{"id":6026,"date":"2021-02-21T05:52:48","date_gmt":"2021-02-21T02:52:48","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-der-conni-kinderbuch-reihe-conni-und-die-querdenker\/"},"modified":"2021-02-21T05:52:48","modified_gmt":"2021-02-21T02:52:48","slug":"coronavirus-in-der-conni-kinderbuch-reihe-conni-und-die-querdenker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-der-conni-kinderbuch-reihe-conni-und-die-querdenker\/","title":{"rendered":"Coronavirus in der Conni-Kinderbuch-Reihe: Conni und die Querdenker"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/7e461bf0-b58c-4c02-83b5-f8a1f28a313f_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\" title=\"Kinderbuchheldin Conni: Stromlinienf\u00f6rmige Vorabendserienhaftigkeit\" alt=\"Kinderbuchheldin Conni: Stromlinienf\u00f6rmige Vorabendserienhaftigkeit\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kinderbuchheldin Conni: Stromlinienf\u00f6rmige Vorabendserienhaftigkeit<\/p>\n<p>  Foto:\u2002DER SPIEGEL  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Praktisch am paranoiden \u00bbQuerdenken\u00ab ist es offenbar, hinter jeder Ecke neue Nahrung f\u00fcr die eigene Erregungsbereitschaft zu finden. Wer ohnehin gereizt ist, l\u00e4sst sich gerne reizen. Und wer \u00fcberall Verschw\u00f6rung wittert, sieht \u00fcberall Verschw\u00f6rer. Nun hat es, weil gerade Unschuld besonders verd\u00e4chtig ist, mit Conni Klawitter endlich die Unschuld schlechthin erwischt.<\/p>\n<p>Conni, Conni mit der roten Schleife im Haar, genau diese Conni ist f\u00fcnf, nach \u00fcber einem Vierteljahrhundert umst\u00e4ndehalber auch mal f\u00fcnfzehn Jahre alt, und \u00bbeinfach wunderbar\u00ab. Nat\u00fcrlich ist sie \u00bbauch in der Schule gut\u00ab, was sie selbst aber mit sympathischer Bescheidenheit einschr\u00e4nkt: \u00bbNaja, jedenfalls meistens.\u00ab<\/p>\n<h3>Unter versch\u00e4rfter ideologischer Beobachtung<\/h3>\n<p>In der j\u00fcngsten Ausgabe (\u00bbConni macht Mut\u00ab) geht es um die Pandemie, in Umlauf gebracht mit einer Startauflage von 20.000 Exemplaren. In dem B\u00fcchlein l\u00e4sst sich das Kind die Krankheit erkl\u00e4ren, videotelefoniert mit den Gro\u00dfeltern, vermisst seine Freunde \u2013 und betreibt damit aus Sicht der Leugner eine \u00bbperfide Manipulation\u00ab der J\u00fcngsten, mithin \u00bbStaatspropaganda\u00ab.<\/p>\n<p>Bem\u00e4kelt wird nicht nur der Umstand, dass das Virus, anders als im \u00bb\u00c4rzteblatt\u00ab oder Studien des Max-Planck-Insituts, im Kinderbuch \u00bbunrealistisch\u00ab dargestellt ist. Es wird, fahrl\u00e4ssiger noch, dem Nachwuchs die Pandemie tats\u00e4chlich als ansteckende, t\u00f6dliche Krankheit geschildert. Wenn das keine Indoktrination durch finstere M\u00e4chte ist, was dann?<\/p>\n<p>So steht es jedenfalls in emp\u00f6rten Besprechungen auf Amazon, und so muss sich auch ein rechtsdusseliger Youtuber echauffiert haben. Dessen Wut fand, wie immer, in den einschl\u00e4gigen Foren freudige Verbreitung \u2013 mit der \u00fcblichen Eskalation bis hin zu \u00bbDrohbriefen\u00ab oder \u00bbMorddrohungen\u00ab.<\/p>\n<p>Deren vielfach kolportierte Existenz will der Carlsen-Verlag, bei dem auch die einschl\u00e4gigen Pixi-B\u00fccher erscheinen, auf Anfrage nicht best\u00e4tigen. Hier h\u00e4lt man lieber den Ball flach.<\/p>\n<p>Dabei stehen literarische oder journalistische Welterkl\u00e4rungen von \u00bbLogo\u00ab bis \u00bbPipi Langstrumpf\u00ab gegenw\u00e4rtig unter versch\u00e4rfter ideologischer Beobachtung. Schlie\u00dflich geht es \u00bbum die Kinder\u00ab und damit die Zukunft \u2013 auch wenn diese Kinder oft nur Chiffren oder Strohp\u00fcppchen f\u00fcr ideologische Anspr\u00fcche von rechts wie links sind.<\/p>\n<p>Von rechtsbesoffener Seite gab es bislang selten Grund zur Klage \u00fcber Conni. Das hier propagierte Lebensmodell ist so konservativ, dass es knirscht. Mutter und Vater sind gesetzt, die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern herk\u00f6mmlich. In dieser Welt gilt es schon als progressiv, dass ein M\u00e4dchen gegen einen Fu\u00dfball treten kann.