{"id":6090,"date":"2021-02-24T00:49:47","date_gmt":"2021-02-23T21:49:47","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wie-russland-israel-dazu-brachte-fur-baschar-al-assad-corona-impfstoff-zu-kaufen\/"},"modified":"2021-02-24T00:49:47","modified_gmt":"2021-02-23T21:49:47","slug":"wie-russland-israel-dazu-brachte-fur-baschar-al-assad-corona-impfstoff-zu-kaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wie-russland-israel-dazu-brachte-fur-baschar-al-assad-corona-impfstoff-zu-kaufen\/","title":{"rendered":"Wie Russland Israel dazu brachte, f\u00fcr Baschar al-Assad Corona-Impfstoff zu kaufen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/02da5a22-0c2c-45db-9589-26996a2a1833_w948_r1.77_fpx56_fpy32.jpg\" title=\"Tr\u00e4gt Mund-Nasen-Schutz \u2013 und hat nun auch Impfstoff aus Russland in seinem Land: Baschar al-Assad\" alt=\"Tr\u00e4gt Mund-Nasen-Schutz \u2013 und hat nun auch Impfstoff aus Russland in seinem Land: Baschar al-Assad\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Tr\u00e4gt Mund-Nasen-Schutz \u2013 und hat nun auch Impfstoff aus Russland in seinem Land: Baschar al-Assad<\/p>\n<p>  Foto:\u2002AP  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn Israelis in den Abendnachrichten Yaron Blum sehen, wissen sie: Jetzt geht es um Leben und Tod. Er ist ein bekanntes Gesicht, was weniger an seinem imposanten Schnauzbart und der randlosen Brille mit den roten B\u00fcgeln liegt als an seinem Job.<\/p>\n<p>Yaron Blum ist Koordinator f\u00fcr Kriegsgefangene und im Einsatz vermisste Soldaten. Wenn die Regierung von Premier Benjamin Netanyahu \u00fcber das Schicksal von Soldaten mit seinen Feinden verhandelt, ist Yaron Blum seit 2017 immer offiziell dabei.<\/p>\n<p>Der 62-J\u00e4hrige hat zuvor lange f\u00fcr den Inlandsgeheimdienst Schin Bet gearbeitet. Mit der pal\u00e4stinensischen Terrorgruppe Hamas hat er \u00fcber die Freilassung von Gilad Schalit verhandelt, bis der 2011 lebend aus seiner Gefangenschaft im Gazastreifen zur\u00fcckkam. Im Gegenzug wurden mehr als 1000 Pal\u00e4stinenser aus israelischen Gef\u00e4ngnissen entlassen. Der Fall machte damals weltweit Schlagzeilen.<\/p>\n<p>Israels Gefangenenaustausch-Operationen hatten schon oft eine leicht makabre Note. Denn: Wenn Israel mit seinen Todfeinden von der libanesischen Hisbollah oder der Hamas im Gazastreifen \u00fcber einen Austausch verhandelte, ging es mitnichten nur um Gefangene. Verschleppte gilt es um jeden Preis zur\u00fcckzuholen, egal wann, egal, wie viel von ihnen noch \u00fcbrig war oder ist, so Israels Grundsatz. So tauschten die islamistischen Milizen weit h\u00e4ufiger Knochen, tiefgefrorene Gliedma\u00dfen und pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde als lebende israelische Geiseln ein.<\/p>\n<h3>Ein kleiner Gefangenenaustausch, viele gro\u00dfe Verlierer<\/h3>\n<p>Dennoch waren die stets mit gro\u00dfem Aplomb begangenen \u00dcbergaben ein politischer Erfolg f\u00fcr alle Beteiligten. Nun hat ein vergleichsweise kleiner Transfer \u2013 zwei syrische Sch\u00e4fer gegen eine Zivilistin aus Israel \u2013 sich zur Aff\u00e4re ausgewachsen, die nach und nach alle Beteiligten ramponiert. Die Protagonisten dieser geopolitischen Tragikom\u00f6die: Russland, das syrische Assad-Regime, Benjamin Netanyahu \u2013 und die Pal\u00e4stinenser.<\/p>\n<p>Eigentlich fing alles vergleichsweise harmlos an: Am Freitagmorgen vergangener Woche lie\u00df Premier Netanyahu mitteilen, dass eine junge Israelin aus Gefangenschaft in Syrien freigekommen sei \u2013 im Austausch gegen zwei syrische Sch\u00e4fer, die auf den israelisch besetzten Golanh\u00f6hen gefangen genommen worden waren.