{"id":6539,"date":"2021-03-16T15:27:21","date_gmt":"2021-03-16T12:27:21","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-und-die-deutsche-bahn-was-wenn-die-fahrgaste-nicht-zuruckkommen\/"},"modified":"2021-03-16T15:27:21","modified_gmt":"2021-03-16T12:27:21","slug":"corona-und-die-deutsche-bahn-was-wenn-die-fahrgaste-nicht-zuruckkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-und-die-deutsche-bahn-was-wenn-die-fahrgaste-nicht-zuruckkommen\/","title":{"rendered":"Corona und die Deutsche Bahn: Was, wenn die Fahrg\u00e4ste nicht zur\u00fcckkommen?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f4d94733-885f-42c7-afd0-36f6ece17ee7_w948_r1.77_fpx64_fpy53.jpg\" title=\"Die Coronakrise sorgte f\u00fcr nahezu leere Busse und Waggons, wie hier in der 1. Klasse eines ICE der Deutschen Bahn\" alt=\"Die Coronakrise sorgte f\u00fcr nahezu leere Busse und Waggons, wie hier in der 1. Klasse eines ICE der Deutschen Bahn\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Die Coronakrise sorgte f\u00fcr nahezu leere Busse und Waggons, wie hier in der 1. Klasse eines ICE der Deutschen Bahn<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Ralph Peters \/ imago images<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Zahlen sind gewaltig: 2021 stecken Bahn, Bund und L\u00e4nder die Rekordsumme von 12,7 Milliarden Euro in Schienennetz und Bahnh\u00f6fe. Ziel ist der Deutschlandtakt, durch den auf den Hauptstrecken 2030 alle halbe Stunde ein Fernzug verkehren soll.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden flei\u00dfig Loks und Waggons angeschafft. Die Fernverkehrsflotte w\u00e4chst nach Angaben der Bahn um rund 25 Prozent auf bis zu 600 Z\u00fcge, einige rollen k\u00fcnftig im XXL-Format, in 50 der neuen ICE 4 soll es knapp 920 Sitzpl\u00e4tze geben. Binnen zehn Jahren soll sich die Zahl der Fahrg\u00e4ste verdoppeln. Au\u00dferdem sollen Z\u00fcge in Deutschland p\u00fcnktlicher und schneller werden \u2013 und auch in abgelegenen Regionen attraktiv sein.<\/p>\n<h3>Milliardenverluste treffen auf gigantische Investitionen<\/h3>\n<p>Auch in den Nahverkehr flie\u00dft jede Menge Geld. So investiert die Bahn in die Flotte von f\u00fcnf gro\u00dfen S-Bahnen 2,7 Milliarden Euro. F\u00fcr rund eine Milliarde Euro sollen die Z\u00fcge der DB Regio modernisiert werden. Das gleiche Bild bietet sich in den St\u00e4dten. So investiert die Hamburger Hochbahn von 2020 bis 2024 etwa 1,5 Milliarden Euro \u2013 rund 400 Millionen mehr als von 2015 bis 2019.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Verkehrsmittel gelten als gro\u00dfer Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr eine klimafreundliche Mobilit\u00e4t mit weniger Autoverkehr und Emissionen. Die Realit\u00e4t sieht derzeit jedoch anders aus: Die Bahn macht Milliardenverluste wegen leerer Z\u00fcge, die Schulden des Unternehmens steigen. So reisten \u00fcber die Weihnachtsfeiertage des vergangenen Jahres nur halb so viele Menschen mit der Bahn wie im Jahr zuvor, die Auslastung im Fernverkehr lag nur bei rund 25 Prozent. In den Jahren zuvor waren es im Schnitt 70 Prozent.<\/p>\n<p>Und auch bei den Nahverkehrsunternehmen sieht es alles andere als rosig aus. 2020 verloren die Anbieter dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge Einnahmen in H\u00f6he von 3,5 Milliarden Euro, 2021 soll dieselbe Summe noch einmal fehlen.