{"id":6547,"date":"2021-03-17T01:56:36","date_gmt":"2021-03-16T22:56:36","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-menschen-mit-geschwachtem-immunsystem-sind-offenbar-perfekte-wirte-fur-das-coronavirus\/"},"modified":"2021-03-17T01:56:36","modified_gmt":"2021-03-16T22:56:36","slug":"corona-menschen-mit-geschwachtem-immunsystem-sind-offenbar-perfekte-wirte-fur-das-coronavirus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-menschen-mit-geschwachtem-immunsystem-sind-offenbar-perfekte-wirte-fur-das-coronavirus\/","title":{"rendered":"Corona: Menschen mit geschw\u00e4chtem Immunsystem sind offenbar perfekte Wirte f\u00fcr das Coronavirus"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/89b6c2af-a08f-4c6d-98fe-375e69b91ef6_w948_r1.77_fpx41_fpy36.jpg\" title=\"Eine Frau wartet in einem Impfzentrum in Brandenburg\" alt=\"Eine Frau wartet in einem Impfzentrum in Brandenburg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Eine Frau wartet in einem Impfzentrum in Brandenburg<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Patrick Pleul \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Mutationen des Coronavirus stellen Deutschland vor eine gro\u00dfe Aufgabe, denn mit ihrer Ausbreitung hat der Kampf gegen Sars-CoV-2 eine neue Stufe erreicht. Wenn Infektionen mit der Variante B.1.1.7 derzeit st\u00e4ndig zunehmen und andere Varianten verdr\u00e4ngen, dann folgt das Virus damit gewisserma\u00dfen dem Gesetz der Natur.<\/p>\n<p>Es nutzt seinen Vorteil, den es gegen\u00fcber den schw\u00e4cheren Varianten hat. B.1.1.7 ist nicht nur ansteckender als der sogenannte Wildtyp des Coronavirus \u2013 nach Angaben des Robert Koch-Instituts finden sich Spuren dieser Variante in rund 46 Prozent aller untersuchten Patientenproben. Es f\u00fchrt entgegen ersten Untersuchungen wohl auch zu schwereren Verl\u00e4ufen und mehr Todesf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Was Forscher bei B.1.1.7 \u00fcberrascht, ist nicht die Ver\u00e4nderung des Viruserbguts an sich. Ungew\u00f6hnlich scheint das Tempo der Ver\u00e4nderungen, Coronaviren mutieren im Vergleich zu anderen Viren eher langsam. Die britische Variante weist fast zwei Dutzend Ver\u00e4nderung zu der Form aus, die erstmals in China identifiziert wurde. 17 davon h\u00e4tten sich auf das Spike-Protein ausgewirkt, mit dem das Virus an die menschlichen Zellen andockt, berichtete das Genomics UK Consortium aus Gro\u00dfbritannien k\u00fcrzlich. Wie ist das m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Die wahrscheinlichste Erkl\u00e4rung liegt darin, dass sich das Virus irgendwann im K\u00f6rper einer Person einnisten konnte, die \u00fcber ein schwaches Immunsystem verf\u00fcgte. Die Viren haben dort mehr Zeit sich zu ver\u00e4ndern, als bei Menschen, die aufgrund eines intakten Immunsystems die Infektion schneller \u00fcberstehen. Manchmal verlaufen Virusinfektionen dann chronisch. Das konnten Forscher auch bei Covid-19 zeigen.<\/p>\n<p><strong><em>(Behalten Sie den \u00dcberblick: Jeden Werktag gegen 17 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die wichtigsten Fragen des Tages. \u00bbDie Lage am Abend\u00ab \u2013 hintergr\u00fcndig, kompakt, kostenlos. <\/em><\/strong><strong><em>Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail<\/em><\/strong><strong><em>.<\/em><\/strong>)<\/p>\n<p>Ein Team um Ravindra Gupta von der University of Cambridge hatte beispielsweise einen 70-j\u00e4hrigen Mann behandelt, der an Krebs litt und bei dem die Infektion nach Ansicht der Forscher chronisch verlief. Infolge der Schw\u00e4chung durch die Erkrankung und die Behandlung war sein Immunsystem nicht in der Lage, gegen das Virus erfolgreich anzuk\u00e4mpfen. Er starb nach \u00fcber 100 Tagen Covid-19. Vor seinem Tod hatten die Mediziner das Virusgenom mehrfach sequenziert, um es auf genetische Ver\u00e4nderungen zu untersuchen. Wie sie in der Fachzeitschrift \u00bbNature\u00ab berichten, habe sich das Virus in dieser Krankheitsperiode von 100 Tagen mehrmals ver\u00e4ndert. Einige Mutanten, die entstanden waren, dominierten am Ende das Infektionsgeschehen im K\u00f6rper des Mannes, darunter war auch eine, die sich auf das Spike-Protein auswirkte.