{"id":660,"date":"2020-06-23T17:46:34","date_gmt":"2020-06-23T14:46:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-russland-viele-tote-tauchen-in-offizieller-statistik-nicht-auf\/"},"modified":"2020-06-23T17:46:34","modified_gmt":"2020-06-23T14:46:34","slug":"corona-in-russland-viele-tote-tauchen-in-offizieller-statistik-nicht-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-russland-viele-tote-tauchen-in-offizieller-statistik-nicht-auf\/","title":{"rendered":"Corona in Russland: Viele Tote tauchen in offizieller Statistik nicht auf"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/4003ae15-abcf-460f-8bdf-dc8addf972a3_w948_r1.77_fpx66.36_fpy50.jpg\" title=\"Was sagen die offiziellen Zahlen \u00fcber die Corona-Pandemie in Russland aus?\" alt=\"Was sagen die offiziellen Zahlen \u00fcber die Corona-Pandemie in Russland aus?\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Was sagen die offiziellen Zahlen \u00fcber die Corona-Pandemie in Russland aus?<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>&quot;Ungew\u00f6hnlich&quot; nannte unl\u00e4ngst Mike Ryan, WHO-Exekutivdirektor f\u00fcr Notfallprogramme, die Corona-Statistiken aus Russland. Ungew\u00f6hnlich deshalb, weil die Zahl der Todesf\u00e4lle, die von der Regierung angegeben wird, auff\u00e4llig niedrig ist im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern. Knapp 8400 Tote meldete die russische Regierung zuletzt. Deutschland liegt aktuell bei knapp 8900, hat aber 43 Prozent weniger Einwohner.<\/p>\n<p>Doch es gibt Zweifel an den russischen Daten. Die Hauptstadt Moskau, das Epizentrum der Coronakrise in Russland, hat gerade eine neue Statistik der Sterbef\u00e4lle ver\u00f6ffentlicht. Demnach wurden im Mai 2020 in der Metropole insgesamt 15.700 Todesf\u00e4lle registriert &#8211; normalerweise liegt dieser Wert bei etwa 10.000. Woran sind die \u00fcberz\u00e4hligen 5700 Moskauerinnen und Moskauer gestorben? Ist die Corona-Pandemie die Ursache?<\/p>\n<p>Verfolgt man die t\u00e4glichen Meldungen auf der Corona-Seite der Regierung, f\u00e4llt auf, dass sich die Zahl der Covid-19-Toten in Moskau im Mai jedoch h\u00f6chstens um 2000 erh\u00f6ht hat.<\/p>\n<p>Warum unterscheiden sich die Angaben so sehr? Unterschlagen russische Beh\u00f6rden Corona-Tote? Verschleiern sie das Ausma\u00df der Pandemie, um besser dazustehen, auch im weltweiten Vergleich?<\/p>\n<p>Eine Antwort ist: In Russland ist der Corona-Tod Definitionssache.<\/p>\n<p>Standardm\u00e4\u00dfig werden in dem Land nahezu alle Verstorbenen obduziert, also auch jene mit Verdacht auf Coronavirus. Streng wird dabei unterschieden: War Covid-19 Hauptursache f\u00fcr den Tod? Oder starb der Mensch an einer anderen Krankheit, war zugleich aber auch mit Corona infiziert?<\/p>\n<h3>Andere Statistiken nach Medienberichten<\/h3>\n<p>Im Unterschied zu den meisten anderen L\u00e4ndern publizierte Russland bislang nur die Todeszahlen aus Kategorie eins &#8211; gestorben an Corona. Immerhin hat sich das jetzt ge\u00e4ndert. Zuerst ver\u00f6ffentlichte die Stadt Moskau eine detaillierte Aufstellung aller Corona-Toten, egal, ob sie an oder mit Covid-19 gestorben sind.<\/p>\n<p>Und nun hat Rosstat, die staatliche Statistikbeh\u00f6rde Russlands, nachgelegt und diese Zahlen f\u00fcr alle Regionen Russlands ver\u00f6ffentlicht. Im April starben demnach landesweit 1660 Menschen am Coronavirus \u2013 und weitere 1052 mit einer Infektion.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden reagierten allerdings erst, nachdem russische und internationale Medien \u00fcber den Widerspruch zwischen den ver\u00f6ffentlichten niedrigen Corona-Todesf\u00e4llen und dem Anstieg der Gesamtsterblichkeit berichtet hatten.