{"id":5802,"date":"2021-02-11T00:38:34","date_gmt":"2021-02-10T21:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-beschlusse-dauershutdown-mit-dauerwelle\/"},"modified":"2021-02-11T00:38:34","modified_gmt":"2021-02-10T21:38:34","slug":"corona-beschlusse-dauershutdown-mit-dauerwelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-beschlusse-dauershutdown-mit-dauerwelle\/","title":{"rendered":"Corona-Beschl\u00fcsse: Dauershutdown mit Dauerwelle"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/ecba5563-b909-403f-928e-624e1eb290e2_w948_r1.77_fpx34.07_fpy49.98.jpg\" title=\"Friseursalon in Greifswald (Archivbild)\" alt=\"Friseursalon in Greifswald (Archivbild)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Friseursalon in Greifswald (Archivbild)<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Jens B\u00fcttner \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p>Vorerst keine Lockerung, lieber keine Versch\u00e4rfung. Daf\u00fcr: Sch\u00f6ne Haare f\u00fcr alle. Angela Merkel und die Ministerpr\u00e4sidenten scheinen sich im Kampf gegen das Coronavirus ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie auf eine klare Strategie geeinigt zu haben: Sie geben auf.<\/p>\n<p>So sch\u00f6n und begr\u00fc\u00dfenswert es ist, dass graue Haarans\u00e4tze k\u00fcnftig wieder blond, orangerot oder dunkelbraun leuchten werden und Friseure in Deutschland ab dem 1. M\u00e4rz nicht mehr schwarz arbeiten m\u00fcssen. So beklagenswert ist die Tatsache, dass sich die Mitglieder der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz zu keinen anderen klaren Ansagen durchringen konnten. Offenbar verfolgen die obersten Pandemie-Bek\u00e4mpfer des Landes kein No-Covid-Ziel, wie es unter anderem von der Virologin Melanie Brinkmann gefordert wird. Dazu h\u00e4tte der Shutdown versch\u00e4rft werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gelockert aber wird auch nicht. Am 3. M\u00e4rz will die Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz erneut zusammenkommen und beraten. Wenn bis dahin die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz unter 35 pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner gesunken ist, seien offene L\u00e4den, Museen oder Hotels denkbar, hei\u00dft es in der Beschlussvorlage. Nach neun Stunden Konferenzmarathon konnten sich die Bundesl\u00e4nder mit der Bundeskanzlerin nur auf nur eine einzige konkrete und bundesweit geltende Ma\u00dfnahme einigen: Am 1. M\u00e4rz d\u00fcrfen Friseure in Deutschland wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Als nach dem ersten Corona-Shutdown im Fr\u00fchjahr 2020 M\u00f6belgesch\u00e4fte und Bundesligastadien den Betrieb wieder aufnehmen durften, Schulen aber geschlossen blieben, war die Emp\u00f6rung in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung gro\u00df. Die Politik scheint daraus gelernt zu haben, dass es schlau ist, in der Not nicht auf dem Berufsverband mit dem st\u00e4rksten Lobbyverband im R\u00fccken zu h\u00f6ren, sondern auf die Stimme des Volkes. Klar rufen da viele nach einem kurzen Prozess f\u00fcr den Wischmopp auf dem Kopf. F\u00fcr viele Friseure geht es nach acht Wochen Berufsverbot au\u00dferdem um die nackte Existenz.<\/p>\n<p>Aber nicht nur Friseure k\u00e4mpfen ums \u00dcberleben. Mit welchem Argument will die Politik dem Nagelstudio, dem s\u00fc\u00dfen Spielzeugl\u00e4dchen oder dem exquisiten Brautmodengesch\u00e4ft neben dem offenen Friseursalon k\u00fcnftig das Gesch\u00e4ft verbieten? Wer sich mit FFP2-Maske gefahrlos die Haare k\u00fcrzen l\u00e4sst, m\u00fcsste im kleinen Laden ein paar Meter weiter auch in einer Umkleidekabine verschwinden k\u00f6nnen, ohne das Infektionsrisiko f\u00fcr sich und andere signifikant in die H\u00f6he zu treiben. Wenn es bis Anfang M\u00e4rz keine dritte Welle gibt, werden wir eine Klagewelle von Einzelh\u00e4ndlern und sonstigen innerst\u00e4dtischen Dienstleistern erleben, die mit Friseuren gleichgestellt werden wollen. Vermutlich zu Recht.<\/p>\n<p>Die Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz hat mit ihrem heutigen Beschluss nicht nur die Friseurstudios ge\u00f6ffnet, sondern letztlich die B\u00fcchse der Pandora. Falls Angela Merkel und die Ministerpr\u00e4sidentinnen und -pr\u00e4sidenten gehofft haben sollten, die B\u00fcrger mit der Blendgranate \u00bb\u00d6ffnung der Friseursalons\u00ab derart in Euphorie zu versetzen, dass sie die Stilllegung des restlichen \u00f6ffentlichen Lebens weiter klaglos in Kauf nehmen, k\u00f6nnten sie sich get\u00e4uscht haben.<\/p>\n<p>In Bayern geht es kommenden Sonntag jedenfalls munter weiter mit den Ausnahmeregelungen. Weil Valentinstag ist, d\u00fcrfen Blumenl\u00e4den einmalig \u00f6ffnen. Tags drauf ist \u00fcbrigens Tag des Regenwurms. Es w\u00e4re nur konsequent, w\u00fcrde Gartencentern in Deutschland aus diesem Anlass erlaubt, ihre T\u00fcren f\u00fcr Kundschaft zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Letztlich sind die offenen Friseursalons nicht nur eine Kapitulation vor dem Bed\u00fcrfnis der Bev\u00f6lkerung nach \u00d6ffnungen \u2013 aller gesundheitlichen Bedenken und Warnungen vor den mutierten Viren zum Trotz. Sie sind auch ein Ablenkungsman\u00f6ver von der erschreckenden Einfallslosigkeit der deutschen Politik. Nicht mal mehr Markus S\u00f6der gibt sich M\u00fche, das zu \u00fcberspielen. In der Pressekonferenz nach der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz nannte er das Ergebnis abwechselnd \u00bbVorsicht mit Perspektive\u00ab und \u00bbPerspektive mit Vorsicht\u00ab. Der Besuch eines Friseursalons w\u00fcrde Menschen ein St\u00fcck \u00bbW\u00fcrde\u00ab zur\u00fcckgeben. Es klang so, als sollten die B\u00fcrger f\u00fcr den Entzug der Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit und Versammlungsfreiheit mit einer Art Grundrecht aufs Haareschneiden entsch\u00e4digt werden.<\/p>\n<p>Im Beschluss der Ministerpr\u00e4sidentenkonferenz hei\u00dft es: \u00bbVor dem Hintergrund der Bedeutung von Friseuren f\u00fcr die K\u00f6rperhygiene\u00ab seien offene Friseursalons erforderlich, \u00bbda erhebliche Teile der Bev\u00f6lkerung, insbesondere \u00e4ltere Menschen, auf diese angewiesen sind\u00ab. \u00c4ltere Menschen sind derzeit wohl eher auf Impfungen gegen das Corona-Virus angewiesen. Dass die Dauerwelle bald wieder sitzt, d\u00fcrfte ein schwacher Trost f\u00fcr die mitunter sehr lange Wartezeit auf einen Impftermin sein.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Friseursalon in Greifswald (Archivbild) Foto:\u2002Jens B\u00fcttner \/ dpa Vorerst keine Lockerung, lieber keine Versch\u00e4rfung. 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