{"id":6544,"date":"2021-03-16T21:48:16","date_gmt":"2021-03-16T18:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/astrazeneca-das-sagt-impfstoffexperte-leif-erik-sander-zum-impfstopp\/"},"modified":"2021-03-16T21:48:16","modified_gmt":"2021-03-16T18:48:16","slug":"astrazeneca-das-sagt-impfstoffexperte-leif-erik-sander-zum-impfstopp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/astrazeneca-das-sagt-impfstoffexperte-leif-erik-sander-zum-impfstopp\/","title":{"rendered":"AstraZeneca: Das sagt Impfstoffexperte Leif Erik Sander zum Impfstopp"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7cc659e0-0bd3-430f-ba88-f68e6f677a35_w948_r1.77_fpx30.04_fpy52.95.jpg\" title=\"Impfung einer Kindergarten-Erzieherin in Bremen\" alt=\"Impfung einer Kindergarten-Erzieherin in Bremen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Impfung einer Kindergarten-Erzieherin in Bremen<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Hauke-Christian Dittrich \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Professor Sander, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat empfohlen, die AstraZeneca-Impfung wegen eines erh\u00f6hten Risikos f\u00fcr bestimmte Thrombosen auszusetzen. Teilen Sie die Bedenken?<\/p>\n<p><strong>Sander:<\/strong> F\u00fcr eine genaue Einsch\u00e4tzung br\u00e4uchte man noch detailliertere Daten. Nach Angaben von PEI-Chef Cichutek wurden bei etwa 1,6 Millionen Geimpften in Deutschland sieben F\u00e4lle von sogenannten Sinusvenenthrombosen gemeldet. Das hei\u00dft, dies w\u00e4re eine sehr seltene Komplikation \u2013 allerdings ist noch nicht hundertprozentig gekl\u00e4rt, ob es sich um eine direkte Folge der Impfungen handelt, auch wenn einige Indizien darauf hindeuten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Wie meinen Sie das?<\/p>\n<p><strong>Sander: <\/strong>Es w\u00e4re auch noch denkbar, dass es sich um eine gewisse statistische Verzerrung handelt. Normalerweise treten in der Gesamtbev\u00f6lkerung pro Jahr etwa f\u00fcnf bis sechs solcher Hirnvenenthrombosen pro einer Million Einwohner auf. Frauen erkranken allerdings drei- bis viermal h\u00e4ufiger daran als M\u00e4nner. Und vor allem betroffen sind junge Frauen zwischen 30 und 40 Jahren. Den AstraZeneca-Impfstoff haben als Erstes vor allem MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen bekommen, also \u00fcberdurchschnittlich viele junge Frauen. Daher muss man hier wahrscheinlich auch eine andere Hintergrundinzidenz f\u00fcr diese Personengruppe annehmen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das hei\u00dft, diese Betroffenen w\u00e4ren wom\u00f6glich auch so erkrankt?<\/p>\n<p><strong>Sander:<\/strong> Nein, das kann man so nicht sagen. Aber das Ausma\u00df der jetzt vermuteten H\u00e4ufung ist vielleicht nicht so hoch, wenn man bedenkt, dass die Inzidenz von Sinusvenenthrombosen in dieser Personengruppe ohnehin h\u00f6her ist. Allerdings ist das gleichzeitige Auftreten von Hirnvenenthrombosen und ein Mangel an Blutpl\u00e4ttchen schon eine auff\u00e4llige Konstellation. Unklar ist allerdings, warum in Gro\u00dfbritannien fast zehnmal mehr Menschen mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft worden sind als bei uns, dort jedoch keine H\u00e4ufung solcher Thrombosen aufgefallen ist.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das Thromboserisiko f\u00fcr Nutzerinnen der Antibaby-Pille ist ebenfalls deutlich h\u00f6her als die jetzt berichteten Fallzahlen.<\/p>\n<p><strong>Sander: <\/strong>Ja, das Thromboserisiko liegt hier im Bereich von etwa bei 800 bis 1200 F\u00e4llen pro eine Million Anwenderinnen. Allerdings hinkt dieser Vergleich etwas, wenn man bedenkt, dass es sich hier jetzt um sehr spezielle Thrombosen der Hirnvenen handelt. Daher muss man jede m\u00f6gliche Zusatzgefahr ernst nehmen. Die Zahl der gesamten Thrombosen ist auch weiterhin nicht erh\u00f6ht nach einer Impfung mit AstraZeneca, sondern liegt im Bereich der Normalbev\u00f6lkerung \u2013 und auch derjenigen nach der Impfung mit dem Pr\u00e4parat von Biontech\/Pfizer.