{"id":6350,"date":"2021-03-08T03:06:12","date_gmt":"2021-03-08T00:06:12","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/funfjahresplan-der-volksrepublik-warum-chinas-co2-emissionen-weiter-steigen\/"},"modified":"2021-03-08T03:06:12","modified_gmt":"2021-03-08T00:06:12","slug":"funfjahresplan-der-volksrepublik-warum-chinas-co2-emissionen-weiter-steigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/funfjahresplan-der-volksrepublik-warum-chinas-co2-emissionen-weiter-steigen\/","title":{"rendered":"F\u00fcnfjahresplan der Volksrepublik: Warum Chinas CO2-Emissionen weiter steigen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/011d0738-0001-0004-0000-000000216211_w948_r1.77_fpx64.9_fpy49.98.jpg\" title=\"Kohlekraftwerk in Ningxia Hui, Nordchina.\" alt=\"Kohlekraftwerk in Ningxia Hui, Nordchina.\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kohlekraftwerk in Ningxia Hui, Nordchina.<\/p>\n<p>  Foto:\u2002STRINGER SHANGHAI\/ REUTERS  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Als der chinesische Regierungschef Li Keqiang den j\u00e4hrlichen Volkskongress in Peking am Freitag er\u00f6ffnete, lag laut Beobachtern eine dicke Smogwolke \u00fcber der Stadt. Vor den 3000 Abgeordneten pr\u00e4sentierte Li Keqiang dann den 14. F\u00fcnfjahresplanes der Republik. Wichtigster Punkt: Trotz der globalen Rezession will China in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Prozent erreichen. Auch in den n\u00e4chsten Jahren will das Reich der Mitte hoch hinaus: Die chinesische F\u00fchrung setzt auf ungebremstes Wachstum, um neben den horrenden Ausgaben f\u00fcr den Milit\u00e4rhaushalt auch die Binnennachfrage zu st\u00e4rken und laut Li Keqiang \u00bbneue Nachfrage zu generieren\u00ab.<\/p>\n<p>Doch Chinas Wachstum hat einen hohen Preis: Das Land ist der weltgr\u00f6\u00dfte Verursacher von Treibhausgasen und f\u00fcr rund ein Viertel des weltweiten Aussto\u00dfes verantwortlich. Ob die chinesische Regierung demn\u00e4chst eine CO2-freundliche Wirtschaft aufbaut, k\u00f6nnte \u00fcber die Zukunft des Weltklimas mit entscheiden.<\/p>\n<p>Nach einer gr\u00fcnen Wende sieht es trotz des massiven Zubaus von Wind und Solaranlagen aber erst einmal nicht aus: Vor der Pandemie erreichte das Land mit einem Aussto\u00df von zehn Milliarden Tonnen CO\u2082 einen historischen H\u00f6hepunkt. Die Internationale Energieagentur (IEA) jedoch geht davon aus, dass dieser Wert trotz der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr \u00fcberschritten wurde.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Die Europ\u00e4ische Union bl\u00e4st rund ein Drittel der chinesischen Emissionen in die Atmosph\u00e4re. Z\u00e4hlt man allerdings den CO2-Aussto\u00df pro Kopf, liegt etwa Deutschland mit rund neun Tonnen vor China. Jeder Chinese verbraucht \u00bbnur\u00ab sieben Tonnen pro Kopf und Jahr \u2013 Tendenz steigend.<\/p>\n<h3>Chinas schmutziges Wachstum<\/h3>\n<p>Das Klimaschutzproblem Chinas ist sein ungebremstes fossiles Wachstum durch Kohle-, \u00d6l- und Gasverbrennung. Das \u00e4ndert sich auch im neuen F\u00fcnfjahresplan kaum: Die Abkopplung des CO2-Verbrauchs vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwar vorgesehen, aber nicht ausreichend. Pro BIP-Einheit sollen die CO2-Emissionen zwischen 2020 und 2025 um 18 Prozent sinken. Dieses Ziel gab es bereits im vergangenen Plan, konnte aber den massiven CO2-Anstieg der vergangenen Jahre nicht verhindern.<\/p>\n<p>Auch im neuen Plan gibt es keine Verpflichtung, den CO2-Aussto\u00df in absehbarer Zeit zu begrenzen oder eine Obergrenze festzulegen. Erneuerbare Energien sollen in den n\u00e4chsten Jahren 20 Prozent des Energiemixes erreichen \u2013 damit sind aber die restlichen 80 Prozent immer noch fossil. Im Plan w\u00fcrden laut Experten Wind, Sonne und Biogas genauso wie Kohle, \u00d6l und Gas als Wachstumsgarant beworben.<\/p>\n<p>Neu ist allerdings der Fokus auf sogenannte saubere Kohle oder CO2-freies \u00d6l und Gas. Daf\u00fcr forscht China an Technologien, die Abgase nach dem Verbrennungsprozess abscheiden und sp\u00e4ter unterirdisch gelagert werden. Auch in Europa entstehen gerade Pilotprojekte dieser CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage). Derzeit ist CCS aber noch im Entwicklungsstadium und fr\u00fchestens in zehn Jahren im gro\u00dfen Stil marktreif.