{"id":634,"date":"2020-06-22T13:09:35","date_gmt":"2020-06-22T10:09:35","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/geoffrey-berman-entlassung-von-top-fahnder-durch-donald-trump-gibt-ratsel-auf\/"},"modified":"2020-06-22T13:09:35","modified_gmt":"2020-06-22T10:09:35","slug":"geoffrey-berman-entlassung-von-top-fahnder-durch-donald-trump-gibt-ratsel-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/geoffrey-berman-entlassung-von-top-fahnder-durch-donald-trump-gibt-ratsel-auf\/","title":{"rendered":"Geoffrey Berman: Entlassung von Top-Fahnder durch Donald Trump gibt R\u00e4tsel auf"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/0cb88ed6-2a1c-4cbe-8dbd-83970c37d5e6_w948_r1.77_fpx52_fpy22.jpg\" title=\"Donald Trump (M.) und William Barr (l.\/im April 2020): Skepsis und Nervosit\u00e4t sogar bei den eigenen Leuten\" alt=\"Donald Trump (M.) und William Barr (l.\/im April 2020): Skepsis und Nervosit\u00e4t sogar bei den eigenen Leuten\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Donald Trump (M.) und William Barr (l.\/im April 2020): Skepsis und Nervosit\u00e4t sogar bei den eigenen Leuten<\/p>\n<p> Tom Brenner\/ REUTERS <\/figcaption><\/figure>\n<p>In der Politik ist es wie im echten Leben. Manchmal hat man erst kein Gl\u00fcck, dann kommt auch noch Pech dazu. Das bekommt derzeit US-Pr\u00e4sident Donald Trump zu sp\u00fcren, wieder einmal.<\/p>\n<p>Nach seiner missratenen Wahlkampfkundgebung in Oklahoma ger\u00e4t er nun wegen der Entlassung eines f\u00fchrenden Bundesanwalts, Geoffrey Berman, zunehmend unter Druck. Der Top-Fahnder vom Southern District of New York (SDNY) war am Wochenende in einer Hauruck-Aktion von Trump und seinem Justizminister William Barr aus dem Amt gedr\u00e4ngt worden. Sowohl die m\u00f6glichen Hintergr\u00fcnde als auch die Art und Weise der Entlassung erscheinen reichlich dubios.<\/p>\n<p>Die demokratische Opposition im Kongress stellt viele Fragen, und auch Trumps eigene Parteifreunde bei den Republikanern sehen den Vorgang mit einer Mischung aus Skepsis und Nervosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Berman und sein Team aus Staatsanw\u00e4lten arbeiten seit L\u00e4ngerem an mehreren politisch brisanten F\u00e4llen, die enge Vertraute des Pr\u00e4sidenten wie den fr\u00fcheren New Yorker B\u00fcrgermeister Rudy Giuliani betreffen. Gegen ihn wird offenbar im Zusammenhang mit Gesch\u00e4ften in der Ukraine ermittelt. Auch gibt es Spekulationen \u00fcber Untersuchungen in New York, in die m\u00f6glicherweise Trump selbst, seine Familie und\/oder seine Unternehmen verwickelt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ermittelt wird wohl zudem gegen die staatseigene t\u00fcrkische Halkbank wegen Sanktionsverst\u00f6\u00dfen in Iran. In seinem neuen Buch schreibt Trumps fr\u00fcherer Sicherheitsberater John Bolton, Trump habe dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan vor zwei Jahren versprochen, er werde in die Ermittlungen gegen die Bank eingreifen.<\/p>\n<h3>Riesiger Wirbel &#8211; auch am Freitagabend<\/h3>\n<p>Niemand wei\u00df Genaues, auch weil die Fahnder um Berman sich \u00fcber ihre Arbeit bislang meist in Schweigen h\u00fcllten. Doch die \u00fcberraschende Demission des Chefermittlers wenige Monate vor der Pr\u00e4sidentenwahl l\u00e4sst den Verdacht aufkommen, dass die Fahnder dem pers\u00f6nlichen Dunstkreis des Pr\u00e4sidenten wom\u00f6glich ein wenig zu nah gekommen sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dass dazu nun im politischen Washington und in den Medien ein munteres R\u00e4tselraten begonnen hat, h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass Justizminister Barr in den vergangenen Monaten \u00f6fters zugunsten von Trump-Vertrauten in die Arbeit der Justizbeh\u00f6rden eingegriffen hat. Etwa im Fall des langj\u00e4hrigen Trump-Freundes Roger Stone. Barr gilt als treuer Gefolgsmann des Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Zugleich erscheint der gesamte Ablauf von Bermans Abgang seltsam. Justizminister Barr gab die Abberufung des Ermittlers am Freitagabend bekannt, was \u00fcblicherweise ein Zeitpunkt ist, zu dem die Regierung Nachrichten verbreitet, die m\u00f6glichst wenig Aufmerksamkeit bekommen sollen.<\/p>\n<p>Das ging geh\u00f6rig schief: Es gab einen riesigen Wirbel, denn Berman weigerte sich zun\u00e4chst zu gehen. In einer Pressemitteilung gab er bekannt, er wolle sicherstellen, dass seine Beh\u00f6rde weiter &quot;unabh\u00e4ngig&quot; und frei von &quot;pers\u00f6nlichen Gefallen&quot; ihre Arbeit machen k\u00f6nne.