{"id":6501,"date":"2021-03-15T00:08:42","date_gmt":"2021-03-14T21:08:42","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-grunen-nach-den-landtagswahlen-kommen-sie-so-ins-kanzleramt\/"},"modified":"2021-03-15T00:08:42","modified_gmt":"2021-03-14T21:08:42","slug":"die-grunen-nach-den-landtagswahlen-kommen-sie-so-ins-kanzleramt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-grunen-nach-den-landtagswahlen-kommen-sie-so-ins-kanzleramt\/","title":{"rendered":"Die Gr\u00fcnen nach den Landtagswahlen: Kommen sie so ins Kanzleramt?"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/328030ef-e24b-41af-a031-2e09df6f21ae_w948_r1.77_fpx63.74_fpy49.98.jpg\" title=\"Die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben gute Laune\" alt=\"Die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben gute Laune\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben gute Laune<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Kay Nietfeld \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Meistens ist es bequem, wenn man sich die Ma\u00dfst\u00e4be aussuchen kann, nach denen man die eigene Position bewertet. Gerade an einem Wahlabend.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gr\u00fcnen hei\u00dft das: Schaut man vor allem auf die Differenz zu den Wahlen vor f\u00fcnf Jahren, war das ein hervorragender Tag. \u00bbDas ist ein super Start ins Superwahljahr!\u00ab, twitterte der Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Michael Kellner kurz nach 18 Uhr. Von einem \u00bbsuper Start ins Superwahljahr\u00ab sprach wortgleich auch Parteichef Robert Habeck.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen k\u00f6nnen sich in Baden-W\u00fcrttemberg \u00fcber ein \u00e4hnliches Ergebnis wie vor f\u00fcnf Jahren freuen \u2013 mehr als 30 Prozent. Und \u00fcber Zugewinne \u2013 etwa drei Prozentpunkte \u2013 in Rheinland-Pfalz. Sie sind die Gewinner des Wahlabends, so oder so. Dann hat die CDU auch noch verloren, umso besser aus Gr\u00fcnen-Sicht. \u00bbEin schwarzer Tag f\u00fcr die Schwarzen\u00ab, formulierte J\u00fcrgen Trittin erfreut.<\/p>\n<p>Aber es ist nat\u00fcrlich ein klein wenig komplizierter, weil sich der Blick der Gr\u00fcnen auf die Bundestagswahl richtet und ihre Ziele dort mit kleineren Zuw\u00e4chsen nicht zu erreichen sein werden. Bei der letzten Bundestagswahl holte die Partei 8,9 Prozent. Jetzt wollen die Gr\u00fcnen am liebsten ins Kanzleramt.<\/p>\n<p>Es ist daher ein wenig wie mit dem Klimaschutz, dem Thema, das den Gr\u00fcnen seit 2019 ma\u00dfgeblich neue Bedeutung verleiht: Ein bisschen Verbesserung reicht nicht, es muss schon eine Transformation sein. Deshalb reicht auch der Blick auf die Zuw\u00e4chse an diesem Wahlsonntag nicht aus.<\/p>\n<h3>Der forsche Anspruch auf das Kanzleramt ist in der Welt<\/h3>\n<p>Bei der Wahl in Baden-W\u00fcrttemberg ging es f\u00fcr die Gr\u00fcnen immer darum, ob sie das Land halten k\u00f6nnen. Ob sie die st\u00e4rkste Partei bleiben. Ob Winfried Kretschmann weiter regieren kann.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen leben stark von der Erwartung an ihren Erfolg in der Zukunft. Sie erreichten bundesweit vor der Coronakrise Umfragewerte und damit einen Status, der weder von der Gr\u00f6\u00dfe der Partei noch der Verwurzelung in den L\u00e4ndern noch der loyalen Stammw\u00e4hlerschaft gedeckt ist.<\/p>\n<p>Deshalb war es so geschickt, dass vor allem Robert Habeck im vergangenen Sommer so offensiv den Anspruch auf Platz 1 bei der Bundestagswahl reklamiert hat. Mittlerweile sind die \u00c4u\u00dferungen etwas dem\u00fctiger geworden, aber die forsche These, dass die Gr\u00fcnen die Union schlagen k\u00f6nnen, ist in der Welt.