{"id":5912,"date":"2021-02-15T21:28:31","date_gmt":"2021-02-15T18:28:31","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-grenzkontrollen-zu-tschechien-und-tirol-spediteure-sind-entsetzt\/"},"modified":"2021-02-15T21:28:31","modified_gmt":"2021-02-15T18:28:31","slug":"corona-grenzkontrollen-zu-tschechien-und-tirol-spediteure-sind-entsetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-grenzkontrollen-zu-tschechien-und-tirol-spediteure-sind-entsetzt\/","title":{"rendered":"Corona-Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol: Spediteure sind entsetzt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5a85ee9b-d166-4a57-8813-7a791536e430_w948_r1.77_fpx33.34_fpy50.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>  Foto:\u2002Bernd M\u00e4rz \/ imago images\/Bernd M\u00e4rz  <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Am Samstagmorgen haben Thomas Schwarz und seine Disponenten mit einer Hauruck-Aktion versucht, den laufenden Betrieb vor dem schlimmsten Chaos zu bewahren.<\/p>\n<p>Sie haben alle ihre knapp 30 Lkw-Fahrer in Tschechien angerufen, die in den kommenden Tagen f\u00fcr die Spedition Schwarz nach Deutschland fahren sollten \u2013 und sie sofort zum Corona-Test beordert. Parallel haben sie f\u00fcr jeden Fahrer digitale Einreiseanmeldeformulare ausgef\u00fcllt: so wie es die Bundesregierung auch f\u00fcr den G\u00fcterverkehr aus Tschechien verlangt. Die auf Tschechien-Transporte spezialisierte Spedition hat damit alle neuen Vorschriften erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Und doch m\u00fcssen an diesem Montag viele Lkw von Schwarz stundenlang vor der Grenze zu Deutschland warten. Auf tschechischen Autobahnen, inmitten kilometerlanger Staus. \u00bbDie beste Vorbereitung n\u00fctzt wenig, wenn Sie hinter anderen stehen, die nicht die richtigen Papiere haben\u00ab, sagt Thomas Schwarz, 54, der das Familienunternehmen aus dem baden-w\u00fcrttembergischen Herbrechtingen in der vierten Generation f\u00fchrt. \u00bbUnser ganzes Transportnetzwerk ist durcheinandergebracht. Da funktioniert nichts mehr mit Termineinhaltung.\u00ab<\/p>\n<h3>Szenen wie in der ersten Corona-Welle<\/h3>\n<p>Es ist der erste Werktag, an dem die rigiden Einreiseregeln an den Grenzen zu Tschechien und Tirol gelten. Die Bundesregierung hat sie beschlossen: mit dem Ziel, noch ansteckendere Varianten des Coronavirus einzud\u00e4mmen. Im Alleingang. Ohne die Nachbarstaaten ad\u00e4quat einzubeziehen. Ganz zu schweigen von der EU-Kommission, die sich um m\u00f6glichst freie Fahrt f\u00fcr den G\u00fcterverkehr bem\u00fcht \u2013 und von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) abgekanzelt wurde.<\/p>\n<p>Die Schlangen vor manchen Kontrollposten erinnern an das Chaos vom vergangenen Fr\u00fchjahr: als Deutschland in der ersten Corona-Welle reihenweise Au\u00dfengrenzen dichtmachte, die G\u00fcterversorgung tagelang behindert wurde, Lieferketten zerbrachen, Fabriken stillstanden.<\/p>\n<p>So weit ist es diesmal noch nicht. Aber \u00d6konomen warnen vor schweren Sch\u00e4den f\u00fcr die Wirtschaft, sollten die Staus l\u00e4nger anhalten. Der Verband der Automobilindustrie mahnt, die Produktion in einigen Werken k\u00f6nne zum Erliegen kommen. Und die Spediteure sind entsetzt.<\/p>\n<h3>\u00bbWir lassen nicht zu, dass Tirol der Parkplatz Europas wird\u00ab<\/h3>\n<p>\u00bbUnsere Branche ist aufgebracht\u00ab, sagt Frank Huster, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) dem SPIEGEL. Man verstehe, dass die Politik auf die Mutationen reagieren m\u00fcsse. Aber: \u00bbDiese Ma\u00dfnahmen sind \u00fcberzogen. Unsere Fahrer haben ja bei ihren Touren kaum Au\u00dfenkontakt.