{"id":6828,"date":"2021-03-30T00:10:46","date_gmt":"2021-03-29T21:10:46","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ever-given-im-suezkanal-was-wird-aus-dem-stau\/"},"modified":"2021-03-30T00:10:46","modified_gmt":"2021-03-29T21:10:46","slug":"ever-given-im-suezkanal-was-wird-aus-dem-stau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/ever-given-im-suezkanal-was-wird-aus-dem-stau\/","title":{"rendered":"\u00bbEver Given\u00ab im Suezkanal: Was wird aus dem Stau?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/2cae34f9-be88-46b4-be5a-54cf4a91866c_w948_r1.77_fpx56.51_fpy55.jpg\" title=\"Stau am Suezkanal: Wie l\u00e4sst sich der Andrang aufl\u00f6sen?\" alt=\"Stau am Suezkanal: Wie l\u00e4sst sich der Andrang aufl\u00f6sen?\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Stau am Suezkanal: Wie l\u00e4sst sich der Andrang aufl\u00f6sen?<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Hanaa Habib \/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach fast einer Woche war es endlich so weit: Die \u00bbEver Given\u00ab, die den Suezkanal blockiert hatte, ist am Nachmittag vollst\u00e4ndig freigekommen. Damit ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt wieder befahrbar.<\/p>\n<p>Doch vorerst bleiben die Staus an der n\u00f6rdlichen und s\u00fcdlichen Zufahrt des Kanals. Insgesamt warten an beiden Einfahrten rund 370 Schiffenach Angaben der Kanalbeh\u00f6rde auf die Durchfahrt durch eines der wichtigsten Nadel\u00f6hre des Welthandels. Wie sollen sich diese Schlangen nun aufl\u00f6sen?<\/p>\n<p>Ein Blick auf die \u00bbEver Given\u00ab zeigt, dass diese Blockade in einer besonderen Liga spielt, der Frachter allein ist 400 Meter lang. Mit dem klassischen Stau auf der Autobahn ist das nicht vergleichbar, hier sei alles viel gr\u00f6\u00dfer, sagt Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universit\u00e4t Duisburg-Essen, der sich nach eigenen Angaben auch mit internationalen Schifffahrtsstra\u00dfen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Er macht wenig Hoffnung darauf, dass sich die Schlangen schnell aufl\u00f6sen. Denn wie schnell so etwas gelingen kann, h\u00e4nge vor allem von der Beschleunigung der Fahrzeuge ab. Und die, so warnt der Physiker, \u00bbist bei Frachtschiffen sehr klein, also dauert das\u00ab. Zudem seien die Mindestabst\u00e4nde zwischen Schiffen wegen der langen Anhaltewege viel gr\u00f6\u00dfer. \u00bbDas ist gewisserma\u00dfen der Superstau\u00ab, so Schreckenberg.<\/p>\n<h3>Noch eine Woche Stau<\/h3>\n<p>Der Stau zur See unterscheidet sich aber nicht nur durch die Gr\u00f6\u00dfe der beteiligten Objekte von dem auf einer Bundesstra\u00dfe. Erschwerend wirkt, dass die Durchfahrt durch den Kanal im Normalbetrieb sehr speziell orchestriert ist. Er ist nur teilweise in beide Richtungen befahrbar, die Schiffe passieren mehrere Begegnungsstellen.<\/p>\n<p>\u00bbMan sammelt sich am Abend und f\u00e4hrt gegen vier Uhr nachts im Konvoi in den Kanal, die schnellsten und gr\u00f6\u00dften Schiffe vorneweg\u00ab, erkl\u00e4rt Christian Denso vom Verband Deutscher Reeder (VDR). Die Fahrt durch den 193 Kilometer langen und rund 300 Meter breiten Kanal dauert dann circa zw\u00f6lf Stunden. \u00bbPro Tag fahren so normalerweise 50 Schiffe durch den Kanal\u00ab, erkl\u00e4rt Denso.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich eine \u2013 im Vergleich zum Problem \u2013 simple Rechnung: Bei 50 Schiffen pro Tag dauert es rund eine Woche, bis die wartenden Schiffe hindurchgefahren sind. Auch Stauforscher Schreckenberg rechnet mit vier bis sieben Tagen, bis sich der Stau in Wohlgefallen aufgel\u00f6st hat. Die d\u00e4nische Reederei Maersk geht von sechs oder mehr Tagen aus.<\/p>\n<p>Ganz genau l\u00e4sst sich das nicht vorhersagen. Es kommen ja st\u00e4ndig auch neue Schiffe nach, die sich hinten anstellen m\u00fcssen. Besatzungen vor Ort, die Reedereien, aber auch die Betriebe, die dringend auf Rohstoffe und Waren warten, m\u00fcssen sich also noch gedulden.<\/p>\n<p>Sollten in dieser Lage deshalb bestimmte Frachter zuerst durch den Kanal fahren d\u00fcrfen? Oder werden sie die Engstelle einfach in der Reihenfolge passieren, in der sie am Kanal angekommen sind?