{"id":6002,"date":"2021-02-20T02:38:07","date_gmt":"2021-02-19T23:38:07","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-todesfalle-jeder-tag-eine-katastrophe\/"},"modified":"2021-02-20T02:38:07","modified_gmt":"2021-02-19T23:38:07","slug":"corona-todesfalle-jeder-tag-eine-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-todesfalle-jeder-tag-eine-katastrophe\/","title":{"rendered":"Corona-Todesf\u00e4lle: Jeder Tag eine Katastrophe"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f9908f92-79fd-48bc-b0c1-ed0a7b3d9a7f_w948_r1.77_fpx49_fpy62.jpg\" title=\"Patient auf einer Corona-Intensivstation in Stuttgart, 4. Januar 2021\" alt=\"Patient auf einer Corona-Intensivstation in Stuttgart, 4. Januar 2021\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Patient auf einer Corona-Intensivstation in Stuttgart, 4. Januar 2021<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Sebastian Lock \/ laif  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Coronavirus mutet den Menschen einiges zu, jetzt schon gut ein Jahr lang. Die Aussichten aktuell: eher verhalten. \u00bbDeutschland steht vor acht bis zehn sehr harten Wochen\u00ab, sagte Kanzlerin Angela Merkel Mitte Januar. Da sind wir also mittendrin. Irgendwo um Ostern herum sollte es demnach weniger hart werden. Hofft man jedenfalls, wegen der Mutanten ist die Lage schwer einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Die t\u00e4glichen Corona-Themen, in den vergangenen und vermutlich auch den kommenden Tagen: Impfstoffe, Mutationen, Schnelltests, Corona-Leugner, NoCovid und immer wieder der Shutdown mit seinen vielf\u00e4ltigen negativen Folgen f\u00fcr Familien, f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, f\u00fcr die Wirtschaft, f\u00fcrs allgemeine Wohlbefinden, genaugenommen f\u00fcr alles und jeden. Immerhin lockt bald wieder der Besuch beim Friseur beziehungsweise bei der Friseurin.<\/p>\n<p>Was dabei in den Hintergrund ger\u00e4t: die tats\u00e4chliche Krankheit Covid-19 mit ihren unmittelbaren Folgen. Die vielen Menschen, die an Covid-19 erkranken, die vielen Menschen, die langfristig schwere Folgen davongetragen haben oder daran gestorben sind.<\/p>\n<h3>Covid-19 kann auch Herz, Hirn, Nieren und den Magen-Darm-Trakt angreifen<\/h3>\n<p>Wer eine Auffrischung braucht: Covid-19 ist die Krankheit, die infolge einer Coronavirus-Infektion ausbrechen kann. Nicht jeder, der sich mit dem Virus ansteckt, wird krank. Sch\u00e4tzungsweise 30 Prozent der Infektionen verlaufen ohne Symptome. Die Betroffenen merken gar nicht, dass ihr K\u00f6rper gerade das Coronavirus bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Bei gut der H\u00e4lfte der Infizierten ist der Verlauf mild bis moderat. Dahinter steckt eine gro\u00dfe Spannbreite: Ein paar Tage mit Husten k\u00f6nnen es sein, aber auch mehrere Wochen mit Husten, Atembeschwerden, Fieber, Geruchs- und Geschmacksverlust. Der Verlust des Geruchssinns ist ein recht h\u00e4ufiges Symptom bei Corona-Infektionen. Wie genau die Symptome der Betroffenen aussehen, die in Deutschland in die Kategorie mild bis moderat fallen, ist nirgends genau erfasst, wir wissen also nicht, wie viele Menschen mehrere Wochen flachliegen oder blo\u00df zwei Tage etwas h\u00fcsteln.<\/p>\n<p>Etwa 15 Prozent der Betroffenen erkranken so schwer, dass sie ins Krankenhaus m\u00fcssen. Dieser Anteil h\u00e4ngt vom Durchschnittsalter der Erkrankten ab, denn mit dem Alter steigt das Risiko f\u00fcr einen schweren Verlauf.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Schwere der akuten Erkrankung k\u00f6nnen Betroffene noch Wochen und Monate nach der Infektion gesundheitlich angeschlagen sein. Long-Covid nennt man dieses Ph\u00e4nomen. So k\u00e4mpften etwa drei Viertel der Genesenen in Wuhan nach einem halben Jahr noch mit M\u00fcdigkeit, Muskelschw\u00e4che, Schlafst\u00f6rungen, Depressionen oder Angstst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>In anderen Studien beschreiben Menschen noch Monate nach einer Corona-Infektion, dass sie an Atemnot oder Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Genesen hei\u00dft im Fall von Corona leider nicht immer: gesund.