{"id":6797,"date":"2021-03-28T12:17:50","date_gmt":"2021-03-28T09:17:50","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/myanmar-gewalt-des-militars-gegen-protestbewegung-eskaliert\/"},"modified":"2021-03-28T12:17:50","modified_gmt":"2021-03-28T09:17:50","slug":"myanmar-gewalt-des-militars-gegen-protestbewegung-eskaliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/myanmar-gewalt-des-militars-gegen-protestbewegung-eskaliert\/","title":{"rendered":"Myanmar: Gewalt des Milit\u00e4rs gegen Protestbewegung eskaliert"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/4356a6ed-694f-4151-a83f-bfe38f9c53c2_w948_r1.77_fpx43.31_fpy50.jpg\" title=\"Protestierende in Yangon: Wom\u00f6glich tritt der Konflikt in Myanmar gerade in eine neue Phase\" alt=\"Protestierende in Yangon: Wom\u00f6glich tritt der Konflikt in Myanmar gerade in eine neue Phase\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Protestierende in Yangon: Wom\u00f6glich tritt der Konflikt in Myanmar gerade in eine neue Phase<\/p>\n<p>  Foto:\u2002STR \/ AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Der vergangene Samstag ist ein festlicher Tag f\u00fcr Myanmars Putschistenf\u00fchrer Min Aung Hlaing. Am \u00bbTag der Streitkr\u00e4fte\u00ab feiert sich das Milit\u00e4r jedes Jahr selbst, auf einer Parade in der Hauptstadt Naypyidaw pr\u00e4sentiert es seine Panzer und Raketen, Soldaten marschieren in Formation. Vertreter aus Russland, China, Indien, Pakistan, Bangladesch, Thailand, Vietnam und Laos sind zugegen und verleihen dem Putschregime damit Legitimit\u00e4t.<\/p>\n<p>Bevor er abends in wei\u00dfer Galauniform zum Bankett geht, h\u00e4lt Min Aung Hlaing eine Rede \u2013 und bringt dabei ausreichend Chuzpe f\u00fcr folgenden Satz auf: \u00bbDas Milit\u00e4r reicht der ganzen Nation die Hand, um die Demokratie zu sch\u00fctzen.\u00ab<\/p>\n<p>Tags darauf werden in den sozialen Medien Fotos verbreitet, die einen schwelenden Haufen verbrannter Autoreifen zeigen. Darin ist etwas zu erkennen, das nach einem Oberarmknochen und einem menschlichen Sch\u00e4del aussieht. Angeblich die \u00dcberreste eines vierfachen Familienvaters aus Mandalay, der so unvorsichtig war, vor die T\u00fcr zu treten, als in der Nacht Soldaten in seinen Stadtteil Min Tal Ei Kin einr\u00fcckten. Sie sollen dem Mann in die H\u00fcfte geschossen und ihn anschlie\u00dfend lebendig verbrannt haben.<\/p>\n<p>Der SPIEGEL konnte den Fall nicht unabh\u00e4ngig verifizieren, doch im Hintergrund sind M\u00e4nner im traditionellen Wickelrock Longyi zu sehen, was nahelegt, dass die Fotos tats\u00e4chlich aus Myanmar stammen.<\/p>\n<h3>Mindestens 114 Tote im ganzen Land \u2013 an einem Tag<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die Gener\u00e4le in der abgeschirmten Hauptstadt ein Bekenntnis zur Demokratie heuchelten, entfesselten ihre M\u00e4nner im ganzen Land eine Gewaltorgie gegen jene, welche tats\u00e4chlich die Souver\u00e4nit\u00e4t des Volkes zu verteidigen versuchen.<\/p>\n<p>27 Menschen erschossen sie allein in der gr\u00f6\u00dften Stadt Yangon. Sie t\u00f6teten ihre Mitb\u00fcrger in Kawthaung an der s\u00fcdlichen Grenze zu Thailand, in Pathein im Irrawaddy-Delta, im Bergbauort Hpakant im hohen Norden. T\u00f6dliche Kugeln trafen eine 13-J\u00e4hrige im Haus ihrer Familie in Meiktila und einen F\u00fcnfj\u00e4hrigen in Mandalay. Sch\u00fcsse fielen auch auf das von der US-Botschaft betriebene Kulturinstitut American Center in Yangon. Ein Kampfjet bombardierte einen Rebellenst\u00fctzpunkt im Grenzgebiet Karen State.<\/p>\n<p>In einer Auflistung kam das recherchestarke Medium \u00bbMyanmar Now\u00ab f\u00fcr Samstag auf 114 Todesopfer in insgesamt 44 Ortschaften im ganzen Land. Rund ein Viertel aller Myanmarinnen und Myanmaren, die seit dem Putsch am 1. Februar von Milit\u00e4r und Polizei umgebracht wurden, starb demnach an diesen einzigen Tag. Das Milit\u00e4r hat seine am Vorabend im Staatsfernsehen verbreitete Drohung wahr gemacht, Teilnehmern von Demonstrationen liefen Gefahr, in Kopf oder R\u00fccken geschossen zu werden.