{"id":642,"date":"2020-06-22T22:16:12","date_gmt":"2020-06-22T19:16:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/krawalle-in-stuttgart-die-eskalation-am-schlossplatz\/"},"modified":"2020-06-22T22:16:12","modified_gmt":"2020-06-22T19:16:12","slug":"krawalle-in-stuttgart-die-eskalation-am-schlossplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/krawalle-in-stuttgart-die-eskalation-am-schlossplatz\/","title":{"rendered":"Krawalle in Stuttgart: Die Eskalation am Schlossplatz"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f84351ff-c3f3-4320-8c64-6e85f8ffa64c_w948_r1.77_fpx29.54_fpy45.jpg\" title=\"Polizisten in der Stuttgarter Innenstadt\" alt=\"Polizisten in der Stuttgarter Innenstadt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Polizisten in der Stuttgarter Innenstadt<\/p>\n<p> Christoph Schmidt\/ dpa <\/figcaption><\/figure>\n<p>Irgendwann nach Mitternacht spricht ein junger Mann mit blauem Mund-Nase-Schutz einen Fotografen auf der Stuttgarter Marienstra\u00dfe an und sagt: &quot;Mach mal ein Bild von mir&quot; &#8211; so erz\u00e4hlt es der Fotograf an diesem Montag am Telefon. Die Situation war da schon l\u00e4ngst eskaliert, junge M\u00e4nner haben Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen, auf der Marienstra\u00dfe und der angrenzenden K\u00f6nigstra\u00dfe Scheiben eingeschmissen und Gesch\u00e4fte gepl\u00fcndert.<\/p>\n<p>Inmitten des Chaos z\u00fcckten junge Menschen ihre Handys und filmten &#8211; so beobachtete es der Fotograf, und so legen es diverse Clips nahe, die im Netz kursieren. Der Mann mit der Atemschutzmaske habe selbstdarstellerisch posiert. &quot;Da waren den Leuten die Konsequenzen wohl nicht ganz klar&quot;, sagt der Fotograf, der anonym bleiben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die Konsequenzen: 24 Menschen wurden vorl\u00e4ufig festgenommen, ein Haftbefehl ist der Staatsanwaltschaft zufolge vollstreckt, weitere sieben sind beantragt worden. Die Tatverd\u00e4chtigen sind zwischen 16 und 33 Jahre alt und besitzen die deutsche, kroatische, irakische, portugiesische und lettische Staatsangeh\u00f6rigkeit. Ihnen wird Landfriedensbruch ebenso vorgeworfen wie gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung, t\u00e4tliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Diebstahl in besonders schwerem Fall. Gegen einen 16-J\u00e4hrigen wird wegen versuchten Totschlags ermittelt.<\/p>\n<p>Und in den kommenden Wochen, daran l\u00e4sst zumindest die Staatsgewalt keinen Zweifel, sollen zahlreiche weitere Ermittlungsverfahren hinzukommen. Bis zu 500 Menschen sollen ihren Teil zur Stuttgarter Krawallnacht beigetragen haben.<\/p>\n<p>Die Bilanz ist verheerend: 19 Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt, zw\u00f6lf Polizeiwagen, ein Rettungswagen und 40 Gesch\u00e4fte besch\u00e4digt, neun L\u00e4den gepl\u00fcndert. Stuttgarts Polizeivizepr\u00e4sident Thomas Berger bezifferte den Schaden durch die marodierenden Gruppen auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag.<\/p>\n<p>Fast noch schwerer wiegt der fatale Eindruck, den diese Nacht hinterl\u00e4sst: Wie konnte es zu einer solchen Eskalation kommen? Wie sind die Schaulust und der Stolz auf die Randale zu erkl\u00e4ren? Und wie der stundenlange Kontrollverlust des Staats?