{"id":5968,"date":"2021-02-18T14:59:00","date_gmt":"2021-02-18T11:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-grosbritannien-wie-kate-bingham-das-britische-impfprogramm-beschleunigte\/"},"modified":"2021-02-18T14:59:00","modified_gmt":"2021-02-18T11:59:00","slug":"coronavirus-in-grosbritannien-wie-kate-bingham-das-britische-impfprogramm-beschleunigte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-grosbritannien-wie-kate-bingham-das-britische-impfprogramm-beschleunigte\/","title":{"rendered":"Coronavirus in Gro\u00dfbritannien: Wie Kate Bingham das britische Impfprogramm beschleunigte"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/a71027f7-1304-471f-a69d-09a716f3b064_w948_r1.77_fpx47.9_fpy54.99.jpg\" title=\"Kate Bingham war zun\u00e4chst unsicher, ob sie bei der Impfstoffbeschaffung mit ihrem beruflichen Hintergrund weiterhelfen k\u00f6nnte \u2013 diese Sorge war unbegr\u00fcndet\" alt=\"Kate Bingham war zun\u00e4chst unsicher, ob sie bei der Impfstoffbeschaffung mit ihrem beruflichen Hintergrund weiterhelfen k\u00f6nnte \u2013 diese Sorge war unbegr\u00fcndet\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Kate Bingham war zun\u00e4chst unsicher, ob sie bei der Impfstoffbeschaffung mit ihrem beruflichen Hintergrund weiterhelfen k\u00f6nnte \u2013 diese Sorge war unbegr\u00fcndet<\/p>\n<p>  Foto:\u2002John Nguyen \/ JNVisuals \/ ddp \/ News Licensing  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese Woche konnte der britische Premier Boris Johnson endlich mal eine gute Nachricht in der Corona-Pandemie verk\u00fcnden. Mehr als 15 Millionen besonders gef\u00e4hrdete Briten oder knapp ein Viertel der Bev\u00f6lkerung haben ihre erste Impfdosis gegen das Coronavirus bekommen. Simon Stevens, der Chef des Gesundheitssystems NHS in England, sprach vom \u00bbgr\u00f6\u00dften und schnellsten Impfprogramm in Europa \u2013 und in der Geschichte des Gesundheitsdienstes\u00ab.<\/p>\n<p>In dieser Pandemie hat die britische Regierung viele Fehler gemacht. Lockdowns wurden zu sp\u00e4t eingef\u00fchrt, das Test-and-Trace-System ist praktisch gescheitert. Doch das britische Impfprogramm sieht momentan tats\u00e4chlich nach einer Erfolgsgeschichte aus.<\/p>\n<p>Der Impfstoff von Pfizer und Biontech wurde in Gro\u00dfbritannien bereits am 2. Dezember zugelassen. Am 8. Dezember bekam die 90-j\u00e4hrige Margaret Keenan als erste Britin ihre Impfung. Seitdem l\u00e4uft das Programm z\u00fcgig \u2013 die Logistik, die mithilfe des Milit\u00e4rs organisiert wurde, und die Verteilung \u00fcber den NHS funktionieren gut. T\u00e4glich werden Hunderttausende Menschen geimpft, am vergangenen Samstag waren es etwa mehr als 500.000. Nur Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate, beides kleine L\u00e4nder, haben anteilig mehr Menschen geimpft als die Briten.<\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr den britischen Impferfolg hat die Risikokapitalunternehmerin Kate Bingham gelegt. Sie f\u00fchrte bis Dezember ehrenamtlich die \u00bbUK Vaccine Taskforce\u00ab an, eine spezielle Gruppe in der Regierung, die f\u00fcr Impfstoffbeschaffung zust\u00e4ndig war. Fr\u00fch genug schloss sie Vertr\u00e4ge mit Pharmaunternehmen ab und sicherte dem K\u00f6nigreich insgesamt rund 400 Millionen Impfdosen, die nun nach und nach geliefert werden. Jetzt wird sie von der britischen Presse als \u00bbImpfstoff-Zarin\u00ab gefeiert. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass sie eine russische Monarchin w\u00e4re. Die Bezeichnung \u00bbZarin\u00ab wird im Vereinigten K\u00f6nigreich f\u00fcr Menschen verwendet, die von der Regierung beauftragt werden, gro\u00dfe gesellschaftliche Aufgaben zu koordinieren.<\/p>\n<h3>Vertragsabschluss mit AstraZeneca drei Monate vor der EU<\/h3>\n<p>Dank Bingham war Gro\u00dfbritannien das erste Land, das einen Vertrag f\u00fcr den Impfstoff von Pfizer und Biontech abgeschlossen hat. \u00bbWir haben das gemacht, weil wir schnell und flink waren\u00ab, sagte Bingham im Januar in einem Parlamentsausschuss. Gro\u00dfbritannien war im Vergleich zu den USA und der EU nicht der gr\u00f6\u00dfte K\u00e4ufer. Doch Bingham und ihr Team konnten geschickter agieren und hatten bessere Kontakte in der Industrie. \u00bbAlle westliche Unternehmen, die wir ausgewertet haben, waren Unternehmen, zu denen wir schon bestehende Beziehungen hatten, in der einen oder anderen Form, zumindest \u00fcber ein Mitglied unseres Teams\u00ab, erkl\u00e4rte Bingham im Parlament. Den Vertrag mit AstraZeneca konnte sie drei Monate fr\u00fcher als die EU abschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Taskforce wurde Mitte April von Patrick Vallance, dem wissenschaftlichen Chefberater der britischen Regierung, ins Leben gerufen. Als Bingham Anfang Mai einen Anruf von Boris Johnson bekam, soll sie mit der Zusage etwas gez\u00f6gert haben. Die 55-j\u00e4hrige Unternehmerin ist keine Expertin f\u00fcr Impfstoffe, sondern f\u00fcr Investitionen in vielversprechende medizinische Technologien. Doch ihre 30-j\u00e4hrige Erfahrung im Privatsektor half ihr am Ende, die besten Impfstoffkandidaten rauszusuchen.