{"id":6824,"date":"2021-03-29T19:58:07","date_gmt":"2021-03-29T16:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-warum-wir-jetzt-einen-harten-lockdown-brauchen\/"},"modified":"2021-03-29T19:58:07","modified_gmt":"2021-03-29T16:58:07","slug":"corona-pandemie-warum-wir-jetzt-einen-harten-lockdown-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-pandemie-warum-wir-jetzt-einen-harten-lockdown-brauchen\/","title":{"rendered":"Corona-Pandemie: Warum wir jetzt einen harten Lockdown brauchen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8493d54a-6cd0-4cb0-a9f7-99a85065e988_w948_r1.77_fpx52.63_fpy49.97.jpg\" title=\"Kanzlerin Angela Merkel mit Berlins Regierendem B\u00fcrgermeister M\u00fcller (l.) und dem bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten S\u00f6der\" alt=\"Kanzlerin Angela Merkel mit Berlins Regierendem B\u00fcrgermeister M\u00fcller (l.) und dem bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten S\u00f6der\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kanzlerin Angela Merkel mit Berlins Regierendem B\u00fcrgermeister M\u00fcller (l.) und dem bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten S\u00f6der<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Fabrizio Bensch \/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die endlosen, surrealen Monate dieser Pandemie brachten schon viele schwierige Phasen, und oft hat die Politik dabei kein gutes Bild abgegeben. Doch zu sp\u00e4t bestellte Masken und eine chaotische Impfkampagne sind Kleinkram gegen\u00fcber dem, was nun passiert: Die politische F\u00fchrung des Landes weigert sich, die eigene Bev\u00f6lkerung konsequent und mit allen Mitteln zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Situation ist gespenstisch: Die Krankenh\u00e4user bereiten sich ernsthaft auf die Triage vor, also auf eine Situation, in der sie entscheiden m\u00fcssen, welche Covid-19-Patienten sie behandeln, welche sie sterben lassen m\u00fcssen. Die Intensivmediziner warnen tagein, tagaus vor einer Katastrophe. Jedes seri\u00f6se wissenschaftliche Modell \u2013 wirklich jedes \u2013 rechnet vor, dass es trotz der derzeit bestehenden Einschr\u00e4nkungen in Deutschland ab Mai mindestens 100.000 Covid-F\u00e4lle t\u00e4glich geben wird, eher aber 200.000 oder noch mehr.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber die Folgen besteht Einigkeit unter den Wissenschaftlern, manche L\u00e4nder haben sie zudem schon teils erfahren m\u00fcssen: Tausende Tote t\u00e4glich. \u00dcber Wochen und Monate. Weil sehr hohe Infektionszahlen auch durch harte Ma\u00dfnahmen nur langsam sinken. Die Impfkampagne wird ihre Wirkung nicht richtig entfalten k\u00f6nnen. Das hei\u00dft: irgendeine Form von Lockdown bis weit in den Sommer hinein. Vermutlich Hunderttausende Menschen, die Monate oder Jahre mit Long-Covid zu k\u00e4mpfen haben werden.<\/p>\n<p>All das klingt nach Horrorszenario, aber es ist inzwischen sehr wahrscheinlich. Die Pandemielage ist keine politische Ansichtssache. Mathematische und medizinische Grundregeln lassen sich nicht einfach ignorieren oder anders interpretieren. Exponentielles Wachstum h\u00f6rt nicht von selbst auf.<\/p>\n<p>Zu stoppen ist diese nahende Katastrophe nur mit einem sofortigen, harten und klar auf zwei bis drei Wochen beschr\u00e4nkten Lockdown inklusive Ausgangsbeschr\u00e4nkungen, Homeoffice-Pflicht und geschlossenen Schulen. Ein Rechenexempel: Wenn wir bei einer Inzidenz von 130 starten und den R-Wert auf 0,7 dr\u00fccken, sind wir in zwei Wochen bei einer Inzidenz von 32. Danach g\u00e4be es zusammen mit Impfungen und Tests endlich die Grundlage f\u00fcr echte und vor allem auch dauerhafte Lockerungen.<\/p>\n<p>Dennoch scheinen manche Ministerpr\u00e4sidenten in diesem Land offenbar auf alternative Fakten zu setzen: Dass sich eine au\u00dfer Kontrolle geratene Pandemie mit Testen schon wieder einfangen lasse. Dass die Menschen ja alle nach Lockerungen verlangten. Es ist verst\u00f6rend, dass zu diesen Ministerpr\u00e4sidenten auch der CDU-Vorsitzende Armin Laschet geh\u00f6rt.<\/p>\n<h3>Wie Trumps Amerika<\/h3>\n<p>Tats\u00e4chlich erinnert in Deutschland manches in diesen Tagen eher an das Amerika aus der Zeit Donald Trumps: dysfunktional, unorganisiert, blockiert. Und gefangen in Realit\u00e4tsverzerrung. Seit Wochen und Monaten gibt es keine Umfrage, die darauf hindeutet, dass eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung unter allen Umst\u00e4nden auf Lockerungen dr\u00e4ngt. Nat\u00fcrlich wollen alle zur\u00fcck in die Normalit\u00e4t. Nat\u00fcrlich wollen alle endlich neue Konzepte und Modellprojekte statt immer nur Lockdown. Aber eben nicht, solange die Lage so gef\u00e4hrlich ist und nun gerade komplett zu entgleisen droht. Die Forschungsgruppe Wahlen betont: \u00bbWir hatten noch nie eine Mehrheit f\u00fcr Lockerungen.