{"id":646,"date":"2020-06-23T02:44:25","date_gmt":"2020-06-22T23:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-studien-wecken-zweifel-an-zuverlassigkeit-von-antikorpertests-und-immunitatspassen\/"},"modified":"2020-06-23T02:44:25","modified_gmt":"2020-06-22T23:44:25","slug":"corona-studien-wecken-zweifel-an-zuverlassigkeit-von-antikorpertests-und-immunitatspassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-studien-wecken-zweifel-an-zuverlassigkeit-von-antikorpertests-und-immunitatspassen\/","title":{"rendered":"Corona: Studien wecken Zweifel an Zuverl\u00e4ssigkeit von Antik\u00f6rpertests und Immunit\u00e4tsp\u00e4ssen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5bfbfb26-0a8f-4d77-8711-643892a37bd3_w948_r1.77_fpx33.75_fpy50.jpg\" title=\"Die Y-f\u00f6rmigen Antik\u00f6rper binden an Oberfl\u00e4chen-Proteine des Virus und machen es dadurch unsch\u00e4dlich\" alt=\"Die Y-f\u00f6rmigen Antik\u00f6rper binden an Oberfl\u00e4chen-Proteine des Virus und machen es dadurch unsch\u00e4dlich\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Die Y-f\u00f6rmigen Antik\u00f6rper binden an Oberfl\u00e4chen-Proteine des Virus und machen es dadurch unsch\u00e4dlich<\/p>\n<p> koto_feja\/ iStockphoto\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die immensen Fortschritte in der Medizin lassen uns gelegentlich vergessen, was wir alles nicht wissen. So versuchen Forscher weltweit, die Immunantwort des K\u00f6rpers auf Viren wie Sars-CoV-2 im Detail zu entschl\u00fcsseln. Denn lie\u00dfe sich die Abwehrreaktion gegen das Coronavirus k\u00fcnstlich erzeugen, k\u00f6nnten Erkrankte schneller wieder gesund werden, wom\u00f6glich lie\u00dfe sich eine Infektion sogar ganz verhindern. (Mehr dazu lesen Sie hier.)<\/p>\n<p>Im Grundsatz reagiert der K\u00f6rper immer gleich, wenn aggressive Fremdk\u00f6rper in ihn eindringen: Das Immunsystem bringt schnell Abwehrstoffe in Stellung. Diese Antik\u00f6rper docken an die Krankmacher an und schalten sie dadurch aus. Dank dieser k\u00f6rpereigenen Abwehr verlaufen die meisten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 mit nur milden oder sogar gar keinen Symptomen.<\/p>\n<p>Je nach dem Verlauf der Infektion reagiert der K\u00f6rper mit verschiedenen Antik\u00f6rpern. Den Anfang machen sogenannte IgM-Antik\u00f6rper, die meist mehrere Erreger angreifen k\u00f6nnen, aber dadurch in vielen F\u00e4llen auch weniger ausrichten. Danach folgen IgA-Antik\u00f6rper und schlie\u00dflich die IgG-Antik\u00f6rper, die einen bestimmten Erreger gezielt angreifen und auch noch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit hinweg aktiv sind. Allerdings lassen sie sich erst Wochen nach der Infektion zuverl\u00e4ssig nachweisen.<\/p>\n<h3>Nicht jeder entwickelt spezifische Antik\u00f6rper<\/h3>\n<p>Laut vorl\u00e4ufigen Studienergebnissen von Forschern des Universit\u00e4tsspitals Z\u00fcrich k\u00f6nnte die Immunantwort mit dar\u00fcber entscheiden, wie schwer eine Covid-19-Erkrankung verl\u00e4uft. F\u00fcr die Studie hatten die Wissenschaftler mehr als 160 Menschen untersucht, die mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen waren und daraufhin schwere, leichte oder gar keine Symptome entwickelten.<\/p>\n<p>Bei milden oder asymptomatischen Verl\u00e4ufen lie\u00df sich die erste Riege der k\u00f6rpereigenen Abwehrzellen, die IgA-Antik\u00f6rper in der Tr\u00e4nenfl\u00fcssigkeit oder in der Nasenschleimhaut nachweisen. Allerdings fanden sich keine Langzeit-IgG-Antik\u00f6rper im Blutserum.<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung: IgA-Antik\u00f6rper, die in Schleimh\u00e4uten m\u00f6glichen Eindringlingen auflauern, konnten das Virus bereits erfolgreich abwehren, bevor es sich im ganzen K\u00f6rper ausbreitete. Dadurch war das Immunsystem nicht gezwungen, h\u00e4rtere Gesch\u00fctze aufzufahren, um den Erreger loszuwerden wie Fieber oder Husten. Die F\u00e4lle verliefen mild oder ganz ohne Symptome. Im Gegenzug stieg jedoch auch nicht die Konzentration der Langzeit-Antik\u00f6rper im Blut.<\/p>\n<p>Auch erste Studienergebnisse aus L\u00fcbeck sprechen daf\u00fcr, dass l\u00e4ngst nicht alle Patienten mit milden Symptomen Antik\u00f6rper bilden. So konnten bei 30 Prozent von 110 Infizierten mit milden oder gar keinen Symptomen keine Antik\u00f6rper nachgewiesen werden, die sicher auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus hindeuten.