{"id":574,"date":"2020-06-19T18:29:56","date_gmt":"2020-06-19T15:29:56","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/worum-es-im-wirecard-skandal-geht\/"},"modified":"2020-06-19T18:29:56","modified_gmt":"2020-06-19T15:29:56","slug":"worum-es-im-wirecard-skandal-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/worum-es-im-wirecard-skandal-geht\/","title":{"rendered":"Worum es im Wirecard-Skandal geht"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/3b34bc3d-a18d-4a7f-a0ac-9736a12e705f_w948_r1.77_fpx36_fpy29.jpg\" title=\"Markus Braun, seit Freitagnachmittag Ex-Vorstandschef von Wirecard\" alt=\"Markus Braun, seit Freitagnachmittag Ex-Vorstandschef von Wirecard\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Markus Braun, seit Freitagnachmittag Ex-Vorstandschef von Wirecard<\/p>\n<p>Peter Kneffel\/ dpa<\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Was ist passiert?<\/h3>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte der Donnerstag dieser Woche f\u00fcr Wirecard der Tag des Befreiungsschlags sein sollen: Der Zahlungsverkehrsdienstleister aus Aschheim bei M\u00fcnchen, seit Herbst 2018 Mitglied im wichtigsten deutschen Aktienindex Dax, steht seit Jahren im Verdacht, seine Bilanzen zu frisieren sowie Deals und Gesch\u00e4ftspartner vorzut\u00e4uschen. Nachdem ein Sondergutachten der Wirtschaftspr\u00fcfer von KPMG zwar ungeheuerliche Aufsichtsm\u00e4ngel im Konzern festgestellt hat, andererseits aber nicht stichhaltig belegen konnte, dass an den Vorw\u00fcrfen gegen Wirecard etwas dran ist, h\u00e4tte das Unternehmen am Donnerstag eigentlich seine Bilanz f\u00fcr 2019 vorlegen sollen. Deren Pr\u00e4sentation war wegen des KPMG-Gutachtens mehrfach verschoben worden.<\/p>\n<p>Als die Finanzwelt sich also am Morgen der lang erwarteten Bilanz widmen wollte, die alles kl\u00e4ren sollte, teilte das Unternehmen pl\u00f6tzlich mit, dass es dazu nicht kommen werde, weil der Bilanzpr\u00fcfer EY den Nachweis \u00fcber angebliche Bankguthaben von 1,9 Milliarden Euro vermisse und den Gesch\u00e4ftsbericht daher nicht testieren k\u00f6nne. Es folgte ein historischer Absturz der Wirecard-Aktie um mehr als 60 Prozent, der sich am Freitag fortsetze &#8211; sowie ein Totalschaden f\u00fcr den Finanzplatz Deutschland.<\/p>\n<p>Wirecard selbst sieht sich als Opfer und hat Anzeige gegen unbekannt gestellt. Die F\u00fchrung des Konzerns geht davon aus, wom\u00f6glich um eben jene verschwundenen 1,9 Milliarden Euro betrogen worden zu sein.<\/p>\n<p>Doch auch intern kracht es gewaltig. Am Donnerstag wurde zun\u00e4chst Jan Marsalek, einer der vier Vorst\u00e4nde des Unternehmens, freigestellt. Am Freitag verk\u00fcndete dann der langj\u00e4hrige Konzernchef Markus Braun seinen sofortigen R\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Unterdessen meldeten sich zwei philippinische Banken zu Wort, bei denen Wirecard Berichten zufolge die fraglichen Treuhandkonten unterhalten soll, auf denen die 1,9 Milliarden Euro fehlen. &quot;Wirecard ist kein Kunde von uns&quot;, erkl\u00e4rten die BDO Unibank und die Bank of the Philippine Islands (BPI) in zwei getrennten Mitteilungen. Dokumente, die externe Pr\u00fcfer von Wirecard vorgelegt h\u00e4tten, seien gef\u00e4lscht, erkl\u00e4rte BPI. Man werde den Fall weiter untersuchen. BDO teilte mit, Papiere, die ein Konto von Wirecard bei der Bank best\u00e4tigen sollten, tr\u00fcgen gef\u00e4lschte Unterschriften von Bankenvertretern.<\/p>\n<h3>Was droht dem Unternehmen jetzt?