<\/p>\n<p>Eine akute Covid-19-Erkrankung, das wei\u00df man nach gut einem Jahr Pandemie, kann nicht nur die Lunge schwer sch\u00e4digen, sondern auch Gehirn, Nervensystem, Herz, Magen-Darm-Trakt und Nieren beeintr\u00e4chtigen. Die Krankheit kann die Gerinnung au\u00dfer Kontrolle bringen, sodass Thrombosen, Lungenembolien oder zahlreiche kleine Gerinnsel entstehen. Nicht nur das Virus ist ein Problem, das eigene Immunsystem kann eines werden. Denn es kann bei einem sogenannten Zytokinsturm dramatisch erh\u00f6hte Mengen von Botenstoffen aussch\u00fctten, die dann Organe sch\u00e4digen, statt die Heilung zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Ein \u00bbschwerer Verlauf\u00ab hei\u00dft bei Covid in vielen F\u00e4llen: Die Atmung beziehungsweise die Lungen der Betroffenen sind so stark beeintr\u00e4chtigt, dass ihr K\u00f6rper nicht mehr genug Sauerstoff bekommt. Damit die Menschen nicht ersticken, ist dann oft eine invasive Beatmung der letzte Ausweg, die ein durch Medikamente herbeigef\u00fchrtes Koma notwendig macht. In besonders schweren F\u00e4llen ist es sogar notwendig, dass ein externes Ger\u00e4t die Arbeit der Lunge, das Atmen, \u00fcbernimmt. Bei dieser sogenannten Ecmo wird das Blut \u00fcber eine Kan\u00fcle aus dem K\u00f6rper in ein Ger\u00e4t geleitet, das dem Blut Kohlendioxid entzieht und es mit Sauerstoff anreichert.<\/p>\n<p>Die Betroffenen m\u00fcssen meist viele Tage auf der Intensivstation mit k\u00fcnstlicher Beatmung oder Ecmo verbringen. Die Strapazen dieser Behandlung hinterlassen Spuren: Die Menschen bauen Muskeln ab, verlernen das Atmen, entwickeln Schluckbeschwerden, sind langfristig ersch\u00f6pft. Sie brauchen eine Reha, um so viel ihrer Gesundheit zur\u00fcckzuerlagen wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Aber knapp 30 Prozent der Schwerkranken auf der Intensivstation sterben, trotz des kr\u00e4ftezehrenden Einsatzes von Pflegekr\u00e4ften, \u00c4rztinnen und \u00c4rzten. In der \u00bbtaz\u00ab sagte ein Reha-Arzt: \u00bbSo makaber das ist, wenn nicht so viele sterben w\u00fcrden, w\u00e4ren wir in den Rehakliniken l\u00e4ngst v\u00f6llig \u00fcberfordert.\u00ab Und: Ja, solche Gedanken m\u00fcsse man \u00bbwirklich erst mal verstoffwechseln\u00ab. Allerdings.<\/p>\n<h3>Ein Teil der Intensivbetten wird frei, weil Menschen gestorben sind<\/h3>\n<p>Wer regelm\u00e4\u00dfig auf eine weitere Kennzahl der Pandemie schaut, die \u00bbfreien Intensivbetten\u00ab, sollte sich auch klarmachen, dass ein relevanter Teil dieser Betten wieder frei geworden ist, weil ein Mensch gestorben ist. Wer \u00bbmehr Intensivbetten\u00ab fordert, um die Beschr\u00e4nkungen aufheben zu k\u00f6nnen, verkennt nicht nur, dass Betten allein nichts nutzen, weil auch Menschen n\u00f6tig sind, die die Kranken pflegen und verarzten k\u00f6nnen. Sondern er oder sie nimmt in dieser Rechnung auch schlicht weitere Todesf\u00e4lle in Kauf.<\/p>\n<p>Die Verstorbenen sind in der Berichterstattung oft nur eine Zahl, t\u00e4glich gemeldet, sobald das Robert Koch-Institut die aktuelle Statistik zu Corona-Neuinfektionen und Toten ver\u00f6ffentlicht. 580 Todesf\u00e4lle, 534, 560, 528, 116, 218, 551, 556, 666, 813 und so weiter. Tag f\u00fcr Tag. Man sieht Kurven und Diagramme mit diesen Zahlen. Das sind keine B\u00f6rsencharts, keine Klimadiagramme. Jede Eins ist ein gestorbener Mensch. Jede Eins bedeutet trauernde Angeh\u00f6rige und Freunde.<\/p>\n<p>Der SPIEGEL hat im Oktober 50 Nachrufe auf Menschen ver\u00f6ffentlicht, die durch Covid-19 gestorben sind. Nur ein kleiner Blick auf einige der vielen Schicksale. Und ja, die meisten Menschen, die \u00bbim Zusammenhang mit Corona\u00ab sterben, sterben <em>an<\/em> Covid-19 und nicht <em>mit<\/em> Covid-19. Auch wenn viele von ihnen alt waren und schon Vorerkrankungen hatten, hatten sie noch Lebensjahre vor sich, die ihnen durch die Krankheit genommen wurden. Zu den Vorerkrankungen z\u00e4hlt \u00fcbrigens Bluthochdruck, rund 19 Millionen gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland haben diese Diagnose.<\/p>\n<p>Am 2. Dezember sagte Bernd B\u00f6ttiger, Direktor der Klinik f\u00fcr An\u00e4sthesiologie der Uniklinik K\u00f6ln, dem SPIEGEL: \u00bbMittlerweile sterben hierzulande jeden Tag Hunderte Menschen, am Dienstag waren es 487. Das ist so, als w\u00fcrde bei uns jeden Tag ein Jumbojet abst\u00fcrzen.\u00ab<\/p>\n<p>Zwischen dem 2. Dezember und dem 17. Februar wurden t\u00e4glich in Deutschland im Schnitt 635 Todesf\u00e4lle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet. Tagt\u00e4glich deutlich mehr als ein Jumbojet. Vielleicht hilft dieses Bild, sich zu verdeutlichen, welche schreckliche Wucht diese Krankheit hat \u2013 und das sogar trotz aller Ma\u00dfnahmen, die daf\u00fcr gesorgt haben, dass sich in Deutschland weitaus weniger Menschen mit dem Coronavirus angesteckt haben, als sich ohne Shutdown oder Maskenpflicht infiziert h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Und erinnert daran, dass nicht die Ma\u00dfnahmen das grundlegende Problem sind, sondern das Virus und die Krankheit, die es ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Patient auf einer Corona-Intensivstation in Stuttgart, 4. Januar 2021 Foto:\u2002Sebastian Lock \/ laif Das Coronavirus mutet den Menschen einiges zu, jetzt schon gut ein Jahr lang. 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