<\/p>\n<p>Englischsprachigen Zeitungen wurde von Duma-Abgeordneten deshalb sogar mit dem Entzug der Akkreditierung gedroht. Von einer &quot;Desinformationskampagne&quot; und dem Versuch, &quot;die Lage zu destabilisieren&quot;, sprach das Au\u00dfenministerium.<\/p>\n<p>Die heftigen Reaktionen machen deutlich, wie brisant russische Offizielle die H\u00f6he der Anzahl der Corona-Toten einsch\u00e4tzen. Unter keinen Umst\u00e4nden soll der Eindruck entstehen, man habe die Lage nicht in Griff. Pr\u00e4sident Wladimir Putin hob zuletzt im Staatsfernsehen die &quot;minimalen Verluste&quot; in der Corona-Pandemie hervor &#8211; im Vergleich zu den USA mit \u00fcber 120.000 Todesf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersterblichkeit in Moskau und der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt Sankt Petersburg ist tats\u00e4chlich kaum mit Zahlen aus New York City oder Madrid vergleichbar, wie die folgende Grafik zeigt. Doch makellos ist Russlands bisherige Corona-Bilanz nicht. Bei der \u00dcbersterblichkeit liegt Moskau beispielsweise klar vor Bayern, dem deutschen Bundesland, das mit am st\u00e4rksten von Corona betroffen war.<\/p>\n<p>Wie unterschiedlich Russlands lokale Beh\u00f6rden Corona-Daten erfassen, zeigt der Blick in die Statistik der Todeszahlen, die Rosstat f\u00fcr die 85 Regionen, inklusive annektierter Krim, ver\u00f6ffentlicht hat. Der SPIEGEL hat sie ausgewertet.<\/p>\n<p>In Nischnij Nowgorod, einem Oblast \u00f6stlich von Moskau, sollen den Daten zufolge im April nicht mal ein Drittel aller Corona-Toten urs\u00e4chlich am Virus gestorben sein, der Rest gilt als &quot;mit Corona verstorben&quot;. In Moskau und Sankt Petersburg lag der Anteil der an Corona Verstorbenen bei rund 50 Prozent.<\/p>\n<p>Im Gebiet Moskau und den Kaukasus-Republiken Inguschetien und Dagestan wurde die Kategorie &quot;mit Corona gestorben&quot; hingegen kaum genutzt &#8211; dort betrug der Anteil &quot;an Corona gestorben&quot; mindestens 90 Prozent aller Corona-Toten.<\/p>\n<p>Die Dynamik der Pandemie ist in dem riesigen Land &#8211; \u00e4hnlich wie in den USA -, regional sehr verschieden. Manche Regionen haben den H\u00f6hepunkt der Infektionen bereits \u00fcberschritten, in anderen steht er noch bevor.<\/p>\n<p>Dies belegen auch die Zahlen der t\u00e4glich Neuinfizierten, die im Mai mit 11.600 F\u00e4llen ihren bisherigen H\u00f6hepunkt erreichten und aktuell bei unter 8000 liegen. Russland testet viel mehr als andere L\u00e4nder und kommt bisher auf 17,5 Millionen Tests, davon fielen knapp 600.000 positiv auf. Deutschland dagegen meldete \u00fcber 5 Millionen Tests, davon zeigten 192.000 eine Infektion an.<\/p>\n<p>Folgende Heatmap zeigt die Anzahl der t\u00e4glich gemeldeten Neuinfektionen in ausgew\u00e4hlten Regionen seit Anfang M\u00e4rz. Zum Vergleich sind unten vier L\u00e4nder wie Deutschland und Italien eingef\u00fcgt. Blau steht f\u00fcr sehr niedrige Zahlen t\u00e4glich Neuinfizierter, Rot f\u00fcr die bislang erreichten H\u00f6chstwerte der t\u00e4glichen F\u00e4lle &#8211; und Wei\u00df f\u00fcr mittlere Zahlen.<\/p>\n<p>Das Virus erreichte Russland einige Wochen sp\u00e4ter als Italien, Spanien oder Deutschland, sofern die offiziell gemeldeten Infiziertenzahlen das tats\u00e4chliche Geschehen richtig widerspiegeln. Demnach breitete sich das Virus zuerst in der Hauptstadt, in Sankt Petersburg und im Kaukasus im S\u00fcden aus &#8211; hier am Beispiel Inguschetien zu sehen.