{"id":579,"date":"2020-06-20T00:09:41","date_gmt":"2020-06-19T21:09:41","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/oan-donald-trump-hat-einen-neuen-tv-kanal-den-er-liebt\/"},"modified":"2020-06-20T00:09:41","modified_gmt":"2020-06-19T21:09:41","slug":"oan-donald-trump-hat-einen-neuen-tv-kanal-den-er-liebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/oan-donald-trump-hat-einen-neuen-tv-kanal-den-er-liebt\/","title":{"rendered":"OAN: Donald Trump hat einen neuen TV-Kanal, den er liebt"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/b28d8f38-7054-4eac-aa53-e1a67daec01b_w948_r1.77_fpx50_fpy9.jpg\" title=\"Trumps h\u00f6fliche Stichwortgeberin: OAN-Korrespondentin Chanel Rion im Wei\u00dfen Haus\" alt=\"Trumps h\u00f6fliche Stichwortgeberin: OAN-Korrespondentin Chanel Rion im Wei\u00dfen Haus\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Trumps h\u00f6fliche Stichwortgeberin: OAN-Korrespondentin Chanel Rion im Wei\u00dfen Haus<\/p>\n<p> Alex Wong\/ Getty Images <\/figcaption><\/figure>\n<p>Martin Gugino ist ein Rentner, der sich als Friedensaktivist engagiert. Der 75-J\u00e4hrige k\u00e4mpft f\u00fcr progressive Anliegen, geh\u00f6rt zum Catholic Worker Movement, einer christlichen Sozialbewegung. Er twittert gern gegen US-Pr\u00e4sident Donald Trump.<\/p>\n<p>Vorletzte Woche besuchte Gugino eine Anti-Rassismus-Demo in Buffalo, einer Stadt im US-Bundesstaat New York. Ein Polizist stie\u00df den alten Mann so hart zu Boden, dass er mit dem Kopf auf dem Boden aufprallte und sich verletzte. Doch erst nach der Ver\u00f6ffentlichung eines Videos, das den Vorfall dokumentiert, wurden der Polizist und ein weiterer, der tatenlos zugesehen hatte, wegen K\u00f6rperverletzung angeklagt.<\/p>\n<p>Der kleine US-Kabelsender OAN sieht die Sache anders. &quot;Neue Details in Martin Guginos Story&quot;, verhie\u00df er seinen Zuschauern. &quot;Sie legen nahe, dass er ein Anarchist war und m\u00f6glicherweise Mitglied radikaler, linksextremer Gruppen wie der Antifa.&quot;<\/p>\n<p>Es ist die gleiche Rhetorik, die auch US-Pr\u00e4sident Donald Trump gegen die meist friedlichen Demonstranten verwendet. Gugino sei kein &quot;netter alter Mann&quot;, sagte ein OAN-Reporter, sondern &quot;ein Provokateur der radikalen Linken&quot; mit &quot;Verbindungen zur gewaltt\u00e4tigen Terrorgruppe Antifa&quot;.<\/p>\n<p>Als &quot;Beweise&quot; f\u00fcr diese Behauptungen f\u00fchrte der Reporter vor allem aus dem Zusammenhang gerissene Internet-Schnipsel an &#8211; und zitierte anonyme &quot;Not\u00e4rzte&quot;, die Guginos Kopfverletzung infrage gestellt h\u00e4tten. Guginos Ziel, sagte er in einem weiteren Bericht, sei nichts Geringeres als &quot;die Zerst\u00f6rung Amerikas&quot;.<\/p>\n<h3>Wilde Verschw\u00f6rungstheorien bei OAN<\/h3>\n<p>OAN (One America News) ist ein kleiner Sender. Er erreichte letztes Jahr theoretisch gerade mal 35 Millionen der 120 Millionen TV-Haushalte Amerikas. Vermutlich w\u00e4re der Bericht schnell verpufft, als ein Beitrag von vielen, mit dem Trumps Anh\u00e4nger die US-Protestbewegung seit dem Tod von George Floyd diskreditieren wollen. Allein: Der US-Pr\u00e4sident hat seinen vielen Millionen Twitter-Followern den Beitrag pers\u00f6nlich empfohlen. Gugino &quot;k\u00f6nnte ein Antifa-Provokateur sein&quot;, schrieb er unter Verweis auf OAN. &quot;Ich sah es, er fiel h\u00e4rter, als er gesto\u00dfen wurde.