<\/p>\n<p>Steve Bates, der Vorsitzende des Industrieverbandes BioIndustry Association (BIA), der immer noch Teil der Taskforce ist, lobt Binghams \u00bbVoraussicht\u00ab, mit der sie die Impfstoffe im Sommer sicherte. \u00bbDas Gesundheitssystem NHS und Public Health England bekamen dadurch einen kritischen Zeitvorsprung, um zu verstehen, wie diese komplexen Produkte einzusetzen sind\u00ab. Die BIA hatte schon seit Mitte Februar eine eigene Gruppe gegr\u00fcndet, um zu \u00fcberlegen, wie die Impfstoffproduktion organisiert werden kann. Sp\u00e4ter hat der Verband die Taskforce beraten.<\/p>\n<h3>Privatsektor trifft auf Verwaltung<\/h3>\n<p>Bingham brachte einen Habitus aus dem Privatsektor mit: In den ersten Wochen arbeitete die Taskforce rund um die Uhr und am Wochenende, um die Impfstoffe mit den besten Chancen auf schnelle Zulassung zu identifizieren. Sie habe gebeten, die Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, erz\u00e4hlte sie sp\u00e4ter in einem Interview mit der \u00bbTimes\u00ab: \u00bbIch wusste nicht viel \u00fcber die Regierung, aber wenn man 58 Menschen in Kopie setzen muss, wird es nicht mehr m\u00f6glich sein, Entscheidungen schnell zu treffen. Wir hatten nur eine Chance, richtigzuliegen, und keine Zeit.\u00ab<\/p>\n<p>Dieser F\u00fchrungsstil soll bei manchen Beamten f\u00fcr Unverst\u00e4ndnis gesorgt haben. Bingham stand auch deshalb in der Kritik, weil sie mehr als 600.000 Pfund aus Steuergeldern f\u00fcr PR-Berater ausgegeben haben soll. Au\u00dferdem wurde ihre N\u00e4he zur Konservativen Partei zum Thema. Sie ist mit einem Staatssekret\u00e4r im Finanzministerium verheiratet und kennt Boris Johnson noch aus der Zeit an der Oxford-Universit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Impfstoffbeschaffung durch Brexit leichter?<\/h3>\n<p>Dass die Impfkampagne bereits so viele Menschen erreicht hat, liegt auch an einer weiteren, durchaus umstrittenen Entscheidung Gro\u00dfbritanniens. Im Unterschied zu anderen L\u00e4ndern beschloss die britische Regierung, die zweite Dosis nicht nach drei, sondern erst zw\u00f6lf Wochen zu verabreichen, um mehr Menschen den Schutz der ersten Dosis geben zu k\u00f6nnen. Die Regierung h\u00f6rte dabei auf Jeremy Brown, Professor an der Universit\u00e4t UCL und Mitglied im Expertenausschuss f\u00fcr Impfung und Immunisierung, der von Anfang an \u00fcberzeugt war, dass dieses Vorgehen richtig sei. Die Entscheidung sei auf der Basis von Daten getroffen worden, die zeigten, dass die erste Dosis f\u00fcr den Gro\u00dfteil des Schutzes sorge.<\/p>\n<p>Die Zahlen, die am Dienstag vom nationalen Statistikb\u00fcro ver\u00f6ffentlicht wurden, zeigen, dass die Infektionsraten bei Menschen \u00fcber 80 Jahren besonders schnell sinken, was auf einen Erfolg hindeutet. Jeremy Brown von UCL \u00e4u\u00dfert sich vorsichtiger: \u00bbUm absolut sicher zu sein, dass es ein Erfolg ist, m\u00fcssen uns vollst\u00e4ndige Daten \u00fcber Infektionszahlen bei geimpften Menschen vorliegen\u00ab.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine andere Gruppe sind der gute Fortschritt der Impfkampagne, vor allem aber Binghams Erfolg bei den Verhandlungen und die schnelle Zulassung der Impfstoffe noch ein weiterer Grund zur Freude: Manche Brexit-Anh\u00e4nger sehen darin die Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass sich der EU-Austritt gelohnt hat.<\/p>\n<p>Bingham selbst sieht das nicht so, wie sie immer wieder deutlich macht: Gro\u00dfbritannien habe bei den schnelleren Zulassungen nach EU-Recht gehandelt und jedes europ\u00e4ische Land habe theoretisch die gleichen Chancen gehabt. Gleichwohl entschied sie sich letztes Jahr bewusst daf\u00fcr, nicht am EU-Programm f\u00fcr Impfstoffbeschaffung teilzunehmen. \u00bbWir hatten das Gef\u00fchl, dass die Bedingungen zu eng waren und wir schneller h\u00e4tten handeln k\u00f6nnen, wenn wir unabh\u00e4ngig vorgehen. Im Nachhinein glaube ich, dass es die richtige Entscheidung war\u00ab, sagte Bingham im Parlament.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Kate Bingham war zun\u00e4chst unsicher, ob sie bei der Impfstoffbeschaffung mit ihrem beruflichen Hintergrund weiterhelfen k\u00f6nnte \u2013 diese Sorge war unbegr\u00fcndet Foto:\u2002John Nguyen \/ JNVisuals \/ ddp \/<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5969,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5968","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5968"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5968\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5969"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}