{"id":5788,"date":"2021-02-10T09:50:37","date_gmt":"2021-02-10T06:50:37","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-folgen-wir-sollten-das-schuljahr-bundesweit-bis-weihnachten-verlangern\/"},"modified":"2021-02-10T09:50:37","modified_gmt":"2021-02-10T06:50:37","slug":"corona-folgen-wir-sollten-das-schuljahr-bundesweit-bis-weihnachten-verlangern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-folgen-wir-sollten-das-schuljahr-bundesweit-bis-weihnachten-verlangern\/","title":{"rendered":"Corona-Folgen: \u00bbWir sollten das Schuljahr bundesweit bis Weihnachten verl\u00e4ngern\u00ab"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/5dafe4ab-d542-41e9-9866-fc25a5c7b1ea_w948_r1.77_fpx56.8_fpy54.97.jpg\" title=\"\u00bbNormal ist an den Schulen derzeit gar nichts\u00ab, sagt der Bildungsforscher Marcel Helbig und schl\u00e4gt ein Langschuljahr bis Weihnachten vor\" alt=\"\u00bbNormal ist an den Schulen derzeit gar nichts\u00ab, sagt der Bildungsforscher Marcel Helbig und schl\u00e4gt ein Langschuljahr bis Weihnachten vor\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">\u00bbNormal ist an den Schulen derzeit gar nichts\u00ab, sagt der Bildungsforscher Marcel Helbig und schl\u00e4gt ein Langschuljahr bis Weihnachten vor<\/p>\n<p>  Foto:\u2002Stephan Schulz \/ picture alliance \/ dpa  <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Herr Helbig, Sie sagen: Dieses Schuljahr ist nicht mehr zu retten\u2026<\/p>\n<p><strong>Marcel Helbig:<\/strong> Stimmt nicht.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Sondern?<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Es ist in der jetzigen Form nicht mehr zu retten. Mit regul\u00e4ren Zeugnissen und Abschl\u00fcssen im Sommer und mit dem Anspruch, dass alles nach Normalit\u00e4t aussieht. Denn normal ist an den Schulen derzeit gar nichts. Sich das einzureden, w\u00e4re Selbstbetrug.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Ist das nicht ein bisschen hart? Bis kurz vor Weihnachten gab es immerhin regul\u00e4ren Pr\u00e4senzbetrieb, wenn auch unter strengen Hygienevorschriften.<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Wenn wir ehrlich sind, gab es Schulschlie\u00dfungen auch schon in den Wochen davor. Weil einzelne Kinder, einzelne Klassen, ganze Jahrgangsstufen oder sogar komplette Schulen auch schon im Herbst immer wieder in Quarant\u00e4ne gegangen sind. Es gibt etliche Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die seit Ende Oktober oder Anfang November fast nur noch Fernunterricht hatten. Und es gibt, etwa mit Th\u00fcringens Bildungsminister Helmut Holter, einzelne Schulminister, die sagen: Das k\u00f6nnte noch bis Ostern so weitergehen. Das w\u00e4ren dann mindestens f\u00fcnf Monate, in denen kaum Pr\u00e4senzunterricht stattfand. F\u00fcnf Monate!<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das klingt jetzt aber doch so, als h\u00e4tten sie dieses Schuljahr schon abgehakt.<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Nein, denn es gibt eine Chance: Wir sollten das Schuljahr bundesweit bis Weihnachten verl\u00e4ngern. Das geht nat\u00fcrlich nur in einem Kraftakt. Aber dann lie\u00dfe sich ein Langschuljahr einbauen, mit einem zus\u00e4tzlichen halben Jahr, in dem die verlorene Lernzeit hoffentlich wieder aufgeholt werden kann.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Das wirft jede Menge Fragen auf. Zum Beispiel: Wo unterscheidet sich das von der Idee, dass Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler freiwillig das laufende Schuljahr wiederholen, wenn ihnen Stoff fehlt?<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Diese Regelung individualisiert ein kollektives Problem. Und wer kann denn wirklich bewerten, ob es f\u00fcr ein Kind das Beste w\u00e4re, das Schuljahr zu wiederholen? Wenn viele Kinder und Eltern diese Option wahrn\u00e4hmen, was w\u00e4ren die Konsequenzen? Gewachsene Klassenverb\u00e4nde w\u00fcrden auseinandergerissen, Bezugspersonen wie der Klassenlehrer w\u00fcrden wechseln, Kinder w\u00fcrden die Klasse nur wiederholen, weil es die beste Freundin tut, und die Schulnetzplanung w\u00e4re vielerorts vor gro\u00dfe Herausforderungen gestellt. Ein halbes Jahr mehr f\u00fcr alle b\u00f6te dagegen auch allen die Chance, weiter im Klassenverband zu bleiben.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Trotzdem: Man kann doch nicht einfach den jahrzehntealten Rhythmus des Schulsystems auf den Kopf stellen.