{"id":6695,"date":"2021-03-23T18:56:58","date_gmt":"2021-03-23T15:56:58","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-regeln-die-unertraglichen-privilegien-der-wirtschaft\/"},"modified":"2021-03-23T18:56:58","modified_gmt":"2021-03-23T15:56:58","slug":"corona-regeln-die-unertraglichen-privilegien-der-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-regeln-die-unertraglichen-privilegien-der-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Corona-Regeln: Die unertr\u00e4glichen Privilegien der Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/6b657752-5873-4c93-9928-efc6c832ead3_w948_r1.77_fpx41_fpy54.jpg\"\/>        Bild vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002Stefan Zeitz \/ imago images  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">W\u00e4re die Pandemie in Deutschland nicht real und bitterernst, sondern nur ein Theaterst\u00fcck, dann w\u00e4re die B\u00fchne zweigeteilt. Die eine H\u00e4lfte ist in Licht getaucht, zahllose Augenpaare richten sich auf sie, jeder Fehltritt, jeder falsche Ton, jede technische Panne wird vom Publikum mit emp\u00f6rtem Raunen quittiert.<\/p>\n<p>Es ist jener Teil der B\u00fchne, auf der die Coronama\u00dfnahmen und die, die sie einhalten oder auch nicht, gut sichtbar sind: die Spielpl\u00e4tze, die Theken der B\u00e4cker, die Kassen der Superm\u00e4rkte, die Friseure hinter ihren Glasfassaden, die Schulh\u00f6fe, die Strand- und Uferpromenaden deutscher St\u00e4dte. Dort prangen die Hinweisschilder. Dort patrouilliert die Polizei. Dort drohen Bu\u00dfgelder.<\/p>\n<p>Die andere H\u00e4lfte der B\u00fchne ist kaum ausgeleuchtet. Sehr wenige Menschen bekommen mit, was dort passiert, obwohl dort viel passiert. Doch kaum jemand im Publikum raunt auch nur.<\/p>\n<p>Es wird kaum wahrgenommen, das Treiben in den B\u00fcros, in den Produktionshallen, auf den Baustellen und in den Werkst\u00e4tten deutscher Unternehmen. Dabei wird die Frage, wo sich das Virus Sars-CoV-2 verbreitet und ob wir es eind\u00e4mmen k\u00f6nnen, auch dort entschieden.<\/p>\n<h3>Seit Monaten viel zu laxe Regeln<\/h3>\n<p>Doch die Coronaregeln, die f\u00fcr den schlecht ausgeleuchteten Teil der Arbeitswelt gelten, waren monatelang viel zu lax. Eine Umfrage der gewerkschaftsnahen B\u00f6ckler-Stiftung ergab, dass im November nur 14 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen in Deutschland \u00fcberwiegend oder ausschlie\u00dflich zu Hause gearbeitet hatten. Im vergangenen April, kurz nach Beginn der Pandemie, waren es noch 27 Prozent.<\/p>\n<p>Und was dort passiert, wo Menschen weiterhin in mehr oder weniger gut bel\u00fcfteten Innenr\u00e4umen mit mehr oder minder gro\u00dfem Abstand nebeneinander arbeiten, wird selten \u00f6ffentlich bekannt. Die wenigsten Ansteckungen mit Sars-CoV-2 lassen sich eindeutig zuordnen, warnte das Robert Koch-Institut Mitte M\u00e4rz erneut. Klar sei jedoch, dass es auch im beruflichen Umfeld zu \u00bbzahlreichen H\u00e4ufungen\u00ab komme.<\/p>\n<p>Im Januar versuchte die Regierung mit der neuen Sars-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, die Unternehmen endlich st\u00e4rker in die Pflicht zu nehmen. Chefinnen und Chefs m\u00fcssen seither \u00fcberall dort, wo es betrieblich m\u00f6glich ist, ihre Besch\u00e4ftigten ins Homeoffice lassen. Wenn in B\u00fcros oder Werkst\u00e4tten, auf Baustellen oder in Kantinen dennoch mehrere Menschen zusammenkommen, die keinen Mindestabstand wahren k\u00f6nnen, sollen sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen, l\u00fcften oder Trennw\u00e4nde aufstellen.