{"id":641,"date":"2020-06-22T21:08:02","date_gmt":"2020-06-22T18:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-19-milliarden-euro-frage\/"},"modified":"2020-06-22T21:08:02","modified_gmt":"2020-06-22T18:08:02","slug":"die-19-milliarden-euro-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/die-19-milliarden-euro-frage\/","title":{"rendered":"Die 1,9-Milliarden-Euro-Frage"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/65c11154-c76a-4c94-91e0-d3c9e8a2c772_w948_r1.77_fpx67.17_fpy50.jpg\" title=\"Wirecard-Messestand auf der Internationalen Tourismus Messe (ITB) in Berlin 2019\" alt=\"Wirecard-Messestand auf der Internationalen Tourismus Messe (ITB) in Berlin 2019\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wirecard-Messestand auf der Internationalen Tourismus Messe (ITB) in Berlin 2019<\/p>\n<p> JENS SCHLUETER\/EPA-EFE\/Shutterstock <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Suche nach 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz des Bezahldienstleisters Wirecard war bisher erfolglos: Der Vorstand des Dax-Konzerns teilte in der Nacht zu Montag mit, dass die Bankguthaben &quot;mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen&quot;.<\/p>\n<p>Bereits am Freitag war der umstrittene Vorstandschef Markus Braun zur\u00fcckgetreten, nachdem Wirtschaftspr\u00fcfer am Donnerstag gemerkt hatten, dass eine Milliardensumme in der Bilanz des Unternehmens fehlt. Es folgte ein historischer Absturz der Wirecard-Aktie um mehr als 80 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Aber was macht der Konzern aus Aschheim bei M\u00fcnchen \u00fcberhaupt? Und wie steht der Skandal im Zusammenhang mit seinem Gesch\u00e4ftsmodell? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Wie verdient die Firma ihr Geld?<\/strong><\/h3>\n<p>In der breiten \u00d6ffentlichkeit ist Wirecard weitgehend unbekannt, denn Verbraucher kommen mit dem Unternehmen nur indirekt in Kontakt. Egal, ob Kunden im Internet B\u00fccher kaufen oder Reisen buchen: Oft ist Wirecard im Hintergrund der zentrale Vermittler zwischen K\u00e4ufer, Verk\u00e4ufer und deren Banken.<\/p>\n<p>Das bedeutet konkret: Bezahlt ein Kunde per Kreditkarte, dann flie\u00dft das Geld von Visa oder Mastercard nicht direkt an den H\u00e4ndler, sondern geht zun\u00e4chst einmal an Wirecard. Erst mit zeitlichem Verzug leitet die Firma das Geld dann an den Einzelh\u00e4ndler weiter. Wirecard kassiert daf\u00fcr Provisionen, weil die Firma das Risiko tr\u00e4gt und garantiert, dass die Geldbetr\u00e4ge beim Empf\u00e4nger verbucht werden. Die Margen f\u00fcr solche Gesch\u00e4fte sind gering, die Masse aber macht es.<\/p>\n<h3><strong>Wie h\u00e4ngen die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro damit zusammen?<\/strong><\/h3>\n<p>Das Geld ben\u00f6tigt Wirecard f\u00fcr seine Dienstleistungen in Asien. Wirecard schaltet sich auch dort zwischen den Endkunden und die H\u00e4ndler. Verl\u00e4sst der Kunde etwa nach dem Kauf mit Karte ein Gesch\u00e4ft, hat er zwar Ware, der H\u00e4ndler aber noch nicht sein Geld. Wirecard schie\u00dft dem H\u00e4ndler den Betrag vor. Die 1,9 Milliarden Euro dienen also als Sicherheiten f\u00fcr an H\u00e4ndler gew\u00e4hrte Kredite. Ein Vertreter des Wirecard-Konzerns soll f\u00fcr diesen Zweck bei zwei philippinischen Banken mehrere Konten f\u00fcr das deutsche Unternehmen bef\u00fcllt haben.<\/p>\n<p>Sollte ein H\u00e4ndler ausfallen, kann Wirecard auf diese Konten zur\u00fcckgreifen. Wenn das nicht passiert, bleibt das Geld als Sicherheit auf dem Treuhandkonto liegen. Wenn alles gut geht, kann Wirecard also auch profitabel wirtschaften, ohne auf die 1,9 Milliarden Euro je zugreifen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wirecards Gesch\u00e4ftspraktiken in Asien stehen aber auch grunds\u00e4tzlich in der Kritik. Denn in Asien hat das Unternehmen keine eigene Lizenz als Zahlungsdienstleister. Deshalb braucht der Konzern in Fernost sogenannte Drittpartner, die den Kontakt zu den H\u00e4ndlern vor Ort halten. Dieses Gesch\u00e4ft nennt sich Third Party Acquiring (TPA). Wirecard hat nach eigenen Angaben deshalb das Geld nicht selbst an die beiden Institute \u00fcberweisen.<\/p>\n<p>Die &quot;Financial Times&quot; hatte zuvor berichtet, dass Teile dieser Buchungen gar nicht existieren. Daraufhin beauftragte Wirtschaftspr\u00fcfer von KMPG konnten zur H\u00f6he und zur Existenz der Ums\u00e4tze aus dem Drittpartnergesch\u00e4ft keine Aussage ableiten. Weder, dass diese existieren und korrekt sind, noch, dass sie nicht existieren und nicht korrekt sind.