<\/p>\n<p>Ob die Betroffenen trotzdem von einer erneuten Infektion gesch\u00fctzt sind, ist unklar. Einerseits war ihr K\u00f6rper bereits in der Lage, das Virus auch ohne Langzeit-Antik\u00f6rper abzuwehren. Das spricht daf\u00fcr, dass die IgA-Antik\u00f6rper, die sich vor allem in den Schleimh\u00e4uten von J\u00fcngeren tummeln, einen gewissen Schutz bieten.<\/p>\n<p>Allerdings weisen andere Studien darauf hin, dass auch die Anzahl der Viren, mit denen jemand in Kontakt kommt, \u00fcber den weiteren Verlauf der Infektion mitbestimmt. Bekommt jemand besonders viele Viren ab, beispielsweise weil ihm jemand im Fahrstuhl direkt ins Gesicht niest, steigt die Gefahr f\u00fcr eine schwere Erkrankung.<\/p>\n<p>Experten gehen dennoch davon aus, dass auch bei asymptomatischen Verl\u00e4ufen f\u00fcr eine gewisse Zeit Immunit\u00e4t besteht. Tats\u00e4chlich wurden bei anderen Analysen auch bei asymptomatisch Infizierten IgG-Antik\u00f6rper im Blut nachgewiesen, die auf eine m\u00f6gliche Immunit\u00e4t hinweisen. Allerdings sank ihre Konzentrationen innerhalb von zwei bis drei Monaten nach der Infektion wieder, berichteten chinesische Forscher j\u00fcngst im Fachblatt &quot;Nature Medicine&quot;. Das galt auch f\u00fcr Patienten mit schweren Symptomen.<\/p>\n<p>Ob das bedeutet, dass sich die Betroffenen nach wenigen Monaten erneut anstecken k\u00f6nnen, ist jedoch unklar. Wahrscheinlich spielen bei der Abwehr auch andere Mechanismen des Immunsystems eine Rolle, die einen einmal erkannten Erreger abwehren k\u00f6nnten. Zudem basierten die Studienergebnisse nur auf den Daten von 74 Patienten.<\/p>\n<h3>Wie aussagekr\u00e4ftig sind Antik\u00f6rpertests und Immunit\u00e4tsausweise?<\/h3>\n<p>Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem sich ein nachweislich an Covid-19-Erkrankter nur wenige Monate nach der Infektion erneut mit dem Coronavirus angesteckt h\u00e4tte. Denn Ged\u00e4chtniszellen des Immunsystems k\u00f6nnen sich offenbar daran erinnern, wie sich das Virus im Falle einer zweiten Infektion abwehren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Allerdings stellen die Analysen die Zuverl\u00e4ssigkeit von Antik\u00f6rpertests infrage. In Deutschland sind mehrere Antik\u00f6rper-Massentests geplant, um die Dunkelziffer bei den Infektionen aufzudecken. Sollte sich jedoch best\u00e4tigen, dass l\u00e4ngst nicht alle Infizierten die gesuchten Antik\u00f6rper bilden oder dass die Anzahl der Antik\u00f6rper innerhalb weniger Monate so niedrig ist, dass sie sich nicht mehr nachweisen lassen, k\u00f6nnten solche Tests nicht alle Infizierten zuverl\u00e4ssig im Nachhinein aufsp\u00fcren.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte auch bedeuten, dass Immunit\u00e4tsp\u00e4sse, die Gesundheitsminister Jens Spahn ins Spiel gebracht hatte, wenig aussagekr\u00e4ftig w\u00e4ren. Deren Idee: Jeder, der einen positiven Antik\u00f6rper-Nachweis vorzeigen kann, darf sich gr\u00f6\u00dfere Freiheiten erlauben, weil er wahrscheinlich niemanden mehr anstecken kann.<\/p>\n<p>Die Analysen aus der Schweiz, Deutschland und China legen jedoch nahe, dass l\u00e4ngst nicht bei jedem die Antik\u00f6rper im Blut schwimmen, auf die die Tests anspringen. Selbst, wenn die Betroffenen eine Infektion mit dem Coronavirus bereits durchgemacht haben. &quot;Zusammengenommen zeigen unsere Daten mit welchem Risiko die Benutzung solcher Immunit\u00e4tsausweise einhergehen&quot;, schreiben die Forscher in der &quot;Nature Medicine&quot;-Studie. &quot;Das spricht f\u00fcr die Notwendigkeit, Ma\u00dfnahmen im Bereich der \u00f6ffentlichen Gesundheit zu verl\u00e4ngern, wie soziale Distanz, die Isolierung von Risikogruppen und weit verbreitete Tests.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die Y-f\u00f6rmigen Antik\u00f6rper binden an Oberfl\u00e4chen-Proteine des Virus und machen es dadurch unsch\u00e4dlich koto_feja\/ iStockphoto\/ Getty Images Die immensen Fortschritte in der Medizin lassen uns gelegentlich vergessen, was<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-646","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}