{"id":6578,"date":"2021-03-18T11:17:24","date_gmt":"2021-03-18T08:17:24","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-hinweis-auf-thrombosen-wie-lauft-die-suche-nach-nebenwirkungen-bei-astrazeneca\/"},"modified":"2021-03-18T11:17:24","modified_gmt":"2021-03-18T08:17:24","slug":"corona-hinweis-auf-thrombosen-wie-lauft-die-suche-nach-nebenwirkungen-bei-astrazeneca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-hinweis-auf-thrombosen-wie-lauft-die-suche-nach-nebenwirkungen-bei-astrazeneca\/","title":{"rendered":"Corona: Hinweis auf Thrombosen \u2013 wie l\u00e4uft die Suche nach Nebenwirkungen bei AstraZeneca?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/563ed410-3978-41bd-bb3a-3ee28f94ffd7_w948_r1.77_fpx48_fpy31.jpg\" title=\"Ein Impfarzt bereitet eine Impfung mit der Vakzine von AstraZeneca vor (Archivbild)\" alt=\"Ein Impfarzt bereitet eine Impfung mit der Vakzine von AstraZeneca vor (Archivbild)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Ein Impfarzt bereitet eine Impfung mit der Vakzine von AstraZeneca vor (Archivbild)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Jens Schlueter \/ AFP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Zufall oder Zusammenhang? Schon am Donnerstag will die Europ\u00e4ische Arzneimittelagentur (Ema) eine erste Einsch\u00e4tzung abgeben, ob der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca wom\u00f6glich lebensbedrohliche Thrombosen verursachen kann. F\u00fcr aufwendige Studien oder Obduktionsberichte bleibt da kaum Zeit, worauf st\u00fctzen sich die Expertenteams also?<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Arzneimittelagentur Ema hat f\u00fcr solche Verdachtsf\u00e4lle vorgesorgt. Treten bei einem zugelassenen Impfstoff oder Medikament m\u00f6gliche Komplikationen auf \u2013 Experten sprechen in dem Fall von Sicherheitssignal \u2013, tagt der sogenannte Pharmakovigilanzausschuss, kurz PRAC. Dieser pr\u00fcft die Hinweise und gibt schlie\u00dflich eine Empfehlung ab.<\/p>\n<h3>Die Suche nach dem Signal<\/h3>\n<p>Ein entscheidendes Instrument ist die sogenannte Observed-versus-Expected-Analyse, was auf Deutsch in etwa so viel hei\u00dft wie Beobachtet-gegen-Erwartet-Analyse. Dahinter steckt folgende \u00dcberlegung: Inzwischen sind weltweit bereits Millionen Menschen mit dem Mittel von AstraZeneca gegen Covid-19 geimpft worden. Dass bei einer so gro\u00dfen Zahl von Menschen zuf\u00e4llig Krankheiten auftreten w\u00fcrden, war deshalb zu erwarten. Entscheidend ist jedoch: H\u00e4uft sich eine bestimmte Erkrankung bei Geimpften auff\u00e4llig?<\/p>\n<p>Schon in der vergangenen Woche gab es Berichte \u00fcber Thrombosen, die nach einer Impfung mit dem Mittel von AstraZeneca aufgetreten waren. Eine 49-j\u00e4hrige Krankenschwester in \u00d6sterreich starb infolge schwerer Gerinnungsst\u00f6rungen. Ob es einen Zusammenhang mit der Impfung gibt, steht laut dem \u00f6sterreichischen Bundesamt f\u00fcr Sicherheit im Gesundheitswesen noch nicht fest. Eine Obduktion l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Zudem gab es Berichte, auf Sizilien seien drei Soldaten nach der Impfung gestorben, bei mindestens einem der Betroffenen konnte die Impfung als Todesursache allerdings ausgeschlossen werden. Einige L\u00e4nder pausierten nach \u00e4hnlichen Zwischenf\u00e4llen Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca.