{"id":605,"date":"2020-06-21T05:48:39","date_gmt":"2020-06-21T02:48:39","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/usa-kampf-gegen-rassismus-liberale-tun-sich-am-schwersten\/"},"modified":"2020-06-21T05:48:39","modified_gmt":"2020-06-21T02:48:39","slug":"usa-kampf-gegen-rassismus-liberale-tun-sich-am-schwersten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/usa-kampf-gegen-rassismus-liberale-tun-sich-am-schwersten\/","title":{"rendered":"USA &#8211; Kampf gegen Rassismus: \u201eLiberale tun sich am schwersten\u201c"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f8b2c792-6d0e-4e38-a91a-c48670f503df_w948_r1.77_fpx59.34_fpy45.jpg\" title=\"Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in Washington\" alt=\"Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in Washington\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in Washington<\/p>\n<p> Evan Vucci\/ dpa <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Frau DiAngelo, ist jeder Wei\u00dfe qua Geburt Rassist?<\/p>\n<p><strong>Di Angelo:<\/strong> Nicht qua Geburt. Jeder Wei\u00dfe ist Rassist durch die Sozialisation in einer rassistischen Kultur.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das ist eine ziemlich weitgehende Aussage.<\/p>\n<p><strong>DiAngelo: <\/strong>Es kommt darauf an, wie wir Rassismus definieren. Ich sage nicht, dass alle Wei\u00dfen ihre schwarzen Mitb\u00fcrger hassen und ihnen schaden wollen. Das w\u00e4re wirklich schockierend.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: Was meinen Sie dann?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Wir leben in einer Gesellschaft, zu deren Grundlage es geh\u00f6rt, dass Wei\u00dfe privilegiert sind. Das gilt f\u00fcr die USA, aber auch f\u00fcr Deutschland. Wir nehmen diese Privilegien in Anspruch, tun aber gleichzeitig so, als ob sie nicht existierten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Aber bestreiten denn so viele Wei\u00dfe noch, dass es f\u00fcr uns in vielerlei Hinsicht einfacher ist?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Wir glauben, dass unser Erfolg das Ergebnis harter Arbeit ist und nicht von Vorteilen, die wir wegen unserer Hautfarbe haben. Dabei ist klar, dass Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Sie sind \u00f6konomisch schlechter gestellt, sie haben eine geringere Lebenserwartung. Sie sind in allen Belangen benachteiligt. Das l\u00e4sst sich anders als durch Rassismus nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist jeder Wei\u00dfe automatisch ein Rassist, weil er in einer Gesellschaft lebt, die strukturell rassistisch ist?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Ja, weil Sie in einem ganzen Netzwerk von Ideen und \u00dcberzeugungen aufwachsen, weil die Sprache dieses System reflektiert, genauso wie es Filme oder Medien tun. Es ist nicht m\u00f6glich, davon nicht gepr\u00e4gt zu werden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL<\/strong>: W\u00fcrden Sie sagen, Sie sind Rassistin?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Ja. Aber m\u00f6glicherweise verstehen wir beide etwas anderes darunter. Ich pers\u00f6nlich bin davon \u00fcberzeugt, dass alle Menschen gleich sind. In diesem Sinne bin ich keine Rassistin. Aber auch ich habe Stereotype, ich habe Vorurteile und bin in bestimmten Situationen voreingenommen. Ich bin gepr\u00e4gt von einer Gesellschaft, die rassistische Ideen in mir eingepflanzt hat und von der ich profitiere. Das ist ein wichtiger Unterschied.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Ist Ihre Definition von Rassismus nicht eine Aufforderung zum Nichtstun &#8211; nach dem Motto: Ich kann nichts machen, ich bin ohnehin Rassist?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo: <\/strong>Im Gegenteil! Wir m\u00fcssen uns unsere Voreingenommenheit bewusst machen, damit sie nicht unser Verhalten bestimmt. Wenn eine Lehrerin ein schwarzes und ein wei\u00dfes Kind vor sich hat, die sich genau gleich verhalten, dann wird sie die Kinder trotzdem anders behandeln, auch wenn sie es nicht will. Das merkt sie selbst gar nicht. Das ist empirisch gut dokumentiert. Und wenn sie darauf beharrt, sie sei keine Rassistin, dann wird sich ihr Verhalten nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Jeder Wei\u00dfe muss sich also zun\u00e4chst seines eigenen Rassismus bewusst werden?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Ja, und das ist nicht einfach. Vor allem bei linksliberalen Wei\u00dfen. Mit Ihnen l\u00e4sst sich am schwersten \u00fcber Rassismus reden.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Warum?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Diese Leute w\u00fcrden nie bewusst etwas Rassistisches sagen oder rassistisch handeln. Aber wenn man sie darauf anspricht, dass sie genau das getan haben, ohne es zu wollen, dann reagieren sie verletzt oder \u00e4rgerlich.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie haben das &quot;wei\u00dfe Verletzlichkeit&quot; genannt. Aber gerade liberale Wei\u00dfe reden doch fortw\u00e4hrend \u00fcber Rassismus.