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Warum muss die Impfung ausgesetzt werden? Man k\u00f6nnte die Vorf\u00e4lle doch pr\u00fcfen und weiter impfen.<\/p>\n<p><strong>Sander:<\/strong> Ja, das w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit. Allerdings ist es eine sehr schwierige Abw\u00e4gung. Das PEI wird sicher seine Gr\u00fcnde gehabt haben, sich anders zu entscheiden. Und es ist nat\u00fcrlich genau die Aufgabe des PEI auf derlei Sicherheitssignale hinzuweisen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist das Risiko durch jetzt drohende zus\u00e4tzliche Covid-F\u00e4lle nicht viel h\u00f6her als durch die seltenen Thrombosen?<\/p>\n<p><strong>Sander: <\/strong>Prinzipiell ist das wahrscheinlich so. Bei einer Impfstoffzulassung wird vor allem darauf geachtet, dass der Nutzen das Risiko bei Weitem \u00fcbersteigt. Und das scheint mir hier auch weiterhin der Fall zu sein. Wenn man die Zahlen der t\u00f6dlich verlaufenden Hirnvenenthrombosen \u2013 drei auf 1,6 Millionen \u2013 gegen die verhinderten Todesf\u00e4lle durch Covid-19 rechnet, \u00fcberwiegt vermutlich weiterhin der Nutzen der Impfung deutlich. Die aktuelle Entwicklung der Covid-Inzidenzen und der zu erwartende baldige Anstieg der Krankenhauseinweisungen und Todeszahlen wird diesen Trend noch verst\u00e4rken. Daher finde ich, dass wir nach sehr rascher Pr\u00fcfung, je nach Ergebnis, so schnell wie m\u00f6glich die Impfungen wiederaufnehmen sollten. Neben den steigenden Fallzahlen scheint sich die Gefahr eines t\u00f6dlichen Verlaufs eventuell durch die B.1.1.7-Variante weiter zu erh\u00f6hen. Das muss man mitbedenken. Wenn man wegen Covid ins Krankenhaus kommt, liegt die Gefahr einer schweren Thrombose im \u00dcbrigen bei etwa 16 Prozent.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie stark beeinflusst der vorl\u00e4ufige Impfstopp die ohnehin schleppende Immunisierungskampagne in Deutschland?<\/p>\n<p><strong>Sander:<\/strong> Ich bef\u00fcrchte, dass der Imageschaden und der Schaden f\u00fcr die Akzeptanz dieser Impfung gro\u00df sein wird. Das kann die ohnehin schleppende Impfkampagne weiter schw\u00e4chen. Das PEI trifft seine Entscheidungen nat\u00fcrlich immer nach genauer Pr\u00fcfung aller Daten mit den besten Intentionen und zum Schutz der Bev\u00f6lkerung. Diese Daten liegen mir nicht vor, daher vertraue ich auf die Einsch\u00e4tzung des PEI. Auch die revidierten Empfehlungen der Stiko zum Einsatz der Impfung bei \u00e4lteren Personen k\u00f6nnen bei Teilen der Bev\u00f6lkerung zu Verunsicherung f\u00fchren. Ich bin mir ganz sicher, dass diese Empfehlungen alle faktenbasiert und korrekt und im besten Interesse f\u00fcr den Schutz der Bev\u00f6lkerung gef\u00e4llt werden. Es wird aber bedauerlicherweise wohl ein kommunikativer Schaden bleiben. Da werden sich in der Allgemeinbev\u00f6lkerung sicher auch einige denken \u00bbDa muss doch etwas faul damit sein\u00ab.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Und, ist es das? Was halten Sie vom AstraZeneca-Impfstoff?<\/p>\n<p><strong>Sander:<\/strong> Das ist in meinen Augen ein hochwirksamer und sehr sicherer Impfstoff. Da hat sich meine Meinung nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Impfung einer Kindergarten-Erzieherin in Bremen Foto:\u2002Hauke-Christian Dittrich \/ dpa SPIEGEL: Professor Sander, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat empfohlen, die AstraZeneca-Impfung wegen eines erh\u00f6hten Risikos f\u00fcr bestimmte Thrombosen auszusetzen. 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