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich tritt der Konflikt in Myanmar gerade in eine neue Phase. In den ersten vier Wochen nach dem Staatsstreich lie\u00dfen die Sicherheitskr\u00e4fte \u2013 f\u00fcr ihre Verh\u00e4ltnisse \u2013 noch vergleichsweise viel Protest zu. Ab dem 28. Tag richteten Sch\u00fctzen praktisch t\u00e4glich einzelne Protestierende hin, oft mit gezielten Kopfsch\u00fcssen. Vier weitere Wochen sp\u00e4ter haben sich die letzten Spurenelemente von Skrupel und Menschlichkeit vollends verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n<h3>Die Milit\u00e4rs wollen Friedhofsruhe herbeizwingen<\/h3>\n<p>Nimmt man die Geschehnisse des Samstags zum Indikator, haben die milit\u00e4rischen Befehlshaber sich offenbar von der Idee verabschiedet, eine halbwegs funktionsf\u00e4hige Regierung zu etablieren. Anscheinend geht es ihnen nur noch darum, Friedhofsruhe im Land herbeizuzwingen, indem sie jede B\u00fcrgerin und jeden B\u00fcrger in Todesangst versetzen. In diesem Licht betrachtet, haben all die Protestierenden recht, welche die Putschisten als \u00bbTerroristen\u00ab bezeichnen.<\/p>\n<p>Der ehemalige US-Botschafter in Myanmar, Scot Marciel, hat nach dem Blutsamstag getwittert, das myanmarische Milit\u00e4r sei \u00bbjenseits aller Vernunft\u00ab; er sehe keinen Wert in einer Fortsetzung eines Dialogs, \u00bbbis sie signalisieren, dass sie nach einem Ausweg suchen\u00ab.<\/p>\n<p>Die US-Au\u00dfen- und Verteidigungsminister Antony Blinken und Lloyd Austin haben ihr Entsetzen ge\u00e4u\u00dfert, die Generalst\u00e4be zahlreicher westlicher L\u00e4nder, darunter Deutschland, das Vorgehen der myanmarischen Milit\u00e4rs verurteilt und es zur Zur\u00fcckhaltung aufgerufen. Der Uno-Sonderberichterstatter f\u00fcr Myanmar, Tom Andrews, bezeichnete das Vorgehen der Junta als \u00bbMassenmord\u00ab.<\/p>\n<h3>Der Westen hat Myanmar wenig Hilfe anzubieten<\/h3>\n<p>Das sind zwar die richtigen Worte, doch aller Voraussicht nach wird es bei Worten bleiben. Schon durch ihre Teilnahme an der Parade haben Russland und China den Gener\u00e4len soeben bedeutet, dass sie nicht mit ihnen zu brechen gedenken; als st\u00e4ndige Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats d\u00fcrften sie entschiedene Taten gegen die Putschregierung verhindern. Au\u00dfer moralischer Entr\u00fcstung und unilateralen Wirtschaftssanktionen, die sich in der Vergangenheit als wenig wirkungsvoll erwiesen haben, hat der Westen den Menschen Myanmars wenig anzubieten.<\/p>\n<p>Nach Informationen des SPIEGEL sind einige demokratische Politiker und Aktivisten bereits in myanmarische Grenzregionen gefl\u00fcchtet, die von ethnischen Rebellengruppen kontrolliert werden. Dort sind sie sicherer als im Kernland, aber weit entfernt von den Bev\u00f6lkerungszentren; die geografische und machtpolitische Peripherie sind deckungsgleich. Schon nach dem Aufstand von 1988 haben sich Studentenf\u00fchrer in die Berge und Dschungel gerettet, f\u00fcr die Geschicke Myanmars spielten sie fortan praktisch keine Rolle mehr.<\/p>\n<p>Der \u00bbTag der Streitkr\u00e4fte\u00ab hie\u00df urspr\u00fcnglich anders, n\u00e4mlich \u00bbTag des Widerstands\u00ab. Er erinnert daran, wie sich myanmarische Verb\u00e4nde am Ende des Zweiten Weltkriegs gegen die Japaner erhoben \u2013 brutale Besatzer, die das Land ohne R\u00fccksicht auf die menschlichen Kosten unterjocht hatten. Angesichts dessen, wie die Machtmittel verteilt sind, erscheint vergleichbarer Widerstand heute wie eine kaum zu bew\u00e4ltigende Aufgabe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Protestierende in Yangon: Wom\u00f6glich tritt der Konflikt in Myanmar gerade in eine neue Phase Foto:\u2002STR \/ AP Der vergangene Samstag ist ein festlicher Tag f\u00fcr Myanmars Putschistenf\u00fchrer Min<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6798,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6797","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6797"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6797\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}