt. Nord- und S\u00fcdamerika wirken, als h\u00e4tte man einmal die Luft rausgelassen. Und huch, hat jemand Russland gesehen?<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte man sagen, dort, wo die meisten Menschen leben, wird der meiste Covid-19-Impfstoff gebraucht. Doch beim Blick auf die zweite Grafik sieht man: Die USA haben bereits fast so viele Dosen verabreicht wie Indien und China zusammen, n\u00e4mlich mehr als 150 Millionen Dosen. In Europa sticht Gro\u00dfbritannien heraus, mit etwa dreimal so vielen Impfungen wie Frankreich oder Deutschland. Der afrikanische Kontinent existiert auf der Grafik praktisch nicht. In den meisten afrikanischen L\u00e4ndern haben die Impfkampagnen, wenn \u00fcberhaupt, gerade erst begonnen.<\/p>\n<p>Das Coronavirus macht nicht an nationalen Grenzen halt. Aber die Pandemie trifft, auf lange Sicht, manche Regionen weitaus h\u00e4rter als andere. Der britische \u00bbEconomist\u00ab hat vor Kurzem ausgerechnet, 85 L\u00e4nder mit niedrigem Einkommen k\u00f6nnten wom\u00f6glich erst 2023 damit beginnen, ihre Bev\u00f6lkerung zu impfen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahrzehnten gab es eine andere Krankheit, vor der sich die Welt f\u00fcrchtete: Aids. Auch diese Krankheit konnte durch Medikamente in den Griff bekommen werden, in Europa fielen dadurch rasch die Todeszahlen \u2013 w\u00e4hrend in \u00e4rmeren L\u00e4ndern die Menschen weiter an Aids starben, weil Medikamente dort unerschwinglich blieben. Das \u00e4nderte sich zwar, nachdem sich S\u00fcdafrika \u00fcber Patentrechte hinwegsetzte, Generika auf den Markt brachte und in der Folge die Preise f\u00fcr Tabletten fielen.<\/p>\n<p>Die Grafik Nummer drei zeigt jedoch: Die meisten Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, leben auf dem afrikanischen Kontinent. Krankheiten machen doch Halt an bestimmten Grenzen. Sie bleiben dort, wo Medikamente fehlen.<\/p>\n<h3>Klimakrise, Flucht, Hunger<\/h3>\n<p>\u00bbDie Regionen, die von der Klimakrise am meisten betroffen sind, sind nicht verantwortlich f\u00fcr die Verschmutzung der Atmosph\u00e4re. Daf\u00fcr sind die Staaten im Norden verantwortlich. Die wollen aber nicht f\u00fcr die Sch\u00e4den aufkommen, die sie verursachen.\u00ab Das Zitat stammt aus einem SPIEGEL-Interview der ehemaligen Premierministerin des Senegal, Aminata Tour\u00e9. Durch die Klimakrise, sagt Tour\u00e9, steigen Meeresspiegel an den K\u00fcsten, Landstriche werden \u00fcberschwemmt. Menschen m\u00fcssen ihre Heimat verlassen.<\/p>\n<p>Ihre Beobachtung deckt sich mit dem Kartogramm Nummer vier. Es zeigt, wo weltweit wie viel CO\u2082 ausgesto\u00dfen wird.<\/p>\n<p>\u00dcberproportional gro\u00df fallen die USA, China und Europa als Emission\u00e4re ins Gewicht. Lateinamerika und Afrika wirken auf der Grafik unbedeutend.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Kartogramm zeigt, aus welchen L\u00e4ndern auf der Welt die meisten Menschen geflohen sind. Nach Fluchtgr\u00fcnden wird darin nicht unterschieden. Kriege und Konflikte, Gewalt, Armut, Verfolgung z\u00e4hlen genauso dazu wie die Folgen des Klimawandels.<\/p>\n<p>Migrationsexperten gehen aber davon aus, dass gerade Klimakatastrophen, \u00dcberschwemmungen und D\u00fcrren, angeheizt durch den weltweiten CO\u2082-Aussto\u00df, zunehmen werden. Dass dies Millionen Menschen in die Flucht treiben wird. Syrien, dieses kleine Land, wirkt nach zehn Jahren B\u00fcrgerkrieg auf dem Kartogramm wie der alles \u00fcberlagernde Alarmknopf der Welt. 6,6 Millionen Syrerinnen und Syrer waren Ende 2020 auf der Flucht.<\/p>\n<p>Und in der Sahelzone schrumpfen schon jetzt die Lebensr\u00e4ume der Bev\u00f6lkerung, viele Landstriche sind unbewohnbar und unbrauchbar geworden f\u00fcr die Landwirtschaft; nichts w\u00e4chst mehr auf den B\u00f6den. Die Folgen: Hunger, Mangelern\u00e4hrung. Menschen sind gezwungen zu gehen.<\/p>\n<p>Und, das zeigt Kartogramm Nummer sechs: Auch die Zahl mangelern\u00e4hrter Kinder weltweit konzentriert sich vor allem im Globalen S\u00fcden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWer eine Weltkarte zeichnet, stellt die Welt nicht dar, wie sie ist. Der Zeichner, die Zeichnerin erschafft eine Welt.\u00ab Das Zitat stammt von Jerry Brotton, einem Historiker aus Gro\u00dfbritannien. 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