<\/p>\n<h3>Warum sich die Einsch\u00e4tzung in Deutschland \u00e4nderte<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst gab die Ema Entwarnung. \u00bbDie Anzahl der thromboembolischen Ereignisse bei geimpften Personen scheint insgesamt nicht h\u00f6her zu sein als in der Allgemeinbev\u00f6lkerung\u00ab, teilte die Beh\u00f6rde Anfang der Woche. Thrombosen bei Geimpften seien sogar deutlich seltener, als man im Rest der Bev\u00f6lkerung erwarten w\u00fcrde, sagte Ema-Experte Peter Arlett am Dienstagnachmittag w\u00e4hrend einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Arlett leitet die Abteilung f\u00fcr Pharmakovigilanz und Epidemiologie bei der Ema.<\/p>\n<p>Derweil hatte sich die Lage in Deutschland ge\u00e4ndert. Das hierzulande f\u00fcr Impfstoffe zust\u00e4ndige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte festgestellt, dass sich F\u00e4lle von Thrombosen in Deutschland auff\u00e4llig \u00e4hnelten. Auch Deutschland stoppte daraufhin Impfungen mit dem Stoff von AstraZeneca.<\/p>\n<p>Bei den Betroffenen kam es nicht nur zu Thrombosen, sie hatten auch einen Mangel an Blutpl\u00e4ttchen, Blutungen wurden festgestellt. Bis Montag wurden dem Institut sieben solcher F\u00e4lle gemeldet, drei der Betroffenen starben. \u00bbEs handelt sich um eine sehr schwere Krankheit, die au\u00dferdem schwer zu behandeln ist\u00ab, teilte das PEI mit. <\/p>\n<p>Solche Thrombosen der Hirnvenen sind deutlich seltener. Die Observed-versus-Expected-Analyse der PEI-Experten ergab: Eigentlich w\u00e4re gemessen an den 1,6 Millionen in Deutschland verabreichten AstraZeneca-Dosen nur ein Fall zu erwarten gewesen, nun waren es gleich sieben. Ein eindeutiges Sicherheitssignal, das automatisch einen Pr\u00fcfprozess einleitet. Wie genau das PEI zu dieser Rechnung gekommen ist und wann die F\u00e4lle aufgetreten waren, ist noch unklar. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Am Mittwoch gab es Berichte \u00fcber einen weiteren Fall einer Sinusvenenthrombose bei einer Frau aus Rheinland-Pfalz.<\/p>\n<p>Die Ema-Experten pr\u00fcfen nun, ob sich dieses Sicherheitssignal auch in anderen Daten zeigt. Der Prozess gleicht aufwendiger Detektivarbeit. Gerade seltene Erkrankungen erschweren epidemiologische Untersuchungen, sage Ema-Experte Arlett. Es gebe nur wenig Publikation und die Rate der zu erwartenden F\u00e4lle ist weniger eindeutig. \u00bbDeshalb liegt der Fokus viel mehr darauf, die klinischen Merkmale jedes einzelnen gemeldeten Falls zu analysieren\u00ab, sagt Arlett.<\/p>\n<p>Nationale Meldesysteme m\u00fcssten ausgewertet werden. Die f\u00fcr die Zulassung entscheidenden Studien werden erneut unter die Lupe genommen. Die Experten pr\u00fcfen jeden einzelnen Verdachtsfall, arbeiten sich durch die Patientenakten, suchen darin nach Hinweisen, ob es auch andere Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Thrombosen gibt.<\/p>\n<h3>In \u00d6sterreich starb eine 58-J\u00e4hrige in der Impf-Warteschlange<\/h3>\n<p>Auf Grundlage dieser Daten stellen sie weitere Observed-versus-Expected-Analysen an. Dahinter steckt jedoch keine einfache mathematische Rechnung, die Gleichung h\u00e4ngt von vielen Parametern ab.<\/p>\n<p>Wenn eine Krankheit so selten ist, kann schon jeder gemeldete Fall die Berechnung erheblich beeinflussen. Auch der Zufall spielt eine Rolle und der l\u00e4sst sich nur schwer herausrechnen. In \u00d6sterreich brach beispielsweise eine 58-J\u00e4hrige in der Warteschlange vor ihrer Covid-19-Impfung zusammen, berichtete der Sender ORF am Wochenende. Die Frau starb, warum ist noch nicht klar \u2013 einen Zusammenhang mit der Immunisierung ist jedoch ausgeschlossen, sie war noch nicht geimpft. W\u00e4re sie nur kurze Zeit