{"id":5944,"date":"2021-02-17T09:28:18","date_gmt":"2021-02-17T06:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/grenzkontrollen-bei-lkw-fahrern-zwischen-tschechien-und-deutschland-weltverband-warnt-vor-leeren-regalen\/"},"modified":"2021-02-17T09:28:18","modified_gmt":"2021-02-17T06:28:18","slug":"grenzkontrollen-bei-lkw-fahrern-zwischen-tschechien-und-deutschland-weltverband-warnt-vor-leeren-regalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/grenzkontrollen-bei-lkw-fahrern-zwischen-tschechien-und-deutschland-weltverband-warnt-vor-leeren-regalen\/","title":{"rendered":"Grenzkontrollen bei Lkw-Fahrern zwischen Tschechien und Deutschland: Weltverband warnt vor leeren Regalen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/ac9b4bbc-89d1-493a-bbd4-09af322b9be8_w948_r1.77_fpx57.34_fpy50.jpg\" title=\"Lkw-Kontrolle auf einem Parkplatz in Waidhaus nahe der deutsch-tschechischen Grenze\" alt=\"Lkw-Kontrolle auf einem Parkplatz in Waidhaus nahe der deutsch-tschechischen Grenze\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Lkw-Kontrolle auf einem Parkplatz in Waidhaus nahe der deutsch-tschechischen Grenze<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Armin Weigel \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Fernfahrer stehen im n\u00e4chtlichen Schneetreiben: hinter Flatterband, dicht gedr\u00e4ngt neben- und hintereinander. Manche tragen Atemmasken, andere nicht. Um die hundert Meter lang d\u00fcrfte die Menschenschlange auf der tschechischen Autobahnrastst\u00e4tte Rozvadov schon sein.<\/p>\n<p>\u00bbWir stehen hier drau\u00dfen wie die Hunde: bei zehn Grad minus\u00ab, sagt der Mann, der das Video dreht, auf Spanisch. \u00bbIch warte seit anderthalb Stunden in der Menge. Mir fehlen noch etwa vier, f\u00fcnf Stunden.\u00ab<\/p>\n<p>Es ist die Nacht von Montag auf Dienstag, vor einem hastig errichteten Testzentrum warten die Trucker in Rozvadov auf ihren Corona-Test. Damit sie endlich hineind\u00fcrfen nach Deutschland. Sofern sie nicht stecken bleiben im Stau vor der Grenze.<\/p>\n<p>In den vergangenen Pandemie-Monaten hatten die Trucks freie Fahrt innerhalb des vereinten Europa. Sie konnten die Grenzen in der Regel problemlos passieren. Nachdem einige Staaten sich in der ersten Welle kurzzeitig abgeschottet hatten, hatte sich die EU f\u00fcr den reibungslosen G\u00fcterverkehr eingesetzt, um die Versorgung zu sichern und zu verhindern, dass Lieferketten rei\u00dfen.<\/p>\n<p>Nun aber hat die Bundesregierung ihre Grenzkontrollen f\u00fcr die Einreise aus Tschechien und Tirol drastisch versch\u00e4rft im Kampf gegen das Virus und die neuesten Mutanten. Seit Sonntag m\u00fcssen alle Fernfahrer einen negativen Corona-Test sowie eine Einreiseanmeldung vorweisen \u2013 und sich dann, theoretisch, in Deutschland in Quarant\u00e4ne begeben.<\/p>\n<p>Die Anordnung vom Freitag hat viele Lkw-Fahrer kalt erwischt. Sie waren l\u00e4ngst unterwegs \u2013 und m\u00fcssen nun kurzfristig einen Test auftreiben.<\/p>\n<p>Es herrscht Chaos: nicht nur an den Grenzen zu Deutschland, sondern weit davor. Denn nun beschr\u00e4nken auch \u00d6sterreich und Tschechien den Transitverkehr, um die R\u00fcckstaus nicht ausufern zu lassen. Zum Teil verlangen sie ihrerseits aktuelle Corona-Tests. Und so zeigen auch Fotos aus dem italienischen Sterzing an der Brenner-Autobahn Hunderte Trucker dicht gedr\u00e4ngt vor einem Testzentrum.<\/p>\n<p>\u00bbUnsere Branche unterst\u00fctzt Ma\u00dfnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus einzud\u00e4mmen\u00ab, sagt Matthias M\u00e4dge. \u00bbAber wenn sich jetzt Hunderte Fahrer Schulter an Schulter anstellen vor Testzentren an den Grenzen m\u00fcssen, dann ist das gef\u00e4hrlich.\u00ab M\u00e4dge ist der Politische Direktor der International Road Transport Union, dem Weltverband der Stra\u00dfenverkehrsunternehmen. Die Anordnung der Bundesregierung h\u00e4lt er f\u00fcr kontraproduktiv und unbedacht.