{"id":6243,"date":"2021-03-03T01:56:46","date_gmt":"2021-03-02T22:56:46","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-bericht-zu-autonomen-waffensystemen-wettlauf-der-kampfroboter\/"},"modified":"2021-03-03T01:56:46","modified_gmt":"2021-03-02T22:56:46","slug":"us-bericht-zu-autonomen-waffensystemen-wettlauf-der-kampfroboter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/us-bericht-zu-autonomen-waffensystemen-wettlauf-der-kampfroboter\/","title":{"rendered":"US-Bericht zu autonomen Waffensystemen: Wettlauf der Kampfroboter"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/59f6528d-215c-4215-9e6f-9d54f3aef018_w948_r1.77_fpx58.17_fpy50.jpg\" title=\"US Marines auf einer \u00dcbungspatrouille mit einem Kampfroboter in Kalifornien (im Juli 2016)\" alt=\"US Marines auf einer \u00dcbungspatrouille mit einem Kampfroboter in Kalifornien (im Juli 2016)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">US Marines auf einer \u00dcbungspatrouille mit einem Kampfroboter in Kalifornien (im Juli 2016)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Pfc. Rhita Daniel \/ 15th Marine Expeditionary Unit  <\/figcaption><\/figure>\n<p>K\u00f6nnen, d\u00fcrfen, sollen autonome Waffen Krieg f\u00fchren? Man kann diese Frage mit Alltagswissen und etwas Zynismus beantworten. Wer einmal einen Computer bedient hat, wer sich mit Abst\u00fcrzen und vergr\u00fctzten Updates herumgeschlagen hat, der kann die Vorstellung nur grotesk finden, dass Maschinen \u00fcber Leben und Tod entscheiden.<\/p>\n<p>In der Milit\u00e4rtechnik vollzieht sich aber gerade eine Revolution, die dritte grundlegende nach der Erfindung des Schwarzpulvers und der Atomwaffen. \u00bbDie enormen technologischen Fortschritte, die in den letzten Jahren in den Bereichen der Robotik und der k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) erzielt wurden, haben diese Vorstellung autonom agierender Waffen an die Schwelle zur konkreten Umsetzung ger\u00fcckt\u00ab, hei\u00dft es etwa in einem Gutachten des B\u00fcros f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung beim Deutschen Bundestag.<\/p>\n<p>In vielen Staaten rund um die Welt wird dar\u00fcber gesprochen, was die Digitalisierung f\u00fcr den Milit\u00e4rbereich bedeutet \u2013 so aktuell auch in den USA. Dort hat ein wichtiges Beratergremium des US-Verteidigungsministeriums dazu gerade Empfehlungen an Pr\u00e4sident Joe Biden und den Kongress vorgelegt.<\/p>\n<h3>Mit besten Gr\u00fc\u00dfen aus dem Silicon Valley<\/h3>\n<p>Und mit Computern, ihren Unzul\u00e4nglichkeiten und ihren Versprechungen, kennt sich die Gruppe jedenfalls aus. Unter den 15 Mitgliedern der National Security Commission on Artificial Intelligence befindet sich der kommende Amazon-Chef Andy Jassy, der bisher bereits f\u00fcr das Cloud-Gesch\u00e4ft des Konzerns verantwortlich war. Google und Microsoft haben ihre Verantwortlichen f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz, Andrew Moore und Eric Horvitz, geschickt, Oracle die Vorstandsfrau Safra Catz. Geleitet wurde das Gremium vom fr\u00fcheren Google-Chef Eric Schmid, der auch zwei weiteren Pentagon-Kommissionen vorstand.<\/p>\n<p>Der aktuelle Abschlussbericht der Kommission behandelt die Frage, welche Rolle Amerika k\u00fcnftig bei Entwicklung und Einsatz autonomer Waffensysteme spielen soll. Und wenn es nach Schmid und den anderen Mitgliedern des Gremiums geht, kann es darauf nur eine Antwort geben: Die USA m\u00fcssen ganz, ganz vorn dabei sein, sonst \u00fcbernimmt China diesen Platz. Einzig Atomwaffen sollten nicht maschinell gesteuert werden \u2013 aber sonst sei die breite F\u00f6rderung entsprechender Technologien extrem wichtig.