<\/p>\n<h3>Coronakrise durchbricht Serie von 22 Rekordjahren in Folge<\/h3>\n<p>Die Zahl der Kundinnen und Kunden im \u00f6ffentlichen Personennahverkehr (\u00d6PNV) sank im vergangenen Fr\u00fchjahr um bis zu 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im zweiten Shutdown blieben Busse und Bahnen erneut deutlich leerer, Anfang dieses Jahres lag die Nachfrage laut VDV bei 30 bis 40 Prozent des Vorkrisenniveaus.<\/p>\n<p>Deutschland steckt also viel Geld in \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, obwohl die Pandemie hohe Verluste verursacht. Dass weniger Menschen mit Bus und Bahn fahren, liegt aber nicht daran, dass die Menschen generell nicht mobil sind, wie Datenauswertungen des SPIEGEL zeigen. Sie verzichten lediglich auf bestimmte Verkehrsmittel, zum Beispiel auf den Fernverkehr der Bahn. Die Hoffnung hinter den Investitionen ist nach 22 Fahrgast-Rekordjahren des \u00d6PNV in Folge klar: Die Fahrg\u00e4ste kommen zur\u00fcck, sobald die Angst vor einer Ansteckung wegf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Ein Blick nach Taiwan zeigt jedoch, dass das nicht unbedingt der Fall sein muss. Das Land kam so gut wie kaum ein anderes durch die Pandemie, das \u00f6ffentliche Leben blieb gr\u00f6\u00dftenteils erhalten. So feierten im Herbst des vergangenen Jahres Zehntausende bei der Taiwan Pride Parade in Taipeh, Gesch\u00e4fte blieben gr\u00f6\u00dftenteils ge\u00f6ffnet. In den Schnellz\u00fcgen des Landes war das aber nur bedingt sp\u00fcrbar, zwar stiegen die Fahrgastzahlen in den Hochgeschwindigkeitsz\u00fcgen des Landes nach einem Einbruch im Fr\u00fchjahr 2020 wieder an, sie blieben aber unter dem Vorkrisenniveau.<\/p>\n<h3>Niveau von 2019 wird erst 2023 wieder erreicht<\/h3>\n<p>\u00bbEs wird eine Weile dauern, bis die Fahrg\u00e4ste zur\u00fcckkehren\u00ab, sagt auch Maria Leenen vom Beratungsunternehmen SCI Verkehr. \u00bbWir kommen voraussichtlich erst 2023 wieder auf das Niveau von 2019, das ist eine gr\u00f6\u00dfere Delle als gedacht.\u00ab Die Pandemie beschleunige eine Trendwende, die Fahrgastzahlen steigen nicht mehr unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t des Angebots an, warnt Leenen.<\/p>\n<p>Durch den Trend zum Homeoffice k\u00f6nnten viele Fahrten f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit oder auf Dauer wegfallen \u2013 und damit Einnahmen. Wer nur zwei- oder dreimal pro Woche ins B\u00fcro f\u00e4hrt, verzichtet wom\u00f6glich auf die Monatskarte. Laut VDV haben viele Kunden ihre Abos 2020 aber noch nicht gek\u00fcndigt. Deshalb geht die Hamburger Hochbahn davon aus, dass der Kostendeckungsgrad 2020 zwar deutlich unter dem Vorjahreswert lag \u2013 man aber trotzdem einen Wert um die 80-Prozent-Marke erreichen wird. Im Jahr zuvor lag er noch bei 90,1 Prozent.<\/p>\n<p>Ob sich der Nahverkehr langfristig so stark selbst tragen wird, h\u00e4ngt auch davon ab, ob viele Menschen doch noch auf ihr Abo-Ticket verzichten. Es lasse sich kaum vorhersagen, wie viele Fahrten k\u00fcnftig durchs Homeoffice wegfallen, sagt Leenen.