sp\u00e4ter gestorben, nach der Spritze, h\u00e4tte auch ihr Todesfall im Zusammenhang mit der Impfung untersucht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Bei so seltenen Erkrankungen ist es gar nicht so leicht festzustellen, wie h\u00e4ufig sie tats\u00e4chlich vorkommen. Schon die Definition des Krankheitsbilds kann sich erheblich unterscheiden. Auch deshalb soll nun jeder einzelne Fall erneut gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Im Fall einer Sinusvenenthrombose geht das PEI beispielsweise von zwei bis f\u00fcnf F\u00e4llen pro eine Million Einwohner pro Jahraus, andere Untersuchungen sch\u00e4tzen die H\u00e4ufigkeit um ein Vielfaches h\u00f6her ein. Eine Untersuchung kommt auf 13 F\u00e4lle pro eine Million Menschen und Jahr, eine weitere auf 16 F\u00e4lle.<\/p>\n<h3>Das Storch-Paradoxon<\/h3>\n<p>Selbst wenn sich jetzt zeigen sollte, dass sich Thrombosen im Gehirn bei den Geimpften h\u00e4ufen, ist das nicht automatisch ein Beweis, dass die Impfung die Ursache ist. In der Wissenschaftsgeschichte gibt es viele Beispiele von Scheinkausalit\u00e4ten. Die wohl bekannteste betrifft St\u00f6rche. Eine Studie aus dem Jahr 2001 zeigte, dass mehr Kinder zur Welt kommen, wenn es mehr St\u00f6rche gibt. Die Zahl der menschlichen Geburtenrate korrelierte signifikant mit der Zahl der Storchenpaare, der Effekt lie\u00df sich in mehreren Regionen Europas nachweisen.<\/p>\n<p>Dass St\u00f6rche Babys bringen, ist wissenschaftlich widerlegt. Die Zahl der V\u00f6gel kann also gar nichts mit der Zahl der Babys zu tun haben. Die Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Zusammenhang geht vielmehr so: St\u00f6rche leben eher auf dem Land und dort werden tendenziell auch mehr Kinder pro Paar geboren.<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte es auch bei den nun gemeldeten Zwischenf\u00e4llen geben. So sind Frauen dreimal h\u00e4ufiger von Sinusvenenthrombosen betroffen als M\u00e4nner. Sie arbeiten auch h\u00e4ufiger in der Pflege \u2013 und gerade diese Berufsgruppen bekamen in Deutschland den Impfstoff von AstraZeneca, weil zun\u00e4chst nur Menschen unter 65 Jahren damit geimpft werden sollten.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien wurde der Impfstoff jedoch von Anfang an auch bei \u00c4lteren eingesetzt. Dort sind bisher nur drei F\u00e4lle einer Sinusvenenthrombose registriert worden \u2013 bei insgesamt elf Millionen verimpften Dosen.<\/p>\n<h3>Ema weiterhin \u00fcberzeugt: Vorteile bei AstraZeneca-Impfstoff \u00fcberwiegen Risiken<\/h3>\n<p>All diese \u00dcberlegungen werden die Experten in ihre Empfehlung einpreisen. Am Ende d\u00fcrfte deshalb nicht nur eine einfache mathematische Berechnung stehen, sondern eine Abw\u00e4gung der Risiken. Denn auch das Aussetzen der Impfungen kostet Menschenleben.<\/p>\n<p>Dass Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca dauerhaft gestoppt werden, gilt im Moment als unwahrscheinlich. In einem aktuellen Statement der Europ\u00e4ischen Arzneimittelagentur hei\u00dft es: \u00bbDie Ema ist aktuell weiterhin der Ansicht, dass die Vorteile des AstraZeneca-Impfstoffs bei der Vorbeugung von Covid-19 mit dem damit verbundenen Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesf\u00e4llen die Risiken von Nebenwirkungen \u00fcberwiegen.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Ein Impfarzt bereitet eine Impfung mit der Vakzine von AstraZeneca vor (Archivbild) Foto:\u2002Jens Schlueter \/ AFP Zufall oder Zusammenhang? 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