{"id":638,"date":"2020-06-22T17:23:28","date_gmt":"2020-06-22T14:23:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-die-sorge-vor-der-schule-im-stop-and-go-modus-nach-den-sommerferien\/"},"modified":"2020-06-22T17:23:28","modified_gmt":"2020-06-22T14:23:28","slug":"corona-die-sorge-vor-der-schule-im-stop-and-go-modus-nach-den-sommerferien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-die-sorge-vor-der-schule-im-stop-and-go-modus-nach-den-sommerferien\/","title":{"rendered":"Corona: Die Sorge vor der Schule im Stop-and-go-Modus nach den Sommerferien"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d8ca2235-8257-4b93-b59f-5b0dc5c8706c_w948_r1.77_fpx33.6_fpy54.99.jpg\" title=\"Wie wird der Unterricht im neuen Schuljahr? Darauf haben die Kultusminister ganz verschiedene Antworten\" alt=\"Wie wird der Unterricht im neuen Schuljahr? Darauf haben die Kultusminister ganz verschiedene Antworten\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Wie wird der Unterricht im neuen Schuljahr? Darauf haben die Kultusminister ganz verschiedene Antworten<\/p>\n<p> Philipp von Ditfurth\/ DPA <\/figcaption><\/figure>\n<p>Normalit\u00e4t &#8211; das ist dieser Tage das Zauberwort bei Deutschlands Bildungspolitikern. Wenn es nach ihnen geht, sollen die Schulen nach den Sommerferien zum regul\u00e4ren Betrieb zur\u00fcckkehren. Allerdings, diese Hintert\u00fcr lassen sich die Kultusministerinnen und Kultusminister offen: Ob ein Regelbetrieb m\u00f6glich sein wird, h\u00e4ngt vom Infektionsgeschehen ab.<\/p>\n<p>Was genau bedeutet das? Und falls &#8211; wie aktuell im Landkreis G\u00fctersloh &#8211; wieder fl\u00e4chendeckend Schulen geschlossen werden m\u00fcssen, gibt es dann einen Plan B? Wie bereiten die Schulen sich auf einen neuen m\u00f6glichen Shutdown vor?<\/p>\n<p>Diese und weitere Fragen hat der SPIEGEL allen 16 Bildungsministerien gestellt. Die Reaktion: Knapp die H\u00e4lfte antwortete gar nicht, andere schrieben prompt und ausf\u00fchrlich. Einige Kultusministerien haben demnach bereits klare Leitlinien f\u00fcr das neue Schuljahr erarbeitet, andere beraten noch.<\/p>\n<p>Einig sind sich die 16 Bundesl\u00e4nder darin, dass an allen Grundschulen und weiterf\u00fchrenden Schulen nach den Sommerferien m\u00f6glichst wieder regul\u00e4r Unterricht stattfinden soll: im normalen Klassenverband oder in festen Gruppen, bei voller Stundentafel. Daf\u00fcr muss die Regel fallen, dass Sch\u00fcler und Lehrer 1,50 Meter Abstand voneinander halten &#8211; was bei Lehrerverb\u00e4nden auf massive Kritik st\u00f6\u00dft. Das Lernen in festen Gruppen, die sich nicht begegnen, soll das Ansteckungsrisiko reduzieren und im Falle des Falles erm\u00f6glichen, die Infektionskette zur\u00fcckzuverfolgen.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>In <strong>Mecklenburg-Vorpommern <\/strong>soll das im neuen Schuljahr so laufen: &quot;Der Pr\u00e4senzunterricht findet in festen Gruppen wie Klassen oder Kursen statt, denen Lehrkr\u00e4fteteams fest zugeordnet sind. Die Stundentafel muss eingehalten werden.&quot; Die verschiedenen Gruppen sollen sich einander nicht oder nur unter Einhaltung des Mindestabstands begegnen. Um R\u00e4ume gut l\u00fcften zu k\u00f6nnen und zu gew\u00e4hren, dass sich die Gruppen nicht begegnen, kann die Unterrichtszeit auf 40 oder 80 Minuten verk\u00fcrzt werden. Wie genau das alles organisiert wird, l\u00e4sst das Ministerium offen: &quot;Bei der Umsetzung erhalten die Schulen weitestgehend Flexibilit\u00e4t.