<\/p>\n<p>Moskau hat die erste Infektionswelle bereits hinter sich &#8211; in der Heatmap gut erkennbar an der wei\u00dfen und hellblauen F\u00e4rbung seit Ende Mai. In Sankt Petersburg dagegen sieht es nicht so gut aus, weil die Zahl der Infektionen zwar sinkt, aber deutlich langsamer als in der Hauptstadt. Die Beh\u00f6rden bekommen die Pandemie nur schwer in den Griff. Anfangs berichteten \u00c4rzte und Patienten \u00fcber zu wenig Schutzkleidung und Medikamente, nun steht das schlechte Management der Krankenh\u00e4user im Fokus der Kritik. Zudem fehlen Mediziner. Trotzdem hat der zust\u00e4ndige Gouverneur die Restriktionen gelockert. Sankt Petersburg meldet nach Moskau landesweit die h\u00f6chsten Todeszahlen pro 100.000 Einwohner.<\/p>\n<p>Viele andere Regionen wie die Oblaste Nowosibirsk und Swerdlowsk stehen noch am Anfang der Infektionswelle oder mittendrin &#8211; wie die sichtbar rote F\u00e4rbung auf der rechten Seite zeigt.<\/p>\n<p>Zugleich hat die Mehrheit der Regionen Russlands nach Willen des Kremls die Ausgangssperren abgeschafft und Einschr\u00e4nkungen beschlossen \u2013 wom\u00f6glich zu fr\u00fch.<\/p>\n<p>Pro 100.000 Einwohner sind in Russland bislang offiziell f\u00fcnf Menschen an Covid-19 gestorben. Ber\u00fccksichtigt man die neuen Zahlen von Rosstat und z\u00e4hlt somit auch jene mit, die mit der Infektion gestorben sind, <strong>k\u00f6nnte die Zahl durchaus doppelt so gro\u00df sein<\/strong>. Russland l\u00e4ge damit aktuell gleichauf mit Deutschland.<\/p>\n<p>Die Gesamtzahl der Toten wird in Russland in den kommenden Wochen noch weiter deutlich steigen. Aktuell kommen jeden Tag durchschnittlich etwa 150 neu dazu &#8211; siehe folgende Grafik.<\/p>\n<p>Aber ist diesen Zahlen generell zu trauen? <\/p>\n<p>Verschiedene russische Medien berichteten von Pathologen, die von Krankenhausverwaltungen und Gesundheitsbeh\u00f6rden unter Druck gesetzt wurden. Die \u00c4rzte mussten andere Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt, bakterielle Lungenentz\u00fcndung oder chronische Erkrankungen als Todesursache angeben. So d\u00fcrfte der eine oder andere Totenschein nicht ganz dem entsprechen, was bei der Obduktion herausgekommen ist.<\/p>\n<p>Besser dastehen zu wollen gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden weiter oben, ist auch heute in Russland noch gang und g\u00e4be. In der Republik Komi im Nordwesten des Landes und in der Region Baschkortostan im S\u00fcden des Urals am s\u00fcdlichen Rand Russlands zum Beispiel meldeten Chef\u00e4rzte von Kliniken und Beamte der Gesundheitsbeh\u00f6rden lange, alles sei unter Kontrolle. Dabei stieg die Zahl der Patienten und sp\u00e4ter der Toten mit Lungenentz\u00fcndungen, das typische Krankheitsbild von Covid-19. In einer Umfrage im Internet gaben 60 Prozent der teilnehmenden \u00c4rzte an, den Corona-Statistiken nicht zu glauben.<\/p>\n<p>\u00dcber die Plausibilit\u00e4t der russischen Corona-Zahlen wird in Internetforen viel diskutiert und spekuliert:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Dar\u00fcber, dass etwa einige Regionen mehrere Tage hintereinander exakt die gleichen Infektionszahlen meldeten;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>in der Region Altai in S\u00fcdsibirien Zahlen an den Gouverneur mit dem Zusatz &quot;zur Freigabe&quot; versehen waren, der Vermerk schnell entfernt wurde, als dies in sozialen Netzwerken thematisiert wurde;<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Angaben der verschiedenen Beh\u00f6rden sich unterscheiden, gemeldete Todeszahlen mancherorts sehr schwanken. Auf Facebook kursiert eine Karte, auf der die Regionen je nach Glaubw\u00fcrdigkeit der Corona-Daten eingef\u00e4rbt sind. Nach Analysen eines Mathematikers sind die Angaben in gerade einmal 30 Gebieten ohne Auff\u00e4lligkeiten.