<\/p>\n<h3>Seinen eigentlichen Favoriten konnte Barr nicht installieren<\/h3>\n<p>Barrs offenkundiges Ziel, die Personalie m\u00f6glichst ger\u00e4uschlos abzuwickeln, hatte er damit verfehlt. Das Thema bekam pl\u00f6tzlich maximale Aufmerksamkeit, Kongressabgeordnete und Medien wurden hellh\u00f6rig. Weil Berman nicht gehen wollte, musste Barr Pr\u00e4sident Trump pers\u00f6nlich einschalten, der qua Amt berechtigt ist, Bundesbedienstete wie Berman zu entlassen, was er dann laut Barr auch tat.<\/p>\n<p>Wohl auch um den Schaden zu begrenzen, kassierte Barr seinen urspr\u00fcnglichen Plan, einen Au\u00dfenseiter aus New Jersey als Interimschef f\u00fcr die Berman-Beh\u00f6rde zu installieren, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin feststeht. Stattdessen folgte er Bermans Vorschlag, dessen bisherige Stellvertreterin Audrey Strauss mit der Interimsaufgabe zu betrauen. Die Topjuristin gilt als Vertraute von Berman und kennt wohl auch die meisten delikaten F\u00e4lle, die in New York verfolgt werden.<\/p>\n<p>Hat Berman durch seine Bockigkeit wom\u00f6glich verhindert, dass Barr-Vertraute in New York heikle Ermittlungen im Trump-Umfeld kassieren? Was sind die wirklichen Hintergr\u00fcnde der Personalie?<\/p>\n<h3>Und dann mischt sich auch noch Rudy Giuliani ein<\/h3>\n<p>Donald Trump f\u00fcr seinen Teil tat am Wochenende so, als habe er mit der ganzen Sache nichts zu tun. Dies sei Angelegenheit des Justizministers, stellte er fest. Er sei nicht involviert. Im Justizministerium wurden vermeintlich d\u00fcstere Absichten energisch dementiert. Zwischen dem Justizminister und Berman habe einfach die Chemie nicht gestimmt, wurde aus dem Umfeld des Ministers gestreut. Berman sei kein Team-Player gewesen, weshalb eine Zusammenarbeit an dieser Stelle nicht weiter m\u00f6glich gewesen sei.<\/p>\n<p>Die Demokraten im Kongress wollen sich mit solchen Erkl\u00e4rungen nicht abfinden und haben eine Untersuchung der Angelegenheit angek\u00fcndigt. Sogar \u00fcber die Ladung von Berman vor einen Ausschuss wird nachgedacht. &quot;Das alles riecht nach Korruption und Inkompetenz&quot;, erkl\u00e4rte der demokratische Vorsitzende des Justizausschusses im Repr\u00e4sentantenhaus, Jerry Nadler.<\/p>\n<p>Nicht besser macht die Sache aus ihrer Sicht, dass sich zwischenzeitlich auch noch Rudy Giuliani zu Wort meldete und davon sprach, in der New Yorker Staatsanwaltschaft seien &quot;Bullshit&quot;-Ermittlungen im Gange. Dies wirkt geradezu wie eine Best\u00e4tigung des Verdachts, dass es bei der Personalie nicht mit rechten Dingen zuging.<\/p>\n<p>Auch bei Trumps Republikanern gibt es Unruhe, speziell im Senat, der einem dauerhaften Nachfolger oder einer dauerhaften Nachfolgerin f\u00fcr Berman seinen Segen geben muss. Barr hatte wohl vor, Jay Clayton f\u00fcr den Job vorzuschlagen, einen New Yorker B\u00f6rsenexperten und Anwalt, der nach Informationen der &quot;New York Times&quot; mit Pr\u00e4sident Trump gut bekannt sein soll. Erst vor einigen Tagen seien sie gemeinsam beim Golfen gewesen, hei\u00dft es.<\/p>\n<h3>Sogar ein Trump-Kumpel bleibt zur\u00fcckhaltend<\/h3>\n<p>Ob Barr und Trump die Clayton-Personalie angesichts des Wirbels noch durchsetzen k\u00f6nnen, gilt nun als fraglich. Der republikanische Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, Lindsey Graham, sonst eigentlich ein Trump-Freund, erkl\u00e4rte, er wolle bei der Auswahl von Bundesanw\u00e4lten die alte Tradition beibehalten und die Senatoren des betroffenen Bundesstaats konsultieren.<\/p>\n<p>In New York sind dies zwei Demokraten, was die Best\u00e4tigung von Clayton nach diesem Vorlauf erheblich erschweren d\u00fcrfte. Trump &#8211; und vor allem Barr &#8211; werden Grahams \u00c4u\u00dferungen in der Causa so verstehen, wie sie wohl auch gemeint sind: als Zeichen des Misstrauens und Unmuts.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Donald Trump (M.) und William Barr (l.\/im April 2020): Skepsis und Nervosit\u00e4t sogar bei den eigenen Leuten Tom Brenner\/ REUTERS In der Politik ist es wie im echten<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-634","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=634"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/634\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}