&quot;<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>L\u00e4nder wie <strong>Berlin <\/strong>und das <strong>Saarland <\/strong>hatten schon vor der Schalte der Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag festgelegt, dass sie auf feste Gruppen setzen. L\u00fcften und \u00f6fter Putzen &#8211; diese Ma\u00dfnahmen sollen in der Hauptstadt das Infektionsrisiko zus\u00e4tzlich reduzieren. Aus Saarbr\u00fccken hei\u00dft es, Ausnahmen von festen Gruppen seien beim Fachunterricht m\u00f6glich. Man arbeite zudem an einem &quot;neuen Musterhygieneplan&quot; sowie einem &quot;p\u00e4dagogischen Rahmen mit angepassten Vorgaben f\u00fcr das kommende Schuljahr, etwa zu Lerninhalten und zur Leistungsbewertung&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das hei\u00dft: Lehrpl\u00e4ne werden abgespeckt und die Notenvergabe \u00fcberdacht. &quot;Zur Ehrlichkeit geh\u00f6rt dazu, dass Unterrichtsinhalte angepasst werden m\u00fcssen&quot;, sagte KMK-Pr\u00e4sidentin Stefanie Hubig. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek wurde am Wochenende noch einmal deutlicher. Sie h\u00e4lt die vollst\u00e4ndige R\u00fcckkehr zu einem normalen Schulbetrieb nach den Ferien l\u00e4ngst nicht f\u00fcr gesichert. &quot;Das Virus ist nicht weg, und wir m\u00fcssen immer wieder damit rechnen, dass Schulen geschlossen werden m\u00fcssen, wenn sich dort jemand infiziert hat&quot;, sagte die CDU-Politikerin der &quot;Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&quot;. &quot;Wir m\u00fcssen weiter mit Umsicht handeln.&quot;<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p><strong>Hamburg<\/strong> verh\u00e4lt sich entsprechend zur\u00fcckhaltend. &quot;Ich bin sehr sicher, dass f\u00fcr die Klassenstufen 1 bis 6 nach den Sommerferien der volle Regelunterricht stattfinden wird. F\u00fcr die h\u00f6heren Klassenstufen ist der volle Regelunterricht wahrscheinlich, aber nicht ganz so sicher wie f\u00fcr die Grundschule&quot;, sagt Bildungssenator Ties Rabe (SPD). Deshalb sollten die Schulen Alternativen f\u00fcr den Fall entwickeln, dass der Schulbetrieb tempor\u00e4r eingeschr\u00e4nkt werden muss.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Sachsen <\/strong>plant zwar auch den Regelbetrieb. Aber &quot;ob es dazu kommt und wenn ja, unter welchen Bedingungen&quot;, will die Landesregierung von Studien zur Virenlast und Antik\u00f6rpern bei Kindern aus Leipzig und Dresden abh\u00e4ngig machen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ob ein Regelbetrieb \u00fcberhaupt praktisch m\u00f6glich ist, h\u00e4ngt auch davon ab, wie viele Kollegen einer Schule zur Risikogruppe z\u00e4hlen &#8211; und damit unter Umst\u00e4nden f\u00fcr den Unterricht im Klassenzimmer ausfallen.<\/p>\n<p>Eine Auswertung des SPIEGEL zeigt: In acht Bundesl\u00e4ndern f\u00e4llt mindestens jeder zehnte Lehrer f\u00fcr den Unterricht im Klassenzimmer aus. In einigen L\u00e4ndern wie Baden-W\u00fcrttemberg sind es sogar 20 Prozent. Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann (Gr\u00fcne) h\u00e4lt allein aus diesem Grund eine R\u00fcckkehr zum Regelbetrieb an den Schulen in Baden-W\u00fcrttemberg nach den Sommerferien f\u00fcr unrealistisch.<\/p>\n<p>&quot;Unser Kernproblem ist die hohe Zahl der Lehrkr\u00e4fte und Erzieher, die sich zu den vulnerablen Gruppen z\u00e4hlen&quot;, sagte Kretschmann in einem Interview der &quot;Stuttgarter Zeitung&quot;. &quot;So kann man keinen Regelbetrieb wie vor der Corona-Pandemie machen.&quot; In Hamburg ergab eine Stichprobe, dass sich bis zu 30 Prozent der P\u00e4dagogen wegen des Gesundheitsrisikos au\u00dferstande sehen, in die Schule zu kommen.