{"id":6766,"date":"2021-03-27T00:18:28","date_gmt":"2021-03-26T21:18:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/suezkanal-wie-man-die-ever-given-wieder-freibekommt\/"},"modified":"2021-03-27T00:18:28","modified_gmt":"2021-03-26T21:18:28","slug":"suezkanal-wie-man-die-ever-given-wieder-freibekommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/suezkanal-wie-man-die-ever-given-wieder-freibekommt\/","title":{"rendered":"Suezkanal: Wie man die \u00bbEver Given\u00ab wieder freibekommt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/1720c76b-d120-4e3f-b29f-b60fb1fdac9b_w948_r1.77_fpx29.6_fpy50.jpg\" title=\"Festgefahrener Containerriese in \u00c4gypten\" alt=\"Festgefahrener Containerriese in \u00c4gypten\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Festgefahrener Containerriese in \u00c4gypten<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Planet Labs  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Keiner wei\u00df, wann die \u00bbEver Given\u00ab wieder Fahrt aufnimmt. Das 400 Meter lange und 59 Meter breite Containerschiff war am Dienstag auf Grund gelaufen \u2013 wohl durch starke Winde und schlechte Sicht. Seitdem steckt es im Suezkanal fest, eine der wichtigsten Wasserstra\u00dfen der Welt. Der Pott, der einem japanischen Unternehmen geh\u00f6rt, blockiert die Passage durch den Kanal f\u00fcr Hunderte weitere Schiffe, wie Trackingdaten zeigen. Dadurch entstehen gigantische Kosten, zudem geraten die globalen Lieferketten der Waren ins Stocken.<\/p>\n<p>Die Bergung der \u00bbEver Given\u00ab, die unmittelbar bei der Stadt Sues an der Nordspitze des Roten Meeres quer liegt, ist offenbar keine Kleinigkeit. Das Schiff steckt zu beiden Seiten in der Uferbefestigung. Je nachdem, wem man glaubt, k\u00f6nnte es Tage oder Wochen dauern; letzteres sagte zumindest ein an der Bergungsaktion beteiligtes Unternehmen. Die japanische Eignerfirma hofft dagegen, dass das Schiff am Wochenende wieder flott ist.<\/p>\n<p>Im Augenblick setzen die Experten auf Schlepper, die den Bug der \u00bbEver Given\u00ab wieder in den Strom ziehen sollen. Die Hoffnung ist auch, dass die Schiffsschrauben der Schlepper Sediment unter dem Bug des Containerriesen sozusagen wegblasen. Zehn solcher Schiffe versuchten das allerdings bislang erfolglos.<\/p>\n<p>Deshalb d\u00fcrften Hobbyingenieure rund um die Welt derzeit diskutieren, was jetzt zu tun ist. Dabei wurde auch eine Strategie er\u00f6rtert, die zun\u00e4chst v\u00f6llig abwegig klingt: der Einsatz von Hubschraubern. Tats\u00e4chlich sollen Mitarbeiter der \u00e4gyptischen Kanalbeh\u00f6rde \u00fcber diese M\u00f6glichkeit spekuliert haben. So k\u00f6nnte man die Ladung des Schiffs nach und nach l\u00f6schen. Durch die Gewichtsreduzierung ist es vielleicht m\u00f6glich, dass sich der Containerriese leichter vom Grund ziehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Ein interessanter Ansatz. Zwar ist unklar, wie viele Container derzeit an Bord sind, auf Bildern erscheint das Schiff nah an der Wasserlinie. Es kann bis zu 20.000 Container transportieren. Jeder dieser Container wiegt leer ungef\u00e4hr zweieinhalb Tonnen, voll beladen sind es gut 30.<\/p>\n<p>Bei dieser Last kommen Helikopter an ihre Grenzen. Der Sikorsky CH-53K King Stallion gilt als st\u00e4rkster Transporthubschrauber der US-Streitkr\u00e4fte. Aber auch er kann trotz seiner drei Triebwerke nur rund 16 Tonnen bewegen. Selbst der russische Mil Mi-26, der st\u00e4rkste und gr\u00f6\u00dfte Serienhubschrauber der Welt, kann nur rund 20 Tonnen in die Luft heben, hei\u00dft es in einem Bericht. Zwar gab es mal eine Maschine, die solche Lasten bewegen konnte: den Mil Mi-12, den gr\u00f6\u00dften bisher gebauten Hubschrauber. Aber gebaut wurden lediglich Prototypen, die heute im Museum stehen.<\/p>\n<p>Mit dem Mil Mi-26, von dem zwei Maschinen von den Streitkr\u00e4ften Jordaniens betrieben werden, k\u00f6nnen also h\u00f6chstens leichtere Container bewegt werden. Und auch das w\u00fcrde dauern. Um das Schiff um 5000 Tonnen zu erleichtern, m\u00fcsste man Hunderte Fl\u00fcge unternehmen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich wurden solche Missionen bereits durchgef\u00fchrt. Als 2017 das \u00fcber 180 Meter lange Containerschiff \u00bbKea Trader\u00ab auf ein Riff lief, wurden im sp\u00e4teren Verlauf des Ungl\u00fccks Hubschrauber vom Typ Sikorsky Skycrane eingesetzt, um die Container zu bergen.