{"id":6080,"date":"2021-02-23T14:38:05","date_gmt":"2021-02-23T11:38:05","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wehrbeauftragte-zur-bundeswehr-eva-hogl-warnt-vor-uberalterung-der-streitkrafte\/"},"modified":"2021-02-23T14:38:05","modified_gmt":"2021-02-23T11:38:05","slug":"wehrbeauftragte-zur-bundeswehr-eva-hogl-warnt-vor-uberalterung-der-streitkrafte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/wehrbeauftragte-zur-bundeswehr-eva-hogl-warnt-vor-uberalterung-der-streitkrafte\/","title":{"rendered":"Wehrbeauftragte zur Bundeswehr: Eva H\u00f6gl warnt vor \u00dcberalterung der Streitkr\u00e4fte"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/43bf179d-09d2-4cfa-9e33-699ab7ea94f5_w948_r1.77_fpx44.65_fpy50.97.jpg\" title=\"Soldat im Impfzentrum in der K\u00f6lner Messe\" alt=\"Soldat im Impfzentrum in der K\u00f6lner Messe\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Soldat im Impfzentrum in der K\u00f6lner Messe<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Christoph Hardt\/Geisler-Fotopres \/ picture alliance \/ Geisler-Fotopress  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Elend l\u00e4sst sich in einer Zahl zusammenfassen: 3,1. Um so viele Jahre ist das Durchschnittsalter von Berufs- und Zeitsoldaten seit 2012 gestiegen. Damals, kurz nach dem Aussetzen der Wehrpflicht, lag es bei 30,3 Jahren, inzwischen sind diese Soldaten im Durchschnitt 33,4 Jahre alt.<\/p>\n<p>Was harmlos klingt, ist in Wahrheit besorgniserregend. Diese Entwicklung sei \u00bbmit Blick auf die Einsatzbereitschaft der Streitkr\u00e4fte wenig zweckdienlich\u00ab, schreibt die neue Wehrbeauftragte in ihrem ersten Jahresbericht, der an diesem Dienstag ver\u00f6ffentlicht wird. Der Trend d\u00fcrfe sich nicht \u00bbverstetigen\u00ab, warnt die Sozialdemokratin Eva H\u00f6gl, \u00bbwachsende Strukturen in \u00c4mtern, St\u00e4ben und im Ministerium tragen nicht zur Attraktivit\u00e4tssteigerung von Verwendungen in der Kampftruppe bei\u00ab.<\/p>\n<p>Eine alternde Truppe, die immer kopflastiger wird, schreckt zwar auch noch ab \u2013 aber eben nicht mehr den Russen, sondern vor allem Bewerber, also \u00bbk\u00f6rperlich uneingeschr\u00e4nkt einsetzbare, zumeist junge Soldatinnen und Soldaten\u00ab, die der Kampftruppe fehlen.<\/p>\n<h3>\u00dcberall fehlt Personal<\/h3>\n<p>Der Personalmangel der Bundeswehr ist inzwischen dramatisch. Ende 2020 waren mehr als 20.000 milit\u00e4rische Dienstposten in den h\u00f6heren Laufbahnen unbesetzt, jede f\u00fcnfte Kraft fehlte, und die Pandemie hat diese Entwicklung noch versch\u00e4rft. Im vergangenen Jahr wurden Corona-bedingt 19 Prozent weniger Frauen und M\u00e4nner eingestellt als im Vorjahr. Um die internen Ziele zumindest halbwegs einhalten zu k\u00f6nnen, versuchte die Truppe, bereits aktive Soldaten l\u00e4nger zu halten, \u00bbwas wiederum zur Folge hat, dass die Bundeswehr immer \u00e4lter wird\u00ab, schreibt H\u00f6gl.<\/p>\n<p>In einigen Bereichen fehle ein Drittel oder gar die H\u00e4lfte des erforderlichen Personals, und das schon seit Jahren. Die Bundeswehr nehme nicht nur Einbu\u00dfen bei der Auftragserf\u00fcllung in Kauf, hei\u00dft es in dem Bericht, \u00bbsie riskiert auch die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten, die den Mangel mit hohem pers\u00f6nlichem Einsatz auszugleichen versuchen und sich dabei verschlei\u00dfen\u00ab. Darunter leide die pers\u00f6nliche Motivation der Soldaten, \u00bbdie sich von ihrem Dienstherren alleingelassen f\u00fchlen\u00ab.<\/p>\n<p>Es fehlen vor allem die Spezialisten:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Beim Heer sind beim luftfahrttechnischen Personal die Dienstposten f\u00fcr Offiziere nur zu 60 Prozent besetzt.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Bei den Spezialpionieren fehlen 151 von 348 Unteroffizieren.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>In der ABC-Abwehrtruppe sind es sogar mehr als die H\u00e4lfte der Unteroffiziere.