{"id":6639,"date":"2021-03-21T06:40:32","date_gmt":"2021-03-21T03:40:32","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/olympische-spiele-in-tokio-2021-wie-hoch-darf-der-preis-sein\/"},"modified":"2021-03-21T06:40:32","modified_gmt":"2021-03-21T03:40:32","slug":"olympische-spiele-in-tokio-2021-wie-hoch-darf-der-preis-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/olympische-spiele-in-tokio-2021-wie-hoch-darf-der-preis-sein\/","title":{"rendered":"Olympische Spiele in Tokio 2021: Wie hoch darf der Preis sein?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f2a116dd-944d-4c85-8f33-22ac89ec7a3c_w948_r1.77_fpx64.67_fpy47.jpg\" title=\"Die Olympische Flamme ist in Japan eingetroffen\" alt=\"Die Olympische Flamme ist in Japan eingetroffen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Die Olympische Flamme ist in Japan eingetroffen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Eugene Hoshiko\/AP\/dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Olympischen Spiele in Tokio finden nun also ohne ausl\u00e4ndische Zuschauer statt. Der Beschluss der japanischen Gastgeber ist ein weiterer R\u00fcckschlag f\u00fcr die Spiele in dieser Woche. In den vergangenen Tagen hatte es bereits Aufregung in der Leichtathletik und im Fechten gegeben, als sich noch so gut gemeinte Protokolle mit der Pandemie \u00fcberfordert zeigten. Zahlreiche Coronaf\u00e4lle in Budapest und Torun bei internationalen Events lie\u00dfen immer st\u00e4rkere Zweifel aufkommen, ob das alles im Sommer so funktionieren kann: Ein Sportereignis, das in der Pandemie Tausende Menschen aus aller Welt zusammenbringt. Eigentlich kann das doch nur schiefgehen, oder?<\/p>\n<p>Und wof\u00fcr sollte man das \u00fcberhaupt noch wollen?<\/p>\n<p>Eine ausgelassene Feier des Sports wird es abgeriegelt von der Welt nicht geben. Selbst viele Sportler sind inzwischen hin- und hergerissen. Sie w\u00fcnschen sich ihre m\u00f6gliche Karrierekr\u00f6nung auf der einen Seite. Doch auf der anderen steht ein gesundheitliches Risiko f\u00fcr sie selbst und andere, dessen Ausma\u00df \u2013 Stichwort Langzeitsch\u00e4den \u2013 l\u00e4ngst nicht absehbar ist. Dass Hygienekonzepte bei allem guten Willen ihre Grenzen haben, hat sich nicht erst in dieser Woche gezeigt. All diese Blasen sind letztlich eine Illusion und irgendwo durchl\u00e4ssig. Die von Tokio ist zudem um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer, wenn \u00fcber 10.000 Sportler plus Betreuer und Offizielle, vielleicht auch Journalisten aus aller Welt zusammenkommen.<\/p>\n<p>Doch das IOC hat eine erneute Verschiebung oder Absage Olympias immer wieder ausgeschlossen. Es gebe keinen Plan B, sagte Thomas Bach. Das IOC scheint nur seiner eigenen Kasse verpflichtet. Dabei war es dem auch von Bach immer wieder beschworenen Olympischen Geist ja einmal um den Sport und seine Sportler gegangen. Ihnen gegen\u00fcber ist das IOC mindestens moralisch in der F\u00fcrsorgepflicht wie ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern. Es verdient ja auch kr\u00e4ftig pro Zyklus an ihrer sportlichen Darbietung, in Sotschi 2014 und Rio 2016 waren es allein \u00fcber drei Milliarden TV-Gelder.<\/p>\n<p>Doch manche Sportler halten das bislang vorgelegte sogenannte Playbook mit den Regeln f\u00fcr die Spiele f\u00fcr bei Weitem nicht ausreichend. Nun sind es noch vier Monate bis zur geplanten Er\u00f6ffnungsfeier. Es bleibt noch Zeit zur Nachbesserung, die dringend geboten ist \u2013 im Interesse aller. Schwere Erkrankungen oder gar Todesf\u00e4lle von Sportlern, die direkt mit Olympia in Verbindung gebracht werden, kann selbst das sonst moralisch nicht zimperliche IOC kaum wollen. Die d\u00fcrften zynisch gesprochen f\u00fcr das Ansehen des Kernprodukts, das zuletzt immer neue Einnahmerekorde erzielte, noch sch\u00e4dlicher sein als Freundschaften und Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit Autokraten und Menschenrechtsverletzern.<\/p>\n<p>Es wird Zeit f\u00fcr das IOC, \u00fcber einen Plan B zu sprechen: nicht in Hinterzimmern, sondern \u00f6ffentlich. Auch um Athleten die Angst und den Druck zu nehmen. Das permanente Reden \u00fcber die Alternativlosigkeit der Spiele im Sommer f\u00fchrt schon jetzt wie in Budapest und Torun zu unkontrollierten Kollateralsch\u00e4den, deren Tragweite nicht absehbar ist. Wer in Tokio dabei sein will, muss sich international qualifizieren und Wettkampfpraxis sammeln. Das geht in der Pandemie nicht ohne Risiko.<\/p>\n<h3>Das IOC sollte mit den Sportlern gemeinsam planen<\/h3>\n<p>Auch die meisten Sportler wollen die Spiele nicht absagen. Wenn das IOC Verantwortung \u00fcbernimmt, kann es nur um eine erneute Verschiebung oder radikale Anpassung gehen. Eine Absage wird es schon aus Gesch\u00e4ftsinteresse wohl nicht geben. Dabei muss man realistisch bleiben: Ansteckungen werden sich nicht ausschlie\u00dfen lassen, solange die Spiele stattfinden. Ein Superspreader-Event mit unabsehbaren Folgen muss aber in jedem Fall verhindert werden, wenn die Zehntausenden das Virus nicht bei der Abreise wieder zur\u00fcck in eine nicht immunisierte Welt tragen sollen. Das ist das Mindeste.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnte Olympia also aussehen? Eine Er\u00f6ffnungsfeier mit allen Teams, auch gegenseitige Besuche und damit die Durchmischung der Sportler untereinander sind kaum vorstellbar. Stattdessen m\u00fcsste man wohl Sportarten voneinander separieren, statt sie im gemeinsamen Olympischen Dorf zusammenzubringen. F\u00fcr die Sportler w\u00fcrde all das viel der eigentlichen Faszination von Olympia, das Miteinander und Durcheinander der Sportarten und Nationen nehmen.<\/p>\n<p>So oder so: Das IOC muss sich Gedanken machen. Das sollte es \u00f6ffentlich und gemeinsam mit den Athleten tun, die am Ende die Konsequenzen tragen. Der Schaden f\u00fcr sein teures Produkt k\u00f6nnte sonst am Ende viel gr\u00f6\u00dfer werden, als nur die Einbu\u00dfen der Sommerspiele von Tokio.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die Olympische Flamme ist in Japan eingetroffen Foto:\u2002Eugene Hoshiko\/AP\/dpa Die Olympischen Spiele in Tokio finden nun also ohne ausl\u00e4ndische Zuschauer statt. 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