<\/p>\n<p>\u00bbDie Vereinigten Staaten m\u00fcssen jetzt handeln, um KI-Systeme einzusetzen und wesentlich mehr Ressourcen in KI-Innovationen zu investieren, um ihre Sicherheit zu sch\u00fctzen, ihren Wohlstand zu f\u00f6rdern und die Zukunft der Demokratie zu sichern\u00ab, hei\u00dft es in dem Bericht. Ein globales Verbot solcher Waffensysteme w\u00e4re dagegen nicht im Interesse des Landes \u2013 weil sich die wichtigsten strategischen Gegner ohnehin nicht daran halten w\u00fcrden: \u00bbZusagen von Staaten wie Russland oder China w\u00fcrden wahrscheinlich bedeutungslos sein\u00ab, so das Fazit der Kommission.<\/p>\n<p>Amerika solle so viel investieren wie m\u00f6glich, um einen Vorsprung vor L\u00e4ndern wie Russland, vor allem aber China zu behalten, diese Dominanz dann f\u00fcr Stabilit\u00e4t sorgen. Aufr\u00fcsten f\u00fcr den Frieden, sozusagen. Expertinnen und Experten sehen das kritisch. \u00bbWir sind weiter auf dem Weg zu einem R\u00fcstungswettlauf zwischen den USA sowie China und Russland\u00ab, sagt Anja Dahlmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Die Amerikaner n\u00e4hmen an, dass sie die technologische F\u00fchrung halten und ausbauen k\u00f6nnten. Doch das sei zweifelhaft. \u00bbMan kann enorme Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Schlagrichtung haben\u00ab, best\u00e4tigt auch Frank Sauer von der Universit\u00e4t der Bundeswehr in M\u00fcnchen.<\/p>\n<h3>Verhandlungen laufen seit Jahren<\/h3>\n<p>Dass die Kommission die Idee trotzdem vertritt, kann durchaus eigenn\u00fctzige Motiv haben. Viele der Mitglieder haben ein Interesse daran, dass das US-Milit\u00e4r m\u00f6glichst viel Geld in die Digitalisierung steckt. Amazon und Oracle streiten sich zum Beispiel gerade vor Gericht, wer f\u00fcr das Pentagon ein milliardenteures Cloud-System aufbauen kann. Und Kommissionschef Schmid ist offenbar Investor bei gleich mehreren Milit\u00e4rtechnikfirmen. \u00bbEr hat viele, viele finanzielle Anreize, um sicherzustellen, dass das Verteidigungsministerium und andere Bundesbeh\u00f6rden KI aggressiv einsetzen\u00ab, sagt auch John Davisson vom Electronic Privacy Information Center in Washington.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4re ein internationales Verbot autonomer Waffen \u00fcberhaupt realistisch? Bei den Vereinten Nationen in Genf laufen dazu seit Jahren Gespr\u00e4che im Rahmen der Konvention \u00fcber bestimmte konventionelle Waffen. Richtig voran kommen sie nicht. Das hat wohl mit politischem Willen zu tun, aber auch mit der Komplexit\u00e4t der Materie. Sprengk\u00f6pfe und Panzer lassen sich vergleichsweise einfach z\u00e4hlen, die Reichweite von Raketen berechnen \u2013 mit Algorithmen sind die Dinge etwas komplizierter.<\/p>\n<p>Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat im vergangenen Jahr in einem Bericht die Positionen der Staaten zusammengetragen. Demnach haben sich nur rund 30 L\u00e4nder, vor allem aus S\u00fcdamerika, Afrika und Asien, klar f\u00fcr ein internationales Verbot ausgesprochen.<\/p>\n<p>Bei vielen anderen L\u00e4ndern, darunter Deutschland, sei die Position etwas komplizierter. Zwar hei\u00dft es im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung: \u00bbAutonome Waffensysteme, die der Verf\u00fcgung des Menschen entzogen sind, lehnen wir ab. Wir wollen sie weltweit \u00e4chten.