<\/p>\n<p><strong><em>(Eine Bundestagswahl, sechs Landtagswahlen \u2013 Sie wollen sich vom SPIEGEL durch das Superwahljahr 2021 begleiten lassen? Dann k\u00f6nnen <\/em><\/strong><strong><em>Sie hier unseren neuen w\u00f6chentlichen Newsletter aus dem SPIEGEL-Hauptstadtb\u00fcro abonnieren<\/em><\/strong><strong><em>.)<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden brauchen die Gr\u00fcnen, die schon h\u00e4ufiger vor Wahlen in Umfragen sehr gut dastanden, um am Ende doch etwa bei den Stimmen ihrer Kernw\u00e4hlerschaft zu landen, einen kleinen Schuss Gr\u00f6\u00dfenwahn.<\/p>\n<p>Sie sind darauf angewiesen, dass man Winfried Kretschmann nicht f\u00fcr eine Ausnahme h\u00e4lt wie den Linken-Ministerpr\u00e4sidenten Bodo Ramelow in Th\u00fcringen, sondern dass man ihn als Beispiel f\u00fcr den Bund nimmt.<\/p>\n<p>Darauf, dass sie selbstverst\u00e4ndlich als zweite Kraft nach der Union gehandelt werden, auch wenn sie nur knapp vor der SPD liegen und die an diesem Wahltag insgesamt nicht schlechter abgeschnitten hat, bestenfalls sogar als m\u00f6glichste st\u00e4rkste Kraft, als Kanzlerpartei oder Kanzlerinpartei.<\/p>\n<p>Wer etwas zu sagen hat, wird geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Wer sichtbar ist, wird gesehen.<\/p>\n<p>Wer hat, dem wird gegeben.<\/p>\n<p>Kretschmann ist der beste Beweis: Vor nun zehn Jahren holte er etwa 24 Prozent, deutlich weniger als der CDU-Kandidat, unwesentlich mehr als die SPD. Aber es reichte, um als erster Gr\u00fcner in die Staatskanzlei einzuziehen. Um f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter schon st\u00e4rkste Kraft zu werden. Um den Vorsprung jetzt noch einmal auszubauen.<\/p>\n<p>Kretschmanns erneuter Sieg an diesem Sonntag ist deshalb die notwendige Bedingung daf\u00fcr, dass die Bundestagswahl ein Erfolg f\u00fcr die Gr\u00fcnen werden kann, gemessen an den neuen Ma\u00dfst\u00e4ben, an den eigenen ehrgeizigen Zielen.<\/p>\n<p>W\u00e4re es in Baden-W\u00fcrttemberg anders gekommen, w\u00e4re das katastrophal gewesen f\u00fcr die Partei. Das Stuttgarter Rathaus haben die Gr\u00fcnen schon verloren, die Staatskanzlei mussten sie halten. Sonst h\u00e4tte sich alles verkehrt: Die Gr\u00fcnen w\u00e4ren von der Partei, die w\u00e4chst, zu einer geworden, die schrumpft. Von einer Aufsteigerin zu einer Absteigerin. Gescheitert im h\u00f6chsten Regierungsamt im L\u00e4ndle.<\/p>\n<p>All das ist abgewendet. Mehr noch, die CDU ist schlagbar, das formulieren die Gr\u00fcnen jetzt mantraartig. \u00bbDie Ergebnisse beider Landtagswahlen zeigen: die Konservativen k\u00f6nnen geschlagen werden. Dieses Jahr ist noch vieles m\u00f6glich!\u00ab, twitterte Jamila Sch\u00e4fer, Mitglied im Bundesvorstand.<\/p>\n<h3>Die Sonnenblumen wachsen nicht in den Himmel<\/h3>\n<p>Die Schw\u00e4che der CDU, nach ihrem einj\u00e4hrigen, bemerkenswert stabilen Coronahoch, ist f\u00fcr die Projektionspl\u00e4ne der Gr\u00fcnen das zweite wichtige Ergebnis des Tages. Dass die Gr\u00fcnen offenbar davon nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig profitieren, k\u00f6nnte ihnen allerdings auch ein paar Sorgen machen.<\/p>\n<p>Dass die Sonnenblumen nicht automatisch in den Himmel wachsen, zeigt auch Rheinland-Pfalz. Die Gr\u00fcnen haben dort zwar deutlich zugelegt und sie verkaufen das wenig \u00fcberraschend als Erfolg. \u00bbIn Rheinland-Pfalz konnten wir deutlich unsere Stimmen verdoppeln\u00ab, sagte Parteichefin Annalena Baerbock. Tats\u00e4chlich sind die Gr\u00fcnen deutlich st\u00e4rker als bei der letzten Wahl, damals holten sie nur 5,3 Prozent.