\u00ab<\/p>\n<p>Zudem seien die versch\u00e4rften Grenzkontrollen \u00bbhastig\u00ab beschlossen worden, meint Huster. \u00bbUnsere Unternehmen konnten sich kaum darauf vorbereiten.\u00ab Viele h\u00e4tten ihre Trucks vor Tagen zu Touren losgeschickt und seien dann von den neuen Bestimmungen \u00fcberrascht worden. Nun sei fraglich, wann und wie die Fahrer zur\u00fcckkommen \u2013 und ob sie im Falle negativer Testergebnisse arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Regelungen sind Huster zufolge uneinheitlich. Wenn die Fernfahrer deutsche Staatsb\u00fcrger seien, m\u00fcssten sie sich nach der Einreise nach Deutschland in der Regel f\u00fcr f\u00fcnf bis zehn Tage in Quarant\u00e4ne geben, sagte der DSLV-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Ausl\u00e4ndische Trucker hingegen unterl\u00e4gen zwar auch der Isolationspflicht, ihnen fehlten jedoch oft die geeigneten Unterbringungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Die neuen Kontrollen treffen nicht nur Lkw aus Tirol und Tschechien \u2013 sondern auch solche, die durchreisen, etwa mit G\u00fctern aus Italien. Wegen der neuen deutschen Regeln will Tirol den Lastwagenverkehr \u00fcber den Brenner drosseln, um einen extremen R\u00fcckstau zu verhindern. \u00bbWir lassen es nicht zu, dass Tirol der Parkplatz Europas wird\u00ab, sagt Tirols Landeshauptmann G\u00fcnther Platter. Dies k\u00f6nnte deutsche Betriebe hart treffen, die an Lieferungen aus Italien h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Schon vor Wochen hatten Top\u00f6konomen eindringlich davor gewarnt, innereurop\u00e4ische Grenzen f\u00fcr den G\u00fcterverkehr dichtzumachen. Nun bef\u00fcrchten sie tiefe Sch\u00e4den f\u00fcr die Wirtschaft, sollten die Behinderungen dauerhaft anhalten und Lieferketten zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u00bbDie Warnung der Automobilindustrie vor Werksschlie\u00dfungen aufgrund der Einreisebeschr\u00e4nkungen zeigt sehr deutlich, wie anf\u00e4llig die Lieferketten derzeit sind\u00ab, sagte Torsten Schmidt, Konjunkturchef des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI dem SPIEGEL. \u00bbSollte dieser Schritt tats\u00e4chlich notwendig werden, w\u00fcrde der f\u00fcr das BIP zu erwartende R\u00fcckgang im ersten Quartal deutlich st\u00e4rker ausfallen als bisher angenommen. Der Lockdown lie\u00dfe sich dann wohl wirtschaftlich nicht sehr lange durchhalten.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWenn die Probleme an den Grenzen nach Tirol und Tschechien anhalten, kann es erneut zu St\u00f6rungen der Lieferketten und damit zu einer Belastung der deutschen Industrieproduktion kommen\u00ab, warnt auch Sebastian Dullien, der Wissenschaftliche Direktor des Instituts f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK). \u00bbDas w\u00fcrde das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2021 belasten.\u00ab<\/p>\n<h3>Bei VW steigt die Nervosit\u00e4t<\/h3>\n<p>Besonders abh\u00e4ngig von intakten Lieferketten ist die Automobilindustrie. Sie hat die sogenannte Just-in-Time-Produktion weit vorangetrieben, also die zeit- und mengengenaue Lieferung von Komponenten je nach aktuellem Bedarf. Seit einiger Zeit kennt sie auch den Stillstand, wenn pl\u00f6tzlich wichtige Teile am Band fehlen \u2013 und hat deshalb entsprechende Puffer in den Lagern geschaffen.<\/p>\n<p>Trotzdem w\u00e4chst bei Volkswagen bereits die Nervosit\u00e4t: insbesondere, was das wichtige Elektro-Werk in Zwickau betrifft. Noch sei die Lieferkette nicht abgerissen, hei\u00dft es. Man beobachte die Situation aber genau.