<\/p>\n<p>Diese L\u00fccken sind schwer zu schlie\u00dfen. In Deutschland herrscht auch ohne Corona Lehrermangel. Das Saarland will zumindest formal daf\u00fcr sorgen, dass P\u00e4dagogen eingestellt werden k\u00f6nnen. Mit dem Nachtragshaushalt habe man &quot;eine zus\u00e4tzliche Corona-bedingte mobile Lehrkr\u00e4ftereserve mit bis zu 100 Vollzeitstellen geschaffen.&quot;<\/p>\n<h3><strong>Wer hat einen Plan B?<\/strong><\/h3>\n<p>&quot;Ich bin kein Hellseher, aber wenn keine wirksamen Ma\u00dfnahmen zum Gesundheitsschutz und zu klaren Ma\u00dfnahmen im Falle von erneuten Infektionsausbr\u00fcchen getroffen werden, drohen erneute Schulschlie\u00dfungen in gr\u00f6\u00dferem Umfang.&quot; Das sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes. Er will wissen, was die Politik f\u00fcr den Fall plant, dass Schulen &quot;abh\u00e4ngig vom Infektionsgeschehen&quot; eben nicht regul\u00e4r \u00f6ffnen k\u00f6nnen. <\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>In <strong>Baden-W\u00fcrttemberg <\/strong>hei\u00dft es, man bereite &quot;verschiedene denkbare Szenarien&quot; vor, aber bis September sei ja noch Zeit.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Hessen<\/strong> verweist auf eine &quot;Konzeptgruppe&quot;, die noch tage.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Sachsen-Anhalt<\/strong> teilt mit: &quot;F\u00fcr diesen Fall wird nach dem geltenden Modus verfahren.&quot; An den Grundschulen des Landes wird bereits im normalen Klassenverbund nach dem Prinzip fester Gruppen gelernt. An weiterf\u00fchrenden Schulen gibt es einen Mix aus Fern- und Pr\u00e4senzunterricht.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Dieses Mischmodell, in Englisch: <em>blended learning<\/em>, ist auch in Berlin der Plan B. Alle Schulen der Stadt haben einen Brief mit einem &quot;Alternativszenario&quot; erhalten, das detaillierte Regeln und &quot;Mindeststandards&quot; enth\u00e4lt: An Grundschulen sollen Kinder zum Beispiel mindestens drei Stunden t\u00e4glich Pr\u00e4senzunterricht haben, innerhalb von zwei Wochen muss die Wochenstundentafel abgedeckt sein. Jede Schule muss zudem ein Konzept erarbeiten, wie das Lernen zu Hause und im Klassenraum vernetzt werden kann. K\u00fcnftig soll hier unter anderem gelten: &quot;Lehrer m\u00fcssen sich mindestens zweimal w\u00f6chentlich bei ihren Sch\u00fclern melden und w\u00f6chentliche Arbeitspl\u00e4ne erstellen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>Ganz anders in <strong>Nordrhein-Westfalen. <\/strong>F\u00fcr den Fall, dass der Regelbetrieb ausgesetzt werden muss, verweist das Kultusministerium Lehrkr\u00e4fte auf umfangreiche Materialsammlungen mit &quot;Hinweisen und Tipps f\u00fcr das Lernen auf Distanz&quot;. Diese sollten aber nicht als &quot;starres Regelwerk&quot; verstanden werden, sondern &quot;Orientierung bieten&quot;. NRW spricht insgesamt von &quot;flexiblen Vorgaben&quot;.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um neue Schulschlie\u00dfungen zu vermeiden, planen Bundesl\u00e4nder wie Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg, Sachsen und Berlin, Sch\u00fcler und Lehrkr\u00e4fte auf eine Infektion zu testen. Die genauen Modalit\u00e4ten stehen noch nicht fest. Nach Ansicht von Experten k\u00f6nnten regelm\u00e4\u00dfige Tests aber eine zentrale Ma\u00dfnahme sein, um an den Schulen nicht in einen Stop-and-Go-Modus von Normalit\u00e4t und Schlie\u00dfung zu verfallen.