<\/p>\n<h3>Kretschmann spricht von anlassloser &quot;Gewaltorgie&quot;<\/h3>\n<p>Es begann gegen 23.30 Uhr, als ein 17-j\u00e4hriger Deutscher am Eckensee wegen eines mutma\u00dflichen Rauschgiftdelikts kontrolliert werden sollte. Daraufhin h\u00e4tten sich sofort 200 bis 300 Personen mit dem jungen Mann solidarisiert und massiv die anwesenden Polizisten angegriffen, hei\u00dft es von der Polizei. In Kleingruppen seien die jungen Menschen dann randalierend in Richtung Schlossplatz und sp\u00e4ter \u00fcber die K\u00f6nigstra\u00dfe zur Marienstra\u00dfe gelaufen.<\/p>\n<p>Baden-W\u00fcrttembergs Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann (Gr\u00fcne) spricht von einer &quot;Gewaltorgie&quot; ohne Anlass, gegen die sich die liberale Demokratie als &quot;wehrhaft&quot; erweisen werde. Der Stuttgarter Oberb\u00fcrgermeister Fritz Kuhn (Gr\u00fcne) nennt die T\u00e4ter &quot;Kriminelle, die bereit sind, schwere Straftaten zu begehen&quot;. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigt sich in Stuttgart demonstrativ vor einem zerst\u00f6rten Polizeiwagen, der der Polizei zufolge extra f\u00fcr den Pressetermin nochmals in die Innenstadt gefahren wurde, und sagt, er erwarte &quot;harte Strafen&quot; f\u00fcr die T\u00e4ter. Die Randale sei ein &quot;Alarmsignal f\u00fcr den Rechtsstaat&quot;.<\/p>\n<h3>Debatten \u00fcber die Randalierer<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die Polizei noch zu den Hintergr\u00fcnden der Randalierer ermittelt, stehen sie f\u00fcr einige schon fest: Die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel, schreibt auf Twitter von &quot;Antifa und &#039;Migrantifa&#039;&quot;, die &quot;au\u00dfer Kontrolle&quot; seien. Beim Seehofer-Besuch ruft ein Umstehender dazwischen: &quot;Merkels G\u00e4ste waren das!&quot; Die Polizei hingegen sieht laut der baden-w\u00fcrttembergischen Landespolizeipr\u00e4sidentin Stefanie Hinz &quot;keine verdichteten Hinweise darauf, dass hier tats\u00e4chlich eine politische Motivation oder entsprechend auch eine religi\u00f6se Motivation hinter diesen Taten steckt&quot;.<\/p>\n<p>Auch der Fotograf, der Sonntagnacht vor Ort war, sagt: &quot;Es ist keine homogene Masse gewesen.&quot; Auf der Treppe zum Kleinen Schlossplatz sa\u00dfen ihm zufolge Hunderte Menschen, von denen einige &quot;ACAB&quot; gerufen h\u00e4tten &#8211; die Parole steht f\u00fcr &quot;All cops are bastards&quot;. &quot;Das war der gemeinsame Nenner&quot;, sagt der Fotograf. &quot;Wir gegen die Polizei.&quot; Bei den Pl\u00fcnderungen sei es dann &quot;anscheinend mehr um Zerst\u00f6rungswut&quot; gegangen. F\u00fcr viele habe der Krawall &quot;einen Eventcharakter&quot; gehabt.<\/p>\n<p>Baden-W\u00fcrttembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagt, die Randalierer k\u00e4men aus der &quot;Partyszene&quot;, Alkohol und Drogen seien im Spiel gewesen. Probleme mit Feiernden im Stuttgarter Zentrum rund um den Eckensee bestehen seit Jahren. Vor allem im Sommer gibt es oft Stress und Schl\u00e4gereien. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wies der Stadtbezirk Stuttgart-Mitte 2019 mit knapp 14.700 Straftaten die meisten F\u00e4lle der 23 Bezirke auf.