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Melden von Verstorbenen, Vertrauen in die Beh\u00f6rden<\/h3>\n<p>Probleme bereitet auch das extreme Gef\u00e4lle zwischen Stadt und Land. In Dagestan im Nordkaukasus beispielsweise ist die Statistik kaum plausibel. Mitte Mai sorgte der Gesundheitsminister der Region f\u00fcr Aufsehen, weil er angegeben hatte, dass etwa 660 Menschen an beidseitiger Lungenentz\u00fcndung gestorben seien. Damals lag die offizielle Zahl bei 27 Corona-Toten. Inzwischen gibt die Kaukasus-Republik an, dass mehr als 340 Menschen an Covid-19 gestorben seien. Allerdings meldet sie seit Ende Mai t\u00e4glich nur noch eine Handvoll Infektionen und wenige Tote. Die Zahl aller Sterbef\u00e4lle war zuletzt sogar unter dem mehrj\u00e4hrigen Mittelwert, als w\u00fcrden dort aktuell weniger Menschen sterben als normalerweise.<\/p>\n<p>&quot;Die Leute sterben zu Hause&quot;, berichtet ein Demograf. Ihre Angeh\u00f6rigen gingen jedoch nicht aufs Amt, um den Tod zu melden. Die Verstorbenen w\u00fcrden begraben, aber niemand erfahre etwas davon. Wahrscheinlich stehe die wahre Opferzahl erst in ein paar Monaten fest. Auch Rosstat erkl\u00e4rte, man erwarte, dass in einigen Regionen Tote noch bei den \u00c4mtern nachgemeldet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dennoch steht Russland nach bisherigem Stand ziemlich gut da &#8211; selbst wenn man ber\u00fccksichtigt, dass die offiziellen Zahlen nicht das ganze Bild darstellen. Wieso ist das so?<\/p>\n<p>Ein Vorteil f\u00fcr Russland war wom\u00f6glich, dass die Infektionen nicht so fr\u00fch auftraten wie in Italien und Spanien. Das Land konnte so aus der Ferne beobachten, was es erwartet, und zumindest Moskau fing an, z\u00fcgig Bettkapazit\u00e4ten aufzubauen. Die Beh\u00f6rden hatten fr\u00fchzeitig Ende Januar die Grenze zu China geschlossen, verordneten dann Ende M\u00e4rz einen Lockdown, der deutlich strenger war als in Deutschland.<\/p>\n<p>In Moskau durften die Menschen wochenlang das Haus nur verlassen, um den M\u00fcll rauszubringen und zum n\u00e4chsten Supermarkt zu gehen. F\u00fcr Fahrten zur Arbeit und zum Arzt mussten im Internet Genehmigungen beantragt werden &#8211; sonst drohten Geldstrafen. Auch andere Regionen \u00fcbernahmen dieses System. Gleichzeitig wurden insgesamt die Gesetze versch\u00e4rft: Wer andere mit dem Coronavirus ansteckt, dem drohen empfindliche Strafen bis hin zu Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Der harte russische Kurs spiegelt sich auch im Government Response Stringency Index wider, einer von Forschern der Universit\u00e4t Oxford entwickelten Ma\u00dfzahl, welche die Ma\u00dfnahmen der L\u00e4nder vergleichbar machen soll. Darin flie\u00dfen 17 verschiedene Indikatoren ein, etwa Art und Umfang von Schulschlie\u00dfungen, Ausgangsbeschr\u00e4nkungen und Finanzhilfen.<\/p>\n<p>Folgendes Diagramm zeigt den Verlauf des Government Response Stringency Index f\u00fcr Russland und weitere L\u00e4nder. Der Wert 0 steht f\u00fcr gar keine Reaktion, der Wert 100 f\u00fcr die strengstm\u00f6gliche Reaktion auf die Coronakrise.<\/p>\n<p>Der Lockdown hatte f\u00fcr den Stra\u00dfenverkehr in Russland ganz \u00e4hnliche Folgen wie in Deutschland &#8211; war aber in seiner Wirkung nicht so stark wie in Frankreich, Spanien und Italien. Dies zeigt ein Blick auf Mobilit\u00e4tsdaten mehrerer russischer St\u00e4dte, die Apple aus Navigationsanfragen berechnet hat.<\/p>\n<p>Der Verkehr brach demnach Ende M\u00e4rz binnen weniger Tage auf etwa 40 Prozent des Durchschnittswerts der 4. Kalenderwoche 2020 ein. Das war sogar noch etwas weniger als in Berlin. Doch bis Mitte Juni sind die Zahlen wieder auf das Niveau vor der Coronakrise angestiegen, teils gar dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Dass Russland bislang halbwegs glimpflich durch die Pandemie gekommen ist, f\u00fchren Offizielle gern auf das Gesundheitswesen zur\u00fcck. &quot;Haben Sie jemals \u00fcber die M\u00f6glichkeit nachgedacht, dass Russlands Gesundheitssystem leistungsf\u00e4higer sein k\u00f6nnte?