<\/p>\n<p>Der philippinische Wirecard-Treuh\u00e4nder Mark Tolentino, der die 1,9 Milliarden Euro verwaltet haben soll, hat nach eigenen Angaben nichts mit m\u00f6glichen unlauteren Gesch\u00e4ften von Wirecard zu tun. In einem Statement, das dem SPIEGEL vorliegt, versichert sein Anwalt Dennis Manalo &quot;unerbittlich&quot;, dass Tolentinos Kanzlei MKT Law keinerlei Kenntnis von &quot;angeblichen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten&quot; habe, wonach Belege \u00fcber die Bankguthaben bei zwei philippinischen Banken gef\u00e4lscht sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<h3><strong>Warum ist das Unternehmen nun in seiner Existenz bedroht?<\/strong><\/h3>\n<p>Wirecard ist massiv bedroht, weil dem Unternehmen Kredite in Milliardenh\u00f6he gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnten. Denn das Unternehmen ist wegen des Vorfalls nicht in der Lage, eine gepr\u00fcfte Bilanz vorzulegen. Das k\u00f6nnte Banken dazu zwingen, Darlehen zur\u00fcckzuverlangen.<\/p>\n<h3>Wie reagieren Investoren auf den Skandal?<\/h3>\n<p>Investoren sto\u00dfen derzeit massenweise Wirecard-Aktien ab. Die Papiere des Unternehmens st\u00fcrzten an diesem Montag um weitere 44 Prozent ab und waren mit 12,99 Euro zeitweise so billig wie zuletzt vor acht Jahren. Am Mittwochabend war eine Wirecard-Aktie noch \u00fcber 100 Euro wert gewesen. Ein Kurssturz, der ohne Beispiel in der deutschen B\u00f6rsengeschichte ist.<\/p>\n<h3>\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad<strong>Welche Rolle spielt die Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft EY?<\/strong><\/h3>\n<p>Laut Gesetz sind alle mittelgro\u00dfen und gro\u00dfen Kapitalgesellschaften dazu verpflichtet, den Jahresabschluss durch einen Abschlusspr\u00fcfer pr\u00fcfen zu lassen.  EY hat jahrelang Wirecards Jahresabschl\u00fcsse \u00fcberpr\u00fcft, bislang, ohne etwas zu beanstanden.<\/p>\n<p>Bankguthaben zu \u00fcberpr\u00fcfen geh\u00f6rt dabei zu den grunds\u00e4tzlichen Aufgaben. Es geht darum, dass sich Wirtschaftspr\u00fcfer von einer Bank versichern lassen, ob das gebuchte Guthaben tats\u00e4chlich vorhanden ist. Im Zuge dieser \u00dcberpr\u00fcfung haben die Pr\u00fcfer von EY nun herausgefunden, dass die Bankbelege der philippinischen Konten gef\u00e4lscht waren.<\/p>\n<p>Die T\u00fcbinger Rechtsanwaltskanzlei TILP sieht deshalb keine Fehler bei den Pr\u00fcfern und sieht von einer Klage gegen das Unternehmen ab. &quot;EY hat sich nach unserem Verst\u00e4ndnis hier zwar nicht mit Ruhm bekleckert. Zentral verantwortlich ist aus kapitalmarktrechtlicher Sicht aber weiterhin Wirecard. Und das ist von entscheidender Bedeutung. Gegen Wirecard bestehen die besten Aussichten, Schadensersatz zu erlangen, schon weil diese rechtlich viel leichter durchzusetzen sind&quot;, sagt Maximilian Weiss, Rechtsanwalt der TILP-Gruppe.<\/p>\n<p>Ob sich EY doch schuldig gemacht hat, weil das Unternehmen nicht fr\u00fcher nachfragte, m\u00fcssen nun staatliche Aufsichtsbeh\u00f6rden entscheiden. &quot;Gr\u00fcndliche Pr\u00fcfungen h\u00e4tten einen solchen Schaden sicherlich fr\u00fcher aufdecken m\u00fcssen&quot;, sagt der Gr\u00fcnen-Finanzpolitiker Danyal Bayaz.<\/p>\n<h3>Drohen den Wirecard-Managern Haftstrafen?<\/h3>\n<p>Gegen die langj\u00e4hrigen Manager Markus Braun und Jan Marsalek k\u00f6nnte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beantragen, wenn sich die beiden im Zuge des Bilanzskandals strafbar gemacht h\u00e4tten. Bilanzf\u00e4lschung sowie Betrug von Banken w\u00e4ren m\u00f6gliche Straftatbest\u00e4nde. &quot;Wir pr\u00fcfen alle in Betracht kommenden Straftaten&quot;, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen I an diesem Montag.<\/p>\n<p>Braun und Marsalek haben w\u00e4hrend ihrer Zeit bei Wirecard stets alle Vorw\u00fcrfe zur\u00fcckgewiesen. Das Unternehmen sieht sich als Opfer eines milliardenschweren Betrugs.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wirecard-Messestand auf der Internationalen Tourismus Messe (ITB) in Berlin 2019 JENS SCHLUETER\/EPA-EFE\/Shutterstock Die Suche nach 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz des Bezahldienstleisters Wirecard war bisher erfolglos: Der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-641","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=641"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/641\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}