<\/p>\n<p><strong>DiAngelo: <\/strong>Aber nicht \u00fcber den eigenen. F\u00fcr sie ist es entscheidend f\u00fcr die eigene Identit\u00e4t, nicht als Rassisten gesehen zu werden. Deshalb investieren sie alle ihre Energie darin, den eigenen Rassismus zu leugnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Gibt es einen Weg f\u00fcr Wei\u00dfe, den eigenen Rassismus zu \u00fcberwinden? Kann ein Wei\u00dfer irgendwann sagen, er sei kein Rassist mehr?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Nein, und das w\u00e4re auch nicht gut. Wenn ich einigen Wei\u00dfen diese M\u00f6glichkeit er\u00f6ffne, dann wird sich jeder Wei\u00dfe darauf berufen. Dann werden alle sagen, sie seien keine Rassisten. Und dann haben wir eine komplett rassistische Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie reden \u00fcber wei\u00dfe Privilegien. Was sagen sie einem Arbeitslosen in den fr\u00fcheren Industrieregionen des mittleren Westens, der \u00f6konomisch am unteren Ende der Skala lebt und dessen Lebenserwartung statistisch gesehen sogar sinkt?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong>  Ich w\u00fcrde ihm sagen, dass er einige gro\u00dfe Hindernisse in seinem Leben zu \u00fcberwinden hat, aber eines nicht, und das ist Rassismus. Ich w\u00fcrde ihm auch sagen, dass er ein Mann ist und von einem patriarchalischen System profitiert hat. Eine schwarze Frau in seiner Situation h\u00e4tte die gleichen Probleme, und sie m\u00fcsste zudem gegen Rassismus und Patriarchalismus ank\u00e4mpfen. Ich bin in Armut aufgewachsen. Wei\u00df zu sein hat mir dabei geholfen, damit umzugehen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie schreiben, Sie wollten nicht, dass sich die Wei\u00dfen schuldig f\u00fchlen. Wie soll das gehen, wenn man gerade als Rassist \u00fcberf\u00fchrt worden ist?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Es geht mir vor allem darum, die Leute zum Handeln zu motivieren. Sie sollen ihr Schuldgef\u00fchl nicht als Ausrede daf\u00fcr benutzen, unt\u00e4tig zu bleiben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist es eine kluge Kommunikationsstrategie zu sagen, alle Wei\u00dfen sind Rassisten?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Unter strategischen Gesichtspunkten vielleicht nicht. Aber wir leben in einer Zeit, in der die Frage des Rassismus f\u00fcr viele Menschen eine neue Dringlichkeit angenommen hat. Sie haben es satt, strategisch vorzugehen und wieder auf wei\u00dfe Sensibilit\u00e4ten R\u00fccksicht nehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Es geht doch um die Frage, wie man die rassistischen Strukturen ver\u00e4ndert, die Sie kritisieren. In einer Demokratie braucht man dazu eine Mehrheit, und das hei\u00dft, auch viele Wei\u00dfe. Sind strategische Fragen nicht wichtig?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo:<\/strong> Es gibt ja verschiedene Wege, das Problem anzugehen, und einer davon wird hoffentlich funktionieren. Mein Buch ist weltweit erfolgreich, also funktioniert mein Ansatz offenbar nicht so schlecht. Aber wer ihn nicht mag, f\u00fcr den gibt es auch schonendere.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Was unterscheidet die gegenw\u00e4rtigen Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt von denen, die periodisch in den USA immer wieder ausbrechen, zuletzt vor sechs Jahren nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo: <\/strong>Ich habe zun\u00e4chst einmal nicht den Eindruck, dass die wei\u00dfe Bev\u00f6lkerung sich besonders an der Ungleichheit st\u00f6rt, die Schwarze erfahren, wenn es Nachteile oder Unannehmlichkeiten f\u00fcr uns mit sich bringt. Wie viele unbewaffnete Schwarze m\u00fcssen vor unseren Augen ermordet werden, damit wir etwas tun?<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Es bleibt also alles beim Alten?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo<\/strong>: Ich habe die Hoffnung, dass es diesmal anders ist. Es scheint jetzt ernsthaft dar\u00fcber nachgedacht zu werden, wie man an den Zust\u00e4nden etwas \u00e4ndern kann. Ich h\u00e4tte es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass demokratische Pr\u00e4sidentschaftskandidaten auf der B\u00fchne \u00fcber Reparationen f\u00fcr die Nachkommen versklavter Afrikaner diskutieren. Oder dass Moderatoren im Mainstream-Fernsehen \u00fcber strukturellen Rassismus reden. Das gab es vorher nicht.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL: <\/strong>Unter denen, die derzeit \u00fcberall in den USA gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstrieren, sind auch viele Wei\u00dfe. Ist das gut, oder wollen die nur zeigen, dass sie keine Rassisten sind?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo: <\/strong>Das ist sehr ermutigend und wichtig. Es muss allerdings weitergehen, wenn die Kameras nicht mehr da sind. Werden wir dann weiterk\u00e4mpfen, politisch und in unserem eigenen Umfeld? Darauf wird es ankommen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sie glauben, die Dinge k\u00f6nnten sich \u00e4ndern?<\/p>\n<p><strong>DiAngelo: <\/strong>Ich bin vorsichtig optimistisch.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in Washington Evan Vucci\/ dpa SPIEGEL: Frau DiAngelo, ist jeder Wei\u00dfe qua Geburt Rassist? Di Angelo: Nicht qua Geburt. 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