<\/p>\n<p>Denn nicht nur Container und Sch\u00fcttgut warten auf die Passage. So sollen auch elf rum\u00e4nische Frachter mit 130.000 Schafen an Bord durch das \u00bbEver Given\u00ab-Debakel feststecken. Tiersch\u00fctzer f\u00fcrchten, dass die Schafe verenden k\u00f6nnten. Den rum\u00e4nischen Veterin\u00e4rbeh\u00f6rden zufolge gibt es an Bord ausreichend Nahrung und Wasser f\u00fcr die kommenden Tage.<\/p>\n<p>\u00bbMan sollte nun Schiffe mit lebender Fracht priorisieren\u00ab, fordert dennoch Reederverbandssprecher Denso. Ansonsten sieht er wenig Probleme. Zwar gebe es auf Containerschiffen verderbliche Fracht, durch die K\u00fchlung k\u00e4me es aber auf ein paar Tage nicht an. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Fracht sei unkritisch, so Denso. \u00bbOb die Autot\u00fcr eine Woche l\u00e4nger auf dem Schiff liegt, ist am Ende egal, zumindest was die Qualit\u00e4t der T\u00fcr angeht.\u00ab<\/p>\n<p>Die volkswirtschaftlichen Sch\u00e4den solcher Verz\u00f6gerungen sind jedoch enorm. So hielt der verstopfte Kanal laut BBC Waren im Wert von 9,6 Milliarden US-Dollar auf \u2013 pro Tag. W\u00fcrden indes Reedereien und Beh\u00f6rden nun dar\u00fcber streiten, welches Schiff denn am wichtigsten ist und deshalb Vorfahrt genie\u00dfen soll, d\u00fcrfte das die Lage wohl nur weiter verkomplizieren.<\/p>\n<h3>Au\u00dfenrum zu fahren, ist kaum eine Option<\/h3>\n<p>Keine Option ist offenbar der Umweg \u00fcber das Kap der Guten Hoffnung in S\u00fcdafrika. Die Tour dauere sechs bis zehn Tage l\u00e4nger, erkl\u00e4rt VDR-Sprecher Denso, die Schiffe verbrauchen entsprechend mehr Brennstoff. Die Route sei nur dann wirtschaftlich, wenn die Spritkosten unter der Kanalgeb\u00fchr liegen. \u00bbDie Durchfahrt kostet im Schnitt 300.000 US-Dollar, derzeit lohnt sich das Umfahren f\u00fcr ein durchschnittliches Containerschiff nicht\u00ab, rechnet Denso vor.<\/p>\n<p>In dieser Frage gibt es eine Parallele zum Stau im Stra\u00dfenverkehr \u2013 wer bereits im Schlamassel steckt, kommt kaum wieder heraus. Bedeutet in diesem Fall: F\u00fcr den, der schon im Mittelmeer oder im Roten Meer ist, lohnt sich der Umweg trotz des Staus auch zeitlich nicht mehr, sagt Denso. Wer den Suezkanal umfahren will, sollte das fr\u00fch planen, \u00bbalso noch vor Gibraltar oder im Indischen Ozean\u00ab \u2013 wie es offenbar einige Reedereien getan haben.<\/p>\n<p>Wenn am kommenden Wochenende m\u00f6glicherweise alle Schiffe den Kanal durchquert haben, drohen aber noch weitere Verz\u00f6gerungen. Dann k\u00f6nnte es laut VDR-Mann Denso zu einem \u00bbKetchup-Flaschen-Effekt\u00ab in den H\u00e4fen kommen: Zuerst kommt gar nichts, dann viel zu viel auf einmal.<\/p>\n<p>\u00bbIn Hamburg stellen Containerschiffe dieser Klasse schon mal 3000 Container auf den Kai\u00ab, so Denso. Ein Eisenbahnzug schaffe 80 Container auf einmal weg. Er warnt deshalb vor Stau in den H\u00e4fen, die in Nordeuropa ohnehin schon sehr voll seien. Diese Situation werde sich nun weiter versch\u00e4rfen \u2013 aber nicht alle Firmen gleich stark treffen. \u00bbEinige Reedereien haben eigene Terminals, zum Beispiel MSC in Antwerpen. Die werden ihre eigenen Schiffe nun sicherlich bevorzugt abfertigen\u00ab, so Denso.<\/p>\n<p>Wie stark sich der Stau auf Europas H\u00e4fen auswirkt, wird man jedoch erst in einigen Tagen sehen k\u00f6nnen. Vom Suezkanal nach Hamburg ben\u00f6tigt ein Schiff zehn Tage. \u00bbAuch die Sch\u00e4den f\u00fcr die Reedereien und die restliche Wirtschaft werden wir erst dann beziffern k\u00f6nnen\u00ab, erk\u00e4rt Denso.<\/p>\n<p>Die Verstopfung im Suezkanal hat eindrucksvoll gezeigt, wie verwundbar globale Handelswege trotz moderner Technik sind. Dabei hatte die Weltwirtschaft gewisserma\u00dfen noch Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck, weil es auf der Passage keine Schleusen gibt. Im Panamakanal dagegen schon \u2013 ein \u00e4hnlicher Zwischenfall h\u00e4tte dort wom\u00f6glich gravierendere Konsequenzen, sagt Stauforscher Schreckenberg. \u00bbDort w\u00fcrde eine Blockade zu einem deutlich schlimmeren R\u00fcckstau f\u00fchren.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Stau am Suezkanal: Wie l\u00e4sst sich der Andrang aufl\u00f6sen? 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