<\/p>\n<p>Gezielte Kontrollen wie auf Spielpl\u00e4tzen und in Einkaufsstra\u00dfen? Eine pauschale Maskenpflicht, wie sie selbst Grundsch\u00fclerinnen und Grundsch\u00fcler vielerorts auferlegt bekommen haben? Nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Das war nicht nur unfair, es war auch ineffizient: Laut Robert Koch-Institut nehmen Ausbr\u00fcche am Arbeitsplatz seit Beginn des Jahres tendenziell zu. Ein Team von Forschern, die den Nutzen verschiedener Schutzma\u00dfnahmen untersuchten, mahnte gerade eine Maskenpflicht f\u00fcr alle Innenr\u00e4ume an, in denen mehrere Menschen arbeiten.<\/p>\n<h3>Keine Maskenpflicht, keine Schnelltestpflicht<\/h3>\n<p>Da h\u00e4tte die Bund-L\u00e4nder-Runde nun endlich nachbessern k\u00f6nnen. Stattdessen beschloss sie in der Nacht zum Dienstag keine versch\u00e4rften Regeln f\u00fcr Unternehmen. Die angedachte Maskenpflicht f\u00fcr die, die sich aus beruflichen Gr\u00fcnden mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, findet sich nicht mehr im finalen Beschluss. Auch zu einer Schnelltestpflicht konnte man sich nicht durchringen, es bleibt beim schwachen Appell zur Selbstverpflichtung.<\/p>\n<p>Ob die f\u00fcnf sogenannten Ruhetage \u00fcber Ostern auch f\u00fcr Firmen und ihre Belegschaft gelten? Im Beschluss bezieht man sich nur auf private Treffen, auf \u00f6ffentliche Ansammlungen, auf Superm\u00e4rkte und auf die Au\u00dfengastronomie.<\/p>\n<p>Wirksame Kontrollen und Sanktionen f\u00fcr die, die es am Arbeitsplatz mit dem Infektionsschutz nicht so ernst nehmen, soll es weiterhin nicht geben. Ein Rechtsanspruch auf Homeoffice und eine Pflicht dazu, deren Ausnahmen gut begr\u00fcndet sein m\u00fcssten, werden vorerst wohl ebenso wenig kommen.<\/p>\n<p>Das muss sich wie blanker Hohn f\u00fcr alle Schulleitungen anh\u00f6ren, die m\u00f6glichst bald jede Sch\u00fclerin und jeden Sch\u00fcler, der zum Unterricht kommt, zweimal pro Woche testen lassen sollen. Es mutet auch zynisch gegen\u00fcber dem Teil der Wirtschaft an, der seit nun mehr als einem Jahr im Rampenlicht steht und sch\u00e4rfste Restriktionen ertragen muss: Hotels sollen auch \u00fcber Ostern keine Urlauber aufnehmen d\u00fcrfen, Restaurants d\u00fcrfen niemanden bewirten, nicht mal drau\u00dfen. Der Einzelhandel, Sportanlagen und Museen m\u00fcssen ebenso wieder komplett schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Ministerpr\u00e4sidentinnen und Ministerpr\u00e4sidenten \u00fcberbieten sich also auf der B\u00fchne der Pandemiebek\u00e4mpfung, auf die unser aller Blicke t\u00e4glich gerichtet sind, wieder mit Vorgaben. Die andere B\u00fchne bleibt weiterhin im Schummerlicht. Das ist ungerecht, nicht plausibel und schwer auszuhalten, weil es das Elend f\u00fcr alle in die L\u00e4nge zieht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002Stefan Zeitz \/ imago images W\u00e4re die Pandemie in Deutschland nicht real und bitterernst, sondern nur ein Theaterst\u00fcck, dann w\u00e4re die B\u00fchne zweigeteilt. 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