{"id":6763,"date":"2021-03-26T20:16:48","date_gmt":"2021-03-26T17:16:48","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/suezkanal-so-hart-trifft-die-havarie-der-ever-given-die-weltwirtschaft\/"},"modified":"2021-03-26T20:16:48","modified_gmt":"2021-03-26T17:16:48","slug":"suezkanal-so-hart-trifft-die-havarie-der-ever-given-die-weltwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/suezkanal-so-hart-trifft-die-havarie-der-ever-given-die-weltwirtschaft\/","title":{"rendered":"Suezkanal: So hart trifft die Havarie der \u00bbEver Given\u00ab die Weltwirtschaft"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/ebb10f3c-aa16-495d-a9c0-d12f015098d2_w948_r1.77_fpx61.97_fpy54.97.jpg\" title=\"Containerfrachter \u00bbEver Given\u00ab im Suezkanal\" alt=\"Containerfrachter \u00bbEver Given\u00ab im Suezkanal\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Containerfrachter \u00bbEver Given\u00ab im Suezkanal<\/p>\n<p>  Foto:\u2002- \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Verzweiflung am Suezkanal w\u00e4chst mit jeder Flut. Sechsmal haben die Bergungsteams bei Hochwasser versucht, die seit Dienstag auf Grund gelaufene \u00bbEver Given\u00ab freizubekommen. Aber auch am Freitagmorgen sind sie gescheitert. Der 400 Meter lange Containerriese steckt noch immer fest, diagonal im Kanal. Und blockiert die wichtigste Wasserstra\u00dfe zwischen Asien und Europa. Der Flaschenhals der Warenversorgung ist verstopft.<\/p>\n<p>Nun sollen es die Holl\u00e4nder richten. Ein Team des Rotterdamer Bergungsspezialisten Smit ist eingeflogen worden; ein Spezialbaggerschiff saugt Tausende Kubikmeter Sand ab, um den Frachter freizulegen. Parallel soll Treibstoff aus dem Bauch des Frachters abgepumpt werden, um ihn leichter zu machen. Wie lange die Rettungsaktion dauert? Ob sie am Ende gelingt? Ungewiss.<\/p>\n<p>Klar ist dagegen mittlerweile: Der Unfall verursacht massive wirtschaftliche Kollateralsch\u00e4den. Weit \u00fcber die Schifffahrtsbranche hinaus. Es trifft auch Industriebetriebe, deren Produktion an p\u00fcnktlich eintreffenden Teilen und Vorprodukten h\u00e4ngt. Und Endverbraucher gerade in Europa werden sich auf verz\u00f6gerte Lieferungen von Waren aus Fernost einstellen m\u00fcssen; vielleicht auch auf das eine oder andere leere Regal. Europas gr\u00f6\u00dfter Versicherer Allianz geht in einer Studie davon aus, dass eine anhaltende Blockade des Suezkanals jede Woche sechs bis zehn Milliarden Dollar kosten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>185 Schiffe haben sich laut der Nachrichtenagentur Bloomberg vor den beiden Kanaleinfahrten angestaut. Selbst wenn die \u00bbEver Given\u00ab vor dem Wochenende frei kommen sollte, w\u00fcrde es mehrere Tage dauern, die Verstopfung aufzul\u00f6sen. Doch danach sieht es nicht aus.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Schiffsbetreiber \u00fcberlegen nun ernsthaft, Tausende Kilometer lange Umwege rund um Afrika zu fahren, statt noch l\u00e4nger vor den Kanaleinfahrten der Befreiung zu harren. \u00bbVor zwei Tagen haben wir noch gedacht, es gibt bald eine L\u00f6sung. Aber es scheint sich zu ziehen\u00ab, sagte Nils Haupt vom f\u00fchrenden deutschen Containerreeder Hapag-Lloyd dem SPIEGEL. \u00bbWir sind nahe dran, die Entscheidung zu treffen, dass wir um das Kap der Guten Hoffnung fahren.\u00ab<\/p>\n<p>Allein f\u00fcnf Schiffe von Hapag-Lloyd warten zurzeit auf die Kanaldurchfahrt. Wom\u00f6glich k\u00f6nnten diese Frachter schon am Freitag in Richtung des Kaps der Guten Hoffnung umgelenkt werden \u2013 wie auch die von Hapag-Lloyds Allianzpartnern Yang Ming aus Taiwan, ONE aus Singapur und Hyundai.<\/p>\n<p>Ein Hyundai-Frachter hat bereits den Kurs gewechselt: die \u00bbHMM Rotterdam\u00ab. Sie ist auf dem Weg von London nach Singapur. Auf der Website \u00bbMarine Traffic\u00ab ist zu sehen, dass der Containerriese zuerst durch die Stra\u00dfe von Gibraltar in Richtung Mittelmeer einsteuerte, dann aber abrupt wendete \u2013 und nun um Nordafrika herumf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Auch die weltgr\u00f6\u00dfte Containerreederei Maersk \u00fcberlegt, zumindest Teile der Flotte \u00fcber das Kap der Guten Hoffnung zu beordern. \u00bbWir kalkulieren gerade und \u00fcberpr\u00fcfen alle M\u00f6glichkeiten\u00ab, sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag dem SPIEGEL. Noch sei keine Entscheidung getroffen. F\u00fcr Kunden, die es besonders eilig haben, pr\u00fcft Maersk laut der Sprecherin, ob die Ware alternativ per Zug oder Flugzeug zu ihnen transportiert werden kann. Vorausgesetzt, die Klienten zahlen dies selbst.