<\/p>\n<p>Was die Gr\u00fcnen verst\u00e4ndlicherweise nicht sagen: Sie sind nur etwa halb so stark wie in Umfragen vor anderthalb Jahren. Deutlich schw\u00e4cher als vor zehn Jahren. Und etwa genauso stark wie in den Umfragen vor der letzten Wahl. Damals war das schlechte Ergebnis eine ziemliche Entt\u00e4uschung. Nur an dieser Entt\u00e4uschung gemessen ist das Ergebnis jetzt wirklich zufriedenstellend.<\/p>\n<p>Das Ergebnis in Rheinland-Pfalz ist ein gutes Ergebnis f\u00fcr die kleine Oppositionspartei, als die die Gr\u00fcnen aber nicht mehr gesehen werden wollen. Es erinnert sie daran, dass es mit dem Umfragehoch auch schnell vorbei sein kann, auch ohne eigenes Verschulden.<\/p>\n<p>Weil es also immer auch um Projektion geht: Noch ist unklar, welche Koalition in Baden-W\u00fcrttemberg k\u00fcnftig regieren wird.<\/p>\n<p>Gr\u00fcn-Schwarz h\u00e4tte eine Mehrheit. Die Ampel aus Gr\u00fcnen, SPD und FDP aber eben auch \u2013 das w\u00fcrde alle daran erinnern: Gr\u00fcne im Kanzleramt, das ist denkbar.<\/p>\n<p>Andererseits haben die Gr\u00fcnen schon angek\u00fcndigt, mit allen verhandeln zu wollen. \u00bbDie Weitsicht und der Pragmatismus, das ist der Auftrag an die Gr\u00fcnen\u00ab, sagte Robert Habeck. Kann also auch hei\u00dfen, dass man ganz pragmatisch weiterregiert. Ihre W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler f\u00e4nden das einer ARD-Umfrage zufolge auch gut. Vielleicht reicht aber sogar f\u00fcr Gr\u00fcn-Rot, dann d\u00fcrfte die Entscheidung leicht fallen.<\/p>\n<p>Inhaltlich sind Schlussfolgerungen f\u00fcr den Bundestagswahlkampf schwer: Wie sich das Corona-Management auswirkt, das wahrscheinlich die Bundestagswahl pr\u00e4gen wird, l\u00e4sst sich nach beiden Ergebnissen beispielsweise kaum besser einsch\u00e4tzen als vorher.<\/p>\n<p>Die Union k\u00f6nnte Unzufriedenheit mit der Bundesregierung Stimmen gekostet haben. Andererseits haben die Ministerpr\u00e4sidentin und der Ministerpr\u00e4sident gewonnen, also diejenigen, die ma\u00dfgeblich f\u00fcr die zunehmend erratische und desastr\u00f6se Pandemiepolitik verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Hat der CDU-Kandidatin in Baden-W\u00fcrttemberg, der Bildungsministerin Susanne Eisenmann, ihr Dr\u00e4ngen auf Schul\u00f6ffnungen geschadet?<\/p>\n<p>W\u00e4re Kretschmanns Ergebnis besser gewesen, h\u00e4tte er ihr noch entschiedener widersprochen?<\/p>\n<p>Gibt es die Sehnsucht nach einer Opposition, die vorsichtiger ist?<\/p>\n<p>Was das f\u00fcr die Bundestagswahl in einem halben Jahr bedeutet, l\u00e4sst sich kaum sagen.<\/p>\n<p>Ob Kretschmanns hyperpragmatischer \u00d6kologie-Kurs der vergangenen Dekade auch im Bund ein Modell ist, oder ob es mehr Radikalit\u00e4t braucht, um W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler zu \u00fcberzeugen, dar\u00fcber wei\u00df man nach diesen Landtagswahlen nicht viel mehr.<\/p>\n<p>Dass sich entscheidende Akteure der sogenannten Klimaliste in Baden-W\u00fcrttemberg kurz vor der Wahl zur\u00fcckgezogen haben, dass Teile der Klimaschutzbewegung also die Gr\u00fcnen zwar treiben, ihnen aber am Ende lieber nicht schaden wollen, kann der Partei f\u00fcr die Bundestagswahl ein bisschen Hoffnung machen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck haben gute Laune Foto:\u2002Kay Nietfeld \/ dpa Meistens ist es bequem, wenn man sich die Ma\u00dfst\u00e4be aussuchen kann, nach denen man<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6502,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6501","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6501"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6501\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6502"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}