{"id":5994,"date":"2021-02-19T18:23:49","date_gmt":"2021-02-19T15:23:49","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-was-es-mit-der-kruden-corona-studie-der-uni-hamburg-auf-sicht-hat\/"},"modified":"2021-02-19T18:23:49","modified_gmt":"2021-02-19T15:23:49","slug":"coronavirus-was-es-mit-der-kruden-corona-studie-der-uni-hamburg-auf-sicht-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-was-es-mit-der-kruden-corona-studie-der-uni-hamburg-auf-sicht-hat\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Was es mit der kruden Corona-Studie der Uni Hamburg auf sicht hat"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/16263fa9-5802-41c4-a117-cc75002c0c64_w948_r1.77_fpx55_fpy50.jpg\" title=\"Universit\u00e4t Hamburg: Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Unterst\u00fctzung des Pr\u00e4sidenten\" alt=\"Universit\u00e4t Hamburg: Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Unterst\u00fctzung des Pr\u00e4sidenten\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Universit\u00e4t Hamburg: Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Unterst\u00fctzung des Pr\u00e4sidenten<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Henning Angerer \/ Hoch Zwei Stock \/ imago images  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Am Donnerstag hat die Exzellenzuniversit\u00e4t Hamburg eine Pressemitteilung ver\u00f6ffentlicht, die ihrem Ruf nicht zutr\u00e4glich sein d\u00fcrfte: Der Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger habe den Ursprung des Coronavirus \u00bbbeleuchtet\u00ab, hie\u00df es darin. Wer weiterliest, dem geht allerdings keinesfalls ein Lichtlein auf.<\/p>\n<p>Im Text findet sich eine Ansammlung angeblich \u00bbschwerwiegender Indizien\u00ab, die f\u00fcr einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der gegenw\u00e4rtigen Pandemie sprechen sollen. Vorangeschoben ist eine Einschr\u00e4nkung seitens der Pressestelle, die die Frage aufwirft, warum es die Mitteilung \u00fcberhaupt gibt.<\/p>\n<p>\u00bbDie Studie\u00ab liefere \u00bbkeine hochwissenschaftlichen Beweise\u00ab, hei\u00dft es da. Das soll wohl suggerieren, dass sie trotzdem noch wissenschaftlich sind, aber eben nicht hochwissenschaftlich. Klickt man allerdings auf den Link zur Original-Arbeit, stellt man fest: Es handelt sich nicht nur um keine hochwissenschaftliche Studie, sondern um gar keine.<\/p>\n<h3>Ver\u00f6ffentlicht im Wissenschafts-Facebook<\/h3>\n<p>Wiesendanger hat schlicht ein PDF, versehen mit dem offiziellen Briefkopf der Universit\u00e4t Hamburg, auf der Plattform ResearchGate hochgeladen. Die Seite ist eine Art Facebook f\u00fcr Wissenschaftler, ein soziales Netzwerk, auf dem sie ihre Forschung pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Eine systematische, inhaltliche Pr\u00fcfung der Arbeiten, wie sie f\u00fcr in anerkannten Fachmagazinen publizierte Studien \u00fcblich ist, findet nicht statt.<\/p>\n<p>Nun wurden in der Corona-Pandemie viele Studien vorab ohne Pr\u00fcfung ver\u00f6ffentlicht. Das allein ist kein K.-o.-Kriterium, allerdings auch nicht das einzige Problem mit der Arbeit. Um es mit den Worten der Pressestelle zu sagen: Die Umst\u00e4nde, unter denen die Arbeit erschienen ist, liefern \u00bbkeine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber zahlreiche und schwerwiegende Indizien\u00ab, dass es sich um wissenschaftlichen Unfug handelt.<\/p>\n<p>Dem Professor scheint das durchaus bewusst zu sein. Bei \u00bbZDFheute\u00ab erkl\u00e4rte er dann auch, seine Arbeit sei \u00bbnicht f\u00fcr die Wissenschaftscommunity, sondern f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit\u00ab bestimmt. Das ergibt durchaus Sinn, denn einer fachlichen Pr\u00fcfung w\u00fcrde das \u2013 untypisch f\u00fcr wissenschaftliche Facharbeiten \u2013 auf deutsch verfasste Papier in keinster Weise standhalten. Man k\u00f6nnte gar behaupten, hier m\u00f6chte jemand Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlern eine pseudowissenschaftliche Grundlage liefern.