{"id":6272,"date":"2021-03-04T09:18:39","date_gmt":"2021-03-04T06:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-lockdown-gefuhl-schlagt-verstand\/"},"modified":"2021-03-04T09:18:39","modified_gmt":"2021-03-04T06:18:39","slug":"corona-lockdown-gefuhl-schlagt-verstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-lockdown-gefuhl-schlagt-verstand\/","title":{"rendered":"Corona-Lockdown: Gef\u00fchl schl\u00e4gt Verstand"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/63c2e725-1570-4a15-96ab-5ed47b3164ac_w948_r1.77_fpx96_fpy54_fd62.5.jpg\" title=\"Kanzlerin Merkel, Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der\" alt=\"Kanzlerin Merkel, Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kanzlerin Merkel, Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>Markus Schreiber \/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Erinnern Sie sich noch? Klar, erinnern Sie sich, ist ja erst drei Wochen her und oft genug wiederholt worden: 35 lautete da die magische Zahl. Erst wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen \u00bbstabil\u00ab unter diesem Wert liege, so beschlossen es die Ministerpr\u00e4sidenten und die Kanzlerin, erst dann k\u00f6nne der \u00bbn\u00e4chste \u00d6ffnungsschritt\u00ab erfolgen.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt dieses wegweisenden Beschlusses lag die Siebener-Inzidenz bei 68. Heute sind es 64, Tendenz steigend. Die 35 ist au\u00dfer Reichweite, und sie wird es vorerst auch bleiben. Stattdessen warnen die Experten vor der weiteren Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Mutationen, die Zahl der Neuinfektionen k\u00f6nnte in den kommenden Wochen dramatisch steigen.<\/p>\n<p>Und doch spricht selbst Angela Merkel, bisher bekannt als die oberste Mahnerin in der Bund-L\u00e4nder-Runde, vom \u00bb\u00dcbergang in eine neue Phase\u00ab. Sie meint damit nicht etwa die gef\u00e4hrlichen Virusvarianten, sondern den nahenden Fr\u00fchling. Der solle ein anderer werden als der Fr\u00fchling 2020.<\/p>\n<p>Nun wird der Lockdown vorerst bis Ostern verl\u00e4ngert, doch der Trend geht zur \u00d6ffnung: mehr Schule, mehr Kita, mehr Kontakte, mehr Handel. Weitere Schritte sind in Sicht, Merkels 35er-Inzidenz findet sich nur noch an einer Stelle im Beschlusspapier \u2013 das wirkt wie ein Trostpflaster, als h\u00e4tten die L\u00e4nder die Kanzlerin nicht vollends d\u00fcpieren wollen. Deren Ziel ist vorerst unerreichbar, also setzen die L\u00e4nder sich ein neues: Schon unter 100 sind nun Lockerungen drin.<\/p>\n<p>Die Sehnsucht nach dem normalen Leben ist mehr als nachvollziehbar. Wir alle wollen unsere Freiheit zur\u00fcck, lieber heute als morgen, wollen Freunde treffen, essen gehen, Konzerte besuchen. Wir w\u00e4ren diesem Leben l\u00e4ngst wieder n\u00e4her, h\u00e4tte die Politik das Land nicht so halbherzig und z\u00f6gerlich in den Corona-Winter geschickt. Und h\u00e4tte die Politik, als es die Infektionszahlen stiegen, wenigstens effektiv die M\u00f6glichkeiten genutzt, mit denen sich die Pandemie eind\u00e4mmen oder zumindest besser kontrollieren lie\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Beispiel Impfen:<\/strong> Erst gab es zu wenig Impfstoff, jetzt bleibt er mancherorts liegen. W\u00e4hrend andere L\u00e4nder in Bars oder bei Ikea die Spritzen z\u00fccken, verweist man bei uns lieber auf seitenlange Impfverordnungen. Nun sollen bald die Haus\u00e4rzte mitmachen, doch dass manche L\u00e4nder wie NRW am Mittwoch bremsten, l\u00e4sst f\u00fcr die Umsetzung nichts Gutes erahnen. Die Kanzlerin verspricht, beim Impfen k\u00fcnftig \u00bballe Flexibilit\u00e4ten\u00ab nutzen zu wollen, etwa die Verabreichung der beiden Dosen so weit wie m\u00f6glich zu strecken. Auch soll es ein \u00bbkluges Nachr\u00fcckermanagement\u00ab geben. Naheliegende Frage: Warum erst jetzt?<\/p>\n<p><strong>Beispiel Schnelltests <\/strong>(lesen Sie hier mehr dar\u00fcber): Zum 1. M\u00e4rz sollten sie kommen, kostenlos f\u00fcr alle, doch die Kanzlerin kassierte das Versprechen ihres Gesundheitsministers, weil es nicht zu halten war. Jetzt soll jede B\u00fcrgerin, soll jeder B\u00fcrger, von kommender Woche an Anspruch auf einen Gratistest pro Woche haben (vorgesehen waren auch schon mal zwei). Ob die wirklich bald fl\u00e4chendeckend zur Verf\u00fcgung stehen, ist ungewiss. Zumal nun eine Task Force zur Testbeschaffung gegr\u00fcndet werden soll. Naheliegende Frage: Warum erst jetzt?<\/p>\n<p>Fehlende L\u00fcftungsanlagen in Schulen und Kitas, Digitalisierungsdefizite in Beh\u00f6rden und Bildungseinrichtungen, eine Corona-Warn-App, die Milliarden gekostet hat, aber kaum etwas bringt \u2013 die Liste des Versagens lie\u00dfe sich fortf\u00fchren. Und mit jedem Monat, den sich Deutschland durch diese Krise k\u00e4mpft, verst\u00e4rkt sich der Eindruck: Dieses Land ist viel zu oft einfach zu tr\u00e4ge, zu b\u00fcrokratisch, zu wenig kreativ.<\/p>\n<p>Zumachen oder aufmachen, das sind die einfallslosen Pole, zwischen denen sich Merkel und die Ministerpr\u00e4sidenten seit Monaten bewegen. Nur wird jetzt auch noch die Logik des bisherigen Krisenmanagements ausgehebelt: Obwohl die Fallzahlen steigen, obwohl die Mutanten auf dem Vormarsch sind, obwohl die Impfquote noch zu gering und das Testregime noch nicht etabliert sind, wird gelockert. Politik paradox.<\/p>\n<p>Die Menschen seien eben Shutdown-m\u00fcde, hei\u00dft es, sie br\u00e4uchten eine Perspektive. Dabei ist den Damen und Herren, die ihr Handeln so begr\u00fcnden, durchaus bewusst, welch riskanten Weg sie einschlagen. Doch das Gef\u00fchl schl\u00e4gt den Verstand, die Politik kapituliert.<\/p>\n<p>Ganz wohl scheint ihr dabei nicht zu sein. Auff\u00e4llig, wie sehr gerade Markus S\u00f6der nach den Beratungen die Eigenverantwortung der Menschen betonte. Die Botschaft: Geht die Sache schief, habt Ihr es verbockt. Es stimmt: Dieser M\u00e4rz bietet uns gro\u00dfe Chancen. Auf Lockerungen \u2013 und auf einen neuen, scharfen Lockdown.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kanzlerin Merkel, Ministerpr\u00e4sident S\u00f6der Foto:\u2002 Markus Schreiber \/ dpa Erinnern Sie sich noch? 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