<\/p>\n<p>&quot;Mit einem regelhaften Screening l\u00e4sst sich schnell herausfinden, wer sich angesteckt hat. In der Schule findet man dann schnell heraus, mit wem derjenige zuletzt Kontakt hatte&quot;, sagt der Virologe Alexander Kekul\u00e9. Infizierte w\u00fcrden dann isoliert und der Schulalltag nicht zwingend f\u00fcr alle anderen lahmgelegt, so die Idee.<\/p>\n<h3><strong>Onlineunterricht k\u00fcnftig besser?<\/strong><\/h3>\n<p>Eins steht fest: Wird der Pr\u00e4senzunterricht wieder unm\u00f6glich, sollten Sch\u00fcler und Lehrkr\u00e4fte besser darauf vorbereitet sein als zu Beginn der Coronakrise. Im Hauruckverfahren mussten viele Schulen Mitte M\u00e4rz auf Onlineunterricht umschalten &#8211; und das klappte oft nur mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg. <\/p>\n<p>Schon vor Corona waren die Bundesl\u00e4nder in puncto digitales Lernen unterschiedlich gut aufgestellt. Wie sie nun weiter vorgehen, unterscheidet sich ebenso stark.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Im <strong>Saarland<\/strong> soll ein eigens eingerichteter Videokonferenzserver den Onlineunterricht verbessern. Alle Lehrkr\u00e4fte bekommen eine schulische E-Mail-Adresse. Das ist laut der Bildungsgewerkschaft GEW nicht so selbstverst\u00e4ndlich wie mancher denkt. Demnach arbeiten viele P\u00e4dagogen mit privaten Accounts.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Hessen<\/strong> bietet wie viele andere eine landesweite Cloud an, die im neuen Schuljahr alle Schulen nutzen k\u00f6nnen, aber nicht m\u00fcssen. Anders als etwa in Mecklenburg-Vorpommern sind in Hessen in den Ferien keine Angebote f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte vorgesehen, um digital fit zu werden.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Bayern<\/strong> hat seit acht Jahren ein digitales Bildungsportal, mit dem sich Onlineunterricht organisieren l\u00e4sst. F\u00fcr Sch\u00fcler und Lehrer, die sich trotzdem noch nicht damit auskennen, gibt es in der Pandemie Tutorials und kurze Erkl\u00e4rvideos. Wer Fragen hat, kann sich an eine Telefonhotline wenden. Lehrer wie Robert Pl\u00f6tz aus M\u00fcnchen bem\u00e4ngeln allerdings, dass der Freistaat zu wenig in professionell erstellte Inhalte f\u00fcr den Onlineunterricht investiert. &quot;Das w\u00e4re keine Hexerei&quot;, sagt er. Stattdessen suche jeder Lehrer allein nach passendem Material im Internet.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>So oder so kann digitales Lernen nur funktionieren, wenn alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit der passenden Technik ausgestattet sind. Auch daran haperte es in den vergangenen Wochen, vor allem bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Die Regierung stockte deshalb den Digitalpakt um 500 Millionen Euro auf 5,5 Milliarden Euro auf, damit die Schulen Leihlaptops anschaffen k\u00f6nnen. Die Ger\u00e4te sind allerdings l\u00e4ngst noch nicht bei allen Sch\u00fclern angekommen.<\/p>\n<p>Glaubt man den Unternehmensberatern von McKinsey, dann decken diese zus\u00e4tzlichen 500 Millionen zudem noch nicht einmal zehn Prozent der anfallenden Ger\u00e4tekosten ab. Ihnen zufolge sollten f\u00fcr alle Lehrer und Sch\u00fcler Endger\u00e4te angeschafft werden. Hintergrund: Lehrer m\u00fcssten Sch\u00fclerdaten auf den Ger\u00e4ten speichern k\u00f6nnen, was auf privaten Laptops oder Tablets nicht erlaubt sei.<\/p>\n<p>Die Anschaffungskosten f\u00fcr die mehr als 800.000 Lehrer und elf Millionen Sch\u00fcler in Deutschland beziffert die Unternehmensberatung auf rund sechs Milliarden Euro.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Wie wird der Unterricht im neuen Schuljahr? 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