\u00ab Doch Human Rights Watch beklagt, Deutschland habe zwar an jedem CCW-Treffen zu Killerrobotern in den Jahren 2014 bis 2019 teilgenommen, die Beamten h\u00e4tten aber \u00bbVorschl\u00e4ge zur Aufnahme von Vertragsverhandlungen nicht unterst\u00fctzt\u00ab. Stattdessen habe Deutschland zusammen mit Frankreich eine politische Erkl\u00e4rung vorgeschlagen, die aber nicht rechtsverbindlich w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u00bbDie deutsche Rolle ist ambivalent\u00ab, sagt auch SWP-Forscherin Dahlmann. Das beginne bereits damit, dass der Begriff \u00bb\u00e4chten\u00ab aus dem Koalitionsvertrag viel Interpretationsspielraum l\u00e4sst und niemand genau wisse, \u00bbwas er hier eigentlich bedeuten soll\u00ab. Geht es also um ein rechtlich bindendes Verbot? Geht es um eine politische Absichtserkl\u00e4rung, dass man die Technologie nicht gut findet?<\/p>\n<p>In der Regierung gibt es dazu verschiedene Positionen. Im Ausw\u00e4rtigen Amt kann man sich ein internationales Verbot autonomer Waffen gut vorstellen, Minister Heiko Maas erkl\u00e4rt dies auch regelm\u00e4\u00dfig \u00f6ffentlich. Doch die Diplomaten in den Verhandlungen bekommen keine Weisung, das auf internationaler B\u00fchne auch so zu fordern. Und im Verteidigungsministerium w\u00fcrde es mancher im Zweifel ohnehin wohl lieber bei einer Absichtserkl\u00e4rung belassen.<\/p>\n<p>Das hat vermutlich auch mit dem neuen Luftkampfsystem FCAS zu tun, das Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen entwickeln wollen. Das \u00bbFuture Combat Air System\u00ab soll ab dem Jahr 2040 die Kampfjets \u00bbEurofighter\u00ab und die franz\u00f6sische \u00bbRafale\u00ab ersetzen. Es umfasst neben einem klassischen Kampfflugzeug auch sogenannte Remote Carrier, die vom Jet ausgesetzt werden k\u00f6nnen und dann im Verbund operieren. Diese unbemannten Flugk\u00f6rper sollen die F\u00e4higkeiten von Lenkflugk\u00f6rpern und Drohnen verbinden und d\u00fcrften zumindest einige autonome Funktionen haben, die Details werden gerade festgelegt.<\/p>\n<p>In den USA mehren sich derweil auch kritische Stimmen zum Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz beim Milit\u00e4r \u2013 und die stammen nicht nur von Friedensaktivisten. Da ist zum Beispiel Mary Cummings, auf ihrer F\/A-18 einst eine der ersten Kampfpilotinnen der Navy. Heute befasst sie sich an der Duke University in Durham (Bundesstaat North Carolina) mit autonomen Waffen.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der KI-Entwicklung finde im kommerziellen Bereich statt, sagt sie. \u00bbDas Milit\u00e4r ist weit, weit, weit hinterher.\u00ab Cummings bezeichnet sich selbst als \u00bbTechno-Realistin\u00ab. K\u00fcnstliche Intelligenz beim Milit\u00e4r sei wichtig, sie werde auch f\u00fcr zuk\u00fcnftige Entwicklungen wichtig sein \u2013 aber die \u00bbHysterie\u00ab, dass sie \u00fcberm\u00e4\u00dfig leistungsf\u00e4hig sei, \u00bbdas ist nicht wahr\u00ab.<\/p>\n<p>Die Risiken eines R\u00fcstungswettlaufs durch KI-Waffen sind also real, die vermeintlichen milit\u00e4rischen Vorteile nicht unbedingt. Vielleicht kommt auch Pr\u00e4sident Biden zu dieser Erkenntnis. Dass ihm R\u00fcstungskontrolle am Herzen liegt, hat er bereits unmittelbar zu Beginn seiner Amtszeit erkennen lassen. Da einigte er sich mit Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin auf eine Verl\u00e4ngerung des atomaren Abr\u00fcstungsvertrags \u00bbNew Start\u00ab. Forscher Sauer sagt daher: \u00bbIch kann mir vorstellen, dass es aus der Biden-Regierung auch einen neuen Impuls f\u00fcr die Gespr\u00e4che zu autonomen Waffensystemen gibt.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern US Marines auf einer \u00dcbungspatrouille mit einem Kampfroboter in Kalifornien (im Juli 2016) Foto:\u2002Pfc. 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