<\/p>\n<h3>Eine Einzel-Interpretation<\/h3>\n<p>Die Basis daf\u00fcr bildet ein buntes Sammelsurium ser\u00f6ser und unseri\u00f6ser Quellen. Es sind ernst zu nehmende Studien darunter, Wiesendanger verweist aber auch auf den \u00bbFocus\u00ab, YouTube-Videos, Twitter und Verschw\u00f6rungstheoretiker-Seiten, teils auch vom rechten Rand. Bei \u00bbZDFheute\u00ab erkl\u00e4rte er unverbl\u00fcmt: \u00bbIm Prinzip h\u00e4tte das jeder Journalist so herausfinden k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>Mehrwert liefert seine 105-seitige Ausarbeitung dann auch kaum. Die seri\u00f6sen Quellen werden bereits seit Monaten in der Fachwelt diskutiert. Unter anderem untersucht eine Expertengruppe der WHO, um die es zugegebenerma\u00dfen auch einigen Hickhack gab, den Ursprung der Pandemie. Auch sie kann einen Laborunfall nicht ausschlie\u00dfen, h\u00e4lt ihn nach einer Indizien-Pr\u00fcfung im Gegensatz zu Wiesendanger jedoch f\u00fcr unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>Nun kann man argumentieren, dass es sich um einen Forscherstreit handelt und jede Sichtweise geh\u00f6rt werden sollte. Allerdings besteht ein grundlegender Unterschied zwischen der WHO-Expertengruppe und Wiesendanger.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die WHO-Gruppe aus rund einem Dutzend ausgewiesener Medizin-, Pandemie- und Zoonosen-Fachleute besteht, handelt es sich bei Wiesendanger um einen Forscher, der keinerlei Expertise auf dem Gebiet aufweist. Man k\u00f6nnte auch sagen: um die Meinung irgendeiner Einzelperson. Die Fachexpertise des Professors liegt in den Nanowissenschaften, genauer gesagt der Rastertunnelmikroskopie.<\/p>\n<h3>Ein Argument, zwei unterschiedliche Schlussfolgerungen<\/h3>\n<p>Wie unterschiedlich die echten Experten und der fachfremde Professor dann auch die Faktenlage bewerten, zeigt ein Beispiel besonders eindr\u00fccklich.<\/p>\n<p>So argumentiert Wiesendanger, dass im Gegensatz zu fr\u00fcheren Coronavirus-Pandemien wie Sars und Mers noch kein Zwischenwert gefunden worden sei, also kein Tier, von dem aus der aktuelle Erreger Sars-CoV-2 direkt auf den Menschen \u00fcbergesprungen sein k\u00f6nnte. Daraus schlussfolgert er, diese Zoonose-Theorie als m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Pandemie besitze keine fundierte wissenschaftliche Grundlage.<\/p>\n<p>Die WHO-Experten argumentieren jedoch genau umgekehrt: Da bereits die beiden anderen pandemischen Coronaviren Sars und Mers mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit \u00fcber tierische Zwischenwirte auf den Menschen \u00fcbergesprungen sind, h\u00e4lt sie dies auch beim neuen Coronavirus Sars-CoV-2 f\u00fcr wahrscheinlich. Die Laborthese will sie nach einigem Hin und Her aber weiter untersuchen.<\/p>\n<p>Beim Sars-Ausbruch 2002\/2003 hatten sich weltweit etwa 8000 Menschen infiziert, etwa zehn Prozent starben. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass Schleichkatzen oder Marderhunde das damalige Virus, das \u00e4hnlich wie Sars-CoV-2 seinen Ursprung wohl in Flederm\u00e4usen hat, an den Menschen weitergebenen haben. Der Mers-Erreger, der im Menschen zwischenzeitlich vor allem auf der arabischen Halbinsel auftrat, wurde in Dromedaren als Zwischenwirten nachgewiesen.<\/p>\n<h3>Von oberster Stelle geadelt<\/h3>\n<p>Die Universit\u00e4t Hamburg scheint das unwissenschaftliche Vorgehen ihres Professors nicht zu st\u00f6ren. Laut Wiesendanger hat er seine Ver\u00f6ffentlichung gar gemeinsam mit dem Pr\u00e4sidenten Dieter Lenzen geplant. Beide h\u00e4tten damit gerechnet, dass man sie als Reaktion in die Ecke von Verschw\u00f6rungstheorien stellen werde. Lenzens Amtszeit als Pr\u00e4sident endet in etwa einem Jahr.<\/p>\n<p>Auf Anfrage des SPIEGEL formuliert die Universit\u00e4t etwas zur\u00fcckhaltender: \u00bbDie Hochschulleitung und die Pressestelle der Universit\u00e4t Hamburg \u00fcben keine Zensur zu Forschungsgegenst\u00e4nden und -ergebnissen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus\u00ab, erkl\u00e4rt eine Sprecherin. Forscherinnen und Forscher seien vielmehr zur Publikation ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse verpflichtet.<\/p>\n<p>Das ist richtig, bedenkt man, dass deren Arbeit aus Steuergeldern finanziert wird. Die Frage bleibt jedoch, ob es sich bei dem aktuellen Papier \u00fcberhaupt um ein wissenschaftliches Ergebnis handelt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Universit\u00e4t Hamburg: Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Unterst\u00fctzung des Pr\u00e4sidenten Foto:\u2002Henning Angerer \/ Hoch Zwei Stock \/ imago images Am Donnerstag hat die Exzellenzuniversit\u00e4t Hamburg eine Pressemitteilung ver\u00f6ffentlicht, die ihrem<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5995,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5994","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5994"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5994\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5994"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5994"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}