<\/p>\n<h3>Menschen wollen zur\u00fcck ins B\u00fcro<\/h3>\n<p>\u00bbAuto und Fahrrad sind eindeutige Pandemiegewinner\u00ab, erkl\u00e4rt die Beraterin. Gerade beim Radverkehr sei aber offen, ob der extreme Anstieg dauerhaft sei. Und an der politischen Ausrichtung, den Autoverkehr st\u00e4rker zu reglementieren, werde sich kaum etwas \u00e4ndern. Sie geht deshalb davon aus, dass der Trend zur Schiene langfristig Bestand hat, das Geld also gut angelegt ist. Jetzt zu investieren, sei richtig, \u00bbdringend und an vielen Stellen auch \u00fcberf\u00e4llig\u00ab, so Leenen.<\/p>\n<p>\u00bbDie Menschen werden nach der Coronakrise in den \u00d6PNV zur\u00fcckkehren, wahrscheinlich sogar st\u00e4rker als zuvor\u00ab, sagt auch Oliver Falck, \u00d6konom am Ifo-Institut. Das liegt Falck zufolge an einer Homeoffice-M\u00fcdigkeit. \u00bbStudien zeigen, dass Menschen pers\u00f6nliche Kontakte vermissen und zur\u00fcck ins B\u00fcro wollen.\u00ab Es werde deshalb vermehrt zu Mischformen aus B\u00fcro und Homeoffice kommen \u2013 bei denen Falck zufolge alle an gewissen Tagen gemeinsam im B\u00fcro sein und sich austauschen wollen. \u00bbEs wird also wieder gro\u00dfe Spitzenlasten im Verkehr geben\u00ab, prognostiziert der \u00d6konom.<\/p>\n<h3>Regionale Anbindung wird wichtiger<\/h3>\n<p>Doch wie k\u00f6nnen Verkehrsgesellschaften auf solche neuen Trends reagieren? Etwa mit speziellen Homeoffice-Tickets, schl\u00e4gt Beraterin Leenen vor. Jetzt zu sparen, br\u00e4chte Probleme in der Zukunft. So h\u00e4tten Kunden h\u00f6here Anspr\u00fcche an Luftqualit\u00e4t und Sicherheit in Bussen und Bahnen. \u00bbWenn die Nutzer zur\u00fcckkommen, aber nicht in einen Ausbau investiert wurde, sind Busse und Bahnen extrem voll und unp\u00fcnktlich.\u00ab Zu schweigen von der mittlerweile ungewohnten N\u00e4he zu den vielen anderen Reisenden, die manche dazu bringen k\u00f6nnte, doch lieber ins Auto zu steigen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig k\u00f6nnten k\u00fcnftige Mischformen, bei denen man nur an drei Tagen pro Woche im B\u00fcro arbeitet, viele Menschen dazu bringen, weiter aufs Land zu ziehen. Dann brauche man aber gute Verbindungen im Regionalverkehr, um an diesen Tagen ins B\u00fcro zu fahren, sagt \u00d6konom Falck. \u00bbDas rechtfertigt diese gigantischen Summen.\u00ab<\/p>\n<h3>Anti-Stau-Geb\u00fchr als L\u00f6sung<\/h3>\n<p>F\u00fcr den Fall, dass die Fahrg\u00e4ste nicht zur\u00fcckkehren und die Verluste bleiben, gibt es eine Art Notl\u00f6sung. Falck schl\u00e4gt eine Anti-Stau-Geb\u00fchr f\u00fcr Autofahrer in Ballungsr\u00e4umen vor. Deren Einnahmen flie\u00dfen in den \u00d6PNV. So eine Geb\u00fchr schaffe einen guten Grund, umzusteigen, erkl\u00e4rt der \u00d6konom. Gleichzeitig erreiche man mit moderaten Geb\u00fchren bereits viel. \u00bbEine Tagespauschale von sechs Euro reduziert den Verkehr in der M\u00fcnchner Innenstadt um 23 Prozent und generiert j\u00e4hrlich 600 Millionen Euro an Einnahmen\u00ab, rechnet der \u00d6konom vor.<\/p>\n<p>Auch Beraterin Leenen schl\u00e4gt vor, zus\u00e4tzliche Einnahmequellen zu suchen. \u00bbZum Beispiel, indem man das Umfeld von Bahnh\u00f6fen attraktiver macht und durch die Immobilien Geld verdient, wie es Bahngesellschaften in Japan tun\u00ab, so Leenen.<\/p>\n<p>Selbst wenn Verluste bleiben, gibt es also Auswege. Zumindest eine Anti-Stau-Geb\u00fchr d\u00fcrfte aber auf erbitterten Widerstand der Autofahrer sto\u00dfen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die Coronakrise sorgte f\u00fcr nahezu leere Busse und Waggons, wie hier in der 1. 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