<\/p>\n<p>Die meisten Beobachter rechnen deshalb damit, dass die klimasch\u00e4dlichen Emissionen Chinas weiter stark ansteigen: Durch ein j\u00e4hrliches Wachstum von nur f\u00fcnf Prozent k\u00f6nnten die Emissionen bis 2025 um zehn Prozent zunehmen, sch\u00e4tzen etwa die britischen Marktanalysten von Refinitiv Carbon.<\/p>\n<p>\u00bbDer F\u00fcnfjahresplan ist ein entt\u00e4uschendes Ergebnis f\u00fcr die internationale Klimagemeinschaft\u00ab, kommentiert auch Klimaexperte Swithin Lui von Climate Action Tracker und dem in Berlin ans\u00e4ssigen New Climate Institute gegen\u00fcber dem SPIEGEL. \u00bbBei der Kohlenstoffintensit\u00e4t des Wachstums gibt es gegen\u00fcber dem vorherigen Plan keine Fortschritte\u00ab, so Swithin Lui. Die massive F\u00f6rderung von Kohle, \u00d6l und Gas sei nicht mit dem Weltklimaabkommen vereinbar und best\u00e4tige Chinas Absicht, auch bis 2030 kr\u00e4ftig weiterzuwachsen.<\/p>\n<h3>China will in 40 Jahren keine Tonne CO\u2082 mehr aussto\u00dfen<\/h3>\n<p>Der unambitionierte Plan ist dennoch \u00fcberraschend. Denn Klimapolitik ist der chinesischen F\u00fchrung keinesfalls egal. Bereits im September hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping gr\u00f6\u00dfere Anstrengungen im Kampf gegen die Klimakrise versprochen. Sein Land wolle \u00bbvor 2060\u00ab die Klimaneutralit\u00e4t schaffen. Auch solle der Aussto\u00df von Kohlendioxid schon \u00bbvor 2030\u00ab den H\u00f6hepunkt erreichen.<\/p>\n<p>Doch das ist genau der Haken: Im Pariser Klimaabkommen erkl\u00e4rt China, dass seine Emissionen noch bis 2030 wachsen. Experten hoffen seit Langem, dass der Staat das Ziel vorzeitig erf\u00fcllen wird (mehr dazu lesen Sie hier). Die EU dr\u00e4ngt China beispielsweise seinen CO2-Aussto\u00df bereits ab 2025 zu senken.<\/p>\n<p>Deutschland und die gesamte Europ\u00e4ische Union haben als Ziel f\u00fcr eine CO\u2082-Neutralit\u00e4t bislang das Jahr 2050 ausgegeben. In den meisten L\u00e4ndern sollen die Emissionen bis 2030 sinken \u2013 Streit gibt es nur darum, wie viel jeder beisteuert.<\/p>\n<p>China jedoch ist weit entfernt davon, seine Emissionen zu senken. Das Land kann das n\u00e4chste Jahrzehnt unbegrenzt mehr CO\u2082 aussto\u00dfen. \u00bbNichts deutet im neuen F\u00fcnfjahresplan darauf hin, dass China den H\u00f6hepunkt seiner Emissionen bereits fr\u00fcher als 2030 erreichen wird\u00ab, erkl\u00e4rt Klimaexperte Swithin Lui.<\/p>\n<p>Climate Action Tracker kritisiert in seinem aktuellen L\u00e4nderbericht zu China vor allem die fehlende Abkehr des Landes von der Kohle. Das Land unterst\u00fctze weiterhin die F\u00f6rderung von Kohle und den Bau neuer Kraftwerke: Allein im ersten Halbjahr vergangenen Jahres bauten die Chinesen mehr Kohlekraftwerke als 2018 und 2019 zusammen. China sei damit der weltgr\u00f6\u00dfte Geldgeber f\u00fcr Stein- und Braunkohle \u2013 und das in Zeiten, in denen immer mehr L\u00e4nder, darunter EU-Staaten und auch die USA, aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden aus der Kohle aussteigen.<\/p>\n<h3>Auf dem Weg nach Glasgow<\/h3>\n<p>China muss seinen Fahrplan in die Klimaneutralit\u00e4t noch in diesem Jahr beim Uno-Klimasekretariat einreichen. Im November treffen sich die Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens in Glasgow f\u00fcr den ersten Uno-Klimagipfel seit 2019. Die L\u00e4nder m\u00fcssen alle f\u00fcnf Jahre neue Klimaziele vorlegen, um die L\u00fccke zum 1,5- oder Zwei-Grad-Ziel zu schlie\u00dfen. Immerhin haben einige L\u00e4nder, darunter die EU, Gro\u00dfbritannien, Argentinien, Chile, Norwegen, Kenia und die Ukraine, ihre Ziele bereits nachgebessert. Neben China fehlt auch noch der zweitgr\u00f6\u00dfte Verschmutzer: die USA.<\/p>\n<p>Die bisherigen Zielerh\u00f6hungen sind keinesfalls ausreichend: Eine Analyse der bereits eingereichten Klimapl\u00e4ne zeigt, dass damit die globalen Emissionen bis 2030 nur um ein Prozent gegen\u00fcber dem Jahr 2010 reduziert w\u00fcrden. Der Weltklimarat (IPCC) hat berechnet, dass f\u00fcr das 1,5-Grad-Ziel eine Reduktion um 45 Prozent n\u00f6tig w\u00e4re, f\u00fcr das Zwei-Grad-Ziel m\u00fcssten die Emissionen um 25 Prozent sinken.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kohlekraftwerk in Ningxia Hui, Nordchina. 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