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Das gleiche Bild zeigt sich bei der Marine und der Sanit\u00e4t: Dort fehlen vor allem Fach\u00e4rzte \u2013 zw\u00f6lf von 28 Neurochirurgen und 121 von 499 Sanit\u00e4tsoffizieren in der Rettungs- und Notfallmedizin.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Besonders schlimm aber ist der Personalmangel in der Luftwaffe. Von den 220 Dienstposten f\u00fcr Jetpiloten sind nur 106, also weniger als die H\u00e4lfte, besetzt. Bei Hubschrauberpiloten sieht es nicht viel besser aus. Dort fehlen 48 Prozent des Personals. Der Frust bei Piloten, die fliegen wollen, aber nicht k\u00f6nnen, sei hoch, hei\u00dft es in H\u00f6gls Bericht:<\/p>\n<p><em>\u00bbEin Pilot schilderte, sein Lehrgang im Rahmen der Ausbildung am Waffensystem <\/em><em>Eurofighter<\/em><em> sei mehrfach wegen fehlender Ausbildungskapazit\u00e4ten im In- und Ausland verschoben worden. Insgesamt musste er 19 Monate auf den Ausbildungsabschnitt warten. Da er nach seiner Pilotenausbildung nicht auf dem Flugzeugmuster fliegen konnte, f\u00fcr das er den Flugschein erworben hatte, wurde ihm die Fliegerzulage aberkannt. Zudem verlor er seine Fluglizenz, weil er die vorgeschriebenen Flugstunden nicht absolvieren konnte.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Dramatisch ist die Lage in den Zentren f\u00fcr Cyberoperationen und Cybersicherheit. Dort fehlen die IT-Experten, und es gibt keine Aussicht auf Besserung. \u00bbDas ist alarmierend\u00ab, schreibt H\u00f6gl, \u00bbweil hier mit der F\u00e4higkeit zur Cyberverteidigung und Wirkung durch Computeroperationen eine Kernf\u00e4higkeit des Organisationsbereiches betroffen ist.\u00ab<\/p>\n<h3>Bundeswehr bleibt \u00bbM\u00e4nnerdom\u00e4ne\u00ab<\/h3>\n<p>Auch der Geheimdienst der Bundeswehr, der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD), hat akute Nachwuchsprobleme. Der Dienst soll deutlich gr\u00f6\u00dfer werden, um die wachsende Extremismusgefahr in der Truppe zu bek\u00e4mpfen, doch er findet keine Leute. \u00bbEin privater Arbeitsmarkt f\u00fcr Extremismusexperten existiert nicht\u00ab, hei\u00dft es in dem Bericht der Wehrbeauftragten, \u00bbund im \u00f6ffentlichen Sektor konkurriert das Bundesamt f\u00fcr den Milit\u00e4rischen Abschirmdienst mit den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder und dem ebenfalls in K\u00f6ln beheimateten Bundesamt f\u00fcr den Verfassungsschutz.\u00ab<\/p>\n<p>Eine Bev\u00f6lkerungsgruppe ist in der Truppe nach wie vor kaum vertreten. \u00bbAuch nach 20 Jahren hat die Bundeswehr im Hinblick auf den Frauenanteil ihre selbst gesteckten Ziele noch nicht ann\u00e4hernd erreicht\u00ab, schreibt H\u00f6gl. Am 11. Januar 2000 urteilte der Europ\u00e4ische Gerichtshof, dass die Regelung des Grundgesetzes, die Frauen den Dienst an der Waffe verbot, gegen europ\u00e4isches Recht versto\u00dfe. Laut Gesetz muss die Bundeswehr eine Frauenquote von 15 Prozent erreichen \u2013 tats\u00e4chlich sind es nur knapp neun. Nur bei der Sanit\u00e4t stellen Frauen inzwischen 45 Prozent.<\/p>\n<p>Eine \u00bbnicht unerhebliche Anzahl der Soldaten\u00ab sehe die Bundeswehr nach wie vor als \u00bbM\u00e4nnerdom\u00e4ne\u00ab an, kritisiert H\u00f6gl, die gleichzeitig lobt, dass sich die Streitkr\u00e4fte mit \u00bbfrauenfeindlichen Verhaltensweisen in den eigenen Reihen zunehmend ernsthaft und intensiv auseinandersetzen und strikte Ma\u00dfnahmen ergreifen, um dagegen vorzugehen\u00ab.<\/p>\n<p>Doch das reich nicht. Es seien weiterhin gro\u00dfe Bem\u00fchungen erforderlich, schreibt die Wehrbeauftragte, \u00bbum Frauen in der Bundeswehr wirklich zur Normalit\u00e4t werden zu lassen\u00ab.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Soldat im Impfzentrum in der K\u00f6lner Messe Foto:\u2002Christoph Hardt\/Geisler-Fotopres \/ picture alliance \/ Geisler-Fotopress Das Elend l\u00e4sst sich in einer Zahl zusammenfassen: 3,1. 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