<\/p>\n<p>Bereits 2013 wurde deshalb ein runder Tisch gegr\u00fcndet. Schon damals klagten Anwohner im Zentrum \u00fcber L\u00e4rm, Glasscherben und Feierw\u00fctige, die in die Hauseing\u00e4nge urinierten. Seitdem diskutieren einmal im Monat Abgesandte der Gastronomie, der Polizei und der Stadtverwaltung \u00fcber m\u00f6gliche L\u00f6sungen. Wegen der Coronakrise fand die letzte Sitzung des Arbeitskreises jedoch Mitte M\u00e4rz online statt.<\/p>\n<p>Viele der Feiernden kommen offenbar aus dem Stuttgarter Umland. &quot;Am Wochenende ist es so laut, dass ich ohne Ohropax nicht schlafen kann&quot;, sagt der Stuttgarter Stadtdekan Clemens F\u00fcrst. Er wohnt im Haus der Katholischen Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft zum Eckensee. Vor seiner T\u00fcr beobachte er seit Jahren P\u00f6beleien, Respektlosigkeiten gegen\u00fcber der Polizei und Verm\u00fcllung, sagt F\u00fcrst. &quot;Sonntagmorgens sieht es hier regelm\u00e4\u00dfig aus wie Sau.&quot; Der \u00f6ffentliche Raum verwahrlose, die Stadt m\u00fcsse jetzt handeln.<\/p>\n<h3>Sicherheitskonzept soll erarbeitet werden<\/h3>\n<p>Nur mit Polizeipr\u00e4senz lie\u00dfe sich das aber nicht regeln, so F\u00fcrst. &quot;Wir m\u00fcssen an die Jugendlichen herankommen, vor allem auch an diejenigen, die in einer Machokultur aufwachsen. Ihnen fehlt h\u00e4ufig der Respekt vor der Polizei und anderen Autorit\u00e4ten.&quot;<\/p>\n<p>Die Polizei hat inzwischen eine 40-k\u00f6pfige Ermittlungsgruppe eingesetzt und ein Hinweisportal freigeschaltet. Neben der Aufkl\u00e4rung der Straftaten geht es nun auch darum, wie die Stadt die Sicherheit im \u00f6ffentlichen Raum in Zukunft garantieren will. Oberb\u00fcrgermeister Kuhn will noch vor dem kommenden Wochenende erste L\u00f6sungen pr\u00e4sentieren. Nach Angaben der Stadt soll ein Leitungsgremium \u00fcber Themen wie Video\u00fcberwachung, Alkoholverbote oder Aufenthaltsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze beraten.<\/p>\n<p>Auch die Jugend- und Migrantenarbeit wie zum Beispiel Streetworker-Angebote und die Zusammenarbeit etwa mit Einzelh\u00e4ndlern und der Klubszene w\u00fcrden diskutiert. Neben dem Gremium soll ein runder Tisch unter anderem Vertreter der Klubszene und des Einzelhandels zusammenbringen, teilte die Stadt mit. Die Polizei hat angek\u00fcndigt, in den kommenden Wochen mit verst\u00e4rkten Kr\u00e4ften in Stuttgart unterwegs zu sein.<\/p>\n<p>Landesinnenminister Strobl versprach, die Stadt bei der Erarbeitung eines Sicherheitskonzepts zu unterst\u00fctzen. Es werde in Baden-W\u00fcrttemberg &quot;keine rechtsfreien R\u00e4ume&quot; geben, sagte er. Solche Krawalle habe es in Stuttgart &quot;noch nicht gegeben, und das darf es auch kein zweites Mal geben&quot;.<\/p>\n<p><em>Mit Material der dpa.<\/em><\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Polizisten in der Stuttgarter Innenstadt Christoph Schmidt\/ dpa Irgendwann nach Mitternacht spricht ein junger Mann mit blauem Mund-Nase-Schutz einen Fotografen auf der Stuttgarter Marienstra\u00dfe an und sagt: &quot;Mach<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-642","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=642"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/642\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}