\u00ab<\/p>\n<p>Laut ihrem Politbarometer halten nur 26 Prozent der Deutschen die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr \u00fcbertrieben, 31 Prozent halten die aktuellen Ma\u00dfnahmen inklusive Notbremse f\u00fcr gerade richtig. 36 Prozent sind dagegen f\u00fcr h\u00e4rtere Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Selbst der Pr\u00e4sident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, betonte am Wochenende: \u00bbEs w\u00e4re mir lieber, wenn wir noch mal zehn Tage bundesweit in einen harten Lockdown gehen und danach \u00fcberall \u00f6ffnen k\u00f6nnen, anstatt \u00fcber Monate keine klaren Strukturen zu haben\u00ab. Die Runde aus Ministerpr\u00e4sidenten und Kanzlerin habe offenbar \u00bbdas Gef\u00fchl daf\u00fcr verloren, wie die Wirtschaft tickt.\u00ab<\/p>\n<p>Stattdessen regieren die f\u00fchrenden Politiker dieses Landes nicht nur gegen den Rat der Wissenschaftler, sondern auch gegen die Bev\u00f6lkerung. Das ist irre.<\/p>\n<h3>Ausgleichen und Abwarten funktioniert diesmal nicht<\/h3>\n<p>Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint die mehrheitliche Unterst\u00fctzung der B\u00fcrger nun offenbar als ihre gr\u00f6\u00dfte und vielleicht einzig verbliebene Waffe zu sehen, um die Ministerpr\u00e4sidenten auf einen h\u00e4rteren Kurs zu zwingen. Im Interview mit Anne Will am Sonntag in der ARD sprach sie von einem \u00bbPfund\u00ab, das auch die L\u00e4nder im Auge haben sollten: \u00bbAlle wollen, dass diese Pandemie beendet wird. Aber nicht alle sind so illusionsfrei, dass sie einsehen, dass das Virus nicht mit sich verhandeln l\u00e4sst.\u00ab<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich soll das hei\u00dfen: Die Kanzlerin ist bereit f\u00fcr eine h\u00e4rtere Linie, scheitert aber den Ministerpr\u00e4sidenten. Gleichzeitig unterstrich Merkel aber, was die ganze Krise schon allen Beteiligten als Entschuldigung dient: Bund und L\u00e4nder m\u00fcssten sich nun einmal bei allem einigen. Kompromiss und Kooperation br\u00e4uchten eben Zeit.<\/p>\n<p>Sie ignoriert dabei, dass dieser Ansatz bereits mehrfach krachend gescheitert ist. Als h\u00e4tte die deutsche Politik immer noch nicht erkannt, dass Ausgleichen und Abwarten in dieser Jahrhundertkrise nicht so funktioniert wie bei jedem beliebigen politischen Problem.<\/p>\n<p>So h\u00e4ufen sich nun die absurden Szenen: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betont am Freitag, es m\u00fcsse nun eigentlich einen harten Lockdown geben von mindestens zehn Tagen. Neben ihm sitzt der Pr\u00e4sident des Robert Koch-Instituts und sagt: Es gibt keine anderen Instrumente, um die Welle zu brechen. Aber es passiert: absolut nichts.<\/p>\n<p>Dabei ist es beileibe nicht so, als verhinderten die politischen Verfahren dieser Republik prinzipiell entschiedene Reaktionen auf eine derartige Krise. Zumindest k\u00f6nnte die Kanzlerin laut und deutlich sagen: Ich will harte Ma\u00dfnahmen, und zwar jetzt. Wer nicht mitzieht, muss daf\u00fcr sp\u00e4ter die Verantwortung tragen, wenn es richtig \u00fcbel wird.<\/p>\n<p>Jens Spahn hat vergangenen Sommer den richtigen Satz gesagt: Wenn das alles vorbei sei, werde man sich viel verzeihen m\u00fcssen. Es ist ein guter Gedanke. In so au\u00dfergew\u00f6hnlichen Zeiten voller schwerer Entscheidungen kann nicht immer alles auf Anhieb gelingen.<\/p>\n<p>Aber das Land sehenden Auges in eine Katastrophe zu f\u00fchren, ist unverzeihlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Kanzlerin Angela Merkel mit Berlins Regierendem B\u00fcrgermeister M\u00fcller (l.) und dem bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten S\u00f6der Foto:\u2002Fabrizio Bensch \/ AP Die endlosen, surrealen Monate dieser Pandemie brachten schon viele schwierige<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6825,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6824","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6824"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6824\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6824"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6824"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}