<\/h3>\n<p>Wirecard selbst hat am Donnerstag mitgeteilt, dass an diesem Freitag Kredite in H\u00f6he von rund zwei Milliarden Euro gek\u00fcndigt werden k\u00f6nnten, sollte EY nicht im Laufe des Tages doch noch den Jahresabschluss testieren. Das ist eine ungew\u00f6hnlich transparente Ansage des f\u00fcr seine Intransparenz bekannten Konzerns. Hintergrund k\u00f6nnten Klauseln in den Kreditvertr\u00e4gen sein, die die Banken dazu zwingen, Darlehen zur\u00fcckzuverlangen, sofern ein Unternehmen keine testierte Bilanz vorlegt.<\/p>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass mit den zwei Milliarden Euro nicht der tats\u00e4chliche Umfang der Kredite an Wirecard gemeint ist, sondern die H\u00f6he der sogenannten Kreditlinie, bis zu der Wirecard Darlehen aufnehmen kann. Anders ausgedr\u00fcckt: Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das Kreditvolumen etwas geringer ist als zwei Milliarden Euro. Vor einiger Zeit hat das Unternehmen eine Anleihe ausgegeben und mit dem japanischen Investor Softbank eine Kooperation beschlossen; beides hat ihm frische Liquidit\u00e4t verschafft.<\/p>\n<p>Experten sch\u00e4tzen, dass es um 900 Millionen Euro Kredit geht, der sich auf etwa 15 Banken verteilt. F\u00fcr jede einzelne Bank betrachtet, w\u00e4re ein Kreditausfall wohl verkraftbar. Andererseits w\u00fcrde eine K\u00fcndigung aller Kredite Wirecard vermutlich direkt in die Insolvenz treiben, das Geld w\u00e4re f\u00fcr die Banken weitgehend verloren. Um das zu verhindern, k\u00f6nnten sie die Klauseln in den Kreditvertr\u00e4gen aussetzen beziehungsweise mehr Sicherheiten verlangen und die Kredite weiterlaufen lassen. Es w\u00e4re aber auch nur eine Hoffnung darauf, dass die vermissten 1,9 Milliarden Euro wieder auftauchen, Wirecards Gesch\u00e4ft weitergeht und das Unternehmen seine Kredite bedient. F\u00fcr die langfristige Zusammenarbeit mit den Banken ist das alles aber ein Menetekel.<\/p>\n<p>Wirecard teilte am Freitag mit, man befinde sich in konstruktiven Gespr\u00e4chen mit den kreditgebenden Banken hinsichtlich der Fortf\u00fchrung der Kreditlinien und der weiteren Gesch\u00e4ftsbeziehung.<\/p>\n<p>Sichtbarstes Zeichen daf\u00fcr, wie gef\u00e4hrlich die Situation f\u00fcr Wirecard ist, ist der Absturz der k\u00fcrzlich ausgegebenen Wirecard-Anleihe. Sie notiert inzwischen bei weniger der H\u00e4lfte ihres Nennwerts &#8211; und damit niedriger als zum Beispiel eine Dollar-Anleihe des Krisenlandes Venezuela.<\/p>\n<h3>Fliegt Wirecard aus dem Dax?<\/h3>\n<p>Das kann passieren, ist aber kurzfristig eher unwahrscheinlich. Die Kriterien f\u00fcr die Mitgliedschaft im Dax sind eindeutig: Ein Unternehmen muss den Dax verlassen, wenn es zum regul\u00e4ren \u00dcberpr\u00fcfungstermin &#8211; der n\u00e4chste ist im September &#8211; nicht mehr zu den Top-40-Konzernen hinsichtlich B\u00f6rsenwert und Aktienhandelsumsatz geh\u00f6rt. Wirecard schaffte Stand Donnerstagabend noch beide Kriterien, vor allem den Handelsumsatz. Geh\u00f6rt ein Unternehmen nicht einmal mehr zu den besten 45 Unternehmen, kann die Deutsche B\u00f6rse das Unternehmen auch sofort rausschmei\u00dfen. Voraussetzung ist, dass es einen Nachr\u00fccker gibt, der in beiden Kategorien mindestens auf Platz 35 kommt. Chancen h\u00e4tten derzeit Zalando, Delivery Hero und Symrise.<\/p>\n<h3>Droht Wirecard eine Klagewelle?<\/h3>\n<p>Davon kann man ausgehen. Die Fondsgesellschaften DWS und Union Investment, die ihre Beteiligung inzwischen reduziert haben, haben bereits angek\u00fcndigt, rechtliche Konsequenzen zu pr\u00fcfen. Zahlreiche Kl\u00e4geranw\u00e4lte und Aktion\u00e4rssch\u00fctzer, die kleinere Anteilseigner vertreten, d\u00fcrften folgen. Die Kanzlei Tilp hat bereits eine Musterklage eingereicht.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Markus Braun, seit Freitagnachmittag Ex-Vorstandschef von Wirecard Peter Kneffel\/ dpa Was ist passiert? 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