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr M\u00e4dge, Deutschland hat die Einreisebedingungen f\u00fcr Lkw drastisch versch\u00e4rft. Wie kommt das bei Ihnen an?<\/p>\n<p><strong>Matthias M\u00e4dge:<\/strong> Wir sind tief entt\u00e4uscht und sauer. Am Freitag hat uns EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen noch schriftlich geantwortet, dass sie die Grenzen f\u00fcr den G\u00fcterverkehr offen lassen will. Aber dann hat eine einseitige und unbedachte, d\u00e4mliche Entscheidung der deutschen Seite zum Chaos gef\u00fchrt. Die deutsche Regierung hat diese Aktion nicht vorbereitet; von ihr kommt keinerlei Hilfe. Wir bekommen min\u00fctlich Meldungen von Fahrern, die in kilometerlangen Staus oder stundenlangen Warteschlangen vor Corona-Testzentren stehen. Diese Menschen werden h\u00e4ngen gelassen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Aber auch Lkw-Fahrer k\u00f6nnen das Virus \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4dge:<\/strong> Die Industrie hat umfassende Hygienekonzepte umgesetzt, die jeglichen menschlichen Kontakt minimieren. Die Fahrer sind doch isoliert in ihren Fahrzeugen unterwegs; und mit dem Auf- oder Abladen haben sie selbst oft nichts zu tun. Wenn einer kein Risikoherd ist, dann ist es der Lkw-Fahrer. Unsere Branche unterst\u00fctzt Ma\u00dfnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus einzud\u00e4mmen. Aber wenn sich jetzt Hunderte Fahrer Schulter an Schulter vor Testzentren an den Grenzen anstellen m\u00fcssen, dann ist das gef\u00e4hrlich. Und dazu eine unw\u00fcrdige Behandlung dieser Menschen. Es herrschen Minusgrade, und wir lassen die Fahrer stundenlang in der K\u00e4lte ausharren. Vergessen Sie nicht: Es sind die Lkw, die unsere Versorgung mit Lebensmitteln oder anderen essenziellen G\u00fctern sicherstellen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Der Automobilverband VDA warnt schon vor Fabrikschlie\u00dfungen wegen ausbleibender Lieferungen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4dge:<\/strong> Zu Recht. Gro\u00dfe Teile unseres Wirtschaftssystems sind hochgradig abh\u00e4ngig vom rollenden G\u00fcterverkehr. Und gerade werden einige der wichtigsten Strecken in Europa getroffen: die Nord-S\u00fcd-Achse \u00fcber den Brenner mit bis zu 10.000 Lkw und die Ost-West-Achse \u00fcber Tschechien mit 25.000 Lkw pro Tag. Dies kann Lieferketten zerst\u00f6ren und ganze Betriebe lahmlegen \u2013 nicht nur im Automobilsektor. Es k\u00f6nnte auch passieren, dass Superm\u00e4rkte gewisse Produkte nicht mehr anbieten.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das klingt ein bisschen nach Angstmache. Bislang ist von leeren Supermarktregalen jedenfalls wenig zu sehen.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4dge:<\/strong> Es kann durchaus sein, dass es noch einige Tage lang gut geht. Es k\u00f6nnte aber auch passieren, dass wieder Panikk\u00e4ufe losgehen und sich die Supermarktregale schnell leeren. Niemand kann in dieser Lage vorhersagen, was passiert. Alles kommt darauf an, wie sich das Geschehen an den Grenzen entwickelt \u2013 und ob unsere Fahrer Hilfe kriegen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Von wem erhoffen Sie sich denn Hilfe?<\/p>\n<p><strong>M\u00e4dge:<\/strong> Vor allem von Br\u00fcssel. Vor wenigen Monaten haben die EU-Staaten einschlie\u00dflich Deutschland vereinbart, dem G\u00fcterverkehr in der Pandemie Vorrang zu gew\u00e4hren, um die Versorgung zu sichern. Wie kann es sein, dass jetzt einzelne Mitglieder im Alleingang ausscheren? Dass Fahrer Ihren Job machen und ungehindert die Grenze passieren k\u00f6nnen, ist die sicherste L\u00f6sung f\u00fcr alle. Jetzt kann die EU zeigen, wozu sie gut ist.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Lkw-Kontrolle auf einem Parkplatz in Waidhaus nahe der deutsch-tschechischen Grenze Foto:\u2002Armin Weigel \/ dpa Die Fernfahrer stehen im n\u00e4chtlichen Schneetreiben: hinter Flatterband, dicht gedr\u00e4ngt neben- und hintereinander. 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