<\/p>\n<p>Die Autobauer in S\u00fcddeutschland geben sich etwas gelassener. \u00bbDie Probleme mit unterbrochenen Lieferketten ist ja in der Vergangenheit schon zutage getreten, deshalb sind wir jetzt darauf vorbereitet\u00ab, sagt Daimler-Kommunikationschef J\u00f6rg Howe. Aktuell seien die Auswirkungen der Grenzschlie\u00dfungen noch nicht zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>BMW teilt auf SPIEGEL-Anfrage mit, erste Lieferungen seien ohne gr\u00f6\u00dfere Verz\u00f6gerungen angekommen. Man hoffe \u00bbauf eine pragmatische und effiziente Vorgehensweise der Beh\u00f6rden bei den Kontrollen an den Grenz\u00fcberg\u00e4ngen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten\u00ab.<\/p>\n<p>Ein Porsche-Sprecher beschreibt die Lage \u00e4hnlich: \u00bbDerzeit sind Nachschubprobleme bei uns kein Thema.\u00ab Anders sehe die Sache aus, wenn die Grenzschlie\u00dfungen l\u00e4nger andauerten, r\u00e4umte er auf Nachfrage ein. Von einem solchen Worst-Case-Szenario gehe er aber nicht aus.<\/p>\n<p>Sehr lange d\u00fcrfen die Grenzen allerdings nicht geschlossen sein: \u00bbDiese Lieferketten stehen heute schon unter Stress\u00ab, sagte Andrea Marongiu, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands der Spedition und Logistik Baden-W\u00fcrttemberg, dem \u00bbSWR\u00ab. \u00bbEs reicht ja wirklich schon das kleinste Teil \u2013 wenn das kleinste Teil fehlt, k\u00f6nnen wir das Ganze nicht bauen. Da kommt eben sehr viel auch aus Tschechien.\u00ab<\/p>\n<p>Deutschland importiere aus dem Nachbarland Waren im Wert von 55 Milliarden Euro pro Jahr; die Automobilindustrie habe daran rund zehn Prozent Anteil, sagt Marongiu: \u00bbWenn manche Automobilhersteller sagen, sie seien nicht betroffen, dann wundert es mich sehr, dass man so schnell die komplette Kette ausgeleuchtet hat.\u00ab<\/p>\n<p>Clemens Fuest, der Pr\u00e4sident des M\u00fcnchner Ifo-Instituts, fordert einheitliche Standards f\u00fcr den Infektionsschutz, um Grenzschlie\u00dfungen zu vermeiden. \u00bbAus meiner Sicht m\u00fcssen wir es endlich schaffen, mit intelligenten Mobilit\u00e4tskonzepten daf\u00fcr zu sorgen, dass Wertsch\u00f6pfungsketten funktionieren, ohne Ansteckungsketten zu sein. Dazu muss deutlich mehr getestet werden, teils durch Schnelltests\u00ab, sagte Fuest dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>Doch von l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Standards oder gar intelligenten Mobilit\u00e4tskonzepten ist an den Grenz\u00fcberg\u00e4ngen zurzeit nichts zu sehen. Dabei hatte die Bundesregierung Besserung gelobt nach dem Durcheinander w\u00e4hrend der ersten Welle.<\/p>\n<p>\u00bbWir m\u00fcssen Verkehr und Logistik auch in Krisenzeiten europ\u00e4isch und international denken\u00ab, schrieb die deutsche EU-Ratspr\u00e4sidentschaft Ende September in ihrem Eckpunktepapier f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Pandemie- und Krisen-Notfallplan im G\u00fcterverkehr. \u00bbKein weiteres Mal darf eine Krisensituation wie die Covid-19-Pandemie unvermittelt und unvorbereitet systemrelevante europ\u00e4ische G\u00fcterverkehrsstr\u00f6me und Logistikketten (auch nur kurzzeitig) unterbrechen.\u00ab<\/p>\n<p>Doch genau das passiert nun wieder. Und die Lkw von Thomas Schwarz stehen wieder im Stau. \u00bbSolche Verz\u00f6gerungen wie in den letzten zw\u00f6lf Monaten habe ich noch nie erlebt\u00ab, sagt der Spediteur. \u00bbEs \u00e4rgert uns, dass es keine europ\u00e4ische L\u00f6sung gibt. Jeder Staat macht sein eigenes Ding.\u00ab<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Foto:\u2002Bernd M\u00e4rz \/ imago images\/Bernd M\u00e4rz Am Samstagmorgen haben Thomas Schwarz und seine Disponenten mit einer Hauruck-Aktion versucht, den laufenden Betrieb vor dem schlimmsten Chaos zu bewahren. 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