{"id":6401,"date":"2021-03-10T13:37:21","date_gmt":"2021-03-10T10:37:21","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/deutschlands-armut-und-wie-corona-sie-verandert\/"},"modified":"2021-03-10T13:37:21","modified_gmt":"2021-03-10T10:37:21","slug":"deutschlands-armut-und-wie-corona-sie-verandert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/deutschlands-armut-und-wie-corona-sie-verandert\/","title":{"rendered":"Deutschlands Armut und wie Corona sie ver\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5d8e4397-974e-4e09-8db8-a046cb3d652b_w948_r1.77_fpx33_fpy64.jpg\" title=\"Menschen warten vor einer Tafel in Schweinfurt\" alt=\"Menschen warten vor einer Tafel in Schweinfurt\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Menschen warten vor einer Tafel in Schweinfurt<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Thomas Lohnes \/ Getty Images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Deutschlands Armutsproblem hat sich ver\u00e4ndert. Lange Jahre, von Beginn der Neunzigerjahre an, stieg in Deutschland die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich, danach sank sie wieder leicht: 2018 war<strong> fast jeder Sechste<\/strong> (15,8 Prozent) <strong>unter der Armutsrisikoschwelle<\/strong>. Ende der Neunzigerjahre waren es knapp elf Prozent. Doch was sich vor allem ge\u00e4ndert hat, ist die Struktur der Armut.<\/p>\n<p>\u00bbWir sehen, dass Haushalte, die einmal unter die Armutsgrenze gerutscht sind, immer \u00f6fter und auch l\u00e4nger unter der Armutsgrenze verbleiben\u00ab, sagt Philip Wotschack, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialforschung (WZB) und einer der Autoren des <strong>\u00bbDatenreport 2021 \u2013 ein Sozialbericht f\u00fcr Deutschland\u00ab<\/strong>, der an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Von den Menschen, die 2018 in relativer Einkommensarmut lebten, waren demnach <strong>88 Prozent <\/strong>bereits <strong>in den vier zur\u00fcckliegenden Jahren wenigstens einmal von Armut betroffen<\/strong>, knapp <strong>44 Prozent<\/strong> davon waren in dieser Zeit <strong>dauerhaft arm<\/strong>.<\/p>\n<p>Armut ist ein relativer Begriff. Als anerkanntes Ma\u00df f\u00fcr das Armutsrisiko gilt, ob das Haushaltsnettoeinkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens betr\u00e4gt. 2018 lag diese Schwelle etwa bei 1040 Euro monatlich bei einem Ein-Personen-Haushalt und f\u00fcr Alleinerziehende mit einem Kind bei 1352 Euro.<\/p>\n<p>Der Datenreport wird seit 1983 in etwa zweij\u00e4hrigem Abstand gemeinsam vom WZB, dem Statistischen Bundesamt und dem Bundesinstitut f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung herausgegeben, beteiligt ist auch das Sozio-\u00f6konomische Panel des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung. Der Datenreport zeichnet ein umfassendes Bild der Lebensverh\u00e4ltnisse in Deutschland, aber auch der subjektiven Einstellungen, Bewertungen und Werte der B\u00fcrger, er verbindet die Daten der amtlichen Statistik mit den Ergebnissen der Sozialforschung.<\/p>\n<h3>Nur jeder Zweite findet seinen Bruttolohn gerecht<\/h3>\n<p>Am h\u00f6chsten ist das Armutsrisiko demnach bei Alleinerziehenden (41 Prozent), Menschen mit Hauptschulabschluss ohne Berufsabschluss (35 Prozent) oder mit direktem Migrationshintergrund (29 Prozent), die also selbst eingewandert sind. Strukturschwache Gebiete im Westen weisen ebenso ein erh\u00f6htes Armutsrisiko aus wie noch immer Ostdeutschland, auch 30 Jahre nach der Einheit.<\/p>\n<p>Das Ungerechtigkeitsgef\u00fchl bei der Einkommensschere hat zugenommen. Nur <strong>knapp die H\u00e4lfte<\/strong> der Bev\u00f6lkerung empfindet den <strong>eigenen Bruttolohn<\/strong> als <strong>gerecht<\/strong>. Mittlerweile bef\u00fcrworten fast <strong>75 Prozent der Westdeutschen<\/strong>, dass sich der <strong>Staat f\u00fcr den Abbau von Einkommensunterschieden einsetzen<\/strong> soll. 2002 war es noch weniger als die H\u00e4lfte. In <strong>Ostdeutschland <\/strong>sind es rund <strong>80 Prozent<\/strong>.<\/p>\n<h3>Corona und die Folgen<\/h3>\n<p>Immer wieder beleuchtet der Datenreport auch aktuelle Schwerpunkte. 2016 waren es Migration und Flucht, 2018 die Lebenssituation von Kindern in Deutschland. In diesem Jahr sind es die Folgen von Corona. Die Ergebnisse erfassen vor allem die Situation im ersten Shutdown bis in den Sommer 2020.<\/p>\n<p>Zwar verzeichneten in dieser ersten Phase <strong>h\u00f6here Einkommensgruppen h\u00e4ufiger Einkommenseinbu\u00dfen<\/strong>. Doch f\u00fcr die betroffenen Menschen mit <strong>Niedrigeinkommen<\/strong> waren die <strong>finanziellen Folgen h\u00e4rter<\/strong>. In Befragungen berichteten 17 Prozent der angelernten und ungelernten Arbeiterinnen und Arbeiter und knapp 14 Prozent der einfachen Angestellten, von finanziellen Schwierigkeiten und Risiken betroffen zu sein oder davon auszugehen, dass dies in den kommenden zw\u00f6lf Monaten passieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>In Facharbeiter-, Meister- und qualifizierten Angestelltenberufen waren es nur neun Prozent. <strong>Am st\u00e4rksten betroffen<\/strong> waren <strong>Alleinerziehende<\/strong> (25 Prozent) und <strong>Selbstst\u00e4ndige<\/strong> (20 Prozent). Menschen mit Migrationshintergrund (15 Prozent) erz\u00e4hlten fast doppelt so h\u00e4ufig von finanziellen Schwierigkeiten wie Menschen ohne diesen Hintergrund (acht Prozent).<\/p>\n<p>Zudem wurden Besch\u00e4ftigte in den <strong>untersten Einkommensgruppen<\/strong> im ersten Shutdown <strong>\u00f6fter arbeitslos<\/strong> und von ihrer <strong>Arbeit freigestellt<\/strong>, zugleich waren sie <strong>seltener<\/strong> in der Lage, im <strong>Homeoffice<\/strong> zu arbeiten.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Menschen warten vor einer Tafel in Schweinfurt Foto:\u2002Thomas Lohnes \/ Getty Images Deutschlands Armutsproblem hat sich ver\u00e4ndert. 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