{"id":5818,"date":"2021-02-11T17:27:34","date_gmt":"2021-02-11T14:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/russland-wladimir-kara-mursa-offenbar-von-fsb-vergiftet\/"},"modified":"2021-02-11T17:27:34","modified_gmt":"2021-02-11T14:27:34","slug":"russland-wladimir-kara-mursa-offenbar-von-fsb-vergiftet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/russland-wladimir-kara-mursa-offenbar-von-fsb-vergiftet\/","title":{"rendered":"Russland: Wladimir Kara-Mursa offenbar von FSB vergiftet"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/b10e465e-16a6-4b21-92e1-f2d15d326503_w948_r1.77_fpx46_fpy47.jpg\" title=\"In Russland m\u00e4chtig: Der Sicherheitsapparat\" alt=\"In Russland m\u00e4chtig: Der Sicherheitsapparat\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">In Russland m\u00e4chtig: Der Sicherheitsapparat<\/p>\n<p>  Foto:\u2002<\/p>\n<p>NATALIA KOLESNIKOVA \/ AFP<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der bekannte russische Oppositionelle Wladimir Kara-Mursa wurde wom\u00f6glich durch den russischen Geheimdienst FSB vergiftet. Gemeinsame Recherchen des SPIEGEL und der Investigativplattformen Bellingcat und \u00bbThe Insider\u00ab zeigen, dass Kara-Mursa sowohl im Mai 2015 als auch im Februar 2017 im direkten Vorfeld zweier Zusammenbr\u00fcche mit multiplem Organversagen durch Angeh\u00f6rige des FSB verfolgt wurde, die auch den 2020 vergifteten russischen Kremlkritiker Alexej Nawalny ins Visier genommen hatten.<\/p>\n<p>Der Journalist und Politiker Kara-Mursa ist seit vielen Jahren ein vehementer Kritiker von Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin. Er war ein Vertrauter des 2015 erschossenen russischen Oppositionellen und Putin-Rivalen Boris Nemzow. Seit 2014 arbeitete er f\u00fcr die \u00bbOpen Russia Foundation\u00ab des ehemaligen Oligarchen und heutigen Kremlkritikers Michail Chodorkowski.<\/p>\n<h3>Die erste Reise endete im Koma<\/h3>\n<p>Er spielte eine wichtige Rolle bei der Schaffung des Magnitsky-Acts, einem US-amerikanischen Gesetz, wonach Washington die Verm\u00f6gen von Regierungsmitarbeitern anderer Staaten beschlagnahmen darf, wenn diese in Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen stehen. \u00c4hnliche Gesetze wurden sp\u00e4ter in vielen Staaten verabschiedet, auch in Deutschland.<\/p>\n<p>Die Recherchen des SPIEGEL und seiner Partner zeigen nun, dass Kara-Mursa wom\u00f6glich gleich zweimal durch Agenten des Kremls vergiftet wurde.<\/p>\n<p>Demnach begannen Mitglieder des Instituts f\u00fcr Kriminalistik des FSB kurz vor Nemzows Tod im Februar 2015 mit der Beschattung. \u00c4hnlich wie die durch den SPIEGEL und seine Partner enttarnten Mitarbeiter des gleichen Instituts, die im August 2020 Alexej Nawalny vergifteten, beschatteten diese M\u00e4nner Kara-Mursa nicht direkt: Sie reisten ihm jeweils einen Zug oder ein Flugzeug voraus oder knapp hinterher.<\/p>\n<p>Zu den in diesem Fall identifizierten FSB-M\u00e4nnern geh\u00f6ren zwei Mitglieder des Instituts f\u00fcr Kriminalistik, unter anderem Konstantin Kudriawzew, ein Chemiewaffenspezialist des russischen Geheimdienstes. Kudriawzew hatte im Dezember 2020 seine Beteiligung an der Vergiftung Nawalnys einger\u00e4umt. Er habe an der Vertuschung von Spuren mitgewirkt, sagte er.<\/p>\n<p>Zwei durch den SPIEGEL, Bellingcat und \u00bbThe Insider\u00ab identifizierte FSB-M\u00e4nner folgten Kara-Mursa auch auf einer Reise nach Kasan vom 22. bis zum 24. Mai 2015. Zur\u00fcck in Moskau brach er am Nachmittag des 26. Mai zusammen und fiel ins Koma. Zuvor hatte er Atemschwierigkeiten, extrem niedrigen Blutdruck und Herzrasen. In einer Moskauer Klinik wurde danach festgestellt, er sei mit einer \u00bbunbekannten chemischen Substanz\u00ab vergiftet worden.