{"id":659,"date":"2020-06-23T16:46:02","date_gmt":"2020-06-23T13:46:02","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gutersloh-lockdown-zweiter-teil\/"},"modified":"2020-06-23T16:46:02","modified_gmt":"2020-06-23T13:46:02","slug":"gutersloh-lockdown-zweiter-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/gutersloh-lockdown-zweiter-teil\/","title":{"rendered":"G\u00fctersloh: Lockdown, zweiter Teil"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/8d590363-c217-4905-b11b-6b26e98c169a_w948_r1.77_fpx46_fpy44_fd90.91.jpg\" title=\"Bundeswehr unterst\u00fctzt Quarant\u00e4ne: In Verl wurde eine gesamte Wohnsiedlung von ausl\u00e4ndischen Mitarbeitern des Fleischbetriebs T\u00f6nnies in Quarant\u00e4ne geschickt.\" alt=\"Bundeswehr unterst\u00fctzt Quarant\u00e4ne: In Verl wurde eine gesamte Wohnsiedlung von ausl\u00e4ndischen Mitarbeitern des Fleischbetriebs T\u00f6nnies in Quarant\u00e4ne geschickt.\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Bundeswehr unterst\u00fctzt Quarant\u00e4ne: In Verl wurde eine gesamte Wohnsiedlung von ausl\u00e4ndischen Mitarbeitern des Fleischbetriebs T\u00f6nnies in Quarant\u00e4ne geschickt.<\/p>\n<p> Noah Wedel\/ imago images\/Noah Wedel <\/figcaption><\/figure>\n<p>Mangelnde Kooperation, Eigenm\u00e4chtigkeit, fehlende Daten: Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter T\u00f6nnies hat Nordrhein-Westfalens Ministerpr\u00e4sident Armin Laschet (CDU) den Branchenriesen scharf kritisiert &#8211; und bis zum 30. Juni einen Lockdown f\u00fcr den Kreis G\u00fctersloh verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Laut Laschet gelten damit f\u00fcr die Bewohner des Kreises G\u00fctersloh dieselben Regeln wie w\u00e4hrend der Kontaktverbote im M\u00e4rz. Man werde Anordnungen notfalls auch mit Zwang durchsetzen.<\/p>\n<p>Der Corona-Ausbruch in dem Schlachthof ist das bisher gr\u00f6\u00dfte einzelne Infektionsgeschehen in Deutschland. Mehr als 1550 T\u00f6nnies-Mitarbeiter wurden positiv auf das Virus getestet, au\u00dferhalb des Firmenumfelds sind es derzeit 24 Personen im Kreis G\u00fctersloh, wo etwa 365.000 Menschen leben. Auch f\u00fcr den Kreis Warendorf k\u00fcndigte das Land Einschr\u00e4nkungen an.<\/p>\n<p>Rund 7000 T\u00f6nnies-Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarant\u00e4ne. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei T\u00f6nnies liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten.<\/p>\n<p>Mit Prognosen tut sich der Ministerpr\u00e4sident schwer. Blieben die Zahlen der Infizierten au\u00dferhalb der Schlachthof-Belegschaft niedrig, k\u00f6nne es bald eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t geben. Aber auch eine Verl\u00e4ngerung des Lockdowns sei denkbar. Der CDU-Politiker betonte, es gelte kein Ausreiseverbot. Er appellierte aber an die B\u00fcrger, &quot;jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren&quot;.<\/p>\n<h3><strong>Was ab jetzt im Kreis G\u00fctersloh verboten ist<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>\n<p>Es gelten Kontaktbeschr\u00e4nkungen wie im M\u00e4rz: Im \u00f6ffentlichen Raum d\u00fcrfen sich nur Personen des eigenen Haushaltes oder zwei Personen unterschiedlicher Haushalte treffen.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Ab diesem Mittwoch ist es verboten, \u00f6ffentlich Sport in geschlossenen R\u00e4umen zu treiben. Fitnessstudios und Schwimmb\u00e4der bleiben ebenso geschlossen wie Kinos und Bars. Das Grillen im Freien ist wieder verboten. Es d\u00fcrfen keine Konzerte und sonstige Veranstaltungen stattfinden. Ausstellungen und Museen m\u00fcssen wieder schlie\u00dfen. Schulen und Kitas im Landkreis G\u00fctersloh waren bereits am 17. Juni geschlossen worden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Das Unternehmen T\u00f6nnies darf derzeit kein Fleisch mehr produzieren. Die Quarant\u00e4nema\u00dfnahme f\u00fcr Mitarbeiter und Werksvertr\u00e4gler der Firma wird engmaschig kontrolliert. Mobile Teams werden von der Polizei sowie Dolmetschern f\u00fcr Polnisch, Rum\u00e4nisch und Bulgarisch begleitet.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Kreis G\u00fctersloh sollen die Tests in der Bev\u00f6lkerung massiv ausgeweitet werden. Die Polizei soll mobile Testteams begleiten. Die Landesregierung hat bereits drei Einsatzhundertschaften in den Kreis G\u00fctersloh entsandt. Die Polizisten sollten die Quarant\u00e4ne der Mitarbeiter von T\u00f6nnies kontrollieren. Anordnungen m\u00fcssten notfalls auch mit Zwang durchgesetzt werden, hie\u00df es. Es werde zus\u00e4tzliche humanit\u00e4re Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung Betroffener geben.