<\/p>\n<h3>Saugbagger und Ballastwasser<\/h3>\n<p>Experten setzen bei solchen Unf\u00e4llen sonst \u00fcblicherweise auf eine dreistufige Strategie: eine Kombination aus Baggern, dem Einsatz von Schleppern und notfalls der Gewichtsreduzierung.<\/p>\n<p>Derzeit arbeitet bereits ein Bagger am Ufer und tr\u00e4gt rund um den m\u00e4chtigen Bugwulst Erde ab. Ein spezieller Saugbagger soll ebenfalls eingesetzt werden. Er kann pro Stunde rund 2000 Kubikmeter Material bewegen, teilte die Kanalbeh\u00f6rde mit. Demnach m\u00fcssten gesch\u00e4tzt zwischen 15.000 und 20.000 Kubikmeter Sand unter dem Schiff abgetragen werden. Dann sei eine Tiefe von zw\u00f6lf bis 16 Metern erreicht, die ausreiche, um das Schiff wieder frei zum Schwimmen zu bringen.<\/p>\n<p>Sollt das nicht funktionieren, wird die rund 224.000-Tonnen schwere Stahlkonstruktion wohl abspecken m\u00fcssen. \u00dcblicherweise wird dabei zun\u00e4chst Ballastwasser abgelassen. Normalerweise hilft das Ballastsystem dem Schiff, unregelm\u00e4\u00dfige Gewichtsverteilung auszugleichen und es gleichm\u00e4\u00dfig auf die Wasserlinie zu legen. Bis zu 20.000 Tonnen Wasser kann ein Schiff dieser Gr\u00f6\u00dfe an Bord haben, berichtet ein ehemaliger Kapit\u00e4n dem SPIEGEL, der den Kanal mehrfach durchfahren hat.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit ist das Abpumpen von Treibstoff, daf\u00fcr m\u00fcssen aber entsprechende Tankschiffe an den Ort der Havarie reisen. Und m\u00f6glicherweise reicht das im Fall der \u00bbEver Given\u00ab nicht aus, um sie leicht genug zu machen, vermuten Experten.<\/p>\n<h3>L\u00f6schen der Ladung<\/h3>\n<p>Aber schon diese beiden Schritte sind mit enormem Aufwand verbunden und nicht ohne Risiko. Zun\u00e4chst wird eine Stabilit\u00e4tsberechnung aufgestellt, denn man kann nicht einfach beliebig Wasser und Treibstoff entnehmen und das Schiff unten erleichtern, w\u00e4hrend oben schwere Container draufstehen. Es k\u00f6nnte im schlimmsten Fall kippen, deshalb muss Wasser und Treibstoff gleichm\u00e4\u00dfig aus den verschiedenen Tanks gelassen werden.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chste M\u00f6glichkeit bleibt nur das gleichm\u00e4\u00dfige und schrittweise L\u00f6schen der Ladung. Mit Schwimmkr\u00e4nen w\u00e4re das aber eine aufwendige Operation, denn zun\u00e4chst m\u00fcssten sie nah genug an das Schiff herangebracht werden und gro\u00df genug sein, um die obersten Container zu erreichen. Auch hier ist fraglich, wie schnell entsprechendes Ger\u00e4t nach Sues gebracht werden kann.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise lassen sich hier Spezialschiffe verwendet, die f\u00fcr den Aufbau von Offshore-Windanlagen gebraucht werden. Aber auch das Abladen der Container ist nicht leicht. Denn ein Schiff kann nicht einfach von einer Seite abgeladen werden, es besteht die Gefahr, dass es aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t. Die Ladung muss gleichm\u00e4\u00dfig entnommen werden.<\/p>\n<p>Wenn alle anderen Versuch fehlschlagen, wird man am Ende versuchen, das zumindest etwas leichtere und freigebaggerte Schiff mit Schleppern aus dem Ufer zu ziehen. Solche Strategien sind bereits mehrfach erfolgreich umgesetzt worden. F\u00fcr eine der spektakul\u00e4rsten Aktionen muss man nicht einmal in ferne L\u00e4nder schauen. 2016 wurde die \u00bbCSCL Indian Ocean\u00ab nahe des Hamburger Hafens aus der Elbe befreit. Der nahezu genauso lange Containerriese havarierte, als die Ruderanlage ausfiel.<\/p>\n<p>Das Schiff musste schlie\u00dflich um mehr als 6500 Tonnen Gewicht erleichtert werden, davon waren 250 Tonnen Treibstoff. Saugbagger trugen damals 45.000 Kubikmeter Sediment ab, ehe das Schiff von zw\u00f6lf Schleppern freigeschleppt werden konnte. Die Aktion dauerte damals fast neun Tage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Festgefahrener Containerriese in \u00c4gypten Foto:\u2002Planet Labs Keiner wei\u00df, wann die \u00bbEver Given\u00ab wieder Fahrt aufnimmt. 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