<\/p>\n<p>Auch Roman W\u00f6lfel, der Leiter des Instituts f\u00fcr Mikrobiologie der Bundeswehr in M\u00fcnchen, hat sich mit solchen Mutationen besch\u00e4ftigt. Er untersuchte Proben von immunsupprimierten Personen mit einer Corona-Infektion. Weil sich bei diesen Lymphdr\u00fcsenkrebs-Patienten mit einem B-Zell-Lymphom durch die Behandlung auch gesunde Immunzellen verminderten, konnte sich bei ihnen Sars-CoV-2 deutlich st\u00e4rker und l\u00e4nger vermehren als bei immungesunden Menschen.<\/p>\n<p>Dabei fand W\u00f6lfels Team mehr genetische Ver\u00e4nderungen in den Viren als bei Sars-CoV-2-Infektion von Immungesunden. \u00bbDas Virus hat eine besonders gute Gelegenheit, auf Behandlungsversuche durch die Entwicklung von Virusmutationen zu reagieren\u00ab, schrieb der Mediziner dem SPIEGEL. Es sei daher sehr plausibel, dass eine langandauernde Infektion bei immunsupprimierten Patienten h\u00e4ufiger zu sogenannten Immune-Escape-Mutationen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um Fluchtmutationen, mit ihnen entkommt das Virus den Angriffen des menschlichen Immunsystems. Eine kleine Studie bei Leuk\u00e4miepatienten hatte ebenfalls gezeigt, wie das Virus so monatelang im K\u00f6rper w\u00fcten kann.<\/p>\n<p>Wird eine dieser Mutationen durch \u00dcbertragung an einen anderen Organismus weitergegeben, kann sie sich schnell vermehren und sich in der Bev\u00f6lkerung ausbreiten. Wenn die Mutation dann entdeckt wird, kommt sie wie aus dem Nichts. Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben, m\u00fcssen also aus zwei Gr\u00fcnden dringend gesch\u00fctzt und schnell geimpft werden. Denn neben der Gefahr von schweren Verl\u00e4ufen k\u00f6nnte das Virus auch leichter mutieren.<\/p>\n<p>Unklar ist aber, wer besonders gef\u00e4hrdet ist, im Infektionsfall schneller Mutationen zu entwickeln, der Begriff immunschwach ist weit gefasst. Neben Menschen, die beispielsweise an Krankheiten wie Krebs oder Diabetes leiden, k\u00f6nnten auch solche betroffen sein, die Immunsuppressiva nehmen. Diese Medikamente, die die Funktionen des Immunsystems verringern, werden bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen verabreicht. Beispielsweise bei Autoimmunkrankheiten wie der Multiplen Sklerose oder auch bei schwerem Asthma und nach Organtransplantationen, um die Absto\u00dfreaktion des K\u00f6rpers auf fremdes Gewebe zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p><strong>Keine Folgen f\u00fcr die Impfpriorisierungen <\/strong><\/p>\n<p>Aber laut Roman W\u00f6lfel sei das Risiko bei Lymphdr\u00fcsenkrebspatienten besonders hoch. \u00bbGl\u00fccklicherweise ist die Situation von Patienten mit einem B-Zell-Lymphom nicht allgemeing\u00fcltig f\u00fcr alle Patienten mit einer Immunsuppression\u00ab. Eine Verminderung der k\u00f6rpereigenen Abwehr kann bei einer Vielzahl von Krankheiten auftreten und ist nicht immer mit einem so ausgepr\u00e4gten Problem bei der Bek\u00e4mpfung einer Sars-CoV-2 Infektion verbunden, f\u00fcgt er hinzu.<\/p>\n<p>Die Impfpriorisierungen aufgrund der begrenzten Ressourcen muss also nicht unbedingt ver\u00e4ndert werden. Aber dennoch ist die weitere Forschung zu dem Thema besonders f\u00fcr Menschen mit einer schwachen K\u00f6rperabwehr wichtig. Denn m\u00f6glicherweise helfen sie manchem dabei, eine Entscheidung zugunsten einer Impfung zu f\u00e4llen und sich aktiv darum zu bem\u00fchen. Wenn es gelingt, solche Menschen zu sch\u00fctzen, k\u00f6nnte wohl auch das Risiko f\u00fcr pl\u00f6tzliche und hohe Mutationsraten des Virus sinken. Aber die Entscheidung f\u00fcr eine Impfung bleibt eine pers\u00f6nliche.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Eine Frau wartet in einem Impfzentrum in Brandenburg Foto:\u2002Patrick Pleul \/ dpa Die Mutationen des Coronavirus stellen Deutschland vor eine gro\u00dfe Aufgabe, denn mit ihrer Ausbreitung hat der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6548,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6547","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6547"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6547\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6548"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6547"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}