{"id":6233,"date":"2021-03-02T15:16:32","date_gmt":"2021-03-02T12:16:32","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/saarlands-cdu-ministerprasident-tobias-hans-zu-corona-wir-sollten-restriktiv-bleiben\/"},"modified":"2021-03-02T15:16:32","modified_gmt":"2021-03-02T12:16:32","slug":"saarlands-cdu-ministerprasident-tobias-hans-zu-corona-wir-sollten-restriktiv-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/saarlands-cdu-ministerprasident-tobias-hans-zu-corona-wir-sollten-restriktiv-bleiben\/","title":{"rendered":"Saarlands CDU-Ministerpr\u00e4sident Tobias Hans zu Corona: \u00bbWir sollten restriktiv bleiben\u00ab"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/aa3f9fa8-a52a-4322-8a8d-0cac5cbb6e71_w948_r1.77_fpx57.98_fpy46.99.jpg\" title=\"CDU-Politiker Hans\" alt=\"CDU-Politiker Hans\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">CDU-Politiker Hans<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Oliver Dietze \/ picture alliance \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr Ministerpr\u00e4sident, waren Sie eigentlich schon beim Friseur?<\/p>\n<p><strong>Hans: <\/strong>Nein, ich lasse erst mal diejenigen vor, die es dringender brauchen. Hier und da habe ich selbst mit der Schere nachgearbeitet.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Kurz vor der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz mit der Kanzlerin zeigt sich ein \u00fcberaus widerspr\u00fcchliches Bild: Die Infektionszahlen steigen, die Mutationen schlagen durch, Deutschland impft im Schneckentempo \u2013 trotzdem wollen Sie und Ihre Kollegen am Mittwoch lockern. Wie passt das zusammen?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Ich will keine weitreichenden Lockerungen, weil mich genau das umtreibt, was Sie da beschreiben: Die Zahlen gehen nach oben. Wir sind bereits in der dritten Welle, das ist eine neue Pandemie in der Pandemie. So langsam wie die Impfkurve steigt, m\u00fcssen wir auch die Kurve der Neuinfektionen flach halten. Leider ist die von uns festgelegte 35er-Inzidenz-Grenze, ab der eigentlich gelockert werden sollte, in weite Ferne ger\u00fcckt. Deshalb sollten wir jetzt nur weitergehend lockern, wenn wir gleichzeitig Tests in den entsprechenden Bereichen verpflichtend machen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Warum reden wir \u00fcberhaupt von Lockerungen in dieser Situation?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Vor allem Kinder und Familien m\u00fcssen nach all den Monaten des Shutdowns entlastet werden, aber mit gro\u00dfer Vorsicht. Hier im Saarland planen wir mit zwei Schnelltests pro Woche in Schulen und Kitas. Und bestimmte k\u00f6rpernahe pflegerische Leistungen sind mit strengen Hygieneauflagen wieder m\u00f6glich. Dar\u00fcber hinaus sehe ich ohne zus\u00e4tzliche Tests wenig Spielraum. Komplette \u00d6ffnungen, etwa von Baum\u00e4rkten finde ich schwer vorstellbar, wir sollten restriktiv bleiben. F\u00fcr mich gilt: Ohne Tests kann man nur das erm\u00f6glichen, was absolut notwendig ist.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ihr bayerischer CSU-Amtskollege S\u00f6der hat Baum\u00e4rkte und Gartencenter bereits wieder ge\u00f6ffnet. Welche Botschaft muss aus Ihrer Sicht von Ihrem Treffen mit der Kanzlerin am Mittwoch ausgehen?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Dass wir den erneuten Anstieg der Infektionszahlen sehr ernst nehmen und nicht unsere Erfolge der letzten Monate aufs Spiel setzen. Zugleich m\u00fcssen wir mehr testen und schneller und vor allem zielgerichteter impfen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Wie meinen Sie das?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> In unserem franz\u00f6sischen Nachbar-D\u00e9partement Moselle gibt es einen massiven Anstieg bei der Verbreitung der s\u00fcdafrikanischen Virusmutation, bei uns im Saarland liegt der Anteil dieser Mutante ebenfalls deutlich \u00fcber Bundesdurchschnitt. Der franz\u00f6sische Staat stellt den Menschen im D\u00e9partement Moselle nun vermehrt Impfstoff zur Verf\u00fcgung, verteilt also aus anderen Regionen um, sodass der Ausbruch unter Kontrolle kommt. Das halte ich f\u00fcr sinnvoll: Dort, wo hohe Ausbruchsherde sind, sollten wir mehr und gezielt impfen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> W\u00fcnschen Sie sich mehr Impfstoff f\u00fcrs Saarland?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Wir sollten in jenen deutschen Grenzregionen, in denen es Infektionseintr\u00e4ge aus den Nachbarstaaten gibt, das Impftempo nach oben fahren. Die betroffenen Bundesl\u00e4nder oder Regionen m\u00fcssten dann mehr Impfstoff vom Bund zugeteilt bekommen, ja. Wir haben jeden Tag 16.000 Einpendler aus Frankreich ins Saarland, einen solch intensiven Austausch gibt es in keiner anderen Region Europas.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Werden Sie Ihren Amtskolleginnen und -kollegen am Mittwoch solch eine Saar-Abgabe vorschlagen?