<\/p>\n<h3><strong>Der lokale Lockdown &#8211; ein epidemiologisches Mittel mit gro\u00dfer Wirkkraft<\/strong><\/h3>\n<p>Rund 365.000 Menschen leben nun also wieder im Lockdown, w\u00e4hrend der Rest Deutschlands zunehmend zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehrt. Ein lokaler Lockdown gilt als probates Mittel, die Pandemie unter Kontrolle halten, bis ein Impfstoff entwickelt ist. Dadurch werden Orte, in denen es kaum Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 gibt, nicht durch massive Einschr\u00e4nkungen in eine wirtschaftliche und soziale Krise gest\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Dass ein Lockdown prinzipiell gegen die Ausbreitung des Virus hilft, hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt: &quot;Wir haben gesehen, dass die Ma\u00dfnahmen in Deutschland am Anfang der Pandemie sehr gut funktioniert haben&quot;, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Es sei also m\u00f6glich, die Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 niedrig zu halten, selbst ohne Impfstoff. &quot;Ganz verschwinden wird das Virus aber nicht aus Deutschland.&quot;<\/p>\n<p>Ein bekanntes Beispiel daf\u00fcr, welche Rolle Hotspots bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 haben, ist der \u00f6sterreichische Skiort Ischgl, auf den auch zahlreiche Infektionsketten in Deutschland zur\u00fcckgehen. Touristen hatten sich in Ischgl angesteckt und anschlie\u00dfend das Virus in ihre Heimatorte eingeschleppt und dort verbreitet.<\/p>\n<p>Die Frage ist nun, ob die Ma\u00dfnahmen in G\u00fctersloh rechtzeitig kommen &#8211; oder ob die Mitarbeiter von T\u00f6nnies das Virus ohne es zu wissen bereits weiterverbreitet haben. Eine bedeutende Rolle spielen dabei auch die Gesundheits\u00e4mter, denn sie verfolgen die Kontakte nach und informieren Betroffene.<\/p>\n<h3><strong>Warum Schlachth\u00f6fe der ideale Ort f\u00fcr das Coronavirus sind<\/strong><\/h3>\n<p>In der Debatte \u00fcber die Ursachen des schweren Ausbruchs bei T\u00f6nnies wollte sich RKI-Chef Wieler nicht festlegen. Als m\u00f6gliche Gr\u00fcnde werden derzeit die beengten Wohnverh\u00e4ltnisse bei vielen aus Osteuropa stammenden Besch\u00e4ftigten und die Arbeit in gek\u00fchlten Betriebsr\u00e4umen diskutiert.<\/p>\n<p>Erste Studien deuten darauf hin, dass Fleischbetriebe der ideale Ort f\u00fcr das Coronavirus sind. So kann sich der Erreger offenbar in kalter Umgebung deutlich l\u00e4nger halten. Au\u00dferdem steigt in den heruntergek\u00fchlten Hallen die Gefahr f\u00fcr eine \u00dcbertragung durch sogenannte Aerosole &#8211; winzige Tr\u00f6pfchen, die sich m\u00f6glicherweise sogar \u00fcber Stunden in der Luft halten und infekti\u00f6se Viren enthalten k\u00f6nnen. (Mehr dazu lesen Sie hier.)<\/p>\n<h3>Heikle Situation f\u00fcr Laschet<\/h3>\n<p>F\u00fcr Armin Laschet war der regionale Lockdown f\u00fcr den Kreis G\u00fctersloh die einzige Antwort auf die explodierenden Infektionszahlen. Die Frage ist nur: Zieht der Ministerpr\u00e4sident die Notbremse noch rechtzeitig? Ob das Virus von G\u00fctersloh aus nicht l\u00e4ngst weitergetragen und damit das Infektionsgeschehen erneut angeheizt wurde, wird wohl erst in ein, zwei Wochen feststehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Laschet ist die Situation heikel: Als sich die Corona-Kurve in Deutschland abflachte, hatte sich der CDU-Vize an die Spitze der Lockerungsbewegung gestellt. Nun fiel es ihm merklich schwer, hart durchzugreifen und sich beim Wahlvolk mit neuen Beschr\u00e4nkungen, die dieses l\u00e4ngst \u00fcberwunden glaubte, unbeliebt zu machen.<\/p>\n<p>Dazu noch seine unbedachte Schuldzuweisung an &quot;Rum\u00e4nen und Bulgaren&quot;, die das Virus \u00fcberhaupt erst nach Ostwestfalen eingeschleppt h\u00e4tten &#8211; Laschet machte in den vergangenen Tagen nicht immer eine gl\u00fcckliche Figur. Je nachdem, wie die Sache ausgeht, k\u00f6nnte das zum Problem f\u00fcr ihn werden: Schlie\u00dflich m\u00f6chte der 59-J\u00e4hrige CDU-Chef und wohl auch Kanzler werden.<\/p>\n<h3><strong>Angst vor Stigmatisierung<\/strong><\/h3>\n<p>Der NRW-Ministerpr\u00e4sident warnte im Rahmen der neuen Anti-Corona-Ma\u00dfnahmen davor, Menschen aus dem Kreis G\u00fctersloh unter Pauschalverdacht zu stellen. Man d\u00fcrfe die Bewohner des Kreises &quot;nicht stigmatisieren&quot;, sagte Laschet. Am Montag hatten die Beh\u00f6rden auf der Urlaubsinsel Usedom 14 Menschen aus Corona-Risiko-Gebieten aufgefordert, vorzeitig abzureisen. Auch ein Ehepaar aus G\u00fctersloh sollte die Insel verlassen. Sie m\u00fcssten sich unverz\u00fcglich bei ihrem heimischen Gesundheitsamt melden, sagte ein Sprecher des Kreises Vorpommern-Greifswald.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Bundeswehr unterst\u00fctzt Quarant\u00e4ne: In Verl wurde eine gesamte Wohnsiedlung von ausl\u00e4ndischen Mitarbeitern des Fleischbetriebs T\u00f6nnies in Quarant\u00e4ne geschickt. 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