&quot; Und f\u00fcgte hinzu: &quot;War es eine Falle?&quot;<\/p>\n<p>OAN ist Trumps neuer Lieblingssender. Der Rechtsau\u00dfenkanal und der Pr\u00e4sident flirten nicht mehr nur miteinander &#8211; die j\u00fcngste Episode ist ein Musterbeispiel f\u00fcr ihre immer engere Symbiose, die beiden nutzt. Mit seinen wilden Verschw\u00f6rungstheorien und seiner schamlosen Umarmung Trumps \u00fcbertrifft OAN sogar Fox News.<\/p>\n<h3>Trump n\u00f6rgelt schon l\u00e4nger \u00fcber Fox News<\/h3>\n<p>Bisher war der konservative Kanal Fox News Trumps Stichwortgeber. Doch seit Monaten n\u00f6rgelt Trump, dass der quotenst\u00e4rkste Sender die einstige Loyalit\u00e4t vermissen lasse. &quot;Fox arbeitet nicht mehr f\u00fcr uns!&quot;, beschwerte er sich bereits im vergangenen Jahr, als sei es ein Staatssender.<\/p>\n<p>OAN findet Trump hingegen mittlerweile ausgezeichnet. &quot;Gl\u00fcckwunsch an OAN f\u00fcr die tolle Arbeit, die Ihr leistet, und f\u00fcr den gro\u00dfen Quotenanstieg (&#039;danke, Pr\u00e4sident Trump&#039;)!&quot;, twitterte er im Mai. Eine bessere Produktplatzierung l\u00e4sst sich nicht kaufen.<\/p>\n<p>OAN kann die Unterst\u00fctzung aus dem Wei\u00dfen Haus gut gebrauchen. Nach eigenen Angaben ist OAN zwar der viertgr\u00f6\u00dfte US-Nachrichtensender hinter Fox News, CNN und MSNBC. Doch der Marktforschungskonzern Nielsen wies OAN laut CNN bei einer Stichprobe nur zwei Prozent der Fox-News-Quote zu. Fragen des SPIEGEL zu seiner Reichweite, seiner Tendenz und zum Fall Gugino lie\u00df OAN unbeantwortet.<\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde OAN 2013 vom Tech-Milliard\u00e4r Robert Herring. Der gibt sich nach au\u00dfen konservativ, hat aber auch an Demokraten gespendet. &quot;Hauptsache Gesch\u00e4ft&quot;, sagt ein fr\u00fcherer OAN-Produzent dem SPIEGEL.<\/p>\n<p>Auf Twitter pr\u00e4sentiert sich Herring heutzutage als gro\u00dfer Trump-Fan. Neulich erst propagierte er, im Gleichschritt mit Trump, das kontroverse Malaria-Medikament Hydroxychloroquine als Corona-Heilmittel.<\/p>\n<h3>Tech-Milliard\u00e4r Herring entdeckt eine Marktl\u00fccke &#8211; ganz rechts<\/h3>\n<p>OAN sendet aus einem Industriepark in San Diego und nennt sich eine &quot;zuverl\u00e4ssige Nachrichtenquelle&quot;. Fr\u00fcher sei es tats\u00e4chlich ein &quot;strikter Newssender&quot; gewesen, sagt der Ex-Produzent, der seinen Namen nicht ver\u00f6ffentlicht sehen will. Doch schon damals seien Mitarbeiter intern ermutigt worden, politisch Flagge zu zeigen: Herring habe eine Marktl\u00fccke gewittert, &quot;weil Fox News nicht rechtslastig genug war&quot;.<\/p>\n<p>Heute steht OAN unverbl\u00fcmt zu Trump &#8211; und je weiter der nach rechts driftet, desto abenteuerlicher scheint auch das OAN-Programm zu werden. Ein Beispiel: Der Sender flankierte Trumps Impeachment mit einem &quot;Expos\u00e9&quot;, das von dessen Anwalt Rudy Giuliani mitgestaltet wurde (&quot;atemberaubende Propaganda&quot;, fand die &quot;Washington Post&quot;). TV-Satiriker John Oliver beschreibt OAN als &quot;Fox News mit weniger Schamgef\u00fchl und noch weniger Skrupel&quot;.