<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Ein vermeintliches Totschlag-Argument \u2013 aber es zieht nicht. Die deutsche Schulgeschichte ist voll von Verschiebungen der Schuljahre. Da gab es zum Beispiel 1966\/67 in etlichen Bundesl\u00e4ndern zwei Kurzschuljahre, in anderen aber auch ein Langschuljahr, um alle L\u00e4nder auf den Schulbeginn im August umzustellen. West-Berlin hatte in der Folge bis 1976 zwei Zeitsysteme nebeneinander \u2013 und aus den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern zumindest des Langschuljahrs ist trotzdem was geworden. \u00dcber die Schwierigkeiten, die sich aus der Einf\u00fchrung von Kurzschuljahren f\u00fcr die Betroffenen ergeben haben, hat auch der SPIEGEL schon berichtet. Und es gibt auch ein ganz aktuelles Beispiel: In Rheinland-Pfalz machen die Jugendlichen schon seit Jahren nach zw\u00f6lfeinhalb Schuljahren ihr Abitur. F\u00fcr das Argument \u00bbgeht nicht\u00ab finden sich also ziemlich viele Gegenargumente.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Aber was ist mit den anschlie\u00dfenden Bildungsabschnitten \u2013 der Ausbildung und dem Studium?<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Die m\u00fcssten, wenn wir das laufende Schuljahr bis Dezember verl\u00e4ngern, nat\u00fcrlich ihren Ausbildungsbeginn erst einmal anpassen. Danach k\u00f6nnte man entweder sanft innerhalb von ein paar Jahren zum alten Zeitschema zur\u00fcckkehren. Oder man bleibt dauerhaft dabei, dass Einschulung, Ausbildung und Studienstart mit dem Kalenderjahr beziehungsweise dem Sommersemester beginnen.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Dennoch m\u00fcssten unz\u00e4hlige Bestimmungen ge\u00e4ndert werden: Gesetze im Bund, in den 16 L\u00e4ndern, Bestimmungen etwa der Handwerkskammern und zus\u00e4tzlich noch die Routinen in den beteiligten Einrichtungen und Organisationen. Und alle m\u00fcssten sich einig sein \u00fcber die Verschiebung. Tr\u00e4umen Sie da nicht zu viel?<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Es stimmt, das w\u00e4re ein Kraftakt. Aber einer, der sich lohnen k\u00f6nnte. Und es w\u00e4re zumindest ein gangbarer Weg \u2013 \u00fcber den wir dringend diskutieren m\u00fcssen, wenn ich h\u00f6re, dass Lehrkr\u00e4fte dar\u00fcber klagen, wie ihnen die Kinder abhandenkommen; dass Familien nicht mehr wissen, wie sie den Ersatzunterricht zu Hause gestalten und ihre Kinder motivieren k\u00f6nnen; dass l\u00e4ngst massive Kompetenzverluste bei den Kindern zu beobachten sind. Wie wollen Sie denn beispielsweise einem Erstkl\u00e4ssler in der derzeitigen Situation solide Schreib- und Lesekenntnisse beibringen?<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Und wenn man die Schulen schnell wieder \u00f6ffnet?<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Ganz unabh\u00e4ngig davon, ob das vom Infektionsschutz her \u00fcberhaupt sinnvoll w\u00e4re: Wir reden doch jetzt schon von mehreren Monaten Pr\u00e4senzunterricht, die fehlen. Und es werden voraussichtlich noch etliche Wochen dazu kommen. Die fehlende Diskussion \u00fcber die Frage, wie es mittel- und langfristig weitergeht, ist fahrl\u00e4ssig.<\/p>\n<p><strong>SPIEGEL:<\/strong> Dann k\u00f6nnte man doch die Lehrpl\u00e4ne entr\u00fcmpeln \u2013 das w\u00e4re ein gangbarer Weg, ohne gleich das ganze Zeitgef\u00fcge infrage zu stellen.<\/p>\n<p><strong>Helbig:<\/strong> Vergessen Sie&#039;s. Erinnern Sie sich an die Debatten \u00fcber die Einf\u00fchrung von G8 in den westdeutschen Bundesl\u00e4ndern? Auch damals haben alle versprochen, dass die Lehrpl\u00e4ne verschlankt werden. Aber die ganzen Besitzstandswahrer konnten sich nicht einigen, die Stundenpl\u00e4ne wurden enorm verdichtet, der Widerstand der Eltern hat das Ganze schlie\u00dflich zum Scheitern gebracht. Die Idee einer radikalen Entr\u00fcmpelung des Lernstoffs hat schon damals nicht geklappt. Ich bin mir sicher: Das wird auch diesmal nichts.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern \u00bbNormal ist an den Schulen derzeit gar nichts\u00ab, sagt der Bildungsforscher Marcel Helbig und schl\u00e4gt ein Langschuljahr bis Weihnachten vor Foto:\u2002Stephan Schulz \/ picture alliance \/ dpa SPIEGEL:<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5789,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5788","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5788"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5788\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}