<\/p>\n<p>Andernfalls hei\u00dft es warten. Der Umweg \u00fcber das Kap der Guten Hoffnung dauert auf der Route Westeuropa-Ostasien laut Maersk zwischen f\u00fcnf und acht Tage und ist rund 3000 Seemeilen lang (gut 5500 Kilometer). Die zus\u00e4tzlichen Kosten sind f\u00fcr die Reeder noch halbwegs verschmerzbar: Zwar verbrennt ein gro\u00dfes Containerschiff t\u00e4glich zwischen 80 und 100 Tonnen Schiffsdiesel, allein f\u00fcr den Treibstoff kommen so schnell 250.000 Euro Mehrkosten zusammen. Im Gegenzug allerdings entfallen die \u00e4hnlich hohen Kanalgeb\u00fchren.<\/p>\n<p>Weitaus h\u00e4rter treffen d\u00fcrfte die Branche, ihre Kunden und die Endverbraucher die sich abzeichnende Kaskade von Problemen im globalen G\u00fctertransport. So drohen in vielen Zielh\u00e4fen weitere Verstopfungen, wenn die versp\u00e4teten Frachter vom Suezkanal und p\u00fcnktliche Schiffe anderer Herkunft gleichzeitig eintreffen.<\/p>\n<p>Zugleich geraten die Zeitpl\u00e4ne der Linienreedereien komplett durcheinander. Das hei\u00dft: Auch die R\u00fccktransporte versp\u00e4ten sich \u2013 besonders die von Leercontainern, die in vielen asiatischen H\u00e4fen schon seit Monaten knapp sind. Wenn es dort keine Beh\u00e4ltnisse f\u00fcr die Waren mehr gibt, sind weitere Verz\u00f6gerungen programmiert. Oder gar komplette Lieferausf\u00e4lle.<\/p>\n<h3>Zerrei\u00dfen die Lieferketten?<\/h3>\n<p>Laut einer Sch\u00e4tzung der Branchenexperten von Lloyd&#039;s List, die der Nachrichtendienst Bloomberg zitiert, werden an normalen Tagen Waren im Wert von etwa 9,6 Milliarden US-Dollar (rund 8 Milliarden Euro) durch den Kanal transportiert. Schon vor dem Ungl\u00fcck war die Lage im weltweiten Containerverkehr angespannt. Viele Schiffe in Richtung Westen sind randvoll, weil die Nachfrage in Europa und Asien nach Ware aus Fernost so gro\u00df ist.<\/p>\n<p>\u00bbWir transportieren im Moment gro\u00dfe Mengen von Konsumg\u00fctern: M\u00f6bel, Fitnessger\u00e4te, Yogamatten, Fahrr\u00e4der, Do-it-yourself-Ausr\u00fcstung, Unterhaltungselektronik, Waschmaschinen, Toaster\u00ab, sagt Hapag-Lloyd-Sprecher Haupt.<\/p>\n<p>Der Ansturm der Verbraucher auf solche Waren ist ein Ergebnis der Pandemie: Anstatt Restaurants, Kinos oder Klubs zu besuchen, geben viele Menschen ihr Geld aus, um ihr Zuhause aufzum\u00f6beln. Doch je l\u00e4nger der Stau am Suezkanal dauert, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Gefahr, dass sich einige dieser G\u00fcter zumindest zeitweise verknappen.<\/p>\n<p>Automobilhersteller in Europa k\u00f6nnten ebenfalls in die Bredouille kommen. Die Branche operiere mit Just-in-time-Lieferketten, warnen Analysten der Ratingagentur Moody&#039;s. Sie habe oft nur geringe Lagerbest\u00e4nde an Bauteilen und sei abh\u00e4ngig von Lieferungen dieser Komponenten aus Asien.<\/p>\n<p>Die Chemiebranche trifft es bereits. Rund 16 Prozent der deutschen Chemieimporte und 18 Prozent der Exporte gehen laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) per Schiff durch die Wasserstra\u00dfe. \u00bbIn der Chemieindustrie und bei ihren industriellen Kunden sind momentan die Lieferketten aus Asien unterbrochen\u00ab, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den VCI-Chefvolkswirt Henrik Meincke. Dadurch komme es zu Engp\u00e4ssen bei wichtigen Vorprodukten. \u00bbSollte es am Wochenende nicht gelingen, den Suezkanal wieder freizubekommen, wird sich die Lage deutlich verschlechtern\u00ab, sagte Meincke.<\/p>\n<p>Bei den n\u00e4chsten Hochwassern \u2013 die n\u00e4chste Flut ist am Freitagabend gegen 22 Uhr Ortszeit \u2013 werden die Bergungsteams wohl neue Versuche starten. In der Hoffnung auf ihr Hightech-Equipment \u2013 und die Hilfe der Natur. Denn am Wochenende ist Vollmond; die Gezeiten werden in den n\u00e4chsten Tagen ausgepr\u00e4gter sein. Vielleicht machen ein paar Zentimeter mehr Wasser den entscheidenden Unterschied.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Containerfrachter \u00bbEver Given\u00ab im Suezkanal Foto:\u2002- \/ dpa Die Verzweiflung am Suezkanal w\u00e4chst mit jeder Flut. 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