<\/p>\n<p>Russlands Regierung habe vermittelt, Yaron Blum war an den Verhandlungen beteiligt. Am Ende habe ein Sonderflugzeug der israelischen Regierung die junge Frau abgeholt. Damit h\u00e4tte die Geschichte erz\u00e4hlt sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Gef\u00e4hrliche Wanderung um Mitternacht ins Feindesland<\/h3>\n<p>Doch der Fall der jungen Frau sorgte f\u00fcr Aufsehen, die israelische \u00d6ffentlichkeit r\u00e4tselte: Was trieb die Mittzwanzigerin, deren Name auf Gerichtsbeschluss nicht \u00f6ffentlich genannt wird, aus ihrem streng religi\u00f6sen Heimatort Modi&#039;in Illit eigentlich ins Feindesland?<\/p>\n<p>Am Abend des 2. Februar war sie mit dem \u00f6ffentlichen \u00dcberlandbus in das Grenzst\u00e4dtchen Madschdal Schams gefahren, in dem die religi\u00f6se Minderheit der Drusen lebt. Von dort war sie vermutlich zu einem steilen Abschnitt des nahen Hermon-Berges, den sonst nur Ziegen nutzen, gewandert und schlie\u00dflich \u00fcber die Grenze gegangen, die anderswo mit Stahlz\u00e4unen und fast \u00fcberall mit Minenfeldern gesichert ist. Die israelische Armee hat am Montagabend die Ergebnisse des Untersuchungsberichts ver\u00f6ffentlicht. Fazit: Die junge Frau kannte das Areal, hatte es wohl schon zuvor ausgesp\u00e4ht.<\/p>\n<p>Der tats\u00e4chliche Grenz\u00fcbertritt gegen Mitternacht \u2013 ein lebensgef\u00e4hrliches Unterfangen. Und, wie sich bald herausstellte, bereits ihr vierter Versuch, Israels hermetisch gesicherte Au\u00dfengrenzen zu \u00fcberwinden: um herauszukommen, nicht herein, wogegen die Sicherheitsanlagen eigentlich gedacht sind.<\/p>\n<p>Zweimal hatte sie vorher zudem vergeblich versucht, nach Gaza zu kommen, einmal angeblich auf einem selbst gebauten Flo\u00df. Dann wollte sie nach Jordanien durchbrechen. Nach Syrien gelang es ihr schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>Nur warum das alles?<\/p>\n<p>Zum Repertoire von Strengreligi\u00f6sen geh\u00f6ren illegale Grenz\u00fcbertritte nicht, schon gar nicht f\u00fcr unverheiratete, junge T\u00f6chter. Aus ihrem Facebook-Profil und anderen Facetten f\u00fcgt sich das Bild einer Frau, die von einem grenzenlosen Nahen Osten tr\u00e4umt und von Wanderlust getrieben ist. Vor und unmittelbar nach der Gr\u00fcndung Israels 1948 waren solche Trips vor allem unter linken Kibbuzniks beliebt. Die, die von den oft tagelangen W\u00fcstentrips ins Feindesland zur\u00fcckkamen, wurden zu lebenden Legenden, ihre Abenteuer zu Pophits. Aber das ist ein halbes Jahrhundert her.<\/p>\n<p>In diesem Jahr schaffte es die junge Frau nur bis ins erste Dorf, dort wurde sie festgenommen.<\/p>\n<h3>Lieber im israelischen Knast als in den H\u00e4nden Assads<\/h3>\n<p>Syrien wandte sich alsbald an seine Schutzmacht Russland, um mit Moskaus Hilfe einen Austausch zu verhandeln. Das Kuriose: Diab Kahmuz und Nihal al-Malka, die urspr\u00fcnglichen Austauschkandidaten, die den Syrern zur\u00fcckgegeben werden sollten, wollten gar nicht. Sie ruinierten den Mythos von den opferbereiten Widerstandsk\u00e4mpfern der Hisbollah. Diab Kahmuz aus einem alawitischen Dorf nahe der israelischen Grenze zum Libanon war vor f\u00fcnf Jahren erwischt worden, als er Sprengstoff f\u00fcr die Hisbollah ins Land schmuggeln wollte. Der Druse Nihal al-Malka von den Golanh\u00f6hen wurde als Mittelsmann verhaftet. Nun sollten sie als freie M\u00e4nner nach Damaskus gebracht werden.<\/p>\n<p>Doch sie wollten eben gar nicht, Kahmuz auf keinen Fall, bei Malka gibt es unterschiedliche Aussagen. Offenbar bleiben sie lieber in geheizten Zellen mit warmen Mahlzeiten im israelischen Gef\u00e4ngnis. So fiel das Los auf die beiden Sch\u00e4fer, die immerhin zur freiwilligen R\u00fcckreise bereit waren.