<\/p>\n<h3>Weltweiter Erfolg<\/h3>\n<p>Kurioserweise hat die stromlinienf\u00f6rmige Vorabendserienhaftigkeit der kleinen Kartoffel zu ihrem weltweiten Erfolg beigetragen \u2013 mit der \u00fcblichen Diversifizierung des Produkts. Es gibt sie als Puppe, Bilderbuch, H\u00f6rspiel, Zeichentrick, Musical, Kinofilm (Emma Schweiger) \u2013 fehlt nur noch \u00bbConni on Ice\u00ab.<\/p>\n<p>Annette Klawitter, die Mutter, ist \u00bbgeduldig und ordentlich\u00ab und k\u00fcmmert sich um die Kinder, auch beruflich. Als Kinder\u00e4rztin ist sie eine approbierte Kinderk\u00fcmmererin, und toll kochen kann sie auch. Vater J\u00fcrgen hingegen hockt oft lange im B\u00fcro, er ist selbstredend Ingenieur und Statiker, kennt sich toll mit Zahlen aus und bringt in der K\u00fcche h\u00f6chstens Nudeln zustande.<\/p>\n<p>Conni selbst entspricht dem Ideal des wohlgeratenden T\u00f6chterchens, das seinen idealen Eltern, mit denen es ein ideales Einfamilienhaus mit Garten bewohnt, keinerlei Sorgen bereitet. Diese Eltern bestehen im Prinzip nur aus schmunzelndem Verst\u00e4ndnis und sind ein Abbild der Gro\u00dfeltern, wie auch Conni und ihr kleiner Bruder Jakob dereinst Abbilder ihrer Eltern sein werden. Sogar ihr Kater Mau kann seinen Namen sagen: \u00bbMau\u00ab.<\/p>\n<h3>Keine M\u00fcdigkeit, keinen Stress, keine \u00dcberforderung<\/h3>\n<p>Harmlosigkeit und Stumpfsinn sind benachbart, und das wiederholte Vorlesen der immergleichen Geschichtchen (Conni erlebt etwas Neues und bew\u00e4ltigt es mit Bravour) stellt selbst den Gewogensten auf eine harte Probe. Nicht den Urheberinnen, aber der Kunstfigur hat schon so manche Mutter das denkbar \u00dcbelste an den Hals gew\u00fcnscht \u2013 beispielsweise eine 4 in Mathematik.<\/p>\n<p>Conni lernt backen und Freunde kennen, geht zelten oder zum Arzt, kommt in den Kindergarten oder in die Bredouille (und da schnell wieder heraus). Ihre Allzeitbereitschaft macht sie sehr beliebt: \u00bbNa klar, Leute, ich bin dabei!\u00ab. Es gibt keine M\u00fcdigkeit, keinen Stress, keine \u00dcberforderung und, nebenbei, auch keine finanziellen Sorgen weit und breit. Es geht auf den Reiterhof und zum Urlaub nach Kreta.<\/p>\n<p>Kindern mag diese heile Welt eine Orientierung bieten, eine grobe Marschrichtung vorgeben. Da soll&#039;s hingehen mit der pr\u00e4chtigen Entwicklung! Vorlesende Eltern hingegen kann die homogene Fehlerlosigkeit dieser bonbonblonden Welt in den Wahnsinn, wahlweise auch in die Depression treiben.<\/p>\n<p>Conni ist eine Normalit\u00e4tsmaschine. Und die Norm, die sie produziert, ist eine erzb\u00fcrgerliche, in der es keine Anarchie und Diversit\u00e4t nur in hom\u00f6opathischen Dosen gibt. Das B\u00f6se gibt es nicht, h\u00f6chstes das Doofe, und doofe Kinder strecken Conni die Zunge heraus und sind so doof wie ihre Eltern, das steckt in der Familie.<\/p>\n<p>Abweichendes ist erst 2020 durch das Virus in die Reihe eingedrungen \u2013 und ruft prompt Protest an einem reaktion\u00e4ren Rand hervor, der sich an der Norm normalerweise nicht st\u00f6rt. Er setzt diese Norm und entspricht ihr in der Regel sehr gerne. Umso faszinierender, wie ernst Conni von ihren \u00bbKritikern\u00ab genommen wird.<\/p>\n<p>Kinder jedenfalls sind durchaus in der Lage, von der Kunstfigur zu abstrahieren und einen erhellenden Abgleich mit der eigenen Lebenswelt herzustellen. W\u00e4hrend Eltern noch mit den Augen rollen, machen ihre Leserinnen sich l\u00e4ngst lustig \u00fcber die kleine Streberin mit der Schleife im Haar.<\/p>\n<p>Naja, jedenfalls meistens.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kinderbuchheldin Conni: Stromlinienf\u00f6rmige Vorabendserienhaftigkeit Foto:\u2002DER SPIEGEL Praktisch am paranoiden \u00bbQuerdenken\u00ab ist es offenbar, hinter jeder Ecke neue Nahrung f\u00fcr die eigene Erregungsbereitschaft zu finden. Wer ohnehin gereizt ist,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":6027,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6026","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6026\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6027"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}