&quot;, entgegnete Kremlsprecher Dimitrij Peskow zuletzt, als er nach den geringen Todeszahlen gefragt wurde. Was er nicht sagte, war, wie viele \u00c4rzte und Mitarbeiter von Kliniken und medizinischen Einrichtungen in Russland schon an dem Virus gestorben sind: 489 sind es nach offiziellen Angaben. In Deutschland waren es rund siebenmal weniger: 67 Mitarbeiter in Krankenh\u00e4usern und Pflegeeinrichtungen. Inzwischen hat Putin die Verstorbenen als Helden bezeichnet.<\/p>\n<p>Als weiterer Grund wird die geringere Lebenserwartung genannt, die unter der in den westlichen Staaten liegt. Damit sei auch die Zahl der \u00e4lteren und h\u00e4ufiger durch Vorerkrankungen geschw\u00e4chten Menschen geringer, lautet eine Erkl\u00e4rung. Allerdings ist auch das biologische Alter der Menschen vor allem in den Regionen niedriger, wo die Lebensbedingungen h\u00e4rter sind.<\/p>\n<p>Zudem gibt es in Russland vergleichsweise wenige Altersheime, es sind zusammen mit psychiatrischen Einrichtungen gerade einmal 1300 H\u00e4user mit 250.000 Bewohnern. Deutschland hat allein 15.000 Pflegeheime.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich profitieren vor allem \u00e4ltere Russen auch von einer Impfung in Sowjetzeiten. Damals war die Impfung gegen Tuberkulose mit lebenden Erregern Pflicht, noch heute haben die Russen darauf ein Anrecht, die Impfpflicht besteht jedoch nicht mehr. Es gibt Hinweise aus Studien, dass das Immunsystem durch diese Impfung besser auf das Coronavirus reagieren kann.<\/p>\n<h3><strong>Lockerungen zu fr\u00fch? <\/strong><\/h3>\n<p>Auch wenn Putin zuletzt betonte, wie viel besser Russland die Pandemie meistert als die USA &#8211; bei den Lockerungen gehen beide L\u00e4nder einen \u00e4hnlich riskanten Weg. Obwohl die Infektionen noch lange nicht \u00fcberall deutlich gesunken sind, wird die R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t verordnet, als ob das Virus bereits besiegt sei.<\/p>\n<p>Putin macht dies nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern vor allem aus politischen Gr\u00fcnden. Der Pr\u00e4sident will am Mittwoch die gro\u00dfen Milit\u00e4rparaden zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren abhalten, die am 9. Mai wegen Corona abgesagt wurden. Im Anschluss l\u00e4sst er die Russinnen und Russen endlich \u00fcber seine Verfassungs\u00e4nderungen bis zum 1. Juli abstimmen.<\/p>\n<p>Drohen neue Ausbr\u00fcche, wenn Hunderte Soldaten aufmarschieren, Zehntausende auf den Stra\u00dfen unterwegs sind? In Moskau appellierte der B\u00fcrgermeister an die Menschen, sich die Parade lieber vor dem Fernseher und nicht wie sonst auf den Stra\u00dfen anzuschauen. 13 Regionen sagten die Paraden in ihren Hauptst\u00e4dten lieber ab, zu gro\u00df scheint ihnen das Risiko.<\/p>\n<p>Die Abstimmung aber m\u00fcssen nun alle durchziehen &#8211; und daf\u00fcr sollen die meisten Menschen in die Wahllokale. Online kann nur in zwei Gebieten abgestimmt werden: in Moskau und Nischnij Nowgorod.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Was sagen die offiziellen Zahlen \u00fcber die Corona-Pandemie in Russland aus? &quot;Ungew\u00f6hnlich&quot; nannte unl\u00e4ngst Mike Ryan, WHO-Exekutivdirektor f\u00fcr Notfallprogramme, die Corona-Statistiken aus Russland. Ungew\u00f6hnlich deshalb, weil die Zahl<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-660","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=660"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/660\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}