<\/p>\n<p>Nach Wochen im Koma erwachte Kara-Mursa und wurde f\u00fcr weitere Behandlungen in die USA ausgeflogen. Wenig sp\u00e4ter stellte er in Russland Strafanzeige. Ermittlungen wurden dort dennoch nicht aufgenommen<\/p>\n<h3>Die zweite Reise endete im k\u00fcnstlichen Koma<\/h3>\n<p>Nachdem Kara-Mursa nach Russland zur\u00fcckgekehrt war, nahm der FSB seine Observation wieder auf. Allerdings konnten der SPIEGEL und seine Partner letztmals im Dezember 2016 Beschattungen durch FSB-M\u00e4nner nachweisen. Mit von der Partie war dabei erneut Konstantin Kudriawzez.<\/p>\n<p>Am 31. Januar 2017 reiste Kara-Mursa mit dem Zug nach Tyer, rund dreieinhalb Stunden nordwestlich von Moskau, um dort einen von ihm produzierten Film \u00fcber den toten Putin-Rivalen Nemzow zu pr\u00e4sentieren. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Moskau wachte er in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar mit den gleichen Symptomen wie im Mai 2015 auf.<\/p>\n<p>In einem Moskauer Krankenhaus wurde er in ein k\u00fcnstliches Koma versetzt. Die \u00c4rzte stellten eine \u00bbschwere Vergiftung mit einer unbekannten Substanz\u00ab fest. Spezialisten des Hospitals behandelten ihn, nach rund einer Woche wurde er aus dem Koma erweckt und erneut f\u00fcr weitere Behandlungen in die USA ausgeflogen.<\/p>\n<h3>FBI untersucht Blut- und Gewebeproben des vergifteten Kremlkritikers<\/h3>\n<p>Kara-Mursa lie\u00df diesmal Blut- und Gewebeproben durch die US-amerikanische Bundespolizei FBI untersuchen. Das FBI hat ihm bislang nicht mitgeteilt, mit welcher Substanz er vergiftet wurde. Das Ergebnis sei sicherheitseingestuft, hie\u00df es bislang. Auch eine Klage Kara-Mursas nach dem amerikanischen Informationsfreiheitsgesetz brachte ihm bislang keine Antwort.<\/p>\n<p>Bemerkenswert an der Analyse von Reise- und Telefonverbindungsdaten im Zusammenhang mit Kara-Mursas Fall ist, dass sich in diesem Fall nicht nur Mitglieder des Zentrums f\u00fcr Spezialtechniken und des dazugeh\u00f6rigen Instituts f\u00fcr Kriminalistik des FSB erkennen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Offenbar scheint auch das zweite Direktorat des FSB, zust\u00e4ndig f\u00fcr \u00bbVerfassungsschutz und Terrorismusbek\u00e4mpfung\u00ab, eingebunden gewesen zu sein. Mitarbeiter dieses Direktorats reisten gemeinsam mit dem Chemiespezialisten des Instituts f\u00fcr Kriminalistik Kara-Mursa nach.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Vertreter des Instituts wie Stanislaw Makschakow standen in Verbindung mit hochrangigen Offizieren des Direktorats f\u00fcr Verfassungsschutz und Terrorismusbek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Roman Mezenzew etwa, ein hochrangiger Beamter im zweiten Direktorat, stand im Vorfeld der Nawalny-Vergiftung im Jahr 2020 in engstem Kontakt mit Makschakow. H\u00e4ufig trat Makschakow nach den Gespr\u00e4chen mit Mezenzew mit Vertretern der achtk\u00f6pfigen Truppe, die an Nawalnys Vergiftung beteiligt war, in Kontakt. Und im Jahr 2015 geh\u00f6rte Menzenzew zu jenen M\u00e4nnern, die Kara-Mursa folgten \u2013 oftmals in Begleitung von Leuten des Instituts f\u00fcr Kriminalistik.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern In Russland m\u00e4chtig: Der Sicherheitsapparat Foto:\u2002 NATALIA KOLESNIKOVA \/ AFP Der bekannte russische Oppositionelle Wladimir Kara-Mursa wurde wom\u00f6glich durch den russischen Geheimdienst FSB vergiftet. 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