<\/p>\n<p>OAN-Chefkommentator Graham Ledger wirkt wie Fox-Star Sean Hannity auf Speed:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Er bezeichnet Sexualkunde als &quot;faschistisch-linksradikale Ideologie&quot;,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>verh\u00f6hnt George Floyd als &quot;Profi-Kriminellen&quot;,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>die Bewegung &quot;Black Lives Matter&quot; als &quot;bullshit&quot;,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo als Marxisten,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>und w\u00fcrde lieber &quot;als freie Person am Coronavirus sterben&quot; als &quot;ein Sklave der Regierung&quot; zu sein. Sich wegen der Corona-Pandemie nicht die Haare schneiden lassen zu k\u00f6nnen, sei &quot;wie unter Hitler zu leben&quot;, donnerte er &#8211; auf dem Weg zum Friseur.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber auch die Nachrichtenabteilung macht l\u00e4ngst keinen Hehl mehr aus ihrer Trump-Affinit\u00e4t. Allen voran Chanel Rion, die OAN-Korrespondentin im Wei\u00dfen Haus. F\u00fcr die 30-J\u00e4hrige ist dies der erste Journalistenjob. In ihrem Lebenslauf preist sie sich als &quot;Trumps standhafteste Kriegerin gegen den Linksradikalismus&quot;. Auf ihren Social-Media-Kan\u00e4len postet sie gern glamour\u00f6se Fotos von ihren Treffen mit der Trump-Familie.<\/p>\n<p>Bei seinen Pressekonferenzen gibt Trump stets Rion das Wort. Manchmal murmelt er schon vorher &quot;very nice&quot;. Denn ihre Fragen sind stets h\u00f6fliche Stichworte &#8211; etwa, ob Trump erw\u00e4ge, seinen Vorg\u00e4nger Barack Obama zu &quot;begnadigen&quot;.<\/p>\n<h3>Welchen Einfluss nimmt Russland auf die OAN-Berichterstattung?<\/h3>\n<p>Die Berichterstattung im Fall von Martin Gugino ist jedoch ein neuerlicher Tiefpunkt in der Berichterstattung von OAN. Einer der zahlreichen Berichte \u00fcber den Fall des betagten Trump-Gegners stammte von OAN-Mitarbeiter Kristian Rouz.<\/p>\n<p>Laut eidesstattlicher Erkl\u00e4rung, die dem SPIEGEL vorliegt, arbeitete Rouz lange parallel als Freelancer f\u00fcr die staatliche russische Agentur Sputnik. Er dementiert jedoch energisch, vom Kreml als Propagandist bezahlt worden zu sein, wie die Website &quot;Daily Beast&quot; schrieb.<\/p>\n<p>Auch OAN-Eigner Herring verwehrt sich dagegen, etwas mit Russland zu tun zu haben. So verklagte er MSNBC-Star Rachel Maddow, die OAN als &quot;bezahlte russische Propaganda&quot; bezeichnet hatte, wegen Verleumdung. Die Klage wurde Ende Mai abgewiesen, Herring hat Berufung eingelegt.<\/p>\n<p>Zu der Gugino-Berichterstattung von OAN steht Herring felsenfest. Die Mainstream-Medien, twitterte er dieser Tage, h\u00e4tten diese kritisiert, aber bisher nicht widerlegt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Trumps h\u00f6fliche Stichwortgeberin: OAN-Korrespondentin Chanel Rion im Wei\u00dfen Haus Alex Wong\/ Getty Images Martin Gugino ist ein Rentner, der sich als Friedensaktivist engagiert. 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