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Wir werden das diskutieren. Was in Frankreich funktioniert, kann auch eine L\u00f6sung f\u00fcr Deutschland sein. Das geht aber nur, wenn das alle in der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz mittragen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Die letzten Wochen waren zehrend, nun steht alles wieder auf dem Spiel. Warum wurde die Zeit nicht genutzt, um die Infektionszahlen st\u00e4rker zu dr\u00fccken, wie es etwa die Vertreter der No-Covid-Strategie gefordert haben?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Nat\u00fcrlich w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn wir jetzt Werte wie im letzten Sommer h\u00e4tten, also unter 10. Realistischerweise ist das in einem offenen Europa kaum zu machen. Allerdings hat die No-Covid-Bewegung in einem Punkt recht: Jede einzelne Neuinfektion muss von den Gesundheits\u00e4mtern verfolgt werden k\u00f6nnen \u2013 beispielsweise durch das moderne IT-System Sormas. Zudem braucht es Luftreinigungsger\u00e4te in jedem Klassenzimmer, in jeder Kita. Im Saarland haben wir bereits rund 170 mobile Luftfilterger\u00e4te f\u00fcr Schulen bewilligt.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was braucht es noch?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Technologisch sind wir zu langsam, die Corona-App m\u00fcsste l\u00e4ngst besser sein: Zertifizierte Tests, die per App angezeigt werden, gibt es doch bereits im Markt.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was halten Sie von der privat entwickelten Luca-App?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Zun\u00e4chst mal m\u00fcssen wir die Corona-App weiterentwickeln. Aber wenn der Markt eine bessere L\u00f6sung bereith\u00e4lt, sollten wir daf\u00fcr offen sein.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Haben Sie eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum sich ausgerechnet ein so technikaffines Land wie Deutschland in dieser Krise so schwertut?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Weil wir immer versuchen, erst mal eine perfekte Infrastruktur f\u00fcr alles zu schaffen, bevor wir an die praktische Nutzung denken. Das ist genau falsch herum. Wir m\u00fcssen lernen, von der Nutzung her zu denken. Wenn wir Apps haben, mit denen man beispielsweise einen Restaurantbesuch \u00fcber einen hinterlegten Test buchen kann, dann wird auch die entsprechende Infrastruktur wachsen: Schnelltestzentren, Anbieter von Kontrollschranken zur \u00dcberpr\u00fcfung der Tests. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, ohne auf die perfekte Infrastruktur zu warten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Beim Thema Schnelltests droht schon der n\u00e4chste R\u00fcckschlag\u2026<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Beim Thema Testen hinken wir hinterher, das ist keine Frage, auch im europ\u00e4ischen Vergleich. Dabei brauchen wir angesichts der steigenden Infektionszahlen viel mehr Tests. Auch hier kann der Markt helfen, wenn es durch Dritte zertifizierte Selbsttests gibt. Wer sich so ausweisen kann, soll dann auch M\u00f6glichkeiten zum Einkaufen oder zum Restaurantbesuch haben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist es sinnvoll, beim Thema Impfen umzusteuern und jetzt so vielen Menschen wie m\u00f6glich die erste Dosis zu verabreichen?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Das darf nicht die Politik entscheiden. Wir sollten uns darauf verlassen, was die St\u00e4ndige Impfkommission und der Ethikrat sagen. Es w\u00e4re nicht verzeihlich, wenn pl\u00f6tzlich breit geimpft wird und daf\u00fcr besonders Vulnerable sterben, etwa \u00fcber 80-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Da der Impfstoff AstraZeneca nur sehr schleppend nachgefragt wird, gibt es Forderungen, ihn grunds\u00e4tzlich freizugeben. Eine gute Idee?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> AstraZeneca ist hochwirksam. Ich bin dagegen, die Impfreihenfolge aufzul\u00f6sen. Das f\u00fchrte zu einem Impfchaos.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> W\u00fcrden Sie sich mit AstraZeneca impfen lassen?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Ja, das w\u00fcrde ich. Aber erst, wenn ich an der Reihe bin.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Hielten Sie es f\u00fcr eine gute Idee, wenn die Kanzlerin, die Ministerpr\u00e4sidenten und andere f\u00fchrende Politikerinnen und Politiker vorrangig geimpft w\u00fcrden \u2013 auch im Sinne einer Vorbildfunktion?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Nein, davon halte ich nichts. StiKo und Ethikrat orientieren sich streng am Infektionsrisiko. Polizisten zum Beispiel sind nun mal sehr viel gef\u00e4hrdeter als Politiker. Ich werde mich bestimmt nicht vordr\u00e4ngeln.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Die Kritik an Bundesgesundheitsminister Spahn w\u00e4chst \u2013 seine Beliebtheitswerte in der Bev\u00f6lkerung schrumpfen. Wozu raten Sie Ihrem Parteifreund?<\/p>\n<p><strong>Hans:<\/strong> Wozu ich auch den Landes-Gesundheitsministern rate, die alle im Moment einen schweren Stand haben: Kurs halten, Nerven bewahren und nicht zu sehr unter Druck setzen lassen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern CDU-Politiker Hans Foto:\u2002Oliver Dietze \/ picture alliance \/ dpa SPIEGEL: Herr Ministerpr\u00e4sident, waren Sie eigentlich schon beim Friseur? 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