<\/p>\n<h3>1,2 Millionen Dollar f\u00fcr 50.000 Impfdosen<\/h3>\n<p>Dann kam auch noch heraus, dass Moskau sich seine Vermittlung mit einem pikanten Zusatzdeal f\u00fcr 1,2 Millionen Dollar hatte bezahlen lassen: F\u00fcr diese Summe kauft Israel den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V, genug Dosen f\u00fcr etwa 50.000 Menschen. Lieferadresse: Damaskus. Das nun rief die Pal\u00e4stinenser auf den Plan, denen Israel Impfungen bislang weitgehend vorenthalten hat, w\u00e4hrend es bei der Impfung der eigenen Bev\u00f6lkerung weltweit vorn liegt.<\/p>\n<p>Ahmad Tibi etwa schrieb auf Twitter: \u00bbM\u00fcssen wir darauf warten, bis ein Jude\/eine J\u00fcdin die Grenze zum Gazastreifen \u00fcberquert, bis die Pal\u00e4stinenser dort geimpft werden?\u00ab Tibi ist ein prominenter arabischer Politiker, der in der israelischen Knesset sitzt. Er setzte seinen Tweet an dem Tag ab, an dem die junge Israelin aus Russland zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>In normalen Zeiten w\u00e4re der Geiselaustausch zwischen Israel und Syrien f\u00fcr Netanyahu ein gl\u00e4nzender Erfolg. Er h\u00e4tte sein Image als Weltpolitiker pflegen k\u00f6nnen. Doch aus dem avisierten au\u00dfenpolitischen Punktsieg wird f\u00fcr ihn nun ein innenpolitisches Problem. Die Debatte dar\u00fcber, wie Israel in der Impfstofffrage die Pal\u00e4stinenser behandelt, wird nicht einfach verschwinden.<\/p>\n<p>In Israel ist Wahlkampf. Und auch die Hamas im Gazastreifen wird den Deal aufmerksam verfolgt haben. Sie h\u00e4lt gegenw\u00e4rtig zwei lebende israelische Zivilisten gefangen und die Leichen zweier Soldaten zur\u00fcck. Der Vakzine-Deal mit Syrien werde Netanyahu in den Verhandlungen mit der pal\u00e4stinensischen Terrorgruppe verfolgen, prophezeit bereits die Tageszeitung \u00bbHaaretz\u00ab.<\/p>\n<p>Israels Regierung wollte wohl auch deshalb den Impfstoffdeal geheim halten, Moskau dementierte ihn, denn auch f\u00fcr Russland ist es peinlich: Noch am Donnerstag hatte Wladimir Putins Sondergesandter f\u00fcr Syrien, Alexander Lavrentiev, im Interview g\u00f6nnerhaft angedeutet, dass man seinem treuen Verb\u00fcndeten Syrien den Impfstoff liefern werde. Davon, dass dies nur gegen Vorkasse und dann noch aus israelischen Quellen geschehen werde, sagte er nichts.<\/p>\n<p>Es best\u00e4tigte aber den immer wieder gen\u00e4hrten Eindruck der Syrer, dass aus Russland nichts umsonst zu bekommen sei. Von der Ankunft der Impfdosen ist selbst in der Damaszener Oberschicht noch nichts bekannt geworden.<\/p>\n<p>Aber selbst wenn die Vakzine geliefert werde, vermutete am Montagabend ein Gesch\u00e4ftsmann in Syriens Hauptstadt, w\u00fcrde nur ein sehr spezieller Kreis profitieren: \u00bbAll die Oligarchen, die Milizchefs, Geheimdienstgener\u00e4le, die \u00fcberhaupt nicht mehr ins Ausland reisen k\u00f6nnen, werden sich, ihre Familien, ihre Schergen impfen lassen.\u00ab Dann erst werde Sputnik V auf dem Schwarzmarkt landen. Die Vorstellung, dass zuerst Alte und Menschen mit Vorerkrankungen geimpft werden sollten, quittiert er nur mit heiserem Lachen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Tr\u00e4gt Mund-Nasen-Schutz \u2013 und hat nun auch Impfstoff aus Russland in seinem Land: Baschar al-Assad Foto:\u2002AP Wenn Israelis in den Abendnachrichten Yaron Blum sehen, wissen sie: Jetzt geht<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6091,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6090","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6090","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6090"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6090\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6090"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6090"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6090"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}